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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-05-02 · N° 18. (2.5.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 18. (2.5.1889)
Date
1889-05-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M18♦ Jüdisehes Litteratur Jahrg, XV!II. Blatt. Ztr Belearhttax »Iler Jcdeathain and Jidei betreffende■ Iltter»rl״<*hen Er• icheinnnxen auf dem Gebiete der Philo• ■ophie, Geachlrhte, Ethnographie, Theo• oicie, Orleotalla, Execese, HomHetU. Mtarfflk «. Pidwoeik. Herausgegeben von Rabbiner l>r. Moritz Rahmer. 0t£.ac^6 UtCJ,, 2. 0T£.ai 1889. Richer der elischligigea tltteraUr,welch der Kedact.011 xBre*aadt werde■, Heden in dieNem Blatte eingehende Resprechvne Bei Einnendnn■ von mei Becenslom• Exemplaren erfolxt einmalige kunte GratiK-Innertion. Das indische Lltteratar-Blatt“ erscheint■ wöchentlich in eine׳n halben Hegen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert. Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift‘‘, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ,1 udischo Littetatur-Blatt־‘ gratis. — Inserate werden mit 26 Pf. tür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Buchhändler u. Lehrer, welche-direct oder durch Robert Friese Inserate eiusendeu, erhalten 25 )i Rabatt. 11111 n 11: I Wissenschaftliche Aufsätze: Die Secte der Sabbatarianer ן in Süd-l'ngarn. — Geber die Geschichte Walthers von der; Vogelweide. Von Dr. S. Geibhaus, Rabbiner zu Nordbansen Litteraturbericht: Recensionen: Weinsberg, Di■. Leop.: Der Mikrokosmos, ein angeblich im 12. Jahrhundert von dem Cordubenser Josef Ilm Zaddik verfasstes philosophisc.hes System nach seiner Echtheit untersucht. — J 011 in ek, Dr. A. Rede auf Kronprinz Rudolph. — Sor, W., Rabbiner. Reden auf Kronprinz Rudolph. — Singer, J. Am Grabe meiner Mutter. — Inserate Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Die Secte der Sabbatarianer in Süd-Ungarn, (Schluss.) , Simon Pechy sollte sich leider in seinen Er- Wartungen getäuscht sehen. Fürst George Iiakocz I. ermächtigte die Magistratsbeliörden, die Anhänger der Secte gerichtlich zu verfolgen und sogar am Leben zu bestrafen. Der habsüchtige Fürst confiscirte die 72 Dörfer des Pechy und trachtete ihm nach dem Leben. Dieser hatte jedoch schon das Land verlassen, und das Loos der Juden angetreten. In Armuth und Lebensgefahr wanderte er von Land zu Land, bis er j in Constantinopel eine Ruhestätte gefunden und sich! daselbst entschieden und offeu zum Judenthum be-! kannt hatte. Seinen Brüdern schickte er Sendschreiben I und Hirtenbriefe und vor allen anderen Dingen ein j sabbatarianisches Gebetbuch. In seinen polemischen i Commentaren zur Bibel leugnete er das Recht des! Anspruchs Christi auf die Messiaswürde und erklärte, | dass nicht nur der Jude von Geburt, sondern auch der Proselyt dem ״erwählten Volke“ angehöre. Auch ' brachte er mehrere Psalmen in gereimte Verse, während I er andere aus dem Gebetbuche der Unitarier entnahm. Sein Gebetbuch ist übrigeus eine genaue Copie des portugiesischen; da ein solches nur in Constantinopel zu erlangen war, so ist dessen Ursprung hinreichend nachgewiesen. Es wäre sonst auch ein Räthsel, wie ein tran sy 1 vanis ches Volk, mitten unter deutsehen Juden (Aschkenasim) lebend, zu dem portugiesischen Ritus gekommen sein konnte. Gejagt und verfolgt verheimlichten die Anhänger der Secte anfangs ihre Religionsanschauung, besuchten zum Schein die Kirche, obschon sie die Theilnahme am Abendmahl zu umgehen wussten, besonders am Osterfeste, wo sie die Hostien unbemerkt wieder aus• ' spuckten. Nichts konnte sie dagegen veranlassen, am 1 Sabbath zu arbeiten oder Feuer auzurühreu. Sobald im! Osten der erste Stern sichtbar wurde, hörte alle Arbeit 1 auf, brannte kein Licht mehr in dem Wohnzimmer, sondern nur in einem besonderen Ausbau oder Alcoven, 1 welcher uach Osten gerichtet war, Einige der Sabbathpsalmen bezogen sich ausschliesslich auf die Heilighaltung dieses Tages, z. B. (frei nach dem Englischen): Den Sabbath musst du heilig halten, Wie es thaten einst die Alten, l'nd wie in lern entlegner Zeit Feiern wir den Sabbath heut’. Setz nicht den Sonntag für ihn ein, Der dein Leben nicht kann vveilfn; Den Sabbathtag allein, den hehren, Halte heilig, hoch in Ehren 1 Der Redner hält dafür, dass viele ihrer vermeintliehen Originalgebete Ueber°etzungen alter hebräischer Gebete sind. Einen schönen Lobgesang, der dem Tischgebete folgt, erkannte er als eine Uebersetzung des צור מינזלו אכלני. Die Sabbatarianer haben auch eine Art Sambationsage und meinen, dass die Natur selbst uns schon ein Beispiel der strengen Sabbathruhe giebt. Mehr als einen Kampf hatten sie zu be* stehen, um den Sabbath halten zu können. Oft mussten sie durch List sich von der Arbeit zu befreien suchen, welche Ihnen für den Sabbath von der Geistlichkeit und den Behörden aufgebürdet wurde. Wie den Sabbath, hielten sie auch alle übrigen jüdischen Feste, besonders den Versöhnungstag. Ein neugeborenes Kind erhielt erst einen jüdischen Namen, bevor man es in die Kirche trug; dann wurde jede Spur der christlich-kirchlichen Ceremonie sorgfähig weggewischt. Ein Brautpaar wurde in der Kirche getraut, und dann wiederholt zu Hause unter einer Chuppah (Baldachin). Das geistliche Oberhaupt wurde oft gewechselt, um nicht so leicht entdeckt zu werden. Ein Leichnam wurde erst nach jüdischem Ritus gewaschen und bekleidet, ehe man von dem Ableben der Geistlichkeit Anzeige machte. Sie haben nach dem Buche חבוט הקבר den Glauben, dass ein Engel das Grab öflnet und den Todten nach seinem Namen fragt, dessen sich dieser aber nur daun wieder erinnert, wenn er rein ist. Kanu er dieses nicht, so erhält er einen fürchterlichen Schlag und wird verurtheilt, auf der Erde herumzu wandern. Solche schreckliche Gespenstergeschichten spukten in dem Geiste der alten Sabbatarianer und bildeten einen schwachen Rellex. des mystischen Glaubens der Cabbalisten an die Seelenwanderung. Sie glaubten ferner an böse Geister und an die Kraft eines in der Leidenschaft ausgestossenen Fluches. Sie heiratheten in ihrer eigenen Secte und nahmen nur selten einen Proselyten in dieselbe auf. Eine Christin, welche mit einem Sabbatarianer verheirathet war, durfte denselben freiwillig verlassen, wenn sie einen furchtbaren Eid schwur, nie zu offenbaren, was sie gesehen hatte. Das äusserliche Gewand des Uuitananismus oder der griechischen

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