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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-04-25 · N° 17. (25.4.1889) · p. Seite 66

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 17. (25.4.1889)
Date
1889-04-25
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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heraus. Dieser folgte 184.'! eine zweite Ausgabe, die sich nur unwesentlich von der ersten unterscheidet. Lachmanns Text erschien noch ausserdem in drei Ausgaben, die von Haupt und Müllenhof besorgt wurden. Franz Pfeifer edirte 1864 die Gedichte Walthers, in welchen er eine von der Lachmannschen abweichenden Ordnung traf. Er versah sie mit einem paraphrasirenden Commentar, mit Inhaltsangaben und Ueberschriften. 1869 gab W. Wilmanns die Gedichte aufs Neue mit Erklärungen heraus. Diese Edition weicht in der Liedergruppirung von den beiden vorigen ab. Willibald Leo fasste in einer Schrift, ״Die gesummte Litteratur Walthers v. d. Vogelweide“ fast alles, was über diesen Dichter bis 1880 geschrieben wurde, zusammen. 1882 erschien ״Leben und Dichten Walthers von der Vogel weide“ von W. Wilmanns. In diesem Buche verbreitet sich der Verfasser ausführlich über alle Walther betreffenden Fragen. In der altdeutschen Textblibliothek erschienen 1882 ״Die Gedichte Walthers von der Vogel weide“ von H. Paul, die mit einem Wörterbuch versehen sind. Walther, obwohl ritterlichen Standes, war Dichter von Beruf; er diente mehreren Fürsten und lernte Welt und Leben betrachten. Seine Gedichte stehen auf dem Bildungsniveau seiner Zeit, jedoch ist es schwer den Grad seiner Kenntnisse zu bezeichnen. ״Es ist nicht wahrscheinlich sagt H. Paul in seiner Ausgabe S. 3, dass er schulmässig in der Gelehrsamkeit der Zeit unterrichtet ist. Es kann sein, dass er nicht einmal Lesen und Schreiben gelernt hat. Die paar lateinischen Brocken, die bei ihm Vorkommen und die theologische Gelehrsamkeit seiner religiösen Dichtungen waren Gemeingut, das man sich auch ohne Schule aneignen konnte. ״Schon seine berufsmässige Thätigkeit durch geistreiche Lieder die Grossen zu unterhalten, hat ihn darauf hingewiesen, mit Gedanken und Ideen der bekannten Schriften sich vertraut zu machen, um aus ihnen Anregung für seine Muse zu gewinnen. Aber auch seine Wanderungen und Streifzüge durch viele Länder mögen ihm Gelegenheit gegeben haben, auch den Inhalt weniger bekannter Litteraturzweige kennen zu lernen und zu betrachten. ״Ich habe beobachtet von der Save bis zur Mur und von dem Po bis zur Drau kenne ich die Lebensweise der Menschen“, sagt er selber von sich. (31, 12. 13.) Wir finden bei ihm nicht nur Kenntniss der neutestamentlichen Schriften, sondern auch genauere Bekanntschaft mit dem alten Testament. Ja wir begegnen sogar in seinen Schriften einigen Aussprüchen, zu welchen sich in der rabbinischen Litteratur Parallelen finden. Die beiden letzteren mochte er, wie andere seiner Standesgenossen, theils durch die Kirche, theils durch jüdische Proselyten, oder auch durch direkte Berührung mit jüdischen Kreisen kennen gelernt haben. Dass er die Juden in den Kreis seiner Betrachtung gezogen hat, beweist der Umstand, dass er in seinen Gedichten sieben Mal sie ausdrücklich nennt, und zwar: S. 11, Z. 19: do versuohten in die juden ie. 37 ״ ,15 ״: do huob sich der juden leit. 29 ״ ,16 ״: Kristen, juden und die heiden. 27 ״ ,21״: ein ieglich kristen, juden unde heiden. 16 ״ ,22 ״: im dienent kristen, juden, heiden. 20 ״ ,77״: der ouch die juden villet. 29 ״ ,100 ״: ich wulfc e zeinem juden borgen. (Fortsetzung folgt.) Die Secte der Sabbatarianer in Süd-Ungarn. Ueber obiges Thema hielt Herr Dr. Gaster in London am Sonntag Abend, den 24. März im Jew’s College einen Vortrag, aus welchem wir nach dem ״ Jewish Chronicle“ und ״Jewish Standard“*) das Inte׳ ressanteste im Folgenden unsern Lesern mittheilen: Der Redner ersuchte einleitend die Zuhörer, ihm auf einem Abenteuer zu folgen, welches eher für einen mittelalterlichen Roman als für eine Erzählung aus der Wirklichkeit gelten könnte. Indem er an einige Sagen über die verlorenen 10 Stämme anknüpfte, sagte er, dass er selbst auf die Suche nach einer unbekaunten Bevölkerung ausgegangen sei, einem Volke nämlich, welches vom Christenthum zum Judenthum übergetreteu war. Was er von diesem fremdartigen Volke gehört, klinge zu romanhaft und so habe er denn, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, vor 2 Jahren sich bemüht, diese neuen Juden aufzufinden, die zwar nicht unseres Stammes, aber unseres Geistes und Glaubens sind. Was er selbst wahrgenommen und aus fragmentarischen Erzählungen direct aus dem Munde einer oder zweier Heldinnen der neuen Secte gehört, das wollte er berichten. Tief, sehr tief in Ungarn hinein erstreckt sich die Pussta, weder von einem Baume, noch von einer menschlichen Wohnung unterbrochen. Nach Osten hin jedoch, in der Richtung nach Transylvanien, ändert sich die Scenerie. Tiefe Thäler wechseln mit hohen Gebirgen ab, welche sich mehr uud mehr zum Himmel erheben und die majestätischen Karpathen zeigen sich unsern Blicken. Hier siedelte sich im 9. Jahrhundert der älteste Stamm der ungarischen Nation an, die Szekler, ursprünglich mit den Hazaren verwandt. Nach dem Falle des Hazarenreiches hatten viele derselben hier mit denSzeklern eine Heimath gefunden. Ihre Ansiedelungen lagen in den Thälern Transylvaniens so isolirt von einander und von der übrigen Welt, dass die alten Gewohnheiten und Sitten und die älteste Form der ungarischen Sprache sich unter ihnen erhielten. In einem ihrer Dörfer, B 0 z o d, befindet sich die kleine Colonie der Szekler, welche jetzt Juden sind. Als Bauern bewirthschaften sie ihre eigenen Ländereien. Alles, so weit der Blick reicht, war einst ihr Eigenthum: ״die sonnigen Hügel, die rebenbeschatteten Weinberge, die dunkeln Wälder, die grünen Wiesen und die goldenen Felder.“ Traurig ist die Geschichte des Martyrerthums ihrer Voreltern; doch heute soll uns nur die Geschichte der jüngsten Nachkommen dieser Märtyrer beschäftigen. Der ungarischen Sprache nicht mächtig, hatte Herr Dr. Gaster sich einen Führer genommen und zwar einen jungen Glaubensgenossen, Namens Kreusz aus Kronstadt, welcher echt jüdischen Sinn mit der erforderlichen Sympathie verband und damit einverstanden war, einen kleinen Ausflug in die Berge zu machen. Es war eine mühselige Reise von 2 Tagen in der brennenden Sonnenhitze des Ostens, während welcher die Reisenden knietief und fast bis zum Ersticken auf einem mit Staub bedeckten Wege sich fortbewegen mussten, oft von Baumzweigen, welohe sie zu durchbrechen hatten, ins Gesicht getroffen. Endlich erreichten sie ihr Ziel, jedoch bis zum letzten Augenblick ungewiss, ob sie nicht einer Fata morgana nachjagten, da von der Existenz einer jüdischen Colonie nur wenig bekannt war und nur vage Gerüchte ihnen irgendwelchen unbestimmten Anhalt bieten konnten. Wie in der Sage vom Sambation war dieser Volksstamm durch einen Fluss von der übrigen Welt getrennt. Als sie bei demselben ankamen, war er angeschwollen und hatte die einzige über denselben führende Brücke hinweggesohwemmt, so dass die Üeberschreitung desselben mit grossen Gefahren verbunden war. Die erste Frage des Doctors *) Uebersetzt von unseren geschätzten Mitarbeiter Herrn L. Cohen in Rees.

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