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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-04-25 · N° 17. (25.4.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 17. (25.4.1889)
Date
1889-04-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Abonnenten der .Israelitischen Wochensehritt“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 4 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteiatur-Blatt“ gratis. laserate werden mit 26 Pf. tür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Buchh&ndler u. Lehrer, welche direct oder durch Bobert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 X Rabatt. Inhalt: Wissenschatt liehe Aufsätze: lieber die Geschichte Waltliers von der Vogel weide. Von Dr. S. Geibhaus, Habbiner zu Nordhausen — Die Secte der Sabbatarianer in Süd-l'ngarn. Litteraturbericht: Becension: The Narrative ot the Holv llible. Litterarische Notizen. י , Inserate Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Ueber die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Von Dr. S. Gelbhaus, Rabbiner zu Nordhausen. Die Lieder Walthers von der Vogelweide gehören zu den schönsten Bliithen der mittelhochdeutschen Dichtung. In ihnen kommt das Streben, Wünschen und Sehnen ihrer Zeit zum edelsten Ausdruck. Ihre Entstehuugszeit umfasst einen Zeitraum von ungefähr vierzig Jahren, etwa von 1189 bis 1229. Ihr Inhalt erfreute und ergötzte die Besten und Edelsten ihrer Zeit; sie gingen von Mund zu Mund und erklangen in Königsresidenzen, in Herzogsschlössern und in Ritterburgen. Ja, sie bildeten nicht nur einen Gegenstand der Unterhaltung und Zerstreuung, sondern sie waren ein wichtiger Faktor des öffentlichen und privaten Lebens. Denn ihr Verfasser fand Zutritt zu den Grossen des Reiches, war hochgeachtet von mächtigen Fürsten, und sein Rath wurde selbst von deutschen Königen und Kaisern gehört. So bedeutend die Wirkung dieser Lieder auch war, so war doch ihr Dichter nicht der Erfinder der Dichtungsart. Walther von der Vogelweide hatte bereits Vorgänger von berühmten Namen und grossem Ansehen, welche dieselbe Poesiegattung zu einem hohen Grad der Vollkommenheit krachten. Heinrich von Veldeke, , der aus der Gegend des Niederrheins stammte, ist der Vater des edleren Versbaues, und des kunstmassigen Reims in der mittelhochdeutschen Litteratur. Friedrich von Hausen, ein Pfälzer, dichtete Lieder, welche die Angelegenheiten des menschlichen Herzens zu ihren Gegenständen haben, die er mit religiösen Motiven in Berührung bringt. Reinnar, zum Unterschiede von Reinnar von Zweten, der Alte genannt, von dem Walther am Hofe der Babenberger Herzoge zu Wien, singen und dichten lernte, war als Minnedichter gefeiert, von Gottfried von Strassburg mit der singenden Nachtigall verglichen und nach seinem, Tode von Walther mit den Worten: ״mich schmerzt dein wohl redender Mund und dein überaus süsser Gesang“ (83,9) aufs tiefste beklagt. Der Ritter von Kürenberg ist einer der bedeutendsten Lyriker, dessen Lieder in fünfzehn Strophen erhalten sind, und der auch von Manchen für den Verfasser des Nibelungenliedes gehalten wurde. Allein Walther hat die Stoffe, 1 die auch seine Vorgänger behandelten, als ein einziges Stoffgebiet zusammengefasst; seine Poesie umspannt alle Gegenstände der Dichtung, das Epos ausgenommen, in ihrem damaligen Umfange. Ja, von einer Gattung j derselben ist er, vielleicht von einigen bis jetzt unbe- I kannten Vorbildern abgesehen, der alleinige Erfinder; I denn Walther ist es, der das politische Lied in die i deutsche Dichtung eingeführt und es zu einer Voll- 1 kommenheit und Bedeutung gebracht hat, die es nach ihm nioht erreichte. Er vertiefte die Gedanken und das Gefühlsleben und verlieh seinen Liedern durch den Schmelz einer innigen Sprache einen Glanz und einen Zauber, der bis dahin in der deutschen Dichtung unbekannt war. Kein Wunder wenn der Name dieses Dichters im zwölften und dreizehnten Jahrhundert einen ungewohnlich lieblichen Klang besass und dass seine Dichtungen auf die Gemüther eine ausserordentliche Anziehungskraft ausübten. Aber selbst nachdem die mittelhochdeutsche Litteratur der Vergessenheit auheimfiel, war das Schicksal der Waltherschen Lieder ein verhältnissmässig günstigeres, als das anderer Minnedichtungen; denn schon der Schweizer Chronist Johann Stumpf (1500 — 1560) gedenkt rühmend des Namens Walthers, den er einen frommen, biderben nothhafteu Ritter an Kaiser Philipps Hofe nennt. Melchior Goldast (geb. 1570), der die Dichtungen der Minnesänger kannte und liebte, beschäftigte sich auch mit Walther von der Vogelweide, und nennt ihn, da ihn die Sentenzen, die sich in den Liedern finden, sehr anzogen, ״optimus vitiorum censor ac morum castigator acerriinus“ (Paraeneticarum veterum I. 1004.) C. Boffmann von Hoffmannswadau, erwähnt in Amaryllis und Myrtillo (Breslau 1079) unsern Dichter und nennt zwei Anfänge seiner Lieder. Bodmer und Breitiuger veranstalteten 1758 eine Ausgabe von Minnesingern aus dem schwäbischen Zeitpunkt, unter diesen befinden sich auch die Gedichte Walthers. Im Jahre 1822 erschien Uhlands ״Walther von der Vogel weide, ein altdeutscher Dichter“. Dieses Buch ist die erste wichtige Monographie, welche eingehend Walthors Dichtungen zu erforschen sucht. Im Jahre 1827 gab Karl Lachmaun ״Die Gedichte Walthers von der Vogelweide.“ in einer mit einem kritisch-wissen- _ schaftlichen Apparat versehenen, besondern Edition

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