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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-04-12 · N° 15-16. (12.4.1889) · p. Seite 61

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 15-16. (12.4.1889)
Date
1889-04-12
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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61 viel freier und reicher im Gemiithe unser Judenthum ist als die machtvolle, reichgeschmückte von Kunst und Schönheit strahlende Kirche. Wir können die Lektüre dieses Buckes nur aufs Wärmste empfehlen; wir haben uns nicht darauf eingelassen, eine ästhetische Würdigung dieses nahezu neunhundert Seiten starken Werkes zu geben; die Skizze, welche wir hier gegeben haben, soll dazu anregen, das gedankenschwere und spannende Werk zur Hand zu nehmen, das uns um so theurer ist, als es von einem unparteiischen Manne kommt. Wir wollen nicht prüfen, ob der Geist der Kirche wirklich so wild und grausam und menschenfeindlich ist, wie es hier geschildert wird; aber wir freuen uns, dass ein Dichter, der seinen Beruf so hoch und heilig auffasst, auch vom Judenthum des Ghetto würdige und edle Anschauungen hegt und verbreitet. Arier und Semiten oder die Einheit des Menschengeschlechts. (Schlues.) Die Juden sind in Palästina eingewandert, also kein eingeborenes Ursprungsvolk dieses Landes. Isaak und dessen Söhne, Esau und Jakob, waren zwar dort geboren, aber der erste Stammvater, Abraham, war aus Mesopotamien, einem nördlichen Hochlande eingewandert, und Jakob’s Kinder waren ebenfalls hier geboren, stammten demnach aus Armenien und waren Arier (Hochländer). Die Wanderung trieb Jakob und seine Kinder wieder nach Süden, wie die meisten Nord- und Hochländer; sie kamen nach Palästina, zogen nach Egypten, wanderten wieder nach Palästina zurück, ver- Hessen aber auch Palästina wieder und wanderten nach den übrigen Welttheilen und Ländern. Die wandernden Juden kamen uicht als Eroberer, aber die anderen, starken und gewaltthätigen Nordländer, welche als Eroberer kamen, waren gefürchtet; Römer und Juden hatten daher das Sprichwort: Von Norden kommt Unglück.*) In Palästina fanden die JuJen Amoriter (Amor, Aemor) vor; auch diese waren nicht ursprünglich im Lande, sondern vom nördlichen Hochgebirge in gleicher Weise wie die Juden eingewaudert. Sie gehörten also auch zu den Ariern (Hochländern). Amir heisst ״Wipfel, Gipfel“, ebenso ״Hochgestellter, Fürst“ (Emir); Amor (Amoriter) heisst demnach ״hochgewachsen, riesig,“ wie auch ״Hochgebirgler“. Die Amoriter unterscheiden sich durch Gesichtstypus und Kürpergestalt auch ausser- Uch von den Kanaanitern; die Farbe ihrer Haut, wie ihres Haupthaares war roth, blond, und die Farbe ihrer Augen blau. So werden sie in biblischen Quellen geschildert und in egyptischen Abbildungen dargestellt, also unterschieden und abweichend von Kanaanitern und Juden. Sie traten auch in ganz Kanaan erobernd auf und wohnten im Norden und Süden, wie im Osten und Westen des Landes. Den Kundschaftern, welche Moses von der Grenze aus ins Land sandte, fiel die abweichende, hohe und riesige Körpcrgestalt der Arnoriter sofort auf; ihr König Og mass 9 Ellen (Fuss). Auch im Lande selbst galten die Amoriter als Riesen und wurden von den Ureinwohnern, welche die eingewanderten Eroberer staunend und furchtsam ansahen, Auakiten, eigentlich Ganachiten genannt (Anfangsbuchstabe von Auak ist das gutturale gh oder rgh der Semiten) d. h. die ״Gestreckten, Gereckten“, wovon das deutsohe ״Recke“. Der oben erwähnte Og eigentlieh Ghog, Ghnog(k) heisst auch der ״Gereckte“ (Recke, Riese). Diese Anakiten (Ganachiten) dehnten ihre Wanderungen und Eroberungen noch weiter aus und gingen über Egypten und Nordaffika bis zu den canarischen Inseln Westafrika’s, wo sie als Guanchen (Gunachen) wieder gefunden werden. Die Amoriter galten, wie den kanaanitischen Ureinwohnern, 80 den eingewanderten Israeliten als Fremde. Fremdartiges und Heidnisches bezeichneten auch die spätem Juden noch als ainoritisch. Darke aemori ״amoritische Sitte“, sagten sie, nicht Darke kenaaui ״kanaanitische Sitte“. Die eingewanderten Israeliten hatten die Üreinwohner des Landes, Philister und Kanaaniter (Phönizier) an die Küste des mittelländischen Meeres gedrängt. Die mächtigeren Amoriter hatten im ganzen Lande Niederlassungen und blieben unter den Israeliten wohnen. Dies veranlasste ebensowohl politische Reibungen und kriegerische Streitigkeiten, wie familiäre Verbindungen und eheliche Mischungen. Indcss ist man nicht genöthigt, um das, vielfach unter den Juden vorkommende, roth-blonde Haar, die blendend weisse Hautfarbe, welche sich gewöhnlich damit verbindet, und das sanfte, blaue Auge zu erklären, zu den Mischehen der frühem und spätem Zeit seine Zuflucht zu nehmen. Die Bibel beriohtet uns ja von Esau, dem Bruder, sogar dem Zwillingsbruder Jakob’s, dass er roth-blond, körperlich stark, behaart und rauh gewesen, im Gegensatz zu dem dunkeln und glatten Jakob Esau führte daher den Namen Edom d. h. der ״Rothe, Blonde“. Wie äusserlich, so waren die Brüder auch innerlich verschieden. Esau war wilder Jägersmann, der täglich in Wald und Feld sich umhertrieb, um Wild zu erlegen, zu kriegerischem Handwerk geneigt und bestimmt. ״Auf dein Schwert gestützt, wirst du dein Leben führen“, sagte der Vater zu seinem Sohne Esau, im Gegensätze zu dem stillfrommen und sanften Jakob, dem er segnend das Haus übergab, um nach der Weisung der Stammväter die Segnungen eines Lebens in Gottesfurcht und Menschenliebe zu pflegen und zu verbreiten (Gen. 27). Aeusserlich wie innerlich waren demnach Esau und Jakob verschieden, und doch Kinder derselben Eltern; die geschilderten typischen Abweichungen des Leibes und Geistes lagen demnach in demselben Stammesblute, und da sich solche Abweichungen in verschiedenen Stämmen befinden, beweisen sie die Einheit des ganzen Menschengeschlechts trotz der Mannigfaltigkeit der Stämme. Sogenannte Rassenunterschiede beweisen demnach durchaus nicht die Abstammung des Menschengeschlechts Y0n verschiedenen Paaren. Auch die neueren Sprachforschungen führen auf eine gemeinschaftliche Ursprache der ersten Menschen zurück, so verschieden und abweichend auch die zahlreichen Sprachen sich gestaltet und ausgebildet haben. Auch das blaue Auge kam in derselben Verwandtschaft vor. Von Leah, der Frau Jakob’s und blutsverwandt, wird gerühmt, dass sie zartiiugig und sanften Blicks war ירי), wie dies den Blauäugigen eigen ist. Es ist das glaukopis (blau-helläugig) des Homer, eine Eigentümlichkeit, die er Athene beilegt. So auoh die Bibel, die an Leah den sanften Blick des blauen Auges, an Rubel die schöne Gestalt und Erscheinung rühmt. (Gen. 29). Esau (Edom) wohnte im Süden Palästina’s, dem Vorsitze der Choriteu (eigentlich Chioziten חורי) d. h. der Weissen, wie er selbst ja auch blond uud weiss war. Ihm benachbart im Südwesten wohnten die ebenfalls blond-weissen Amoriten, welche die Moabiten und Midjauiten aus ihren Wohnsitzen nach den Ufern des todten Meeres gedrängt hatten. Nach Osten konnte sich Esau daher nicht mehr ausdehnen; er breitete sich e מצפוז תפתח הי־דח.

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