Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 15-16. (12.4.1889)
- Date
- 1889-04-12
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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getaufter Jade dort angebracht and Moses forderte ihn auf, diesen zu verflachen. Bald erfahrt die Matter der Myrrha, eben jene Zauberin, Jadaea mit Namen, dass Dahiel ihre Tochter anfsuche, and sie verbietet es ihm; nur wenn er sie zur Gattin erwählen wolle, dürfe er wieder kommen. Dahiel redet davon za seinem Vater, dieser sagt ihm, dass Myrrha die Tochter eines Christen sei; darum dürfe sie niemals die Gattin seines Sohnes werden. In dieser Stimmung eines hoffnungslos liebenden Schwärmers traf er mit dem Franziskaner zusammen; dieser sagt ihm, dass die Juden in alle Ewigkeit verdammt seien, aber wenn Dahiel nicht nur Christ, sondern Priester würde, 80 könne er nioht nur selbst selig werden, er könne als Mönch und Priester durch sein Gebet Myrrha, seine Eltern, Moses, erlösen und auf ewig mit ihnen vereinigt sein. Die Schilderung der ewigen Verdammniss, und der Wahn, er könne die Seinen erlösen, machten auf den jungen Schwärmer, dessen Gemüth durch eine hoffnungslose Liebe zerrüttet war, einen tiefen Eindruck; aus Liebe zu den Seinen nahm er den neuen Glauben au und bereitete er ihnen die Qualen der Hölle auf Erden, nur um ihnen die ewige Seligkeit durch sein Gebet zu gewinnen. In dieser Schwärmerei weist er sogar seine Eltern zurück, die ihn zur Heimkehr mahnen; er thut es ja aus Liebe; er wird Christ, er wird Priester. Da wird der Mönch Angelikus, der einst Dahiel hiess, ohne sein Zuthun Zeuge einer vertraulichen Unterredung, die ihn aus allen Himmeln riss. Denn er erfuhr, dass der Abt, jenen Franziskaner, den Pater Eustachius, nur gesandt hatte, um ihn einzufangen, weil er eine schöne Stimme habe; diese Stimme sollte dem Kloster zum Buhme gereichen; und es sei garnicht wahr, dass er durch sein Gebet die Seinen von der ewigen Verdammniss losbitten könne; nur Christen könnten selig werden. Pater Eustachius, selbst eine reine und edle Natur, der nur mit dem grössten Widerwillen das Werkzeug des Abtes war und eben deswegen einst, als er die liebliche Stimme Dahiels in der Synagoge hörte, daran keine Freude hatte, hatte gelogen, das Kind von den Herzen der Eltern gerissen aus Gehorsam Dahiel erfuhr: Nur wenn die Seinen sich bekehrten, könnten sie selig werden, und um sie zu bekehren, musste er selbst glauben. Pater Eustachius war trotzdem der einzige, den Dahiel im Kloster liebte; aber eines Tages hatte sich dieser, nachdem er noch den Juden eine Bekehrungspredigt gehalten hatte, das Leben genommen und einen Zettel hinterlassen des Inhalts: er habe schon einmal auf Geheiss des Abtes einen Jüngling dem Kloster zugefdhrt, der es nicht ertragen habe, jetzt habe er den Dahiel auf Befehl seines Abtes zum Christenthum bekehrt, um dieser schändlichen Thaten willen, und damit ich nicht zum dritten Mal solch christlichen Gehorsam leisten muss, verurtheile ioh mich selbst zum Tode; ich vollziehe dieses Urtheil an mir, ohne vorher kommunizirt und gebeichtet zu haben, sterbe demnach eines unbussfertigen Todes, also enden möge Jeder, welcher der Kirche Christi Gehorsam leistet, wie ich gethan.“ Dahiel fragt: ״Könnte aaoh ein jüdischer Priester durch seinen Gehorsam gegen Gott dahin kommen, solches thun und dann so daliegen zu müssen.“ Jetzt merkt Dahiel, dass der Gehorsam allein es noch nioht thut, man muss sich das Denken abgewohnen, dazu müsse man sich Jen Körper wund geissein, sich kasteien; er erfuhr, daso das Kloster keineswegs eine Stätte des Friedens ist, sondern, dass alle Sünden und Leidenschaften dort am schlimmsten tosen; er erhält Aufträge, die nichts weniger als fromm waren. Wir wollen, trotzdem die nachfolgenden Kapitel zam Gesammtbild gehören, lieber lückenhaft den Inhalt wiedergeben, als die schlimmen Dinge wiedererzählen, die hier Voss von dem Klosterleben meldet. Dahiel wird von einer Buhlerin geliebt und führt sie zur Sittlichkeit zurück; daran konnte er erkennen, dass nicht die in der Kirche verkündete Liebe die göttliche sei, sondern dass aus einer ganz andern Liebe, aas der rein menschlichen, die Tugenden emporblühea; er führt diese einstige Sünderin in die Ehe mit einem wackern Manne. Da seine Erfahrungen ihn so wenig befriedigten, so überkam ihn die Sehnsucht naoh dem Ghetto und dort hörte er, als er sich an das Haus seines Vaters heranschlich, wie dieser sprach: Und segne, Herr, unsern Sohn Dahiel. Als er am frühen Morgen in seiner Mönohskutte aus dem Ghetto schlüpfte, glaubten die Wächter, er habe eine Liebschaft im Ghetto, aber er fuhr sie zornig an: ״Eine Jüdin würde Jedem, ob Jude oder Christ, ins Gesicht schlagen, der mit einem schamlosen Worte sich zu ihr wendete u 8. w.“ Einmal ging er sogar am lichten Tage am Sabbath in das Gotteshaus der Juden: ein Greis bat ihn, dass er nicht durch seine Gegenwart den Gottesdienst entweihe; er erwiderte mit lauter Stimme: vergebt mir. Dahiel erfährt auch, wie hart die Klosterleute diejenigen bedrücken, die die Klostergüter in Pacht haben, er lernt die allgemeine Verachtung kennen, die die italienische Bevölkerung gegen die Geistlichkeit hegt und vergleicht sie mit der freien Achtung, welche die Juden ihren Rabbinern zollen. Der Mönch schreibt in seinen Bekenntnissen (II. B. 8. 22ü): ,Wiederum musste ich denken, wie bei dem verfluchten und einer ewigen Verdammniss verfallenen Volke der Juden keiu Jude über die Priesterschaft seines Glaubens so urtheilen konnte, wie jener Christ über die Priesterschalt seiner Kirche geurtheilt, dieselbe dadurch verurtheilend, nicht allein die christliche Priesterschatt, sondern mit dieser zugleich die Christliehe Kirche, wie sie von jener geschallen worden; ich musste denken, wie dem verworfenen Stamm der Ebräer sein Gottliebstes, der Tempel, auch wirklich sein Göttlichstes war, wie einem Ebräer jede Nichtachtung dieses Allerheiligsten unmöglieh wäre; und was hatte ich bereits an Verachtung meines geistlichen Gewandes uud meines Kleras erfahren müssen.“ Der Mönch bekennt, dass ihm das Judenthum gleich einem hehren, leuchtenden Bildniss, und das Ghristenthum, wie es die Kirche Christi entstellt und schimpfirt hat, gleich einer Grimasse des Göttlichen erscheine; daraus offenbarte 8ioh ihm die Reinheit dieser und die Entartung jener Religion. ״Der jüdische Glaube war bald seit zwei Jahrtausenden unterdiückt. Unterdrückte halten zusammen, leben in Frieden und dulden Einer den Andern. Sieger Uberheben sich; einem Triumph folgt zügelloser Uebermuth der Gewaltigen, folgt Entartung; darum wehe der herrschenden Kirche.“ Der Mönoh will kein Christ sein von Christi Kirche. Aber Dahiel lernt auch die Kunst, sich mit Gott und seinem Gewissen abzufinden. Das beste Mittel war dazu das Gebot des heiligen Franziskus, sich unbedingt den Obern zu unterwerfen. Ihm wird das Amt übertragen, das sein Freund Eustachius verwaltet hatte, den Juden zu predigen. Er sollte zum ersten Male zu den Juden reden und er hatte den Text gewählt: ״ich recke meine Hände aus den gauzeu Tag zu einem ungehorsamen Volke, das seinen Gedanken nach wandelt, der auf einem Wege, der nicht gut ist.“ Er hatte sich auch mit dieser Mission abgefunden, denn warum hat auch Gott ihm einen Abt gegeben, der ihm solche Aufgaben stellt. Aber wie er redete, überwältigt ihn die alte Erinnerung und er sprach: