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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-04-04 · N° 14. (4.4.1889) · p. Seite 55

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 14. (4.4.1889)
Date
1889-04-04
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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vom juristischen hingegen wird das Verständniss vergeblioh gesucht. Diese Auflassung wird durch die Relation in Br. Rabba zu Genes 28,19 zuverlässig bestätigt, denn nach dieser gehen die lebensmüden Alten nicht selbst aus der Stadt, um den Tod autzusuchen, sondern werden diesem entgegengeführt (".(מוציאין אותן חוץ לחומה והן מחים) Wie hätte man ein solches Vorgehen für möglich gehalten — man muss doch an die nächsten Augehörigen denken — wenn man nicht den Rathschluss Gottes als dafür entscheidend im Sinne gehabt hätte? Ad II. Durch die erste Antwort sollte zugleich die Frage ihre Beantwortung finden: ob sich nicht derjenige Gewissensvorwürfe zu machen habe wegen Selbsttödtung, der sich einer Operation nicht unterziehen will, obgleich die Aerzte dieselbe als unerlässlieh hinstellen? Man muss sich über die Fragestellung wundern. Wie kommt man da auf die Vorstellung der Selbsttödtung? Zugegeben, dass die Ansicht der Aerzte bezüglich der Erhaltung des Lebens mehr als das Mass der Wahrscheinlichkeit in Aussicht stellt, so ist diese Ansicht doch immerhin an den Vorbehalt geknüpft, dass nicht Eventualitäten eiutreten, die im Voraus unberechenbar sind. Die Operation kann glüoklioh vorgenommen sein und der Tod fordert doch sein Opfer. Wie kann demnach die Frage auf Selbsttödtung in das Bereioh der Erwägung eintreten, wenn der Erfolg von der Operation allein nicht bedingt ist? Die Frage kann aber in einer andern Gestalt erscheinen. Ob nicht das Gebot der Lebenserhaltung, das eine so hervorragende Stellung einnimmt, dass ihm die Gesetze des Sabbath und des Versöhnungstages - - nach den Feststellungen der Halaoha — untergeordnet sind, dazu verpflichtet, die von den Aerzten als unausweichlich gehaltene Operation an sich vornehmen zu lassen? Diese Frage ist berechtigt und verdient eine Erörterung. Wersohetz. Dr. Sidon. *) Wenn mich mein Gedächtniss nicht täuscht, so wird eine ähnliche Geschichte von einer griechischen Insel Lesbos (oder Delos) erzählt. S. Litteraturbericht. Recensionen» לקורות הגזרות על ישראל: Beiträge zur Geschichte der Judenverfolgungen von Jonas Gurland. Krakau 1888. Zweites Heft. Schilderung der Judenverfolgungen während der Jahre 1648—49 von Abraham ben Samuel Asohkenasi. Besprochen von Kabbiner Dr. J. Loevy-Göttingen. Dieser Leidensbericht, mit dessen Herausgabe Herr Gurland eine begonnene Serie von Veröffentliohungen fortsetzt, zeichnet mit grausigen Zügen und in schwülstigem, nach damaligem Brauch mit talmudischen Floskeln gespickten Stil ein düsteres Bild der Judenverfolgung duroh Bogdan Chmielnicki. Wenn wir von einigen Städtenamen absehen, so bietet uns der Text in geschichtlicher Beziehung kaum etwas, was nicht sohon in anderen, ähnliche Materien behandelnden Büchern zu finden wäre und die Hypothese, welohe der Herausgeber am Ende seines Commenlars aufstellt, ist so wenig begründet, dass wir nie wohl am besten mit Stillschweigen übergehen, Dennooh aber ist den vorliegenden Blättern ein Interesse nioht abzusprechen, denn sie geben oft mit bilderreichem Ausdruck die Schattirungen für den historischen Hintergrund, von welohem jene Ereignisse sich abheben. Auch dient diese Darstellung zuweilen mit dazu, die Wahrheit der einen geschiehtliehen Quelle gegenüber einer andern, widersprechenden, zu erhärten, wie z. B. in Bezug auf die Vorgänge in Lemberg (S. 24), dass aber kommt sohliesslioh noch der Umstand, dazu der Verfasser nioht nur Zeitgenösse, sondern sogar Augenzeuge jener unheilvollen Ereignisse gewesen, was allein im Stande ist, uns die zahlreichen, grässlichen Verwünschungen zu erklären, welche er gegen die Mordschaaren Chmielnioki’s ausstösst. — Die Form des Berichtes ist gereimte Prosa; die Abschnitte, nach den Anfangsbuchstaben alphabetisch von א bis ת geordnet, beginnen meist mit Verstheilen aus den Klageliedern Jeremias und deuten nach Abschluss des Alphabets auf den Namen des Verfassers hin (אני הגבר אברהם בן הר״ר שמואל אשכנז) welcher wahrscheinlich mit dem Verf. des סם חיים, dem Apotheker Abraham ben Samuel aus Wladimir (Volhynien), identisch ist. Wenigstens scheint die Möglichkeit dafür der Zeit nach nioht ausgeschlossen zu sein, während die Aehnliohkeit im Ausdruck, welohe in beiden Werken nach der im ״Anhänge“ gegebenen Sprachprobe aus סם חיים vorherrscht, mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit und ebenso wie den Herausgeber auf ein und denselben Verfasser hinweist. — Was Einzelheiten betrifft, 80 möchte ioh nooh folgende Bemerkungen hinzufügen. Auf Seite 8 nennt der Herausgeber unter den in dem benutzten Msor. aufgezählten Werken auoh den Brief אל תהי כאבותיך und fügte in der Anmerkung hinzu, dass der Name des Verfassers nicht genannt sei. Es ist aber bekannt, dass Profiat Duran der Verfasser dieses satyrisohen Gedichtes ist. Das Fehlen dieser Bemerkung von Seiten des Herausgebers wirkt um so sonderbarer, als er in derselben Anmerkung mit peinlioher Genauigkeit angiebt, wo und naoh welcher Handschrift dieser Brief zum ersten Mal abgedruokt worden und wer einen Commentar dazu geschrieben. — Zu dem Ausdruck אפלה Pp auf Seite 12 Zeile 6 wäre zu bemerken, dass derselbe offenbar eine Entlehnung aus der Selicha des Samuel ben Jehuda: אלהי אקראך במחשב igt, woselbst er antiphrastisoh für Clermont angewandt wird. Unser Verfasser aber scheint jene Stelle der Selicha missverstanden und darunter eine Bezeichnung für christliche Kirohen erblickt zu haben. — Die auf derselben Seite, letzte Zeile, dem Herausgeber unverständlich gebliebene Abkürzung ב״ד kann nach dem Zusammenhänge nichts Anderes bedeuten, als בעלי דת• — Die mit einem Fragezeichen versehene und in der vorliegenden Form thatsächlioh unverständliche Stelle in dem Citat aus טיט היון (Seite 24): והמיל הנובר .., שם במצור למבצר הנזכר כמו שי״ו שבועות ist offenbar corrumpirt durch ein Reibenversebeu eines Abschreibers und muss wohl lauten: והמיל הנזכרש״יו שמו ימחה חכרו) שם במצור למבצר הנזכר כמה שבועות. =) Vorangestellt ist diesem Hefte ein darauf bezüghohes Gedioht von Mose Zaouto, als Anhang giebt der Herausgeber einige Spraoliproben aus dem schon erwähnten Buche סם חיים und den beiden inhaitsverwandten Schriften שכרי לוחות u. יון מצולה. (Schluss folgt.)jO Feilclienfeld, Dr. F., Landesrabbiner von Meoklenburg-Sohwerin. Kurzgefasstes Lehrbuoh der jüdisohen Religion für Schule und Haus. Rostock. Carl Meyer. 1 67 S.

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