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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-03-21 · N° 12. (21.3.1889) · p. Seite 47

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 12. (21.3.1889)
Date
1889-03-21
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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47 erscheint es in hohem Grade wahrscheinlich, dass der Ruf dieses berühmten Liedes bis zum Verfasser der Bescheidenheit drang, der es dann zn seinem Zwecke benutzte. — (Schluss folgt.) Litteraturbericht. Recensionen. Wreschner, Dr. Leopeld. Samaritanische Traditionen; mitgetheilt und nach ihrer geschichtlichen Entwicklung untersucht. Berlin 1888. XXXI — 64. S. 8. 3 Mk. Der Verfasser dieser, offenbar als Dissertation gearbeiteten Schrift, ein Schüler des orthodoxen Rabbinerseminars in Berlin, hat in einer gründlich gearbeiteten, von reichem Quellenmaterial unterstützten Schrift, die auf jeder Seite eine solide Geistesarbeit verräth, den Nachweis zu führen unternommen, dass die bisher fast allgemeine verbreitete Annahme, als seien die samaritanischen Gesetzesauslegungen älter als die im Talmud überlieferten und ein Rest altisraelitischer Traditionen, jedes wissenschaftlichen Grundes entbehre. Dieser Nachweis ist ihm entschieden gelungen. Nach seiner gründlichen, von jeder Tendenz sich fern haltenden Untersuchung, sind die von den rabbinischen Gesetzesdeutungen abweichenden Exegesen der Samaritaner zum Theile auf sadducäische, zum Theile auf karäische, zum Theil sogar auf mohamedanisohe Vorbilder zurückzuführen. Die Samaritaner haben eben, durch ihre Opposition gegen das rabbinische Judenthum gedrängt, alle Widersprüche gegen dasselbe sich zu eigen gemacht, seit sie von der Theilnahme an dem israelitischen Gultus zurüokgedräugt wurden. Diese Tendenzfreiheit habe ich besonders deswegen rühmend hervorgehoben, weil wir an der Schule, welcher der Herr Verfasser angehört, das nioht gewohnt waren. Vor längerer Zeit hat ein Herr ja noch den Nachweis liefern wollen, dass die talmudischen Angaben über Onkelos den Proselyten wirklieh auf den Verfasser unseres Targum gehen, und vor wenigen Jahren hat ein anderer die Autorschaft Königs Salomons für das Buch Koheleth dadurch retten wollen, dass er behauptete, die sprachlichen F.ormen, welche den späten Ursprung des Buches verrathen, seien nur durch das philosophische Thema bedingte sprachliche Härten. Umsomehr muss es jeden aufrichtigen Freund des Judenthums erfreuen, tüchtige wissenschaftliche, jüngere Kräfte selbst unserer Orthodoxie auf gesundem, wissenschaftlichem Boden stehen zu sehen. Der Verfasser sagt ohne Scheu, dass die Samaritaner die alte israelitische Schrift hätten (S. XVII). Diese Aeusserung hat vor etwa zweihundert Jahren genügt, um Asaria dei Rossi zum ״Ketzer“ zu stempeln, und noch vor hundert Jahren glaubte Moses Mendelssohn es seinem Rufe als rechtgläubiger Jude schuldig zu sein, dass er die Ansicht dei Rossi's bekämpfte und behauptete, die Quadrat- Schrift• sei die von Mose verwendete, heilige Schrift, während die samaritanische Schrift die Vulgärsohrift der mosaischen Zeit gewesen sei. ״Gepriesen sei, der die Zeiten ändert,“ dürfen wir darum bei der Lectür dieses Werkes sagen. Wenn mich nun wohl der Verfasser davon überzeugt hat, dass die sogenannten samaritanischen Traditionen nicht wirkliche Ueberlieferungen, sondern aus Opposition gegen das rabbinische Judenthum entstandene Lehren seien, so hat er den Beweis noch nicht erbracht, dass die rabbinischen Gesetzauslegungen durchweg Ueberlieferung seien, die sich seit der Ge* setzgebung auf dem Berge Sinai von Mund za Mund fortpflanzte. Nach dieser Richtung hat sich der Verfasser die Methode Hengstenbergs za eigen gemaoht, den er auch einmal als Autorität gegenüber den samaritanischen Ansprüchen auf das Alter ihre Traditionen citiert. Aach Hengstenberg and seine Schule hatten die Verachtung des Rationalismus von den Kritikern geborgt, wobei sie thaten, als ob mit dem Blosslegen der Schwächen des Rationalismus ihre eigenen Anschauungen bewiesen wären. — Die verhält* nissmässig lange Vorrede erklärt sich dadurch, dass der Verfasser seine eigenen Beweise für die Ansioht von der künstlichen Mache und der späten Herkunft der samaritanischen Gesetze als Vorrede bezeichnet und paginiert, während er auf den übrigen 64 Seiten des Baches, Auszüge aas einem polenisohe Werke des Munagga ibnZadakah,der im zwölftenJahrhundert lebte, nach einer Berliner Handschrift giebt. Diese Auszüge zeigen gründliche, fleissige Arbeit und sind für die Religionsgeschiohte von hervorragendem Werthe. Formell müsste ich wünschen, dass der Verfasser seinem Stile grössere Sorgfalt zugeweudet hätte, was wegen der Schwierigkeit der Materie um 80 wünschenswerther wäre. (S. XL ״ab werfend“ für wegwerfend, S. 26 traditionierten Zeit, S. VIII. Wir sehen beide Secten einander nähern, S. XI Anm. Genuss des Hühnergescbleohtes, statt Genuss von Hühnern). Druckfehler: S. VIII Aasses, XI Duckes st. Dukes, S. 27 Talmaden statt Talmade. Doch sollen diese kleinen Ausstellungen den Werth der Wissenschaftliehen Leistung des Verfassers nioht mindern, von dem wir nur wünschen, dass er dem betretenen Gebiete auch fernerhin seine Arbeitskraft erhalte. Brüx. Dr. Deuts oh. 0 ביעור טיט היון. H. Schorr’s talmndische Exegesen auf ihren wissenschaftlichen Gehalt kritisoh untersucht und beleuchtet von Mayer Kohn-Bistritz. Pressburg 1888. Verlag des Verfassers. XXXIL 240 S. (Fortsetzung.) Besprochen von Distriktsrabbiner Dr. Cohn- Bnrgkanstadt. 18. Die Aggada bedarf keiner Erläuteraug, da der Autor derselben ausdrücklich bemerkt, dass sie sich aus 2 *יושק. M. 2,17, durch נ״ש ergiebt. (Aus diesem Worte (nicht aus ויגרש ר) sohliesst er, dass die Töchter Jithro’s nicht blos verjagt worden sind. (Schern, r. z. 8t.) 19. Ber. r. 71 werden Lea’s Worte ״der Ewige hat gehört, dass ich gehasst bin, und er gab mir auch diesen“ auf Simri und Pinechas bezogen: Er weiss, dass von diesem Sohne ein Gotteshasser ahstammen wird, drum wird er mir noch einen dritten Sohn geben, aus dessen Stamm Pinechas hervorgehen wird, der die Wunden, die Jener Israel geschlagen, wieder heilen wird. Simri wird שונא genannt wegen שנואה im Schriftverse und 80 heissen auch sonst die Abtrünnigen, die sich dem Götzendienste und der damit verbundenen Zuchtlosigkeit in die Arme werfen, z. B. 2. M. 20,5 גם als רבד wird auf Lewi gedeutet, א!; זה d. h. Sim’on. So erklärt es richtig der Verfasser des Neser ha-kodesoh ed. Jesnitz S. 360. Die Worte ות׳שפושמעק werden nicht gedeutet, sind daher im Midraschtexte zu streichen Verf. ändert ש*נא in שומא and meint, der Aggadist habe in שמעון eine Zusammensetzung von }שומא עו (Sündenmal) gefunden! 21. Auch die herrliche Aggada zu den Versen Spr. 6,30. 31, die sich in der Tosefta B. K. Cap. 7 (ed. Zuckern. 359,17) befindet, bedarf eben sowenig der Schorr’schen Deutungen, wie der Emendation und

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