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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-03-21 · N° 12. (21.3.1889) · p. Seite 46

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 12. (21.3.1889)
Date
1889-03-21
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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43 -י! Ueber ״Freidank’s Bescheidenheit“. Von Dr. S. Gelbbaus, Rabbiner zu Kordhausen. (Fortsetzung.) 109. 86, 24—07,1. Swer rehte milte wil begän, der mnoz gehrest durh milte hin. Dieses Reimpaar, das gerade das Entgegengesetzte von 86, 18, 19 ausdrückt, wird ebenfalls im Talmud als Richtschnur aufgestellt: אפילו צני המתפרנס ״ מן הצדקה ימח־. צדקהSelbst der Arme der selber durch Almosen sich ernährt, soll seinerseits ebenfalls Mildthätigkeit üben. (Gitin 7.) 110. 87, 14—10. Den milten nieraau kan gedron: si hänt hie 10p, vor got ir lim י! Reiniu milte nie verdarp Das erinnert an den Satz: זקנתי ולא C7 נצר הייתי ״ ראיתי צדיק נצזב•Ich war jung und bin alt geworden und habe nie gesehen einen Mildthätigen verderben.“ 111. 87, 20 21. Ich sach ie, swaz de. arge spart, daz ez dar nach dem mitten wart. Vergi. Prediger 2,26: ולחוטא נתן צנין לאסוף ולכנוס ״ לתת לטוב לפני אלהים.Und er fügt es, dass der Sünder sammelt und häufet, um es dann dem zu geben, der Gott gefällt. Vergi. auch Spr. Sai. 28,8:מרבה הונו בנשך ובתרבית ״ לחונן דלים '־קבצנו•Wer sein Vermögen vermehrt durch ‘ Wuoher und Zinsen, der sammelt es für denjenigen, der sich der Armen annimmt“. 112. 88, 19—22 Des Mores hüt unsanfte lät ir swarze varwe die si hat: des lebarten 11 inte!am geschiht. diu enlät ir manrger vlecken niht: als wizzet das ein übel man sin übel niht vermuten kan. Diese Strophen sind eine Uebertragung des Satzes: 1 היהפך כושי צורו ונמר חברברותיו נם אתם תוכלו להיט־ב למודי הרע. “Kann ein Mohr seine Haut verwandeln j und ein Panther seine Flecken, so könnt Ihr euch! bessern, weil Ihr des Bösen gewohnt seid. (Jeremias 13.23.) 113. 94, 11. 12. So der w׳n kumt In daz houbet, 80 istz armüet'׳ boroubet. Vergi. das talmudische Sprichwort; נכנם יין יצא ״ סוד¬Wenn der Wein hineingeht, so geht das Gej heimniss hinaus.“ (Erubin 05.)! 114. 94, 17—20. Ein vihe daz lützel sinne hat, swanne ez ze darf von velde gät, I so erkennet ieglichez wol i hüs unt hoi darz kumon sol.; Dieses ist eine Paraphrase des Satzes: . ידצ שור ״ הונהו וחמור אבוס בצליו.Es kennt der Ochs seinen I Eigenthümer und der Esel die Kruppe seines Herrn.; (Jesajas 1,3.) 115. 95, 3. 4. Mete unt win siut beide guot 1 vür sorge, durst unt nrmuot. Vergi. Spr. Sai. 31, 6.7: תנו שכר לאובד ויין למרי ״ נפש ישתה וישכח דישו וצמרו לא יזכר עוד.Gebet Getränk dem Unglücklichen und Wein den betrübten Seelen, dass sie trinken und ihre Armuth vergessen und sich ihres Elends nicht erinnern.“ 116. 95, 16. 17. Gemachet vriunt zc not bestat, da lihte ein mac den andern lät. Vergi. Spr. Sai. 18,21: ״ ויש אהב דבל מאחUnd . mancher Freund ist anhänglicher als ein Bruder.“ 117. 96, 5- 8. Mau ec man vil vriundo hat, di« wile sin dinc im ebene gät, unt 1 at doch under .n allen, vil lützel nötgestalllen. Vergi. Spr.Sa!. 19,4:הון יוסיף רצים רב־ם ודל^מרצהו ״ יפרדVermögen •/erschaffet viele Freunde, aber der Arme wird von seinem F-euי.,׳de verlassen.“ — Der jetzt folgende Abschnitt, (von 98,11 bis 106,12) der von den Frauen handelt, zeigt viel Aehnlichkeit mit den Aussprüchen äüsskind’s über dieses Thema. Er athmet denselben Geist wie die Weisen des jüdischen Minnesängers. Wie Süsskind sich von den Minnedichtem dadurch unterscheidet, dass er die Minne vom strengsten sittlichen Gesichtspunkt betrachtet, und die keusche, eheliche Innigkeit und Treue als die zu ersehnende höchste Liebe preist, (Vergi. Ueber Stoffe altd. P. S. 77.) so erblickt Freidank in der treuen Hingebung der Gatten zu einander die höchste Wonne und Glückseligkeit. 118. 99, 27—100,1. Ein man sol sin getriuwez wip minnen vür sin sebes lip. Dieses ist eine Wiedergabe des talmudischen Ausspruohes Jebamot 62: האוהב את אשתו בנופו כוי וידעת ״ כי שרום אהלך•Wer seine Frau liebt wie seinen eigeneu Leib etc., von dem heisst es, du wirst wissen, dass dein Zelt im Frieden ist.“ 119. 100, 2. 3, Swer ein getriuwez wip hat. si tuot im maneger sorgen rät. Süsskind singt: Der mak sunder zwibel mit ir siniu jar willleklich vertriven stille ant offenbar. Hiermit vergleiche man Spr. Sah 18,22: .מצא אשד ״ מצא טוב־Wer eine Frau gefunden, hat Gutes gefunden.“ jebamot 63: ,מישאק לו אשה שרד בלא טובה ״ חומה בו¬Wer ohne Frau lebt, der weilt ohne Seeligkeit, ohne Schutz, ohne Frieden etc.“ 120. 101, 8—11. Sit man allez reden sol, so ist zer werlde nieman wol wan der ein liebez wip hat. unt sich üf ir triuwe lät. Süsskind singt: Ir8 manns krön ist das vil reine wip, je mer in wol eet ir wolwerden lip; er saelik man din guote si bescheret. Vergi. Spr. Sai. 31, 10, 12: אשת חיל מי ימצא כר ״ נמלתהו טוב ולא רע כל ימי חייה•Wer ein biederes Weib gefunden hat etc. Sie erweist ihm Gutes und kein Leid, ihr ganzes Leben.“ In der Handschriftenklasse H finden sich hier folgende Verse, die Grimm weggelassen hat. Bezzenberger und Sandvoss aber iu ihre Ausgaben aufgenommen haben: Waere der himel permit und da zuo daz ertrich vit und alle Sternen piafien, die got hat geschaffen, si künden niht geschriben daz wunder von den wiben. Sandvoss schlägt vor zu lesen: Waere der himel permint unt da zuo daz ertrich tint. indem er bemerkt: ״Ich dächte doch zu dem unendliehen Pergament (der ganze Himmel voll) auf das alle Schreiber (das sind die Pfaffen, die Träger der Wissenschaft in alter Zeit) und wäre ihrer so viel als Sterne am Himmel, das Wunder von den Weibern nicht zu Ende schreiben könnten, gehört auch einige Tinte.“ — Die Freidank’schen Strophen haben aber eine auffallende Aehnlichkeit mit folgenden Sätzen des aramäischen Hymnus (Akdamut) am ersten Tage des Offenbarungsfestes: נדל ארו רקיצי קני כל חורשתא דיו אלו ימי וכר מי כנישותא דירי ארעא ספרי ורשמי רשותא כר ״Wären die Himmel Pergamentrollen und Kiele alle Wälder, und Tinte die Meere und alle Gewässer und Erdenbewohner Schreiber, welche Aufzeichnungen verfertigen“ etc. Der Hymnus schildert damit die Unbeschreiblichkeit, der göttlichen Pracht. Der Verf'.sser desselben ist R. Meir beu Isac Schaz (Vorbeter), welcher in Mainz und Worms um 1060 lebte und eine grosse Popularität genoss. (Vergi. Landshuth Amude Ha-Aboda S. 162. Zunz. Synagogale Poesie 188.) Wenn man bedenkt, dass dieser Hymnus in jüdischen Gemeinden weit verbreitet war, und dass sein Verfasser in Deutschland lebte und dichtete, 80

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