Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 10. (7.3.1889)
- Date
- 1889-03-07
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
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0 — 38 — sie nicht mit uns Allen in einer Linie vor dem : Feinde, ein jeder au seinem Platze, ein jeder im Kugel- | regen mit eintretend für das Wohl des Vaterlandes.“ , An diesem schönen Satze haben wir nur auszusetzen, das ״trotz seiner Religion“, denn die Religion idt ein wichtiger Beweggrund für unsere Bürgertreue. Delitzech und mit ihm viele Andere setzen den Charakter der vorexilischeu Israeliten zu tief, wenn sie 1 ihn nur nach den Strafredeu der Propheten sich i vorstellen. Schon der Talmud weist auf den Unterj schied hin zwischen Mose und Bileam. Mose tadelt ' Israel und Bileam lobt es, denn er will es durch i Schmeichelei zu Grunde richten. Mit dem Ideal der Propheten verglichen sin'üt Israel; aber wir müssen die Strenge der Gottesmänner nicht ausser Acht lassen, wenu wir dem Volke gerecht werden wollen; überdies sind die Grösse eines Volkes seine Grössen. Nehmen wir ein Beispiel aus deutschem Leben. Nicht die Menge, die einen Göthe nicht liest, ist der Repräsentant des deutschen Geistes, sondern dieser weniger gelesene Heros. Nicht anders ist es bei Israel und den Propheten. Das Buch Delitzsch’s wird auch den Judeu mannigfach anregen, bekehren wird es ihu freilich nicht, Ueber ״Freidank's Bescheidenheit11. Von Dr. S. Gelbhaus, Rabbiner zu Nordhausen. (Fortsetzung.) 0!>. 41, 10. 17. Öwer wistuoni, fere gröz rirheit mert, der inert sin arebcit. Vergl. Prediger 1.18: ״Demi je mehr Weisheit, desto mehr Verdruss und wer Keimtniss mehrt, der mehrt Herzeleid“. *) (Siehe den Urtext.) 7(21—18 ,41 .י. Die gitegen mit die riehen sol man dem mer geliehen, swie vil zem raere wazzers ge ez hete doch gerne wazzers ine. 1 Vergl. Prediger 5,9. 1,7. אוהב בבף לא ישבע כבף ״Wer Geld liebt, der kann des Geldes nicht genug haben.“ ן כל הנחלים הולכים אל הים והים איננו מלא ״Alle Ströme fliessen iu das Meer, aber das Meer wird nicht voll“. Prediger 1.7. 71. 42, 1511.18. Die armen dunkent s'ime 1115z Der armen sinne dunkent blint. Vergl. Prediger «.11!: ״ וחכמת המסכן כוויהDie Weisheit des Armen ist verachtet.“ 72. 42, 20. 20. llänt arme liute boese site, si verderbent sieh dermito. Vergl. Pessachim 113: ד אין הדעת ם יכלתן כיי דל ״ גאה.Vier erscheinen dem gesunden Sinne uuerträglieh etc. Ein Armer von hoff ahrtiger Sitte.“ 73. 43, 10. 11. 8wen geuüeget des er hat, der ist riche, swiez orgät. Vergl. Abot 4.1: .״ איזהו עשיר השמח בהללוDer ist reich, der sich mit seinem Theii begnügt.“ 74. 43, 24. 25. Uutriutre in dem sclunet, swer lachende grinet. Vgl. Psalm 41,7.8: ואם בא לראות שוא ידבר לכו כר ״ יחד עלי יתלחשו כל שנאיUnd wenn er sehen kommt, I 80 redet falsch sein Herz. Es flüstern über mich alle meine Feinde.“ 75. 40, 5—10 Sit beide vator linde kint u. 10. 20. ein ander uugctriuwe sint, unt bruoder wider bruoder strebet, unt inäc mit!nage ubele lebet, unt sich diu werlt noch allesamt nekeiner »Iahte Sünde schämt etc. 80 sult ir wizzeu aue strit uns kumet schiere des fiuoches zit. Diese Strophen sind mit einiger Veränderung eine fast wörtliche Uebertragung folgender Sätze •) Von den von W. Grimm und Bezz6nberger angeführten alttestamentlichen Parallelen wurden nur diejenigen mit in diese Schritt autgenommen, deren Sinn deut icii iu den angezogenen Stellen der Bescheidenheit zu erkennen ist. (Jeremias 95.): איש מרעדד השמח ועל כל אח אל תבטחו כי כל אח עקוב יעהב וכל רע רכיל יהלך ואיש ברעהו יהתלו ״ ואמת לא ידברו למדו לשונם דבר שקר.Ein jeder Mann hüte sich vor seinem Nächsten und selbst auf den Bruder sollt Ihr euch nicht verlassen, denn jeder Bruder hintergeht und jeder Freund verräth. F.in Freund täuscht den andern, die Wahrheit reden sie nicht, sie üben ihre Zunge Lüge zu sprechen“. Mit dem Ausdruck: ״So sollt Ihr ohne Zweifel wissen, dass die Zeit des Fluches gekommen ist“, vergleiche man das in Synhedrin 97 a abgehaudelte Thema von den Vorzeichen der Messiaszeit, besonders die Ausspräche: דור שבן דוד בא כר השאר עיניהם כלות ביגון ואנחה. פני הדור כפני כלב!,Die Augen der Uebrigen werden verschmachten in Kummer und Seufzern. Das Antlitz des Geschlechtes unverschämt wie das eines Hundes.“ — 70. 48, 1!(. 20. Würfel, ros unt vederspil hänt die triuwe dersf niht vil Freidank spricht denjenigen, die Würfelspiel und Vogelspiel treiben, Treue und Zuverlässigkeit ab. Die Erwähnung des Pferdes ist hier unklar. Bezzenberger erklärt, vederspil: ״DieJagd mit abgerichteten Vögeln.“ Dieses Reimpaar steht in Uebereinstimmung mit einem talmudischeu Gesetze, welches von den Personen handelt, die nicht als zuverlässige angesehen werden, Zeugenschaft abzuiegeu: אלו הן הפסוליז המשחק בקוביא ״ ומלוי ברביתומפריחי יונים.Folgende sind unglaubwürdig: Wer mit Würfel spielt, wer auf Wucher leiht und wer Tauben fliegen lässt.“ Das letztere erklärt Raschi: .״ הייני נמי כעין קוביא אי הקדמי׳ יונך ליוניDieses ist auch eine Art Würfelspiel: Ob meine Taube die Deinige überholen wird.“ (Roseh Haschana 22 b.) 77. 50, 22. 23. Vil dicke ine reht zergät swnz unreht gewännet! hat. Dieses Reimpaar ist eine Paraphrase des Satzes: עשה עושר ולא במשפט כחצי ומיו יסכנו " Wer Reichthum ohne Recht erwirbt, der wird ihn in der Mitte seiner Tage verlassen müssen.“ (Jeremias 17.11.) 78. 51, 25. Diu jugent ie nach vrüuden strebt. Vergl. Prediger ״ שמח בחור בילדותךFreue Dich Jüngling in deiner Jugend.“ 7!t. 52, 10. 17. Swer sines mundes hat gewalt, der mac mit eren werden alt. Vergl. Spr. Sai. ,שומר פיו ולשונו שומר מצרה נפשו ״Wer seinen Mund und seine Zunge bewahrt, der be• wahrt sich vor Unheil.“ 80. 53, 18. So ist niemau edelo äne tugent. Denselben Gedanken spricht auch Sfisskind von Trimberg aus : Wa sich mischet vil Untugenden zuo dem adel da inak daz adel kleid werden ze einem hadel. In meinem ״Ueber Stofle altdeutscher Poesie“, S. 78, habe ich darauf hingewiesen, dass dieser Ausspruch an Jesajas 32,5 erinnert: לנבל נדיב ולכילי לא TO לא *קרא ״ יאמר שועEs soll nicht mehr ein Unwürdiger Edler heissen, und ein Geiziger soll nicht Vornehmer genannt werden.“ 81. 54, 0. Swer tugende hat, derst wol geborn. Auch diesen Gedanken findet man bei Süsskind: Wa adel adelicher tat, der adel liutert immer. Vergl. Jesajas 32.8 ונדיב נדיבות יעץ והוא על נדיבות ״ יקוםDer Edle räth Edles und bleibt beim Adel“. (Jesajas.) Vergl. Ueber St. a. d. P. das. 82.;»4, 8—11. Der man si eigen oder vri, swer von gehurt niht edel si, der sol sich edel macheu mit t.ugentlichen Sachen. Genau dasselbe sagt Süsskind mit anderen Worten: Wer niht si von hohem namen, ont sich Untugenden welle schämen, dar zuo sin dink zuo dem besten kau gezamen den heiz’ ich edel, sowie er niht si von adel der geborne. Dieses stimmt zu dem Grundsatz des Talmud : .״ ממור תלמיד חכם קודם לכי׳ג עם הארץEin Uuehelicher, * ו•