Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 10. (7.3.1889)
- Date
- 1889-03-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrg. XVIII *üj Jüdisches Litteratur ■Blatt. Iir Belearhtaag »l!«r Jidwth«« Jade■ betreffaadaa llttararlnrhen Br• sehelaaag«a aaf dm flrtW« der Pktlo• Nphie, Gcarhiekt«, Bthaograpkie» Tkeo- Ogi«-, OrteaUlU, Exegone, HoeiMetlk, T.ltargfk a. Pidigogtk. Herausgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. fflCaydt&uK}, 7. 0TLät<& 1889, Bleher der elatckliglgea l<itterstar,walrk der Bedact «in ngeaaadt werde■« fladaa 1■ dleseai Blatte eiagekead« Beapreekaag Bet Elaeeadang ton awel Beeeasioas- Kzeaiplarea •rfelgt elaaialig« käme Bratia-laeertloa. Das »Jldlacke Litte ratnr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift•‘, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteiamr-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 86 PI« für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Buchh&ndler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 j( Rabatt. Inhn 1t: I Wissenschaftliche Aufsätze: ״Sind die Juden wirklich das j aaserlesene Volk?“ — Ueber ״Freidanks Bescheidenheit“. ן Von Dr. S Gelbhaus. (Fortsetzung.) Litteraturbericht: Recension: pVI ביעור טיטO.H.Schorr’s talmudische Exegesen aaf ihren wissenschaftlichen Gehalt kritisch untersucht und beleuchtet von Meyer Koh'n-Bistritz. (Fortsetzung.) — Die Frauen des 19. Jahrhunderts. Biographische und kulturhistorische Zeit- und Charactergemälde von Lina Morgenstern. — Moses Mendelssohn, sein Leben und Wirken, von M Kayserling. — S. L. Steinheim. Ein Vortrag von Rabbiner Dr. Stekelmacher in Mannheim. Notizen. — Inserate. ״Sind die Juden wirklich das auserwählte Volk?“*) In alter und neuer Zeit hatten bei religiösen Disputen die Juden das unangenehme Gefühl, dass die Gegner als ultima ratio der Widerlegung an Stock j und Spiess, an Feuer und Schwert dachten; die bösen ' Worte sind dann gleichsam nur die diplomatischen j Noten,die den Krieg einleiten; viele unserer Widersacher spotten nur unserer Versuche, die Vorwürfe zu wider- 1 legen, an deren Berechtigung diejenigen gar nicht glauben, die sie Vorbringen. Da sind wir bei Delitzsch besser daran. Wir wissen bestimmt, dass er nur mit den Waffen des Geistes streitet, dass er nur durch das Wort überwinden will. Auf die Frage Delitzsoh’8 giebt die Schrift eine unseres Erachtens ganz deutliche Antwort. Nicht Abraham, sondern Adam war der erste, der Gott erkannt hat. Die Offenbarung ist so alt wie der Mensch; aller Götzendienst war nur ein Abfall von der ursprünglichen Erkenntniss; aber von Adam bis Noa bis Abraham bis Mose pflanzte sich mitten in der allgemeinen Verfinsterung ein Strahl des Liohtes weiter; Gott spricht zu Mose: ich bin der Gott deines Vaters d. i. des Amram, Mose muss also schon iu seinem Vaterhause von dem unsichtbaren Gotte gehört haben. So ergiebt es sich von selbst, dass die Erneuerung der dem Adam gewordenen Offenbarung durch Mose bei den Israeliten stattfand. Die Erwäblang Israels ist eine geschiohtliehe Thatsaohe; es ist aber sonderbar, darau3 den Vorwurf der Ueberhebung gegen uns zu schnitzen, da ja unsere ganze Sehnsucht danach geht, dass alle e 11 Gott erkenne und liebe. Am Anfang der Menschenge80hichte steht für ans das Wort: der Mensoh, nioht der Israelit nur, ist ein Ebenbild Gottes, *18 Ziel der geschichtlichen Entwicklung gilt uns: ם*יי jenem Tage wird Gott König sein über die ganze Erde“. — War es ein Verdienst der Israeliten, dass Gott sie erwählt hat oder war’s eine Gnade? Ja, wie 8011 *) Von Franz Delitzsch. Leipzig. es denn ein Verdienst sein, dass Mose einen Vater Amram hatte, darch den er die Kunde von dem nnsiohtbaren Gotte erhielt; nur das ist festznhalten, dass diese Erwählung Israels keine Laane war, sondern in der Natur der Dinge tief begründet ist. Die Israeliten sind ein Priestervolk aber kein Apostelvolk, aber da wir die Entstehung des Christenthums and des Islam als Erfolge des Judenthums ansehen, so erledigt sich für uns die Frage, die vielleicht vor zweitausend Jahren ein jüdisches Herz bedrücken konnte, nämlich: wie soll Eure Wahrheit za den Heiden kommen, wenn Ihr sie nicht hinaus traget. Gott brach seiner Wahrheit 6ine Gasse, wo wir keinen Weg fanden und wird dies auch ferner than. Für uns ist die Entstehung des Christenthums die grösste gesohichtliohe That nächst der Offenbarung am Sinai; diese Anschauung hängt mit der Person des Stifters des Christenthums gar nicht zusammen. Es fällt aufj dass Delitzsch die geschichtliche Entwicklung des Begriffes der Erwählung bei Abraham und nioht bei Adam beginnt. Delitzsch sagt: ״die Erwählung Abrahams ist eine übernatürliche, geschichtliche Thatsache, welche sich, von geschichtlichen Führungen vorbereitet und begleitet, im Innern Abrahams vollzog und so zar Thatsache seines Bewusstseins wurde.“ Es lässt sich ungefähr erm.8. '*׳ der gelehrte Aator damit sagen will, ao& 0״nz klar ist uns der Gedanke in dieser Fassung nioht. Wir finden den Vorgang ganz natürlich, denn es wäre eine Schande für die Mensohennatur, wenn das Grosse und Erhabene sogleich aas dem Rahmen des Menschlich-natürlichen -a eraustreten sollte. Gewiss war auch die Gnade G°ttes dabej wirksam. Aber wo ist diese nicht wirksam? Delitzsc^ sagt: ״Wir stimmen der Ansicht Kuenen’s bei, das^ bleibende Beschränkung des Einen wahren Gottes an 8 ein einzelnes Volk ein Selbstwiderspruch sei. Eben deshalb kann die Erwählung Israels als Bevorzugung vor andern Völkern ein temporäres Mittel sein zu einem alle Völker umfassenden Zweck; die Praerogative ist in der n eute s tarne n tl ioh e n Zeit erloschen“. Kein Jude hat gegen die Ansioht Kuenens und Delitzschs etwas einzuwenden, dass die Erwählung Israels nur ein vorübergehender Behelf ist, um die Erkenntniss Gottes zu einer allgemeinen za machen. Nor hält der Jude vorläufig diese Praerogative noch nioht für erloschen, eben weil er nicht Christ ist. Erfreulich ist aus christlichem Munde das Bekenntniss: ״Die Beispiele Daniels and Mordechai’s zeigen, dass der Jude trotz seiner Abstammung und Religion •in treuer Unterthan und Diener des heimischen Königshauses sein kann. Und dem Antisemiten ist mit Reoht entgegengehalten worden: ״standen