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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-02-14 · N° 7. (14.2.1889) · p. Seite 26

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 7. (14.2.1889)
Date
1889-02-14
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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einem beschaulichem Leben hingeben, nicht aber in die weite Welt hinauswandem solleu, wo die Sünde lauert; deshalb um ihnen das Reisen zu verleiden ströme der Regen vom Himmel. Erasmus klagt einmal in seinen Gesprächen, dass sein Zeitalter das Bild einer Welt biete, wo Alles verkehrt sei, wo Alles auf dem Kopfe stehe und als ein Kennzeichen dieser Verkehrtheit giebt er an; monachi per orbem cursitant. Die Mönche laufen fortwährend durch die Welt. Jedenfalls ist es anzumerken, dass bei Christen und Juden dieselbe Wetterregel betreffs des Reisens der Geistlichen im Schwünge war. Güdemann macht darauf aufmerksam, dass noch in einem Punkte Juden nnd Christen sich damals nichts vorzuwerfen hatten, dass nämlich beide im Gotteshause ziemlich ungenirt und lärmhaft sich benahmen. Unsere Altvordern haben sich bekanntlich mit dem lieben Gott auf einen sehr vertrauten Fuss gestellt, nicht selten sogar ist diese Stätte des Friedens zu einem Kampfplatzt umgewandelt worden; bei der Regierung von Posen gab es noch aus neuer Zeit einen ganzen Aktenstoss Lemaan-jirbu-Akten, lauter Berichte über Synagogenkämpfe, die sich erhoben, als der Rabbiner Kraft seines amtlichen Vorrechts Lemaanjirbu aus dem Sch’ma laut hetete und seine Gegner schreiend einfielen zum Zeichen, dass sie den Mann nicht gelten liessen. Solchen Zuständen gegenüber wurde uns die Ruhe und der Anstand, der in der Kirche waltete, als nachahmenswerth empfohlen. Aber selbst diese Herstellung der äusseren Würde ist, wie es scheint, erst eineWirkung jener tiefernReligiositat, welche durch die protestantische Bewegung nicht nur in der ucueu Kirche, sondern auch in der alten hervorgerufen worden ist. Sebastian Brant schildert in seinem Narrenschiff den Lärm in den Kirchen zu seiner Zeit wie folgt: Man darf nicht fragen, wer die seien, bei denen die Hunde in der Kirche schreien, so man Messe liest, predigt, singt, oder bei dem der Habicht sich schwingt, und die Schellen so erklingen, dass mau nicht beten kann noch singen. Das ist ein Klappern und ein Schwätzen, da muss man durchhecheln alle Sachen und schnipp, schnapp mit den Holzschuhen machen. Liess’ Jedermann den* Hund im Haus’, dass nicht ein Dieb stehl’ was daraus, und braucht die Holzschuhe auf den Gassen, dass er nicht etwas Schmutz möoht fasseu, und täubte nicht Jedermann die Ohren, so kennte man nicht den Thoren; doch die Natur giebt Jedem ein: Narrheit will nicht verborgen sein. Christus gab uns das Exempel und trieb die Sünder aus dem Tempel, sollt’ er jetzt die Sünd’ austreiben, wenig in Kirchen würden bleiben, er fing’ gar dicht beim Pfarrer an, und käme bis zum Messner ’ran. Wenn sohon Brant etwas übertrieben haben mag, so ist doch Wahrheit genug darin, dass wir Jedem, der uns den Lärm der Judenschule vorhält, einwenden können, dass es zu gewissen Zeiten in den Küchen auch toll genug hergegangen ist; überdies mag am häufigsten der den Nicutjudeu auffällige Lärm der Synagogen vom überlauten Beten gekommen sein. (Schluss folgt,) Ueber ״Freidank’s Bescheidenheit“. Von Dr. S. Oelbba'as, Rabbiner zu Nordhausen. (Fortsetzung.) 40.*) 11, 5-8. Si jehent der himele der sin dri unt d’erde mitten drinne si. deist ein michel wunder ist himel obe unt under. *) Die NNo. 40—42 hätten nach der Reihenfolge der Capitel jbre Stelle in vor No. (zu Antang) haben müssen. (D. Setzer.) Man vergleiche hierzu Aboth de R. Nathan C. 37: ר מאיר אומר שבע רקיעץ!ק כו. למה קרא שמה תבל על ״ שם שהיא מחוברת בבל.R. Meir sagt, es giebt sieben Himmel etc. Warum heisst aber die Erae ״Tebel?“ Weil sie in dem All versenkt ist.“ — 41. 11, 15—18. Himel unt erde ist niender hol ezn si der gotebeite vol. von himel durch der helle grünt gat sin riche zaller stunt. Bezzengerger zweifelt, ob diese Stelle in die Bescheidenheit hineingehört, weil sie nur in drei Hand- Schriften sich findet. Sandvoss bemerkt hierza (Bescheidenheit S. 159): ״Will man Freid&nk alles Mystische and damit auch pantheistisohe Auklänge absprechen, so ist ihm seiu schönster Schmuck geraubt.“ Diese Stellen sind aber eine Paraphrase des Engelchores in Jesajas 6,3: קדוש קדוש רחש ד׳ כבודו. p״ צבאות מלוא כל האHeilig, heilig, heilig, ist der Herr der Heerschaaren, die ganze Welt ist voll seiner Herrlichkeit.“ Vgl. Jeremias C. 23,24.) הלא את אני מלא נאום ר׳ pהשמים ואת הא «*fülle dooh den Himmel und die Erde spricht Gott.“ Aaoh klingen die obigen Verse an Sohir ha jiohud 3 4n: ראשית ״ ואחרית בחץ• ערוכים אתה בם והם ברוחך שרוכים•Anfang and Ende sind durch deine Hand errichtet, da bist in ihnen und sie sind in deinem Geiste begriffen.“ Die ״helle“ ist in dem diesem Reimpaar za Grunde liegenden Satze nicht der Verdammungsort der Sünder, sondern der ״Soheol“, die Unterwelt, eine Bezeichnung für die äusserste Grenze des Universums. Denn unverkennbar sind die Worte: »Vom Himmel durch der Hölle Grund geht sein Reich au jeder Stande“, ein Reflex des Psalms (139.8): אם אסק שמים ״ שם אתה ואציעה שאול הנך.Wenn ich in den Himmel steige, 80 bist du dort und steige ich in die Unterweit hinab, so bist da ebenfalls da.“ Freidank aber gab diesen Worten eine kirch 1 ioh-dogmatisohe Dentung, indem er sie auf die ״Hölle* bezog. 42. 11, 23—26. Grot ist geschephde harte rieh er achephet allez ungelich an wibe und an manne under ongen eine spanne hat neheinz geliehen schin. wie möhte ein merre wunder sin? an stimme werket wunder 8i hellent alle besonder. In dieser einen Strophe reprodazirt Freidank nur in etwas modifizirter Form die folgenden talmudisohen Bemerkungen:להניד נדולתו של הקב׳* ה שאדם טובע כמה מטכעות בחותם אחד כולן חמין זה לזה ומלך מלכי המלכים דיקב״ה טבע כל אדם בחתמו של אדם הראשון ואץ אחד מהן ״ חמה לחבירו.Dieses soll die Grösse Gottes verkünden. Wenn ein Mensch mit einem Siegel viele Abdrüoke verfertigt, 80 gleiohen sie alle einander. Der König aller Könige, der Heilige, gelobt sei er, formt aber all• Menschen naoh dem Gepräge des ersten Erdensohnes, und kein einziger gleicht dem andern. (Synhedrin 37 a.) ומפני מה אץ פרצפותיהם חמץ זה לזה ״Und warum gleiohen sie in ihren Gesichtern einander nicht? (das. 38a.)חיה ר, מאיר אומר בשלשה דברים אדם משתנה מחבירו בקול במראה ובדעת, R. Mair pflegte za sagen: ״Durch drei Dinge unterscheiden 8ioh die Menschen unter einander, durch Stimme, Gestalt und Einsicht.“ (das.) Freidank hat diese Gedanken weiter i geführt und sie aaoh auf die Unäanliohkeit der Gewachse derselben Art angewandt. 43. 18,1—3. Got git die sei, der nems ouch hin diu vert von mir alz ein bläs unt lat. mich ligen als ein äs. Die erste Zeile ist eine Reproduotion des tal- I mudischen Gebetes, Berachot 60 b, welches aaoh im i Morgengebet steht: אלהי נשמה שנתת בי טהורה היא אתה בראתה אתה יצרתה אתה נפחת בי ואתה משמרה! I .״ בקרבי ואתה עתיד ליטלה ממניMein Gott, die Seele die

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