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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-02-14 · N° 7. (14.2.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 7. (14.2.1889)
Date
1889-02-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Lehrer, welche direct oder darch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten '25 jC Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Beziehungen der Juden zur deutschen Kultur beim Ausgang des Mittelalters. — Fortsetzung. — lieber ״Freidanks Bescheidenheit“. Von Dr. S Gelhhaus. (Fortsetzung.) liitteratarbericht: Recension: Leimdörfer, Dr. D. Prediger, der Hamburger Tempel, 2 Kanzelreden. Silberstein, Dr. M. Leitfaden für den israelitischen Religionsunterricht, zugleich zur Vorbereitung für den Act der Religionsweih6. Levy, Isaac. Eloge funebre de M. Lazare Isidor, Grand- Rabbin de France, proponö au temple isr.de Bordeaux le 27 Oct. 1888. n serate Beziehungen der Juden zur deutschen Kultur beim Ausgang des Mittelalters. (Fortsetzung.) Fs giehtAuekdoten, die wir als das ureigene Erbe Jacobs ansehen, die wir speciell als jüdische Witze au gehen, und doch finden wir Aehnliches in alten deutschen Büchern. Ein Beispiel, das Güdemann anfuhrt, bietet ein allgemeines Interesse. Man erzählt sich k unter uns: Einstmals habe ein Wanderrabbi in einer Gemeinde, in der Alle den Sabbath hielten und einer den Sabbath übertrat und Waaren feilhielt, gegen die Entweihung des Sabbaths gepredigt; am Sonntag kam dieser eine Sünder zum Prediger und gab ihm eine ansehnliche Gabe; dies stimmte den Prediger milder und in Erwartung vielleicht eines noch grösseren Geschenkes sprach er am nächsten Sabbath, dass die Sünde, gegen die er jüngst gepredigt, doch am Ende nicht gar so schwer sei, sie lasse sich einigerma&ssen ausgleichen durch Wohlthaten, durch Förderung der Tora und derer, die sich ihr widmen. Aber die Er- Wartung des schlauen Predigers wurde bitter getäuscht, denn der Mann trat ihm zornig entgegen: Du störst mir mein Geschäft; wenn die Leute hören, dass am Sabbath Waare leilbieten keine so grosse Sünde sei, 80 werden sie es alle mir nachthun; zuerst aber, da Du alle Strafen der Unterwelt über sie hinauf beschworst, hast Du mir eiuen Dienst erwiesen, denn Du hast mir die Concurrenz lern gehalten; und diesen Dieust habe ich Dir bezahlt In dieser Form ist die Anekdote neuem Datums, denn in alter Zeit existirte wohl kaum, auch nur als Ausnahme, ein Jude, der am Sabbath Waaren feilhielt Aber eine ähnliche Anekdote erzählt Güdemann aus christlichen Kreisen. Ein Prediger hatte gegen den Wucher geeifert, einer der Zuhörer kommt nach der Predigt zu ihm herein und giebt ihm einen Gulden. Dem verwunderten Prediger wird die Aufklärung: ich kann vor andern nicht herankommen, darum hätte ich gern, dass sie abstünden, dass ich auch hinzu könnte kommen. Die Moral dieser Anekdote ist, dass der Wucher keineswegs ausschliesslich in jüdischen Händen war, sondern dass der Ingrimm gegen die jüdischen Wucherer öfter Concurrenzneid war. Güdemann citirt das Sprüchlein: Wer sagt, dass Wucher Sünde sei, der hat kein Geld, das glaube frei. Das Gesetz der Kirche blieb auf dem Papier stehen und Sebastian Brant klagt: gar leidlich war der Juden Zins; aber sie dürfen nicht bleiben, die Christenjuden: d. 8. die Christliehen Wucherer sie vertreiben, die mit dem Judenspiess selbst rennen, ich kenne viel, die ich nicht will nennen. Der Wucher der Juden war zu entschuldigen, denn sie waren durch die Härte und Unduldsamkeit der Kirche und der fanatisirten Bevölkerung von jedem ehrlichen Erwerb abgedrängt worden; aber dass die Christen die Gebote der Kirche und der Menschlichkeit übertraten, wird durch keine Noth gerechtfertigt und Sebastian Brant bezeugt, dass die Juden noch glimpflich verfuhren gogenüber den christlichen Varnpyren. Loeb weist darauf hin, dass auf dem Holbein• sehen Todtentanz in der Kathedrale zu Basel (Seb. Braut hat dort lange gelebt) ein Jude und ein Wucherer abgemalt sind; sonach ist der Wucherer kein Jude. Wie bei den oben angeführten Geschichtchen, so finden wir auch fast in allen jüdischen Kreisen Sprich- Wörter, die scheinbar ganz aus jüdischem Boden entwachsen sind, und doch sich als übertragen ergeben. Jeder von uns kennt die Redensarten: wenn die Rabbiner wandern, regnet’s, wenn die Frommen wandern, regnet’s; trotzdem in Deutschland unter zehn Landparthieen immer neun einregnen, wenn ein Rabbiner dabei ist und dies Malheur tritt ein, unfehlbar erhebt sich auf Grund dieses Spruches die scherzhafte Anklage, er habe das Wetter verdorben. Diese eigentümliche Wetterregel hat auch die eigentümlichsten Erklärungen gefunden. Nun gab es aber, wie wir in deu Facetien, einer Sammlung von nicht gera de säuberlichen Schwanken, die am Ende des 15. Jahrhunderts verfasst ist, lesen, auch ein deutsches Sprichwort: wenn die Mönche wanden!, so regnet es. Es ist sonach eitel Dunst mit all’ den Herleitungen des jüdischen Sprücliwortes, die aus den hebräischen Worten liir Rabbiner und Fromme sich vielleicht ergeben könnten. Freilich die Erklärung, die fiir den Spruch in den Facetien gegeben wird, ist an sich keine glückliche und witzige und passt am wenigsten auf die damaligen liabbiner. Denn ein Bauer meint dort: die Mönche wandeln, weil sie so viel Wein trinken, stets wie in Dünsten von Wein, diese steigen dann in die Höhe und die Niederschlage geben deu vielen Regen. Offenbar eine sehr wässrige These. Das Einfachste ist wohl, dass Rabbiner und Mönche hübsch zu Hause bleiben und sich

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