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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-02-14 · N° 7. (14.2.1889) · p. Seite 27

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 7. (14.2.1889)
Date
1889-02-14
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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da mir gegeben hast ist rein. Da hast sie geschaffen, da hast sie gebildet, da hast sie mir eiagehauoht. Da bewahrst sie in mir, and da wirst sie einst von mir nehmen.“ Die zweite Zeile erinnert an Hiob 7.7: ״ זכור כי רוח ודיGedenke, dass eia Haach meine Seele ist.“ In Haapt’s Zeitschrift 6, 284 erklärt Wackernagel das Wort blas, Windlicht. (Siehe dagegen Bezsenberger Beschd. 208.) dann würde der Satz an Spräche Salomonis (20.27) gemahnen: ״ נר דנש&ת אדםEin Lioht Gottes ist die Seele des Menschen.“ Die Seele wurde in germanischen Kreisen als ein kleines Geschöpf vorgestellt, welches in Gestalt eines Vogels etc. aus dem Mande fährt. (Vergl. meine Schrift ,,Ueber Stoffe altdeutscher Poesie“ p. 20, wo ich eine ähnliche Vor- Stellung in der talmndischen Litteratar naohwies.) Die oben citirten Worte der Seele: ״Seitdem ich von ihm schied, da fliege ioh in der Loft wie ein Vogel umher“ stimmen dazu. 44. IS, 3—&. Von winden Wunders vil geschiht die nieman grifet noch ensiht Vergl. Sprüche Salomons 30.4: V»TO מי אסף רוח ״Wer fasst Wind in seinen Händen?“ 45. 13, 14.15. Ich weiz ein teil des hie geschieht, wiez dort st&. desn weiz ich niht In dem Mande Freidanks, der sich als ein gläa• biger Anhänger der Kirche erweist, muss fiieser Aussprach auffallend erscheinen, da die Kirche mit Schilderungen des jenseitigen Lebens nicht zurückhielt. Minder auffallend würde es sein, wenn man ihn als eine Reminiszenz folgenden talmudisohen Satzes ansehen wollte: כל הנביאים כולן לא נתבאו אלא לימות המשיח אבל לעולם הבא עץ לא ראתה אלודם זולתך. ״Alle Propheten weissagten nur für die Zeit des Messias, aber was die künftige Welt betrifft, so hat sie kein Auge ausser dir o Gott gesehen. (Beraohot 31b.) 46. 21, 23. 26, 8wer durch sich •eiben eaehe den dühte der lip vil smaehe ßwie schoene das mansche üzsn ist 6z ist doch innen boeser mist. Diese Strophen handeln von der Vergänglichkeit des menschlichen Körpers, der trotz äusserer Schönheit innern Verderb in sich birgt. Sie erinnern deshalb an folgendes talmudisohe Gleiohniss in Abot de R. Nathan C. 19, welches denselben Gedanken ver• ansohauiieht: אמשול לך משל למה הדבר דומה למלך גדולים וישב בכולם וביב של בורסקי עוכרת pשבנה פלט בתוכה ונופל על פתחה כל עובר ושב אומר כמה נאה ומשובח ״ פלטין זו אלמלא ביב של בורסקי עוברת בחובתich will dir ein Beispiel geben: ״Ein König baute einen grossen Palast, (er bewohnte alle seine Räume) daroh welchen aber ein übelrieohender Kanal sich hinzog and an der Thür seinen Ansfall hatte. Wer da vorbei ging spraoh: ״Wie schön und herrlioh wäre doch dieser Palast, wenn er nicht von einem übelrieohenden Kanal darohzogen wäre“. — 47. 22, 2. 3. Swie liep daz mansche lebendic si, ©z ist doch nach tode unm&ere bi. Vergl. Derech erez suta Cap. 4: בשעת מ*תה ארם נעשה בנבלת «Im Tode ist der Mensoh wie ein Aas“. (Fortsetzung folgt.) Litteraturbericht Recensionen. Cj Lelmdörfer, Dr. D. Prediger, der Hamburger Tempel, 2 Kanzelreden, Hamburg, Boysen’s Buchhandlung. 1889. Vorliegende Reden wurden zum 70jährigen Denktage der Begründung des Hamburger Tempels, (18. October 1888) gehalten. In der dem Dr. Leimdörfer eigenthümliehen Beredsamkeit behandeln sie die geistigen Bestrebungen der Tempelgemeinde, und zwar behandelt die erste die positive, die zweite die negative Seite. Als den positiven ״Grundgedanken der Entstehung des Hamburger Tempels“ stellt der Redner hin die Forderung: ״Die uralte Gottesthora in würdiger Hülle“, welche dem ״Erstreben äusserer und innerer Weihe . . . Ordnung und Regelmässigkeit, Vergeistigung und Vertiefung der Religion“ zu Grunde lag. Als Denkmünze für die Tempel-Gründung empfiehlt Redner sehr sinnig die uralte ״Münze Abrahams“, nach Bara Kama 97: מטבע של אברהם אביו זקן תקנה מצד זה 1־** <בחור ובתולה מזה» Sinnbild der Vereinigung des Alten mit dem Neuen. Die zweite Rede tritt der, allerdings weitverbreiteten, Ansicht entgegen, dass der Tempel-Verband auf anticeremonieiler Basis beruhe. Leimdörfer bestreitet dies mit einer Entschiedenheiit, die der beste Beweis dafür ist, dass seine Worte den Thatsachen entsprechen. Er sagt: ״Hierauf war unsres Tempels Bestreben allezeit gerichtet: Vergeistigung und Vertiefung der positiven Religion Israels. Wir haben die heiligen Satzungen und Zeremonien der Thora niemals verworfen, und wenn etliche es doch gethan, wir sind hierfür nicht verantwortlich, wie Moses es nicht sein konnte dafür, dass es in seinen Tagen ein מקושש עצים ביום השבת gab. Oder hat der Prophet | Jesajas, der gegan Gesinnungslosen Formendienst so I sehr geeifert (Cap. 1) . . . nicht auch in seiner Zeit Etliche gekannt, die in seinem Buche bezeichnet werden als אוכלי בשר החזיר השקץ והעכבר, Männer, die das Fleisch unreiner Thiere gemessen? An einer andern Stelle: ״Seit 70 Jahren predigt man hier die Heiligung desSabbaths und der Feierzeiten, liest man hier an den verschiedenen Festen das mosaische Festopfer-Rituale nach Anordnung der alten Weisen. Auch konnte es nie im Sinne des Tempels und seiner Förderer sein, das was man Halacha oder rabbinische Satzung im Talmud nannte, mit Füssen zu treten, denn wäre dies der Fall, dann hätten wir nicht die Feier der rabbinischen zweiten Festtage, dann hielten wir Pessach nur 7 Tage — dann nähmen wir nicht die ״Palme“ aach am zweiten Tage des Hüttenfestes, dann läsen wir hier am Purim keine Megilla. Wer sagt, wir hätten die גאולה, die einstige Erlösung in der messianisohen Zeit gestrichen? In anserem Gebetbuohe steht geschrieben ובא לציו! נואל, ferner ולירושלים עירך ברחמים תשוב.0 י nioht in den Tempeln mit zeitgemässem Gottesdienste, sondern in anderem ist der Grand zu saohe^ für das Ueberhandnehmen der Nichtachtung der Zeremonie: da ist vor allem der materialistische Zug der Zeit... da ist ferner der beklagenswürdige Mangel an jüdischem Wissen, an Schale und religiöser Erziehung, man lernt keine Thora, viel weniger den Talmud mehr; das Vorbild religiösen Lebens in Haus and Familie ist verblichen“ etc. Man ersieht aas diesen Citatea, mit ihrer packenden saohliohen rhetorischen Kraft, dass diese Reden nicht nar in kanzelrednerischer Hinsioht, sondern aaoh zur Berichtigung der ziemlioh allgemein herrschenden Anschaaangea über den ״Hambarger Tempel“ von der grössten Bedeutung sind. Dr. Goldsohmidi-Birkonfeld. Silberstein, Dr. H. Leitfaden für den israelitischen Religionsunterricht, zugleich zur Vorbereitung für den Aot der Religionsweihe (Confirmation). Wiesbaden, Christian Limbarth 1889. Der darch seine Kanzelreden weithin bekannte Verfasser tritt uns in diesem ״Leitfaden“ als Pädagoge and praktischer Theologe bescheiden, and doch

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