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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-01-31 · N° 5. (31.1.1889) · p. Seite 18

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 5. (31.1.1889)
Date
1889-01-31
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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— 18 — Welcher deutsche SchriftsteUer, der für die gebildeten Kreise seiner Nation schreibt, würde derartig^ Bibelworte heate anders als in der Form des Citats anwenden. Nur der Engländer kann bei seinen Landsgenossen eine so innige Bekanntschaft mit der Bibel voraussetzen, dass er solche Anklänge ohne Weiteres zum Schmuck seiner Bede Vorbringen darf; bei unsera insularen Vettern ist also die Veijudung, von der Scherr redet, auch ohne Luther stärker als in Deutschland. Was aber den sachlichen und geschichtlichen Gehalt der Schrift anbetrifft, so ist dieser schon vor Luther durch Bücher, die sich der grössten Volksthümliohkeit erfreuten, in die deutsche Volksseele übergegangen. Das ״Narrenschiff“ von Sebastian Braut, ein Volksbuch von weitragender Wirkung, dessen Kapitel von dem bedeutendsten deutschen Kaneelredner des 15. Jahrhunderts als Texte zu Predigten genommen worden sind, das einen Erasmus zu seinem Lob der Narrheit angeregt hat, ist voll von Beispielen aus dem alten Testament, während das neue Testament fast ganz leer ausgeht. Güdemann lenkt die Aufmerksamkeit auf dieses Verhältniss mit den Worten: ״Es ist bemerkenswerth, dass Br. als Muster derj Nächstenliebe nur solche aus dem alten Testament, dagegen kein christliches anführt.“ Man kann weitergehen und die Merk- Würdigkeit konstatiren, dass überhaupt in dem ganzen Buche die Citate aus dem neuen Testament sehr rar sind und ne Den vielen Hin weisen auf Persönlichkeiten aus dem griechischen und römischen Culturthum im wesentlichen die vierundzwanzig Bücher und die Apokryphen die Fundgrube für Brant sind, um seine Lehre durch geschichtliche Beispiele zu belegen. _ (Fortsetzung folgt) Ueber ״Freidank’s Bescheidenheit“• Von Dr. S. Gelbbaus, Rabbiner zu Nordbausen. (Fortsetzung.) 24. 6, 17—27. War umb ein mensche si verlom 7, 1—3. daz ander si ze gnade erkom swer des vräget, deist ze vü got mac unt sol tuon swaz er wil. Swaz got mit sinre geschephde tuot daz sol uns allez dünken guot waz mac der baven sprechen wil in sin meister brechen? noch minre muge wir wider got sprechen, kumt uns sin gebot swie der haven v( llet vil lilite er wirt erschellet er valle her oder hin der schade gat ie über in. In diesen Versen wirft der Dichter die Frage auf, ״warum hienieden manchen Mensohen ein unverdientes Geschick trifft,“ und er erwidert, ״dass diese Frage eine eitle, müssige ist, da doch Gott als Meister mit seinen Geschöpfen machen kann, was er will, wie der Töpfer mit dem Topfe nach Belieben verfahren kann.“ Diese Gedanken sind in folgenden Sätzen ausgedrückt: יש צדיקים שמגיע ארהם כמעשה הרשעים ויש רשעים שמגע אלדם כמעשה הצדיקים אמרתי ״ שגם זה הכל»Es giebt Gerechte, denen es ergeht, als hätten sie die Werke der Bösen und es giebt Böse, denen es ergeht, als hätten sie die Werke der Gereohten; ich spreche das ist auch eitel.“ (Prediger 5,14.) Nach der Lehre des Talmud hat Moses an Gott selber eine ähnliche Frage gerichtet: אמר לפניו רבש״ע מפני מה יש צדיק וטוב לו צדיק ורע לו, רשע וטוב לו רשע ורע לו. Er sprach zu ihm: ״Herr der Welt, warum giebt es einen Gerechten dem es gut ergeht, und einen Gerechten, dem es schlecht ergeht, einen Bösen dem es gut ergeht und einen Bösen dem es schlecht ergeht?“ (Beraohot 7 a). Das Gleiohniss vom Töpfer und dem zerbreohliohen Topfe findet sich in folgenden Stellen: בני ציון היקרים המסלאים בפז איך נחשבו לנבלי חרש מעשי ״ ידי יוצר.Die theuren Kinder Zions, die wie Gold geschätzt wurden, wie gleichen sie denn jetzt irdenen Geräthen dem Handwerk eines Töpfers.“ (Klagelieder 4,2) הפככם אם כחומר היוצר יחשב כי יאמר מעשה ״ לעושהו לא עשני רצר אמר ליצרו לא הביןihr seid verkehrt, als wenn der Thon gleich dem Töpfer geachtet würde, als wenn das Werk zu seinem Meister spräche• er hat mich nicht gemacht, als wenn der Topf zu seinem Töpfer spräche, er versteht mich nioht.“ (Jesajas 29,16.) הד רב את יוצרו חרש את חרשי אדמה ״ היאסר חמר ליצרו מה תעשה ופעלך אין ידם לו.Wehe dem Scherben unter den irdenen Geräthen der mit seinem Meister rechtet. Kann der Thon zu seinem Bildner spreohen, was thust du und dein Werk hat keine Hände.“ (das. 45,9.) הכיוצר תה לא אוכל לעשות לכם בית ישראל נאום ד• הנה כחומר ביד היוצר כן אתם ״ בעי בית ישראל.Kann ich denn dem Hause Israel nicht so thun wie der Töpfer, sprioht Gott. Denn wie der Thon in der Hand des Töpfers, 80 seid ihr in meiner Hand Haus Israel.“ (Jeremias 18.6.) כי ״ אנחנו החומר ואתה יוצתו ומעשה ידן־־ כולנו.Wir sind der Thon und du bist unser Töpfer und dein Händewerk sind wir alle.“ (Tachnun). כי מה כחומר ביד היוצר ברצותו מרחיב וברצותו מקצר כן אנחנו כעד חסד נוצר ״Wie der Thon in der Hand der Töpfers, den er nach Belieben weit und nach Belieben eng macht, so sind wir in deiner Hand Gnadenbewahrer.“ (Lied in Kol Nidre.) — 25. 7, 6—8. Got gescbuof Adamen an menneachlichen saraen Eva wart von im genomen. .ויברא אלהים את האדם בצלמו בצלם אלהים ברא אותו ״Und Gott erschuf den Menschen, nach seinem Ebenbilde, naoh dem Bilde Gottes erschuf er ihn“. (Genesis 1,27.) .״ כי מאיש לקחה זאתDenn von dem Manne wurde diese genommen.“ (das. 2.23.) — 26. 8, 18—19. Got lät uns zallen ziten sehen manec groezer wunder, wil mans jehen. •אדון הנפלאות המחדש בטובו בכל יום תמיד מעשה בראשית ״Er ist der Herr der Wunder, er erneuert täglioh ununterbrochen die Werke der Sohöpfung.“ (Morgengebet.) 27. 8, 20—23. Wir sehen der himele Zeichen sweben daz diu gänt umbe sam si leben sonne, mäne, sterren schin waz mac gelich dem wunder sin? Bezzenberger weist bei diesen Strophen auf Jesajas 40.26, Psalm 8.4, 1, 2—4, 73, 16, 103. Hiob 37, 2—5 und Jesajas 29.6, hin. Uns erscheinen diese Parallelen nioht als zutreffend. Denn, hätte der Dichter dieselben gekannt, so wäre er bei seiner grossen Begabung durch die Grossartigkeit derselben zu einer ergreifendem, mindestens ausfühl iiohern Schilderung seiner Betrachtung der Naturwunder veranlasst worden. Die concise Fassung seiner Gedanken in diesen Sätzen stimmt nicht zu der Ausführlichkeit mit der er gerade in diesem Absohnitt (von S. 7 bis 10) die übrigen Theile seines Thema’s behandelt. Vielmehr erinnert die knappe Darstellung dieser Gedanken an die Worte: טובים מאורות שברא אלוהינו יצרם ברעת בבינה ובהשכל כח וגבורה נתן בהם להיות מושלים בהרב תבל. קרא לשמש ״ דזרח אור ראה והתקין צורת הלבנה.Herrlich sind die Lichtkörper die unser Gott erschaffen; er hat sie mit Vernunft, Einsicht und Verstand versehen und ihnen Macht und Kraft gegeben, zu herrschen in der Welt. Er rief die Sonne hervor, und sie strahlte Licht aus, er sah und bildete die Gestalt des Mondes.“ (Morgengebet für Sabbat.)

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