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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-01-24 · N° 4. (24.1.1889) · p. Seite 14

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 4. (24.1.1889)
Date
1889-01-24
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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Inbrunst für das Volk nach der Zuräokkunft der Kundschafter, und sein Gebet war von Erfolg gekrönt (Numeri 14, 13—20). Aber selbst aus den von Bezzenberger angeführten Worten: ״Was rufest du zu mir?“ geht ja deutlich hervor, dass Moses gebetet hat. Und richtig bemerken auch dieRabbinen zu diesem Satze,(Meohiita): ״ למדנו שהי, משה עומד ומתפללDaraus sohiiessen wir, dass Moses stand und betete.“ Unserer Ansicht nach will Freidank in obigen Strophen betonen, dass ein wahres Gebet in stiller Andacht, und nicht in laut sich äusserenden Worten besteht. Da doch die Gebete Moses, der doch nach dem Berichte der Sohrift (Exod. 4,11) eine schwere Aussprache und eine schwere Zunge hatte, ebenfalls erhört wurden, weil sie wohl still und undeutlich, aber aus inbrünstigem Uerzen kamen. Der Vorzug des stillen Betens wird aber im Talmud ganz besonders gepriesen, wohingegen das laute Bezitiren der Litanei perhoreszirt wird. Im Talmud Jeruschalmi Berachot (Perk 0. Mischna) I heisst es: ראה כמה הוא גבוה מעולמו ואדם נכנם לבית הכנסת ועומד ״ אחורי העמוד ומתפלל בלחישה והקב״ה מאזין תפילתו.Siehe wie erhaben er über der Welt ist, aber wenn ein Mensch ins ßethaus hineingeht, hinter das Betpult sich stellt und leise betet, so vernimmt Gott sein Gebet. “ Das leise Beten wird bezeichnet: כאדם המשיח כאווז חכרו. " Wie ein Mensch seinem Nächsten etwas ins Ohr raunt.“ Auch wegen der Schuldbekenntnisse der Menschen vor Gott soll das Gebet still verrichtet werden, in Sota p. 32 heisst es: מפני מה תקנו תפילה ״ בלחש כרי שלא לבייש את עובר* עכירהיWarum hat man festgesetzt, dass das Gebet leise gesprochen werden soll? Damit man die Sünder nicht besohämen 8011.* Von dem lauten Beten heisst es aber: המשמיע ״ קולו בתפילתו הרי זה מקטני אמונה.Wer seine Stimme erhebt bei seinem Gebete, der ist von den Kleingläubigen.“ .המנביה קולו בתפילתו דרי זה מנביאי השקר ״Wer überlaut betet, der gehört zu den falschen Propheten.“ (Berachot p. 24.) Die Bemerkung: ״des Mundes Bitte ist ohne Herzensgedanken krank“, entspricht dem talmudischen Lehrsätze: המתפלל צריך שיכוין לבו ״ לשמיםWer ein Gebet verrichtet, der 8011 sein Herz dem Himmel zuwenden.* (Berachot 31a.) — 23. 5, 23—2ti. Wiste got allez daz geschiht <>, 1—2. 6 er iht geschüefe, od wisters niht? die wisen jehent er wiste wol daz ie was unt geschehen 801 got himel unt erde nmberinc geschnof unt dar in elliu dinc. Hier wird die Frage berührt, wie sich das Vorherwissen Gottes zu dem Begehen der Sünde und zu dem Geschehenlassen derselben verhält. Die Worte: ״Die Weisen sagen, er wusste wohl was je war und sein wird“ gemahnen an Jesajas 42,9: הראשונות הנה ״ באו וחדשות אני מנד בטרם תצמחנה אשמיע אתכם.Das Vergangene ist eingetroffen und das Künftige verkünde ich, bevor es hervorsprosst sage ich es euoh. Noch prägnanter ist dieser Gedanken ausgedrückt in den Worten des Mussafgebetes am Neujahrstage: .״ אתה זוכר מעשי עולם ופוקד כל עירי קדםDu gedenkest was von Ewigkeit geschehen und musterst alle Geschöpfe der Vorzeit.“ .צופה ומביט עד סוף כל הדורות ״Du schauest und blickest bis ans Ende alle Generationen.“ Der ganze Ideengang dieser Strophen aber erinnert an folgende Erzählung in Beresohit Kabba Genesis c. 27: נר אחד שאל אח ר־ יהושע בז קרחה א*ל אין אתם אומרים שההב״ה רואה את הנולד אמר לו הן .יהא כתיב רתעצב אל לבו א״ל נולד לך בן זכר מימיך א״ל הין א״ל מה עשית אמר לו שמחתי ישמחתי את הכל . א״ל ולא היית יודע שסופו למות אמר לו בשעת חדוותא חדויתא בשעת אבלה אבלה. »Ein Heide frag B. Josua ben Korcha: Ihr behauptet, dass Gott das Zukünftige vorhersieht, cs heisst doch aber, ״und er trauerte in seinem Herzen“. Darauf erwiderte jener: Ist dir jemals ein Sohn geboren^worden? Ja,1! lautete die Antwort. Und was hast du da gethan? Ich freute mich und erfreute meine ganze Umgebung. Und wusstest du denn nioht, dass dein Sohn doch einst dem Tode verfallen sein wird? Gleichviel, erwiderte der Heide, die Freude hat ihr Becht zur Zeit der Freude und die Trauer zur Zeit der Trauer.“ — (Fortsetzung folgt.) Ein judenfreundlicher Roman. (Schluss.) Welchen Widerstand hatte H. schon in seinem Amte zu überwinden! da ist eine liberale Zeitung, ' sie hat natürlich nichts gegen den Juden einzuwenden, aber sie maoht doch auf einige Nummern des Kirchenblattes aufmerksam, aus denen hervorgeht, dass ein Jude mehr Schwierigkeiten hier za überwinden habe als andere. Wer je um ein öffentliches Amt in einer liberalen deutschen Stadt sich als Jude beworben hat, der weiss es, dass immer der illiberale Nachbar vorgeschoben wird, um die eigene Gesinnung zu verdeoken. Trotz des jüdischen Typus sind H’s. Gesichtszüge Vertrauen erweckend. ״Dies bleiche Gesicht hatte einen milden Ausdruck, der Andern das Gefühl erweckte, dass er Antheil an ihnen nehme und die sanften dunkeln Araberaugen spraohen unverkennbar die aufrichtige Theilnahme aus, die er für jedes fremde Leid empfand.“ Auoh in kleinern Charakterzügen ist sich H. des Zusammenhangs bewusst, mit den Eigentümlichkeiten der jüdisohen Volksseele, ja er beiont den Zusammenhang schärfer als nöthig. Er ist ordnungsliebend, denn sagte er: Ordnung ist das halbe Geschäft, auoh einer unserer semitischen Grundsätze, für die die grosse Seele des Germanen zu edel denkt.“ Wenn er aus unklaren Motiven unlogisch handelte, so nannte er das indogermanisch. Er ist energisch und zielbewusst und lässt sich nioht zurücksohrecken durch momentanes Misslingen. Das vertheidigt er, indem er wie folgt das Inviduelle in’s Allgemeine wendet: ״ Das ist auoh ein Erbe der langen Verfolgung, deren Ihr uns gewürdigt habt, dass unnützes Zartgefühl uns kein Geschäft verdirbt. Ohne Zweifel ist es sehr undelikat, immer wieder auf seine Zwecke zuiüokzukommen, aber wenn ihr uns zur Delikatesse erziehen wolltet, musstet ihr nicht so viele Secula hindurch uns anspeien und Mauschel hinter uns herrufen. Beim Gott meiner Väter, der Maasohel regt sioh in mir, und wie ich ihn kenne, wird er nicht ruhen, bis er dieser Saohe auf den Grund gekommen ist.“ Trotzdem er eine Christin liebte, schätzt er die Jüdinnen, rühmt er ihre Energie, dass sie ihren Männern alle kleinen Verdienstlichkeiten des Lebens abnehmen, an alles denken, für alles sorgen, so dass der Mann anz seinem Geschäfte leben könne. Er selbst aber atte keine Jüdin geheirathet, weil er es reizender fand, für Jemand zu sorgen, als für sioh sorgeu zu lassen. Vortreffliche Worte legt der Dichter H. in den Mund, wo er über soziale Schäden sich äussert: ״Gegen den Geist der Verwilderung und Genusssucht wird keine Gesetzgebung uns schützen, das kann nur die Religion, aber eine Religion wohlgemerkt, an die die Leute auch glauben können, und die sich mit dem Sittengesetz mehr befasst als mit dem Dogma; vor einer Spittel- und Bettelbevölkerung, wie sie die Klöster uns erzeugen, möge Gott uns in Gnaden bewahren; eine heilige Elisabeth wäre heut nur noch ein Unglück für ihr Lbnd“

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