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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-01-17 · N° 3. (17.1.1889) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 3. (17.1.1889)
Date
1889-01-17
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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— 10 nach deiner Gerechtigkeit. “ Selichot am Vorabend des Nenjahrstages. — 1&. 4, 6.7. Dia bach saget 1t uns viir vär ein tac 8i dä tasent jär. Psalm 9,4: .כי אלף שרם בעיניך כיום אתמול ,Denn tausend Jahre sind in deinen Aagen wie der gestrige Tag.tt Man vergleiche hieran Midrasch Schocher tob.: וכמה ימות המשיח‘ ר־ אליעזר אומר אלף שנה שנאמר כיום ״ אתמול. ר מאיר אומר כר רומו של הקב״ה אלף שנד»Wie• viel sind die Tage des Messias. R. Elieser sagt tausend Jahre, denn es heisst wie der gestrige Tag. R. Meir sagt etc. Und ein Tag Gottes ist tausend Jahre “. (Fortsetzung folgt.') Biblisches und Talmudisches in weltlichen deutschen Dichtungen. Von Rabb. Dr. Ph. Kro n er-Berlin. Nachdem wir die Behandlung dieses bedeutsamen Themas in Nr. 2 Jahrg. 1886 d. Bl. begonnen und dort die gesch. Mitarbeiter desselben ersucht hatten, einschlägiges Material zu sammeln und zu veröffentliehen, gingen uns alsbald mehrere Beiträge zur Ver• werthung bezw. Publicirung zu; wir waren indess bis jetzt verhindert, die Arbeit wieder aufzunehmen, so oft dies auch von verschiedenen Seiten gewünscht wurde. Zuerst sandte uns Herr Lehrer M. Baum-Bosen einige Beiträge. Auf unsere Anheimgabe, mit der Redaction des ״Jüd. Litt.-Bl.“ direct in Verkehr zu treten, stellte Herr Baum in Nr. 29 das. Schillers ״Bing des Polykrates“ mit der im Tractat Sabbath 119 a enthaltenen, in den Semiroth für Freitag Abend angedeuteten Erzählung von dem Sabbath Verehrer Joseph (,?יוםף מוקיר ש> vergleichend zusammen. Aus dem uns von Herrn Baum mitgeth eilten Material verdienen noch folgende Parallelen veröffentlicht zu werden: Je mehr er hat, je mehr er will, Nie schweigen seine Klagen stilL (Goethe.) Wer das Geld liebt, wird des Geldes nicht satt, Und wer Reichthum liebt, nicht des Ertrages (l’red. Sal f», 9 ) Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, Vor dem freien Menschen erzittert nicht! (Schiller, die Worte des Glaubens.) Unter dreien erzittert die Erde .. Unter dem Sklaven, wenn er König wird ... (Spr Sal JO, 21 u. 22 ) Herr Baum, der, wie wir s. Z. namentlich auch dem Begleitschreiben desselben entnahmen, unserm Gegenstände auerkennenswerthen Eifer widmet, stellte uns weitere Beiträge in Aussicht; wir sehen nunmehr der Einsendung dieses Materials gern entgegen. *) — Ferner empfingen wir von Herrn Schuldirector Ozerowicz aus Bzeszöw zwei beachtenswerthe Notizen: 1. Wer Wielands ״Oberon“ auch nur flüchtig gelesen, dem wird wohi kaum entgangen sein, dass der im VH. Gesang so eindringlich geschilderte Sücdeniäll, der darauf erfolgte furchtbar drohende Sturm, der panische Schrecken der Schiiisbevölkerang, die Loosung des Schiflshauptmanns, endlich das Opfer zur Sühne der Schuld u. 8. w. — dass die6 Alles fast buchstäblich dem Buche Jona entnommen ist. 2. Desselben Dichters ״Geron der Adelige“ dürfte eine nicht unangemessene Nachahmung der biblischen Geschichte Josephs und dessen sittlicher Kämpfe gegen die Verführungssucht seiner Gebieterin, der *) Wir ersuchen unsere Freunde and Bekannten, auf der Adresse ihrer Briete an 11ns gefälligst Strasse und Hausnummer (Kaiserstrasse 41) anzugeben Frau des Potiphar, sein. Daneben vernehmen wir gans deutlich den Sittenspruohder altrabbinischen Ethik (Pirke Aboth), wonach derjenige ein wahrer Held ist, der seinen sinnlichen Trieb bezwingt. Beide Notizen des Herrn Ozerowicz erscheinen um 80 werthvoller, wenn wir uns gegenwärtig halten, dass der VTL Gesang des ״Oberon“ einer der grossartigsten Theile jenes Epos ist, das Lessing mit Bewunderung erfüllte und Göthe zu der Aeusserung an Lavater veranlasst«: ״So lange Poesie Poesie, Gold Gold und Krystall Krystall bleibt, wird Oberon als ein Meisterstück poetischer Kunst geliebt und geehrt werden“; und wenn wir uns gegenwärtig halten, dass unter Andern Wilhelm Scherer in seiner Geschichte der deutschen Litteratur von ״Geron“ rühmt, er se: Wielands ernstestes und durch Selbstverleugna ästhetische und sittliche Haltung pp. vielleicht sei vollkommenstes Gedicht Usbrigens wird Wielam Vertrautheit mit der biblischen Litteratur Nieman überraschen, der seinen Bildungsgang kennt. — Sodann übermittelte uns der verewigte J. Kos ans Berlin — ein Mann von vielseitiger Bildung und edelstem Sinn für die Förderung jüdischer Interessen — folgende Bemerkung: In No. 19 des ״Jüd. Litteratur-Blatts“ Jahrg. 188 6j wird unter ״Proben aus ältern hebr. Werken II. Abra■ hamibnMegas, überGottesVorherwissenund diemensoh liehe Willenfreiheit“ erzählt, dass ein grosser Astrolog, Namens Abraham Zaouto, im Dienste eines spanischen Königs gestanden, dieser ihn gern auf eine Lüge oder Flunkerei ertappen wollte u. 8. w. Ein frappantes Seitenstück — oder Original? — zu dieser Erzählung findet sich in dem Werke ״Das deutsohe Volk, Deutsche Geschichte in Wort und Bild“ von Adolph Streckfnss. Berlin, bei W. Moser; und auszüglich wiedergegeben im ״Berlinischen I^aaehnch für Schulen“, von Otto Schulz Oberstufe, bearbeitet von H. Bo hm und H Lübeky, 13. Aufl. Berlin, Nicolaischer Verlag. A. Stricker 1884. Seite 187 dieses Lesebuchs heisst es von Kaiser Friedrich II.: Die Vorhersagungen des! Sterndeuters suchte Friedrich absichtlich häufig in ihrer Nichtigkeit darzustellen, um den Beweis der Unglaub Würdigkeit zu führen; einmal aber wurde er doch selbst zweifelhaft. Als er sich im Jahre 1227 in Vicenza befand und vielfach die trügerische Kunst des Astrologen bespöttelt hatte, gab ihm dieser einen versiegelten Zettel, auf welchem er dis Thor, durch welches I Friedrich die Stadt verlassen werde, niedergeschrieben! hatte. Der Kaiser lachte. Um aber die Wahrsagung zu Schanden zu machen, liess er die Mauer der Stadt 1 durchbrechen und ritt über die Trümmer hinaus; | dann eröffnet« er spottend den Zettel, aber siehe da! auf demselben standen die Worte: Der Kaiser wird! durch ein neues Thor hinausgehen. Ob diese Erzählung ein Seitenstück oder Original! zu der in qu. No. 19 enthaltenen ist —- diese Frage i konnten wir dem Einsender nicht entschieden beant- Worten. Da Zacuto etwa 1515 starb und bei dem andern Astrologen das Jahr 1227 angegeben wird, so j scheint allerdings die Erzählung des Lesebuchs : das Original zu der im Litteratur-Bl. mitgetheilten i zu sein. Aber es ist andererseits sehr wohl möglich, | dass sich das Erlebniss des Zacuto später zu einer Sage umgebildet, die einen andern — namenlosen — Astrologen dem Kaiser Friedrich II. gegenüber ähnlich wie Zacnto verfahren lässt. Dieses Für und Wider beweist abermals — in No. 2 1. 0. haben wir bereits ein Beispiel angeführt — wie nothwendig es ist, über vermuthete Entlehnungen mit aller Vorsioht zu urtneilen; bei sorgfältiger Prüfung sind dieselben eben nur vermuthete, nur scheinbare. Noch erwähnen möchten wir die Schrift des

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