Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 3. (17.1.1889)
- Date
- 1889-01-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisehes Litteratur■ Jahrg. XV Hl Blatt. Zar MNCtt«■( aller Ja4eatkaa1 n< M■ katreffaa4ea littarariechaa Cr• aar 4w fiaklata 4ar rillt■ aavMa, «mUckto, ItkMfnrkh, Thea• Kl•, Orlaatalla, Bxagaae,!••1141k. Lltarflk a. Niamlk. Herausgegeben TOD Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 17. etanna-t 1889. Blekar •arditekliallt■ LltWratar, welch 4ar Ba4aet.aa ■ag«aaa4t war4aa, lila• la 41a••■• Blatt• •lacahaa4a Baatraekaag Bai Baaaa4aag raa > wal Ewaariaa». Bxaaplaraa •rfelgt •!•■•altf• karma Gratii'laaertlaa. Dm ״JMiBch• Littentar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipaig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Bnchhandlangen I Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litfceiatar-Biatt“ gratis. — Inserate werden mit 22 Pf. für die gespaltene Petitseile, Beilagen mit 20 Mark» berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden j BuohhAndler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsanden, erhalten 25 jt Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aafs&tze: Ueber ״Freidanks ]Bescheidenheit“. Von Dr. S. Gelbhaus. (Fortsetzung.) — Ein jadenfreundlicher Roman. (Forts.) Litteraturbericht: Recensionen: Stickel, Dr. Joh. Gast. Das Hohelied iu seiner Einheit und dramatischen Gliederang mit TJebersetznng und Beigaben. (Schluss.) Unbefugter Nachdruck aut diesem Blatte ist nicht gestattet Ueber ״Freidank’s Bescheidenheit“- Von Dr. S. Gelbbaas, Rabbiner zu Norihausen. (Fortsetzung.)*) 8. 3.1—2. Got hat allen dingen gehn, die mäze. wie 8i solten lebn. Unter maze ist hier die Grundform, die Wesenbeit der Dinge zu verstehen. Bezzenberger bemerkt, dass damit die Art und Weise gemeint ist, welche durch das für jede Handlung gesteckte Maass bestimmt wir' Vergi. Jesajas 40,12: מי מדד כשעלו מים ושמים ושקל בפלס התם וגבעות ps כירת תכן וכל כשליש עפר ״ במאזנים.Wer misst das Wasser mit der Faust und fasset die Himmel mit der Spanne und begreift die Erde mit einem Dreiling und wiegt die Berge mit einem Gewicht und die Hügel mit einer Wage“. Mehr noch scheint der Ausspruch an das Kether Malchut des Salomon ben Gabirol (geb. circa 1020) zu gemahnen: ותיכן שחקים מרת רדו אוהל, הגלגלים ״ מחברת ובללאות תכולת יריעות.הבריאה קושרתUnd er errichtet die Himmel mit der Spanne und seine Hand verbindet das Zelt der Planeten und durch die Bande der Allmacht knüpft sie die Teppiche (die Formen) der Schöpfung“. Ebenso erinnert er an Sohir bajichud 3: כל היצורים גבול סבכת אר ראשיתם ואל אחריתם ״Du bist die Ursache der Begrenzung aller Geschöpfe von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende.“ Der Verfasser dieses Hymnus, R. Juda Hachassid, lebte gegen 1200. (Manche behaupten, dass sein Vater Verfasser desselben sei. Vergi. Landshut. Hegion leb. S. 265). 9. 9, 3—4. Got uns bezzer maze wider git daone wir in mezzen zaller zit. Dieses ist eine Redensart, die im rabbinischen Schriftthum häufig vorkommt. Sie lautet: לא כמדת ״ הקב״ה מדת בשר ידם•Nicht wie das Maass der Mensehen ist das Maass des Heiligen, gelobt sei er.“ (Berachot p. 5, Sabbath p. 126, Erubin p. 19 etc.) Das Maass Gottes wird als besser und vorzüglicher als das der Menschen geschildert. — *) S 5b Z. 26 v. o. 1. Hören st. hören. — S. 6b Z. 8 v. u. 1. Aussprüche st. Aussprache. 10. 3, 9—13. Got rittet nach dem muote ze übele not ze guote. Ein ieglicher lön enpfät dar nach als im sin herze stät der wille ie vor den werken gät ze guote ant oach ze misset&t. Diese Sätze sind eine Modification des talmudisohen Ausspruches. Kiduscuim 40;מחשבה טובה הר״בה מצרפה ״ למעשה מחשבה רעה אין מצרפה למעשה.Einen guten Willen betrachtet Gott als eine That, einen unlöblichea Willen sieht er als keine an.“ 11. 3, 15. Got der durch eiliu herzen siht. *״ וד~ יראה ללבבGott aber sieht ins Herz“. (1 Samuel 16.7). — 12. 3,19—20. Ein kleine kint erbaeten wol des man in ze rehte biten 801. .״ מפי טללים רונקים יסדת עתAus dem Munde der Rinder and Säuglinge hast du eine Macht gegründet.“ (Psalm 8.3.) — 13. 3, 23. Er tuot wol allez das er wil er verhenget oach unbildes vü. , Vergi Psalm 115.3 und 135.6. ואלהינו בשמים כל אשר ״ הפץ עשר»Aber unser Gott im Himmel thut alles was er will.“ בימים pבל אשר חפץ ד עשה בשמים ובא ״ וכל תהומות.Alles was Gott will, thnt er im Himmel und auf Erden u. s. w.“ Der zweite Theil des Reimpaars bezieht 8ioh auf die in den Versen 8 und 13 desselben Psalms aufgezählten Plagen, Unbilden and Strafgerichten, von denen Pharao and die kanaani tischen Fürsten heimgesaoht wurden. 14 3,25—27. Und raecha er halbes daz er mac 4,1—3. sc stüend diu werlt nicht einen tac Wolle uns got in wizen län als lange wir gesundet hin (daz sin genäde wende!) so würdes niemer ende. Diese 6 Zeilen drücken den Gedanken, der im Psalm 130.3 enthalten üt, aus. .אם עונות תשמר־יה אדני מי יעמוד ״Wenn du, 0 Gott, die Sünden auf bewahren wolltest, wer, o Herr, kann dann bestehen.“ Man vergleiche noch hierzu die darauf folgenden Worte in Tachun, Wehu rachum .״ מ* עמך הסליחה למק תוראDenn bei i dir ist Vergebnng, damit du gefürchtest werdest.“ Aehnliohes drücken folgende Satze aus: אל תבוא במשפט עמנו כי לא יצדק לפנק כל חי. רדומידרבים ד ״ כמשפטיך חיינז.Gehe mit uns nicht ins Gericht, denn kein Lebender kann dann vor dir gerecht erscheinen. Deine Barmherzigkeit ist gross, o Herr, erhalte uns *) Ich mache darauf aufmerksam, dass bei Paralien mit der Bescheidenheit aut Stellen in populären jüdischen Schritten besonders zu achten ist, da, wenn Freidank jüdische Sentenzen ert&hren. er dieselben nicht in den Lehrhäusem, sondern aus dem Mundo des Volkes kernen gelernt hat. Man thut daher wohl biblische und talmudische Sätze bis zu ihren letzten Ausläufern zu verfolgen.