Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 2. (10.1.1889)
- Date
- 1889-01-10
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
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Sreisgiebt and vielleicht nar dadurch sündigt,, «88 er dem Presspöbel so gar keinen anständigen Iiitteraten gegenüberstellt. Die Tendens dieser Leute l&sst der Autor durch einen Menschen aussprechen, der einen nervösen Mann darob unfassbare Yerleamdüngen aufs tiefste verletst hat, und dann einfach erklärt: ״Ich ׳wollte Niemand su Tode betsen und Niemand wahnsinnig machen, ich wollte einfaoh eine Mark verdienen." Der Boman spielt in Bumpenheim, einer Stadt, die wie das Barnow Franaos’ die freie Erfindung des Dichters ist, aber die einzelnen Elemente derselben sind nur zn gut der Wirklichkeit entlehnt; eine kleine Universität, eine kleine Residenz, kleinliche Menschen, alles ärmlich und philisterhaft wie in den Haupt- *and Besidenzstädtchen des mitttam Deutschlands das Leben so oft sich zeigt. Der Name Bumpenheim ist gewiss nicht ohne Absicht vom Dichter gewählt, es ist ein Ort, wo wie altes Gerümpel, vermoderte Vorurtheile, verschlissene Hoheitsrecht« und bornirtes Spiessbürgerthum ihr Wesen treiben, und wann die Existenzen, welche die neue Zeit dort geschaffen hat, in Betracht kommen, 80 erinnert Bumpenheim an Lumpenheim. Die Fabel des Boman’s ist kurz folgende: Ein jüdischer Knabe, Isak Hennegauer hat in Bumpenheim im Verein mit einem christlichen Freunde namens Siegmund Braun Gymnasium und Hochschule besucht. Hennegauer war Arzt geworden, Braun hatte § Theologie studiert. B nun war nach dem Examen Hauslehrer geworden, da ihm der Pastorenberuf nicht behagte; inzwisoheu wird Henne• gauer ein bedeutender Arzt; in einem Hause, in welchem er die Eltern durch seine Kunst und anermüd liehe Pflege vom Tode rettete, verlöt er sein Herz an die Toohter, aber sie, die Christin, konnte, SO sehr sie den. Amt, den Freund schätzte, sich nicht dazu encsohliessen, dem Juden die Hand zu reichen. Auf die Empfehlung Hennegauer’s kam Braun, der schöne, geistreiche, aber charakterschwache Mann, ins Haus der Freunde als Hauslehrer und ihm flog das Herz zu, das den jüdischen Arz; verschmäht hatte. Hennegauer ist tief verwundet, er geht zurück nach Bumpenheim und wird Assistenzarzt an einem grossen Hospital, das mit reiohen Mitteln ausgestattet dort unter bürgerlicher Verwaltung stand. Dorthin waren in Folge der Freizügigkeit gerade damals eine grössere Anzahl von Juden gezogen; sie brachten Leben in die kleine Residenz, und die aus ihrem Schlendrian aufgeschreckten Eingeborenen begannen statt zu arbeiten, die Judenfrage zu diskutiren. ״Und wer waren denn die Hauptsohreier? Handwerker, deren grösster Handwerkervortheil darin bestand, dass sie jede Bechnung zweimal schickten, Tischler, die leimten, was sie drechseln sollten, Sohuster, die die Nägel in den Stiefeln stehen Hessen, dass ihre Kunden sich die Füsse blutig liefen. Da begreift sioh’8, dass diese Drohnen litten durch die Konkurrenzen der jüdisohen Magazine.“ Auch im Hospital hatte Hennegauer durch Bohheiten gegen das Jadenthum zu taidsn, man beklagte, dass Pharao’s staatskluge Massregel gegen die jüdisohen Erstgeborenen nioht besser durohgeführt worden sei; das Mittelalter habe seinen Beruf verfehlt, indem es die Juden nioht völlig ausrottete. Der lang verhaltene Groll kam zum Ausbruch, als ein Kollege, dem aber Hennegauer einen Dienst erwiesen hatte, den Klapphornvers ▼ortrag: ״Zehn Juden führen über den Bhein, sie fielen alle zehn hinein, wie viele sind ersoffen? Wir wollen das Beste hoffen." Hennegmer gerieth in Zorn, entzweite sich mit seinen ollegen und Verliese die Stadt. (Forts, folgt.) Litteratur bericht Recensionen. Stickel, Dr. Johann Gustav. Das Hohelied in seiner Einheit und dramatischen Gliederung mit Uebersetsuug und Beigaben. Berlin, H. Beuthers Verlagsbuohhandlung. 1888. (187 Seiten.) Sowohl die ganze Auffassung, als auch die Art der Zusammensetzung des Hohen Liedes waren von Alters her streitig. Das Soblussurtheil des B. Joohanan (am Ende des 3. Abschn. Tract, Jadajim) nach der Ansicht Ben Asai’s — im Gegensätze za der des B. Akiba — lässt das deutlich erkennen, was in der letzten Misohna von Taauis angedeutet ist, dass nämlioh schon in den ältesten Zeiten der Bibelerklärung die Meinungen darüber auseinander gingen, ob das Hohe Lied wörtlich oder symbolisch aufzufassen sei. Auoh für die gleichfalls schon aus alten Zeiten stammende Divergenz der Ansichten über die Einheit dieses biblischen Buches zeugt insbesondere der Streit zwischen B Akiba und B. Jehuda (Midr. Sohir-ha- Sohirim I, 10). Diese Meinungsverschiedenheit hat sich Jahrtausende lang duroh alle Erklärungsversuche hindurchgezogen, and welches Buch der Schrift ist 80 häufig und so verschieden erklärt worden, wie das Hohelied! Der krasseste Bealismus und die glühendste Phantasie, die banalste Abgeschmacktheit und der edelste Gedankenflag haben an diesem alten Litteraturerzeugniss herumgearbeitet, ohne eine in jeder Hinsicht befriedigende und vernünftige Lösung der darin enthaltenen Schwierigkeiten bieten zu können. Das vorliegende Werk bezweckt eine neue Auffassung des Hohen Liedes in seiner Ganzheit anzubahnen, eine Auffassung, welcher, mit grossem Scharfsinn und Geschick bewiesen und vertheidigt, die wissensohaftliehe Welt sich über kurz oder lang wohl wird ansohliessen müssen, wenn sie auoh in manchen einseinen Punkten nicht immer der Ansioht des Verfassere sein wird. — Verf. betrachtet das H. L., entgegen den Zerstüakelungavereuahen, als ein in sich geschlossenes Ganzes, welches vom Anfang bis zum Ende nach einem bestimmten, wohldurohdaohten Plane ausgearbeitet sei. Dem Vorgänge früherer Erklärer folgend, hält er den massorethisohen Text des H. L., abgesehen von einigen Vocalpunkten, für richtig überliefert und legt ihn nach seinem ureigensten Wortsinne, ohne jede allegorisohe Deutung aus. Er erblickt mit Herder den Inhalt und Grundgedanken des Buches in der reinen, sittlichen Frauenliebe und lässt es noch vor 920 (v. d. gew. Ztr.) in Nordpalästina entstanden sein. Es ist für ihn ein Drama im vollsten Sinne des Wortes, mit Aoten und Soenen, und zwar ein ' Melodrama, welches von dem Dichter zur Aufführung für damals lebende Peraoneagesohrieben wurde. Alle diese Ansichten, in welchen Verf. bald an diesen, bald an jenen früheren Exegeten sich ansohliesst, vertheidigt und beweist er meist mit vielem Geschick, am glänzendsten aber entfaltet er seinen Scharfsinn and seine Ueberzeugangskraft bei der Darlegung seiner neuen Ansioht, dass in dem H. L. nioht ein Liebesverhältntas, sondern zwei von einander unabhängige Liebespaare uns vorgeführt werden, einer Ansioht, welohe wohl geeignet eraoheint, alle bisherigen Anschauungen über die Zusammensetzung des H. L. über den Haufen su werten und die Haupt- Schwierigkeiten dieses räthselhaften Baches der Lösang entgegen«aführen. Wir werden uns deshalb in unserer Besprechung zumeist mit dieser Behauptung