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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-12-02 · N° 49. (2.12.1887) · p. Seite 196

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 49. (2.12.1887)
Date
1887-12-02
Page
Seite 196 (sequence 2)
Language
German
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196 dreizehnte Lebensjahr erreicht hatte. Mit diesem Alter erlaugten nämlich die Polanen die Grossjährigkeit, begann bei ihuen die Epoche der bürgerlichen Selbstständigkeit. In allen Familien, ob reich oder arm, in Palästen wie in Hütten, wurde dieser Tag feierlichst begangen. Als das Bankett so recht den Höhepunkt erreicht hatte, erschienen am fürstlichen Höfe zwei arme Reisende, müde, mit Staub bedeckt. — ״ Fürst“, baten die Wandrer, ״wir sind gekommen, um Dich lind Deinen Sohn an dem Tage seiner Einsegnung zu beglückwünschen. Wir sind müd' und hungrig, beherberge und verpflege uns. “ — ״ An meine fürstliche Tafel lasse ich keine bettelnden Landstreicher — fort!“ fuhr sie Popiel an. — Kopfschüttelnd entfernten sich die gekränkten Wandrer. . . An demselben Tage beging auch ein Bauer des Fürsten, der Rademacher Piast, der in einer sehr entlegenen Vorstadt wohnte, die Einsegnung seines dreizehnjährigen Sohnes. Alles, was er für diesen Tag auftreiben konnte, waren: ein Stückchen Brod und ein Töpfchen Bier. Die Reisenden begaben sich dorthin. — »Wir gratuliren Dir und Deinem Sohne, Alter; beherberge und verpflege uns.“ — ״Seid gegrüsst, ihr Reisende des Herrn,“ sagte Piast hocherfreut. ״Kommt in meine Hütte und nehmt iiirlieb mit dem, was Gott uns besoheert — allerdings, es wird nicht viel sein, denn wie Ihr seht, bin ich sehr, sehr arm. Dafür gebe ich Euch Alles, was ich habe, aus ganzem Herzen.“ Die Wandrer asseu, tranken und stärkten sich, mul als sie von dem alten Piast und seinem Weibe sich verabschiedeten, verkündeten sie, dass das Geschlecht des folgenden Popiel aufhören und dass dessen Macht und Glanz aut das edle Geschlecht der Piast übergehen werde. Und diese Prophezeihung der Wandrer traf ein — denn es wareu dies nicht sterbliehe Menschen, sondern Engel des Herrn. . . (Fortsetzung folgt.; Textkritische Bemerkungen zu den Psalmen. Von Arthur ■S. Weis« mann. (Schluss.) V. 20. Der Verf. dieses grossartig akrostichisch mit Complementarversen angelegten Psalms scheint sich in 1seu1enH0finu1)geu8eLr$fcrstiegen|uuddasBildderZukunft sehr reizend ausgemalt zu haben, dass der Dichter, als der aegyptische Feldherr Skopas wieder in Jerusalem erschien und schonungslos an der seleucidischen Partei Vergeltung übte, arg enttäuscht, die rosigschilleraden Verse ausmerzte, und, sehr herabgestimmt, die VV. 20, 21 an ihre Stelle setzte, ebenso den V. 14, die zu der freudigen und zuversichtlichen Stimmung gar nicht passen. Josephus bezeichnet jene Zeit sehr oharakteristiseh, indem er sagt: ״sie konnte, mit einem Schilf, das zur Zeit des Ungewitters bald auf diese bald auf jene Seite geworfen wird, verglichen werden “ (Jos. Altth. XII. 3,3.) V. 1צ. Lege, .Jehova, Schrecken auf sie, ,שיתה יהוה מורה להם Erkennen müssen die Heiden, Menschen sind sie. ידעו גוים אנוש המה. Diese Fassung dieses Verses lässt sich sprachlich nicht rechtfertigen. Hitzig hat das Richtige getroffen, wenn er aufPs. 141,3 hinweist, was auch durch Sirach 22, 27 bestätigt wird, und dafür liest: ״Setze ihnen .Jehova eine Wacht.“ שיתה יהוד. שמרה לפיהם Da, wie wir gesehen haben, der Hohepriester Onias iu erster Zeit auf Seite der Söhne Joseph b. -Tobias war, •und zu der seleucidischen Partei zählte, 80 lässt sich voraussetzen, dass auch das Heiligthum in Mitleidenschaft gezogen wurde. Vielleicht dass auch manches harte Wort nach oben fiel. Ps. 10 finde t dadurch seine Erklärung. Aber auch der Schluss - vers: ״ Müssen die Heiden erkennen, dass sie Mensche n sind“ ist wohl ein. Seitenhieb auf Ps. 8,6.7. Ps. 10,3. Denn es rühmt sich der Erevler seinos Gelüstes כי דלל רשע על האות נפשו Und der Räuber lästert, schmähet Jehova. .ומנע כרך נאץ יהוון דלל construirt sich mit dem Accus.את ,mit den Praeposs. כ und ל, keineswegs aber mit כל. [bn Ezra nimmt daher an, dass der Accusativ ausgefallen sei, oder רשע nochmals genommen worden muss, also: .Der Frevler rühmt den Frevler ob seines Gelüstes.“ Nicht minder hat der zweite Hv. den Auslegern viel Kopfzerbrechens verursacht. ברך ist aber Euphemismus für קלל, wie Hiob 1,5 L u. a., so Graetz, wie schon früher Geiger. Wir habeaes somit hier mit einer absichtlichen Entstellung, hervorgerufen durch ängstliche Frömmigkeit der Abschreiber, zu thun. Ist dem so, so dürfen wir, auch auf 9,21 gestützt, ebenfalls im ersten Hv. eine Correotur vornehmen. Der ursprüngliche Text mochte folgendermassen gelautet haben Denn es flucht der Frevler Gott, die Lust meiner Seele. 1 ׳ כי קלל רשע אל, תאות נפשו Und der Habsüchtige lästert Jehova. .ובצע נאץ יהוד V. 5. Alle seine Feinde, er bläst sie an. כל צורריו יפיח בהם Vor Allem möge erwogen werden, dass צורריו, welches hier an Stelle der Frommen gesetzt zu sein scheint, sehr unglücklich gewählt ist. Nun erst das Sprachliche. יפיח בהם ist im Hebräischen gar wi derstrebend, wenn mau auch im Deutschen: ״ich huste darein“(Hitzig) sagen mag. Die Conjectur יפחיד (Graetz) ist ein Kind der Verlegenheit. Viell. יפח בחורים wie Jes. 42,22, ״seine Feinde, er stockt sie iu Gefängnisse. “ Es ist hier von den Brüdern Hyrkaas die Rede, die nicht besser waren als er, wann nicht gar schlimm eij. Sie stellten ihm nach dem Leben und er behandelte noch gelinde, er brachte sie blos ins Gewahrsam. Von den Brüdern Hyrkaus konnte der Psalmist wohl צורריו sagen. V. <>. Er spricht in seinem Herzen: ich waake nicht, אמר בלבו כל אמוט Von Geschlecht zu Geschlecht, die frei von Unglück. לדור ודור אשר לא ברע Das Pron. rel. אשר nimmt sich hier sehr unbeholfen aus. Olshausen bemerkt sehr richtig: ״Im 2.־ Gl., das unzweifelhaft denselben Gedauken (wi® im 1. Gl.) in anderer Form wiedergebea soll, ist der Aus- , druck so holpericht und befremdend, dass au die Richtigkeit des Textes gezweifelt werden darf.“ Er schlägt vor אשב st. אשר zu lesen. Graetz 1. _אשךי לא אכרע. Mir will es bedünken, dass es viel gefälliger wäre, dafür אשךי לא יפרע mein Glück wird nicht gestört werden“, zu lesen. V. 7. Fluches ist sein Mund voll, Und Trügereieu uud Tücke אלה פיהו מלא ומרמות ותך Unter seiner Zunge Uuheil und Verderben. תחת לשונו עמל ואון Die Construction dieses Verses ist verdächtig, der Plur. ומרמות gradezu auffallend. Mir will es bedünken, dass der Text ursprünglich also gelautet haben müsste:אלה פיהו מלא, ומרמה תחת לש1ני. ותוכו עמל ואון ״Fluches ist sein Mund voll, Und Trug unter seiner Zunge, und sein Inneres Unheil und Verderben.“ Aehnliche Verschreibungen häufig. Vergl. Ps. 35, 7, 8pr.30,9, wo dieVerba ותפשתי, וכהשתי wechseln müssen■^ Man vergleiche auch 5. Mos. 12,3 mit das. 7,5. Jes. 24,28 muss ,אשר כמל,דש יהוד gleich nach כספר חורת אלהים gesetzt werden, und I, Sam. 3,3 זשמואל שכב zum Schlüsse des Verses kommen: V. 9. בסבכו כסכה. Ueber Verschlingung des O reden wir an einer anderen Stelle.

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