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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-12-02 · N° 49. (2.12.1887) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 49. (2.12.1887)
Date
1887-12-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mark kostet) erbalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. ttir die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler, welche direct oder dnrchRobert Priese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten -ö % Rabatt. Inhalt: | Wiss eil schaftliche Aufs ntz e: Die Juden iiuselbstständigen j Polen. — Textkritische Bemerkungen zu den Psalmen. Von Arthur S. Weissmann. (Schluss.) — Zur Chronologie. Von L. Cohen, Lehrer in Kees a. Rhein. (Portsetzung aus No. 48.) L itteraturbericht: Receusionen: Kontres Teknnoth j Agunctb. Brieic, betreffend dieChalizapüiclit oder ■täliigkeit des Apostaten von Dr. S r.h wn. b ac h e r, Odesssn. Ports, j — Des Kindes Cbanukkuh von Ad. Schönfeld in Posen. \ Nachdruck nur mit -voller Quellenangabe gestattet. Die Juden im selbstständigen Polen/) Die ersten Juden erschienen in Polen im IX. Jahrhundert. Sie tarnen theils von der kaukasischen Grenze, wo sie unter den Chazaren, die sich zum Judenthum bekannten, lebten, theils aus den versthiedenen Gegenden Deutschlands, um sich vor den ■-Verfolgungen seitens der Kreuzziigler, und der Christen im Allgemeinen, zu retten. Die slavischen und polnischen Stämme, die das Land bewohnten, waren Götzendiener, nichtsdestoweniger aber gutmüthig, friedfertig, gastfreundlich und tolerant. In einer polnischen Gemeinde fand Jedermann, ohne Unterschied des Bekenntnisses, Aufnahme. Der gute Ruf der Polanen führte ihnen verfolgte Christen, vertrie- ,bene Juden und überhaupt Leidende aller Nationaiitäten und Contessionen zu und Alle wurden mit offenen Armen empfangen, wie liebe, theuie Gäste. Im Jahre 89.') kam eineDepufation der sohwerbedräugten deutscb.en Juden bei dem Herzog Leszek um die Erlaubniss ein, sich in Polen niederlassen zu dürfen, Die Erlau bniss wurde ertheilt, und ein Jahr darauf trafen ganze Schaaren deutscher Juden in ihrer neuen Heimath ein. Im Jahre 9' •5 wurde den Juden officiell gestattet, Land zu erwerben, Ackerbau zu betreiben, im ganzen polnischen Territorium sich anzusiedeln und die Religion ihrer Väter ungehindert zu bekennen. Ja, man erlaubte ihnen, sich eigener, aus Rabbinern und Gemeindeältesten zusammengesetzter Gerichte zu bedienen. Die Juden segneten ihr neues Palästina und führten ein friedliches, thätiges, stilles Leben. Sie trieben Landwirthschaft, gaben den Impuls zu Handel und Gewerbe, was diesem patriarchalischen Lande bis dahin noch unbekannt war, und lebten mit ihren Landsleuten in Eintracht und Brüderlichkeit. Das war eine glückliche Zeit fiir die Juden ia Dean nicht allein, dass man sie achtete und שב> Da Polen. *) Aus der historischen Einleitung zu der Erzählung: ״Der Rabbi und die Pan«“ von (irigonj Bagrofl, (s. ״Familienblatt“)x sie nicht, wie in anderen europäischen Staatec, für eine ״Plage der Menschheit“ hielt, achtete und schätzte man auch ihre Reli gion. Als Wladimir der Heilige sich entschlossen hatte, dem Götzendienst zu entsagen und eine vernünftigere Religion aDZunehmen, war er anfänglich nicht völlig abgeneigt, zum Judenthum überzutreten. Er berief die Repräsentanten einiger Bekenntnisse in der Absicht, mit dem Geiste der einzelnen Religionen sich vertraut zu macheu und diejenige, welche seinem Herzen am meisten Zusagen würde, alsdann zu wählen. Auf seineu Ruf erschienen christliche Pfaffen, muselmanische Multen und jüdische Rabbi’s. Jeder versuchte durch Beweise und Ueberredung den Mächtigen in den Sehooss seines Glaubens zu locken. Die Rabbi’s priesen mit Begeisterung ikreu Jehovah und seine weisen Lehren. ״Worin besteht eure Religion?“ frug Wladimir. ״In der Beschneiden?, in dem Verbote des Genusses von Schweinefleisch und anderen unreinen Speisen, sowie in der Heilighaltung des Sabhath.“ ״Wo ist euer Vaterland?“ — ״In Jerusalem“ ״Lebt ihr daselbst?“ — ״Wehe, nein!“ — ״Warum nicht?“ ״Unsere Väter haben Gott erzürnt und er trieb sie aus dem gelobten Lande, dieses den Muselmaiieu und Christen überlassend.“ ״Wie!“ rief Wladimir empört aus ״Ihr lehrt Andere, euren Gott und seine Gesetze ehren, während ihr selbst sie nicht beachtet! Durch eure Sünden habt ihr den gerechten Zorn eures Gottes heruufbeschworen, und uun wollt ihr mir, dem völlig Schuldlosen, diesen fürchterlichen Zorn aufbürden!? Fort!. ..“ ' Und die ungeschickten Rabbi’s, die es nicht verstanden, den Herrscher auf die Erhabenheit ihres monotheistischen Glaubens gebührend aufmerksam zu machen, wurden davongejagt und Wladimir nahm das Christenthum an. — — Fast in allen europäischen Städten litten die Juden unaussprechlich, nur in Polen erfreuten sie sich einer absoluten Gleichberechtigung, so lange die Dynastie Piast an der Regierung war (800—1970). Wohl loderte bisweilen der Hass der fanatischen Geistlichkeit, regte sich der Neid der Schlachta und des Volkes gegen sie auf, allein immer wieder traten die Piasten zwischen die Juden und deren Verfolger und bewährten sich als treue Beschützer der Juden. Denn diese Fürsten wussten gar wohl, dass die Dynastie Piast ihre Existenz nur der beispiellosen Uneigennützigkeit eines Juden zu verdanken hatte. . . Darüber kursirt folgende historische Sage unter dem Volke. Popiel II., Fürst von Polen, feierte einst mit grossem Pomp die Einsegnung seines Sohnes, der das

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