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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-11-11 · N° 46. (11.11.1887) · p. Seite 179

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 46. (11.11.1887)
Date
1887-11-11
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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— Karl d. Gr. war 814 schon gestorben; wahrsoheinlieh ist 787 gemeint. S. 97, Z. 14: Am 15. Sohewat 5444 (7. Januar 1684) — das deutsche Datum hat auch Zunz ״ Monats• tage“ — starb Barach Nehemia de Castro. — Der 15. Sohewat entspricht dem 31. Januar. S. 319, Z. 8: Saul Levi Morteira starb den 25. Schewat 1660. — Dieses Datum entspricht dem 7. Februar. Zunz’ ״Monatstage“ hat den 10. Februar. (Wild fortgesetzt.) Litteraturbericht. Recensionen. Darlacher, E. Joseph et ses fräres. Paris, chez l’Auteur, 70 Rae Turbigo, 1887 8. (Schluss.) Dies sind im Allgemeinen die Fragen, die Herr Durlacher uns vorführt, die er nur zu lösen vermag durch den Hinweis aui den Band, den Gott mit Abraham geschlossen und dessen Erbe, wie die Brüder fürchteten, Josef allein werden sollte. Hätte nun der Herr Verfasser nicht gleioh den ','ersten Bericht der Schrift über Josef und sein Vaterhaus ausser Acht gelassen, hätte er sich dessen erinnert, was die Schrift als die erste Ursache des Bruderhasses bezeichnet ויבא יוסף את רבתם רעה וגר ״Josef brachte von ihnen (seinen Brüdern) üble Nachrede zu ihrem Vater“, so wäre er zweifellos zu der durch die Erfahrung vielfach bestätigten Erhenntniss gelangt, dass der Hass, der sich im Mensohengemüthe gegen verläumderisches Betragen entwickelt, ein viel intensiverer ist, als derjenige, der durch irgend ein anderes erlittenes Unreoht ersteht. Wie verhielt sioh der Vater, fragen wir, gegenüber den zweifellos versuchten Rechtfertigungen seiner anderen Söhne? Die Schrift berichtet in indirecter Weise, aber verständlith genug: ״Israel (Jakob) liebte den Josef mehr ffls alle seine Söhne“ etc. Die Schrift erzählt nun des Weiteren der psychologischen Erfahrung gemäss, da3s die Brüder mit Josef nicht mehr freundlich zu reden vermochten: da er ihnen als Verläumder galt, so war das Zutrauen zu ihm für immer gewichen, insbesondere, da der Vater ihn vor Allen bevorzugte; das Misstrauen gegen ihn, war und blieb ein unüberwindliches. Nun erzählt Josef, einer der Jüngsten, Träume, die auf seine Herrschsucht hindeuten konnten; hätte sie Rüben, der Erstgeborene, erzählt, so hätte er vielleicht bei seinen Brüdern offenkundige oder stillschweigende Zustimmung gefunden; aber es erzählt sie einerder jüngsten sie rücksichtslos den schweren j Vorwürfen des Vaters aussetzenden Brüder. Die V Schrift lässt überdies auch die Annahme zu, dass sich die Brüder einer gewissen Furcht vor der Erfüllung dieser Träume nicht erwehren konnten. So nun entwickelt sich dieser Hass immer mehr und mehr und führt schliesslich durch die gemeinsamen Unterredungen der Brüder zu dem feststehenden Ent- Schlüsse, den Josef bei Seite zu schaffen und nur eine günstige Gelegenheit für die gefahrlose Durchführung dieses Entschlusses abzuwarten.1י) Es ist ja auch eine bekannte psychologische Erfahrung: Wer *) Dies geht aus dem Wortlaut der Schrift ויתנכלו אותו להמיתו ganz unzweideutig hervor. Sie sannen jetzt nur nach, wie sie ihn in der sichersten und der ihnen ungefährlichsten "Weise beseitigen könnten. Auch die Agada bemerkt zu den Worten in Misehie: נארבה לדם נצפנה לנקי חנם אלון אחיו של 1; יוסף שהיו מצפים ואומרים אימתי יגיע הקץ ונהרגהו, כיון שבא־ אצלם אמרו זה לזה הרי היא השעה, Auch josephus erzählt: . . . ״Ja sie fassten sogar den Entschluss, ihn zu tödten. Als sie hierüber bereits mit einander übereingekonunen waren, zogen sie einst“ etc. mit seinem Hasse vereinzelt dasteht, wagt nicht so bald zum Aeussersten zu schreiten; das Bewusstsein der Uebereinstimmung mit Anderen aber vermehrt das Gefühl des Hasses und steigert den feindseligen Muth des Einzelnen. Sobald einmal festgestellt war, dass alle Brüder den Josef hassten, hatte es für Keinen derselben irgend etwas Abschreckendes, sei es den Vorschlag der Tödtung zu äussern, sei es denselben zu billigen. Die heilige Schrift, die auch in ihren Erzählungen einen didaktischen Zweok verfolgt, will uns durch diesen ihren Bericht eben veranschaulichen, was die Leidenschaft über den Menschen vermag, wie sie selbst ein Bruderherz zu den ungeheuerlichsten Verirrungen zu führen vermag; sie will uns vielleicht auch anderseits die Lehre veranschauliehen, dass die Bande des Blutes noch keine Bürgschaff geben für gegenseitige Liebe, sondern die Handlungen des Menschen nähern und entfremden ihn den Anderen. Selbst ein Bruder»kann denen, die mit ihm gleioher Abstammung sind, in solch hohem Grade Gegenstand des Hasses werden, dass sie sein Verderben suohen und kein Gefühl des Erbarmens gegen ihn hegen. Einen solchen unauslöschlichen und tödtliehen Hass nahm Josef nun bei seinen Brüdern wahr; die Agada, sie erzählt uns auch in einer der psychologischen Erfahrung vollkommen entsprechenden Weise, dass Josef, als er den Ernst der Lage erkannte, sich vor die Füsse eines jeden seiner Brüder warf und jeden Einzelnen um Erbarmen anflehte, aber er fand kein Gehör (ßeresch. Rabba Par. 91 s. v. אשר ראינו צרת נפשו). Wie hätte nun unter solchen Verhältnissen Josef eine erneute Gefahr für sein Dasein herauf beschwören sollen, wenn er dem Vater Mittheilung von seinem Aufenthalte in Egypten gemacht hätte, dem Vater, der gewiss seine Rückkehr gefordert oder seine Befreiung zu erwirken gesucht hätte? War er denn dann vor den Nachstellungen seiner ihn mit tödtliohem Hasse verfolgenden Brüder sicher, oder konnte er sich ihnen gegenüber sicher fühlen? Hätten sie nicht eine neue List ersinnen können, um ihn wieder zu beseitigen? Sagt doch auch H. Durlacher selbst, dass auch dem Regenten Joseph in Egypten nooh diese ״starken und muthigen Männer“ getahrvoll werden konnten. (S. 34) Ob nun Josef, wenn er irgend eine liebevolle Aeusserung der Brüder über Benjamin gleioh bei der ersten Begegnung vernommen, darauf bestanden hätte, dass dieser vom Vater getrennt und herbeigeholt werden müsste, könnte immerhin bezweifelt werden; vielleicht hätte er, wenn er einen ausreichenden Beweis ihrer brüderlichen Gesinnung gegen Benjamin sogleich erhalten hätte, sich auch den Brüdern alsbald zu erkennen gegeben; da er aber ihr Verhältniss zu Benjamin nicht kennt, so muss er sie, wenn er auch dem Vater für den Augenblick den Sohmerz der Trennung bereitet, sie durch den Befehl, Benjamin zu holen und durch die weiteren Massnahmen mit dem silbernen Becher auf die Probe stellen. Er will und muss sich überzeugen, ob sie ihm den Benjamin ohne Weiteres als Sklaven überlassen würden. Erweisen sie sich da als treue und anhängliche Brüder, so sind sie würdig, dass er für ihre Erhaltung und für die Erhaltung ihrer Familie in Egypten während der Jahre der Hungersnot h Sorge trage. Was nun schliesslioh den Tadel oder die Verwünschung des Jakob gegen seine Söhne Levi und Simeon anbelangt, die Aeusserungen des höchsten Unwillens über ihr Gebühren gegen Sichern, während der gewaltsamen Entfernung des Josef gar nicht gedacht wird, so könnte unseres Erachtens ein doppelter Grund hierfür angegeben werden. Es berührte den Jakob bei dem hohen Gerechtigkeitssinne, der ihm

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