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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-11-11 · N° 46. (11.11.1887) · p. Seite 180

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 46. (11.11.1887)
Date
1887-11-11
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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— 180 — innewohnte, bi« au sein Lebensende auf das Pein- }iohste, dass wegen der Frevelthat eines Einzigen so viele unschuldige Menschen hingemetzelt wurden; das Schicksal des Josef hingegen erschien ihm selbst wohl als ein nicht ganz unverdientes; vielleicht aber ist auch dem Stammvater Jakob, als er mit voller Klarheit die ihm kundgewordenen Vorgänge überschaute die volle Erkenntniss dessen gekommen, dass er durch die besondere Bevorzugung seines Sohnes Josef sich als den entfernteren Urheber des Bruderhasses betrachten könnte, wie ja in diesem Sinne auch die Agada sich äussert. (Bereschith Babba Cap. 84 sub. voce ,ועשה לו כתונת וג): Rabbi Levi sagte im Namen des Rabbi Eleasar ben Asarja: ״Ein Vater soll keines seiner Kinder \or den anderen bevorzugen, denn ob des bunten Kleides, das unser Stammvater Jakob dem Josef gemacht hatte, bewirkte er, was die Schrift erzählt: ״Sie hassten ihn“■ (den Josef). So nun glauben wir die von Herrn Durlacher aufgeworfenen Fragen beantwortet zu haben, ohne zu der Auflassung gelangen zu müssen, dass in den Söhnen Jakobs die Furcht gewaltet, Josef könnte der alleinige Erbe des heiligen Bundes mit Gott werden und dadurch all der höheren Segnungen theilhaftig werden, die dem Abraham verheissen worden sind. Aus welchem Qrunde sollten sie diese Furcht hegen, da die göttliche Verheissung sich nun doch an einem ganzen Volke und nicht an Einzelnen verwirklichen sollte. Die ״Söhne derKathura“, auf die sich H. Durlacher bezieht, schickte Abraham fort, weil an ihn das Wort Gottes ergangeu war כי ביצחק יקרא לך זרע. Esau verzichtete von selbst auf das Erbe des heiligen Bundes, aber es konnte doch überhaupt dieser heilige Bund zur vollen Stärke und Entfaltung nur gelangen, wenn, mit den Worten des Herrn D. zu reden, eine ״devenue nation“ daran Theil haben konnte. Aus diesen Ausführungen ergiebt sich von selbst, dass wir uns mit dem Ergebnisse und den Beweisgründen des Herrn Durlaoher nicht haben zu befreunden vermögen, so sehr seine Darstellung auch einer edlen Begeisterung für die Geschichte des Judenthums und einem mächtigen Gefühl der Humanität entspringt. Die lebenswarmen Töne eines tiefempfundenen Verständnisses für die erhabene Mission des Judenthunia erwecken in unserem Herzen einen lebhaften Wiederklang und sichern dem Herrn Verfasset׳ die Sympathieen jedes treuen Bekenners des Judenthums; aber er hat. in uns nicht die Ueberzeugung von der Berechtigung seiner Auflassung zu erwecken vermocht. Uebrigens ist dieser Versuch immerhin ein rühmliches Zeugnis« für die denkende Beschäftigung des Herrn Verfassers mit der heiligen Schrift und sein Streben nach tieferer Erfassung ihres Gehalts. Rabb. Dr. M. Krakauer. Pasewalk, den 16. Octbr. 1887. Worte der Abwehr, Autwort aul die ״Briefe eines Arier’« an einen Semiten.“ Von Dr. D. Alm 0gen. Leipzig 1887. Oscar Kufss. ^Schluss.) Der zweite ״Brief“ des anonymen Antisemiten hat die Presse, die ״verjudet ist oder im Dienste der Juden steht“, zum Gegenstand der Abkanzlung, weil sie dem Antisemitismus nicht dus Wort redete. Ist es nicht eine Vermessenheit — sagt mit Recht unser Verfasser. — der Presse, dieser Hüterin der höchsten menschlichen Güter, ihr Verhalten vorzuschreiben und ihr gleichsam einen Maulkorb anlegen zu wollen, weil sie ihre Entrüstung ftir diese ״Schmach unserer Zeit“ zum Ausdruck bringt? ״Selbstkritik“, ״Selbsterkenntniss“, meint der Antisemit in seinem Briefe, müsste der Jude anwenden, dann würde er den Antisemitismus recht beurtheilen können. Nun darin, opponirt^ j unser Autor, steht doch sicher der Jude anderen ConfesBionen nicht nach. Im Gegentheil, wir müssen dem Antisemitismus nur zurufen, dass er vor Allem ״vor seiner eigenen Thür kehre!“ Ferner macht der Antisemit im obigen Briefe, worin er von dem ״ täppisohen Uebereifer bei Entgegnung antisemitischer Angriffe“, den Juden zum Vorwurf, dass sie ״die Abwehr und Verteidigung nicht den auserlesensten und berufenen Männern allein überlassen“.(!?) Läoherlioh! Als ob alle Antisemiten zu den berufenen und auserlesenen gehören! — Als Beweis für diesen ״täppisohen Uebereiter“ fuhrt unser Antisemit in einem dritten ״Briefe“ den Fall von Tisza-Eszlar an, u. bleibt dabei trotz all’ der erbrachten Gegenbeweise, dass ein religiöses Motiv die Juden zu einem solohen Verbrechen verleitete. (Also eines gemeinen Mordes sind die Juden doch nicht fähig. — Auch gut!!) Ja er beschuldigt sogar die Krone, ״dass sie duroh einen Machtspruch dee י ganzen peinlichen Fall aus der Welt geschafft.“ Die Judensohaft, sagt er, — und es streift das schon an jenen Zustand, den man ״Unzurechnungsfähigkeit“ nennen möchte — habe ״jenen Fall zu verwirren, zu trüben, zu verwischen und zu vertuschen gesucht, was geeignet war stutzig zu machen“. Nun ״stutzig“ wird man dooh wohl vor Allem darüber, dass man in unserem Jahrhundert von einem ״Arier“ derartiges zu lesen oder zu hören bekommt! Und was erfährt man nicht Alles von einem solohen Arier alias Antisemiten über den Talmud und Sohulohan-aruoh! Natürlich kann er ja das Judicium über diese Werke, die der Antisemit kaum dem Namen nach kennt, von keinem Andern sioh erholen oder von dem. den er ״als den bekannten Kenner der hehr. Alterthümer (?) und ffber jeden Verdacht der Judenfeindliohkeit (?!) erhabenen, in den ״Freien Glooken“ No. 25 unter der Chiffre R. sich bergenden Schriftsteller“ hinstellt! Wer ״R.“ ist? Sicher kein anderer als der berüchtigte, anrüchige, verlogene, unverschämte, meineidige Judenhasser Rohling, mit dem sioh der Autor unserer Schrift erst gar nicht beschäftigt und — auoh wir nicht! Denn es ist wahr: ״Wer Pech angreift besudelt sich!“ — Doch wir wollen unsere Recensentenpflicht nicht zu weit ausdehnen, zumal dadurch die Invektiveu, die der Antisemit gegen Juden und Judenthum ausstösst, die unverdiente Ehre erfahren, wiederum besproohen und widerlegt zu werden. Der angeführte c•, kurze Inhalt obiger Vertheidigungsschrift genügt woffl r{ Jeden, dem die Begriffe: Humanität und Rechtlichkeit nicht bloss hohle Phrasen sind, zur Lektüre der ״Worte ן der Abwehr“ zu veranlassen. Stöcker, Rohling, j Böckel und Consorten können viel daraus lernen und wir legen das Sohriftohen nicht fort, ohne dem Autor den Dank zu sagen für seine Offenheit und wohlthuende Gedankenschärfe, mit der er den von einem anonymen Antisemiten auf unsere Glaubens• genossen unverdient geworfenen Schmutz entfernt. — Kaiserslautern. Dr. Landsberg. Litterarisclxe Anzeigen. Durch die Expedition (l. HI. ist gegen Franco• Einsendung des Betrages zu beziehen: 1. Prof. I>r. Graetz (biogra]>11is׳.׳he Skizze). :10 S. 50 Pf. ־■ Pr®f• La״a"18 als 1vli- Kefornititoi 20־ S. 30 Pf. Verantwortlicher Redacteur Dr. Kahiaer, Magdeburg, Druck von D. L. Wollt, Magdeburg. Verlag vou Robert Friese. Leipzig

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