Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 45. (4.11.1887)
- Date
- 1887-11-04
- Page
- Seite 175 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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175 — ander gegennberstehen. (Vgl. unter p. 100 b). Nach ß. b. R. H. wäre aber möglicherweise so zu unterscheiden: Symmaehos stellt sein Princip aui in einem Falle, wo einer sicherlich benachtheiligt ist. Doch!nein, das ist ein Irrthum! umgekehrt: gilt Symmaehos’ ^Princip, Theilung ohne Eid, wo einer sicherlich Schaden hat-, das heisst wo es eben nur entweder dem Einen oder dem Andern gehören kann, um wie viel mehr itir den Fall der Mischna, wo es ja möglicherweiseBeiden gleichmässig, jedem dieHälfte gehört. Dennoch könnte Symmaehos wie die Mischna entscheiden: Symmaehos negiert für zweifelhaftes Gut den Eid nur nach biblischem Princip; der Eid der Mischna ist aber eine rabbinische Einrichtung, im Sinne von ß. Jochanan (s. pag. 5 2), welcher erklärt: Dieser Eid ist eine rabbinisohe Einrichtung, damit nicht jeder Beliebige Antheil an einem Funde sich zu verschaden suche. -- Anm. 4. Weiter p. 37 b. — Zwei a u. b, hatten einem 3., c, der eine 100, der andexe 200 Minen, zur Ver- Währung gegeben, c hat vergessen, wer ihm 200 übergeben, a u. b verlangen nun beide die 200. Die »ßabbinen entscheiden: Es erhält jeder 100 und die übrigen 100 tleibeu deponirt, bis Elias kommt. Dem widerspricht Rabbi Jose: Was hätte da der Betrüger für Schaden? Er erhält ja seine 100! Sondern die ganzen 2U0 werden deponirt. Sollte die Mischua hier, die das Kleid nicht deponiren, sondern theileu lässt, gegen Rabbi Jose sein? — Und andererseits: auch nach den ״Rabbinen“, die die zweifelhaften 100 deponiren, müsste hier das doch zweifelhafte Kleid deponirt werden! — Doch nein: das 3. 100 gehört doch sicher nur Einem; was kann man anders, als es deponiren? Hier dagegeu gehört das Kleid vielleicht wirklich beiden gleicherweise, darum Theilung mit Eid. Dagegen lässt Rabbi Jose dort selbst die נ SO deponiren, die sicher je Einem gehören; hier, wo as Ganze doo'n möglicherweise nur Einem gehört, würde er um so mehr auf ״Deponiren“ entscheiden. — Doch könnte immer auch Rabbi Jose der Mischua beipflichten: Dort ist Einer sicher ein Betrüger, hier können, wie gesagt, Beide im Rechte sein, sie können es zugleich aufgehoben haben. — Oder: Dort soll es den Betrüger zum Eingeständuiss zwingen; hier — was für Schaden hat der Betrüger, wenn der Fund deponiert wird, von dem er, wenn er eingesteht, doch nichts erhält. — Doch der letztere Unterschied geht nur an bei ״Fund“: bei Kauf, wo beide das Geld erlegt haben, würde das Deponiren des Objekts und des Geldes wohl ihn schädige!! und vielleicht zum Eingeständnis* veranlassen. Der erste Unterschied hat also vor diesem den Vorzug. Anm. la S. Schebuoth 45: ״Ein Krämer hat Auftrag von dem Hausherrn, dem Taglöhner, auf a.’s Rechnung Waaren zu verabreichen. Der Krämer erhebt nun Forderung an a, den Auftrageber, für an b gelieferte Waaren; b bestreitet aber, Waaren empfangen zu haben, und verlangt seinen Lohn ohixe Abzug. — Entscheidung: der Krämer beschwört seine Behauptung, und ebenso der Taglöhner und erheben ihre Foruerung von dem Hausherrn a“. — Dort sollte, sowohl naoh den ״Rabbinen“, wie nach R. Josse, die streitige Summe von!lern Hausherrn a erhoben und deponirt werden, denn Einer lügt dooh sicher? — Doch nein, dort liegt es anders! Der Krämer kann <i!1it Recht sagen : Was habe ich mit deinem Tagelöhner zu schaffen? Ich habe deinen Auftrag effectuirt. Ich glaube deinem Tagelöhner auch mit Eid nicht: warum sagtest du nicht, die Waare müsse vor Zeugen ausgeliefert werden? Und ebenso der Taglöhner, er sagt: Was geht mich an, was du mit dem Kränier hast? Habe ich nicht bei d i r gearbeitet? loh glaube dem Krämer nicht, selbst wenn er sohwört. — Sie erheben darum beide unter Eid ihre Forderung von dem Hausherrn a, der Beiden Vertrauen geschenkt hat. Litteraturbericht. Recensionen. Durlacher, E. Joseph et ses freres. Paris, chez l’Auteur, 70 Rue Turbigo, 1887 8. (Fortsetzung.)*) Nachdem Herr Durlacher uns den Zweck seiner Darstellung bekannt gegeben, erhebt er eine Reihe von Fragen, welche die Schwierigkeiten darthun sollen, die sich zufolge reiflicher Prüfung der Erzählung der heiligen Schrift ergeben (apres inftr examen du r&cit de l’Ecriture Sainte) für das Verständ'niss det Motive, von denen die handelnden Personen in der Lebensgesohichte Josefs geleitet waren, so dass die befriedigende Lösung all dieser Schwierigkeiten nur ermöglicht werde durch die neue Auffassung der Verhältnisse, welche uns H. D im weiteren Verlaufe seiner Darstellung vorführen will Wir gestatten uns jedoch schon jetzt die allgemeine Bemerkung, dass, unserer Meinung uach, grade apres mür examen du recit de l’Ecriture Sainte uud bei verständnissvoller Würdigung einiger allgemein bekannter psychologischer Erfahrengen, die Beseitigung all dieser vorgeführten Bedenken keine allzuschwierige Aufgabe ist und dass man nicht nöthig habe, die Zufluoht zu der von H. D. anfgestellten, übrigens stark anfechtbaren Erklärung der Lebensgesohiohte Josefs zu nehm״n. Führen wir uns in möglichster Kürze die wicfrtr-' geren der von dem Herrn Verfasser aufgestellten Fragen vor. Wie sei es denkbar, meint er, dass ob der Herrschsucht, die sicht allerdings in den von Josef erzählten Träumen bekundete, die Brüder allesammt mit seltener JÜinmüthigkeit von einem solch gewaltigen Hasse ׳erfüllt sind, dass, sie seinen Tod oder seine gewaltsame Entfernung wünsehen, ohne dass Einer von ihneu durch eia Gefühl der Frömmigkeit veranlasst werde, sie von diesem Vorhaben abzubriugeu; denn auch Ruben’s Mahuung au seine Brüder sei nur durch die vergrösserte Furcht vor dem ihn zur Verantwortung ziehenden Vater hervorgerufen, da er dessen Vorwürfe wegen einer anderen Handlung bereits auf sich geladen hatte**) (Rüben ayant dejä eucouru de graves reproches de la part de Jakob daas ur! autre circonstanee, redoutait les eonsequenees . . .). Wie konnten sie die albernen oder beleidigenden Reden eines siebzehnjährigen Jüugliugs in dieser denkbar härtesten Weise bestrafen, da sie ihm für sein Verhalten allenfalls nur erneu Verweis oder irgend welche Züchtigung zu Theil werden lassen durften? — ״Hatten die Söhne Jakobs nicht begriffeu, dass das Verschwinden ihres Bruders für den Greis ein immerwährender Kummer sein würde* und sie waren doch als Nachkommen Abrahams, Isaks und Jakobs in der Ausübung der Tugend unterrichtet! — Aus welchem Grunde benützt Josef, als seine Lage sich in Egypten gebessert oder gar zu eiuer glänzenden gestalte״ hatte, uicht diese Gunst des Geschickes, um seiuem Vater Nachricht von sich zu geben? Sollte er *j ln vor. Nr. ist S. 172a Z. 24 st. ״vor Gott“ z. 1. : mit. Gott.“ **!Dieser, die Denkweise und das Verdienst des Ruhen verkleinernden Behauptung des Herrn Vertassers stellen wir die vou Josephus!Jüdische Alterthümer IL. J| dem ältesten Sohne Jakobs in den .Mund gelegte Rede an seine Brüder gegenüber, die bei Weitem besser dem Geiste der Brzählung in der heil. Schritt entspricht, als die Auffassung des II D. Uebrigens findet derselbe auch dort mehrere seiner Fragen bereits angedeutet.