Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-10-28 · N° 44. (28.10.1887) · p. Seite 171

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 44. (28.10.1887)
Date
1887-10-28
Page
Seite 171 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492408-5990847-5991236--1303-5368520
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

171 assregeln bedeutet. Ich spreche hier nur vom sprach■ | 5hen Monstrum : Mit Vorsatz beginnen und mit Nichtsifurkönnen endigen! Meint man nicht ״Nunne“ oder ,aula Erbswurst“ zu hören? Ferner hat diese Ueberkzung a. a. St. für לימא ליה «lass er sagen“ und ü^r noch einmal ״lass der Eigenthümer zu ihm *®im“! Die Construction ״lassen“ mit Nominativ ist hier 1r durch den Jeschiba-Jargon zu entschuldigen. Aber berhaupt die Ausdrucksweise: lass er sagen! für: arum erwidert er ihm nicht? Man denke sich z. B. Igende Sätze in irgend einem andern Werke: ״Rami Chami stellt die Frage : Wenn er die Kuh auf die pitzen der Felsen führte und sie fiel — so ist das 8in Nichtsdafürkiinuen nnd er ist schuldig. Ist sie doch auf gewöhnliche Weise gestorben, so ist es ein ichtsdafürkönnen und er ist frei. Warum? Lass der igenthümer zu ihm sagen: die Luft des Berges hat e getödtet“! — Ich bitte den Leser, diese Sätze!•ein 1 ihrer sprachlichen, phraseologischen und syntaktischen igenartigkeit zu geniessen! — Freilich lässt auch die »cliliche Auffassung des Dr. Saiuter sehr häufig zu ünschen übrig, z. B a. a. 0. *אי שבקה מלאך הכור ״ בביתיה תנב הוי קיים Wenn sie auch (1er Todesengel t^^ler Wiese verschont hätte, wäre sie doch immer 1 Hause des Diebes verloren gewesen“. ״Auf der riese verschont hätte“? Er hat sie ja auf der Wiese erschont? Der Sinn ist vielmehr! Wäre sie nicht veradet. so war sie doch gestohlen! — So wimmelt es 1 dieser Uebersetzung von Verstössen gegen die primivsten Anforderungen an ine Uebersetzung z. B. ״fragte ami b. Chami“ am Anfänge des Satzes, oder הפשילן לאחור »er hing es hinter seinem Rücken auf“ u. s. w.!8 giebt vielleicht nicht eine einzige Beite, nein: keine inzige Zeile, die in jeder Hinsicht correot wäre in iesem ganzen Uebersetzungs-Werke.— Die Sache liegt ben hier so: wer ein einigermassen richtiges Sprachefühl sich auch für den Talmud bewahrt hat, wird on unüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten bg^Smreckt. Es wagt sich nur derjenige dran, der ie Schwierigkeiten gar nicht kennt — wie der Mondichtige auf der Dachkante.*) — Ich habe mich schon vor Jahren, nachdem ich!ich durch meine in die Reclam’sche Uuiversal-Bibliobet aufgenommene Uebersetzung der Gedichte des ngarischen Dichters Petöfi in die Zunft der Ueberetzung klassischer Werke aufgenommen war — an ine Uebersetzung des Talmud gemacht, u. z. überetzte ich Traktat S y n h e d r i u. Ich bemühte mich, ׳örtlich, aber auch sprachlich correct zu hersetzen, habe auch diese Uebersetzung schon vor a. ö Jahren vollendet, doch liegt sie noch als Manu- «*>»:£ bei mir. Warum? Ich lernte dabei alle die rfwierigkeiten, die der Uebersetzung des Talmud entegenstehen. kennen und würdigen. — Die Hauptschwierigkeit ist folgende, meiner unlassgeblichen Ansicht nach. — Wenn wir den Talmud bersetzen, so wollen wir damit die Hochschätzung, die ieses eigenartige Werk geniesst, nicht vermindern, ondern erhöhen. Der Inhalt des Talmud ist aber ieht überall geeignet, dies zu bewirken. Für uns ist 1 halachisch Überall wichtig und bedeutend. Für den «!lehrten ist er, selbst bei den kleinlichsten Discussiouen nd bei den abgeschmacktesten Dämonen-Geschichten och immer culturhisturisch in tausend Beziehungen von er grössten Bedeutung. A ber in der Hand der grossen lenge, der oberflüohlichen Lesewelt? Ja, ganz besoners der oberflächlichen Lesewelt jüdischen Bekenntissijfc? — Wie wenig kann der Talmud bei dieser Llasse gewinnen, und wie viel verlieren! — *) Ich bemerke ausdrücklich, dass diese meine Bemerkungen ich nicht auf die Rawitscher’sehe Uebersetzung von Mejlla etc. beziehen, da ich diese uich kenne. Soll der Talmud darum unübersetzt bleiben? Vielleicht: Ja! Aber: wird er denn unübersetzt bleiben, wenn er auch unübersetzt bleiben soll? —Es werden sich ganz Unberufene, vielleicht sogar nicht ganz von Malice Freie an das Werk machen und die Sache noch verschlimmern. — Nein wir, die Rabbinen, mit der Liebe, Hoch- Schätzung für den Talmud — und innigen Vertrautheit mit demselben, die wir von Jugend auf uns mit ihm beschäftigen, jede Falte seines runzeligen Antlitzes bedeutsam finden und zu durchdringen streben — wir müssen uns daran machen! — Und unsere Aufgabe ist es: die richtige Form zu finden, die geeignet ist, eine Auffassung des Talmud in seiner ganzen Eigenartigheit zu erschliessen. Diese Form muss gesucht werden, und wird sich nach dem alten Spruch:!יגעתי ומצאתי תאמי finden lassen. Ich erlaube mir im Folgenden eine kleine Uebersetzungsprobe zu liefern, u. z. für die 3 ersten Seiten von Baba Mezia. Der Kundige wird sehen, dass ich mir nicht das Leichteste herausgesucht habe. Das Princip, nach dem ich übersetzte, ist leicht aus dem Gegebenen zu ersehen. Ich übersetzte nicht wörtlich, sondern gab den Sinn wieder, aber diesen vollständig, und doch in möglichster Kürze, und zwar in der Form, wie wir sie an modernen Commentatoren gewöhnt sind. — In dieser Form kann das Unbedeutende als unbedeutend behandelt werden, und das ist schon ein grosser Gewinn. Die Bedeutung, die Unbedeutenden zuhommt, räumt ihm gerne jeder ein. Macht es sich zu wichtig, nur dann erscheint es lächerlich und beeinträchtigt das wirklich Wichtige, mit dem es verbunden ist. Das ist m ei n e A n s i c h t. In so wichtigen Dingen ist aber Eine Ansicht, und um andere zu hören — dazu werden diese Proben veröffentlicht. Litteraturbericht. Recensionen. Durlacher, E. Joseph et ses freres. Paris, chez L’Auteur 70 Rue Turbigo 1887 8. Es ist im Allgemeinen eine erfreuliche und dankbare Aufgabe, auf die Aeusserungeu eines edlen Enthusiasmus hinzuweisen, der durch die denkende Beschäftigung mit dem Inhalte der heiligen Schrift hervorgerufen ist und dieselbe als die ergiebigste Quelle menschlicher Belehrung bezeichnet; ein solcher Enthusiasmus bietet in der Regel eine reiche Fülle von Anregungen dar, denn die Liebe ist erfahrungsmässig ebenso erfinderisch, wie der Hass; sie führt uns gar oft neue Seiten der Betrachtung vor das geistige Auge und wirft selbst auf dasjenige, was unser Missfallen erregt und einen unerfreulichen Anblick darbietet, einen versöhnenden Lichtschimmer, wie ja in diesem Siune auch der Dichter singt : Das eben ist der Diebe Zaubermacht, Dass sie veredelt, was ihr Hauch berührt; Der Sonne ähnlich, deren Soldner Strahl Gewitterwolken selbst in Gold verwandelt. Aber eine unbefangene Forschung muss im Streben nach wissenschaftlicher Erkeuutniss und im Interesse der geschichtlichen Wahrheit auch solchen Erzeugnissen einer mächtig emponpiellenden Begeisterung die sorgfaltigste Prüfung zu Tkeil werden lassen; sie muss, wenn ihr die innere Unhaltbarkeit der aufgestellten Gesichtspunkte und die Mangelhaftigkeit dar Beweisführung zur! vollen Gewissheit geworden, dies auch in klaren Wor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.