Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 44. (28.10.1887)
- Date
- 1887-10-28
- Page
- Seite 172 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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V. 172 ten und in begründeter Weise zum Ausdruck bringen, wie sehr anch die Stimmung des Herzens dagegen streiten würde. In der voranstehend bezeichneten Schrift des Herrn Durlacher ist nun auch, um im Geiste des Dichters zu reden, dunkles Gewölk mit dem goldenen Strahl der Liebe beleuchtet worden; der Herr Verfasser versucht in derselben nämlich — dass wir es mit einem Worte sagen — eine Ehrenrettung der Söhne Jakobs, die ihren Bruder Josef als Sklaven verkauft haben und er stellt uns die Beweggründe ihrer Handlungsweise in einem solchen Lichte dar, dass er zu dem bezeichnenden Schlüsse gelangt: Wir brauchten also nicht zu erröthen, die Nachkommen dieser Männer zu sein, (Nous n’avons donc pas ä rougir d’etre les descendants de ces hommes), die gleichsam den Grundstock bilden für die später sich entwickelnden .,Gottesstämme״, wie die Schrift sie nennt:!שבטייד.“ (Seite 26.) Was war es nun, das nach der Ansicht des Herrn Vorfassers die Brüder des Josef zu dieser Handlungsweise trieb? Nicht etwa die Sucht nach materiellem Erwerb war es, sondern blinder religiöser Eifer. Die Furcht, dass Josef einzig und allein Erbe des heiligen Bundes vor Gott und der daran sich knüpfenden höheren Segnungen werden könnte. (Seite 24 und folg.) Versuchen wir nun zu erfahren, wie der Herr Verfasser zu diesem Ergebniss gelangt ist und wie die stützenden Beweisgründe beschaffen sind, die er uns für seine Auffassung vorführt. Herr Durlacher beginnt mit der Bemerkung, dass, wie so manche der historischen Parthieen des Pentateuchs sieb als dunkel und unvollständig erweisen, so namentlich die Geschichte von Josef und seinen Brüdem vollständig unbegreifbar sei für denjenigen, der mit prüfendem Blicke einen klaren und verständlichen Zusammenhang der einzelnen Begebenheiten zu finden bemüht ist. Er will demgemäss die Tradition, die von unseren Weisen überlieferten Erzählungen und Schriftdeutungen, zu Hilfe nehmen, um die seiner Ansicht nach unleugbar vorhandenen Lücken in der Geschichte Josephs auszufüllen und somit ein verständliches Ganze herzustellen. (Notre but est donc de donner dans cet opuscule une explication puis4e dans la tr&dition et de tacher par lä de ■combler les lacunes de cette histoire si interessante.) Wir hätten jedoch gewünscht, dass sich der Herr Verfasser über sein Verhältniss zurTradition mit einigen Worten geäussert hätte, dass er uns den für ihn gültigen Massstab ihrer Glaubwürdigkeit und ihrer Berechtigung kundgegeben hätte. Denn während er (Seite 30) der aus einer unbekannten Quelle entnommenen Sage, dass dem am Grabe seiner Mutter betenden Joseph die tröstliche, ja glück verheissende Stimme derselben erklnngen sei,*) eine solche Glaub- *) Im Buche Hajascher ipag. 54 b der Prager Ausgabe) findet sich allerdings die!Sage, dass Joseph in verzweiflungsvollem Schmerze am Orabe der Mutter gebetet und dass die zum Ausbarren ermuthigende Stimme derselben ihm erschollen sei, allein der Inhalt des daselbst Verkündeten stimmt bei Weitem nicht mit dem Wortlaut dessen überein, was der Herr Verfasser die Kachel sagen lässt ... et tu auras une glorieuse mission ä remplir avant de revoir ton pere. Von einer ״ruhmreichen Mission“ redet das Buch Hajascbar ebensowenig, wie von einem Wiedersehen des Vaters. Auch sind nicht im Entferntesten daselbst angedeutet die besebwiebtigended Woite. die der Her- Verlasser die Hachel sagen lässt: Sourtout, n’aecuse pas tes fröret, quoi u’ont 6te <!ue les Instruments de la Providence et 3uoi out etö pousses a agir ainsi.“ Die Worte der Kachel an oseph, ihren Sohn, haben nach dem 8. H. nur den Inhalt, dass Gott ihn nicht verlassen und dass er ihn vor jeder Bedränguiss bewahren werde. — Wir kommen übrigous auf den Gedanken, dass die Bruder ״nur Werkzeuge der Vorsehung gewesen und verleitet werden sind, so zu handeln“, noch zurück. hh Würdigkeit und eine solche Bedeutung beilegt, dass ei durch diese Sage den mit Absicht verborgenen Aufent halt des J#seph in Egypten und dessen versöhnlicl! Haltung den Brüdern gegenüber erklären zu könmd glaubt, weist er die sonst unbestrittene Bemerkung uu serer Weisen (Beresch. Kabba Par. 100) ganz und ga! zurück, dass die Brüder des Joseph nicht im wirklicher Aufträge des sterbenden Vaters um Schonung und Ver zeibung gebeten, sondern um der Erhaltung des Frie dens willen einen fingirten Befehl des Vaters den Jo seph hätten wissen lassen. Er meint, dass die Söhne des Jakob den Ehrennamen ihres Vaters nicht zu eii.ei solchen List haben missbrauchen können und beschliessl diese seiee Meinnng mit den Worten: Cette hypothise ne peut donc se soutenir (8. 42). Was das später dem Jakob zu Theil gewordene Wissen von der gewaltsamen Entfernung des Joseph mit all ihren Einzelheiten anbelangt, müht der Herr Verfasser sich ab, zu erfahren, wer dem Jacob diese Kunde in so ausreichender Weise überbracht und er gelandt zu dem Schlüsse, dass es nur der ״heilige Geist“ gewesen sein könne, durch welchen Jakob all diese Vorgänge erfahren. Warum nimftfi Herr Durlacher nicht die mindeste Notiz von der Be- * merkung eines unserer Weisen (Jalkut-Schimoni Cap, 142) .. .וכשבאו למצרים ומצאו (ליוסף) אז התירו החרם ושמע יעקב ותחי רוח ונו,, dass Jakob also doch von seinen Söhnen selbst Alles erfahren habe. Der Herr Verfasser hätte durch einige wenige aher bestimmte Angaben über sein Verhältniss zur Tradition den Schein einer willkürlichen Auswahl der agadischen Elemente vermeiden können. 1 Fortsetzung folgt.) Litterarische Notizen. 1. Professor Dr. BL örittj gründete sich bekanntlich»■ '-en Knt eines bedeifttttde■' Forschers auf dem Gebiete altisraelitischer und jüdischer Geschichte durch sein grosses Geschichtswerk in elf Bänden, welches eine ausserordentliche Verbreitung gefanden und in fremde Sprachen, wie französisch, englisch, russisch, übersetzt wird. Während dieses Werk wegen ausführlicber kritischer Behandlung der Quellen mehr für Gelehrte und Fachmänner geschrieben ist, nimmt die im Erscheinen begriffene ״Volksthümliche Geschichte der Juden in drei Bänden von den ältesten Zeiten bis aut die Gegenwart“. Ca. 30 Hefte ä 70 Pt.,!Leipzig, Verlag von Oskar Leiner) von welcher uns heute das 1. Heft, 4 Bogen, schöne Ausstattung, mit Stahlstich: Moses nach Michel Angelo, zuging, ausschliesslich Rücksicht aut gebildete Laien, für welche diese kürzer gefasste Aufgabe auch speziell bestimmt ist, um die Kenntniss dieser Geschichte in weitere Kreise des Publikums hineinzutragen und das Interesse dafür zu wecken!- und zu heben. Wir werden später auf das Werk zurückhommqfttn sobald der erste Band vollständig uns vorliegen wird. Ftö ff heute wollen wir die Interessenten unserer Leser auf dasselbe aufmerksam machen. 2. Mr. de Rochemonteix hat der Geographischen Gesellschalt in Paris das Resultat seiner Untersuchungen über die Bevölkerung, Sitten und Sprache des alten Egyptens vorgelegt, in den verschiedenen Volksstämmen entdeckte er die im 10. Cap. der Genesis niedergelegten Familiennamen; so sind z. B. רודים die Fellachen, עג&*ם die Adeligen, נפתח'ם die Deltabewohner, und פתרסים die Bewohner von Oberägypten. 3 S. V. Zelman, der begeisterte Verehrer und Jünger S. D. Luzzatto’s hat in Triest hebräische Dichtungen veröffentlicht. 4. Oberrabbiner B. Mossö aus Avignon hat ein Buch über die jüdischen Frauen des Alterthums veröffentlicht. 5. Rah. Dr. Henry Pereira Mendez aus New-York hat im Juuiheft des North-American Keview einen beachte na werthhu. Artikel unter dem Titel: ״Warum ich ein Judo bin“ veröffentlich!. Briefkasten der Redact.ion. B. Recensionen von Büchern oder Predigten, von denen die Red. kerne Exemplare erhalten, finden keine Aufnahme. Verantwortliche■• Redacteur Dr. K,ahmer, Magdeburg. Druck von D L. Wollt, Magdeburg Verlag von Robert Friese, Leipzig.