Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 43. (21.10.1887)
- Date
- 1887-10-21
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Antiqu. XIV. 10 b). Dagegen wissen wir nicht, woher •er die Geschichte von den zwei Juden genommen hat, welche Nero verbrennen liess, weil sie Poppäa angeschaut hatten. Dass er Klopstock auf französisch und Juvenal auf ׳י italienisch citirt, möchten wir ihm hingehen lassen, wenn er sich nur einer richtigen Uebersetzung des römischen Satirikers bedient hätte. Er sagt nämlich, dass die Juden schon zur Zeit der römischen Kaiser beschuldigt wurden Wahrsagerei zu treiben, Liebeselixire zu verkaufen und Kinder von Andersgläubigen zu tödten. Als Beweis citirt er folgende Stelle aus der sechsten Satire Juvenals, die ich nach seiner italienischen Ueber־ Setzung wörtlich wieder gebe: ״Um wenige Soldi verkauft der Jude albernes Zeug für jeden Geschmack; verspricht Jedem leidenschaftliche Liebhaber und reiche Erbschaften; doch untersucht er früher die zuckenden Eingeweide einer Taube, schneidet den Hühnern die Brust auf, oder wühlt in den Eingeweiden eines Hünd- «hens, oder manchmal auch eines Kindes.“ . . . Das Citat würde für die Juden recht bedenklich lauten, wenn es — richtig wäre. Wie lautet aber die Stelle bei Juvenal? (VI, 546) .. aere minuto Qualiacunque voles Judaei somnia vendunt. Spondet amatorem tenerum vel divitis orbi Testamentum ingens, calidae, pulnione columbae Tractato, Armenius vel Coiumagenus haruspex: Pectora pullorum rimabitur, exta catelli, Interdum et pueri. Man braucht keine besonders gründliche Kenntniss des Lateinischen zu besitzen, um zu sehen, dass alles von ״Spondet“ an Gesagte sich auf den armenischen oder commagenischen Vogelschauer bezieht und die Jnden nur der falschen Traumdeuterei oder ׳alberner Prophezeiungen beschuldigt werden. Durch Weglassung der Worte .Armenius vel Commagenus hat Natali die Bedeutung /^׳flder ganzen Stelle gefälscht. Sollen wir ihn ob dieser :Escamotage des Judenhasses beschuldigen? 0 nein, Herr Natali ist ja ein Freund der Juden, vielleicht selbst Jude, aber er hat sich eben auf eine schlechte Uebersetzung des Juvenal verlassen und sich nicht die Mühe genommen das Original nachzulesen. Er wird nun vielleicht einsehen, dass es mit dem Weglassen pedantischer Citate allein nicht gethan ist, sondern dass man immer auf die erste und verlässigste Quelle zurückgehen muss, wenn man ein brauchbares verlässiges Buch schreiben will. Er hat dies bei jener Partie seines Werkes gethan, welche der römischen Proselytenmacherei gewidmet ist, und diese ist desshalb auch die interessanteste und wichtigste seines Werkchens. Möge er den Wink beherzigen, falls er daran gehen sollte einen zweiten Theil zu schreiben.*) Eine Zeitschrift für die gesammte Wissenschaft des Talmuds beabsichtigt Herr ein H. Bl 0 ch.in B1־eslau]herauszugeben. Derselbe schreibt darüber wie folgt: ״Den Charakter unserer Zeit bestimmt die Specialforschung. Studien, die bisher in den Bau einer grösseren Disciplin als organische Bestan.Itheile eingefügt waren, erweitern und vertiefen sich und erlangen mehr und mehr die Anerkennung als selbstständige Wissenschaften. So hat denn jede der ursprünglichen vier Fakultäten ' /*. aus sich heraus eine Anzahl neuer, in sich abgeschlossener ' Wissenschaften erzeugt, die untereinander oft durch nichts anderes, als durch die Thatsache des gemeinsamen Ursprunges verbunden sind. *) Aus der ״Beilage“ Nr Sititi zur״Allgem.Zeit־‘. (Manchen.) Gegenüber dieser Erscheinung muss es um so mehr befremden, dass noch ein grosses, fruchtbares Gebiet der wahrhaft wissenschaftlichen Bearbeitung entbehrt, während es doch nicht minder, als seine herrlich angebauten Nachbarfluren befähigt ist, jede ihm zugewandte Mühe mit reicher Ernte zu lohnen. Dies von der Wissenschaft so arg vernachlässigte Feld ist der Talmud. Wer sich bisher mit ihm beschäftigte, ging nicht vorurtheilsfrei an ihn heran, wie an irgend einen andern Gegenstand des Erkenneus, vielmehr war es entweder religiöse Anschauung oder politische Parteirichtung, welche den Arbeiten, die den Talmud zum Gegenstände hatten, den Stempel irgend einer Tendenz aufdrückte uud sie so de3 objektiven, wissenschaftlichen Charakters entkleidete. Und doch verdienen es wohl wenige Bücher in höherem Grade, allgemein gekannt zu werden, als dieses Werk, das scheinbar nur eiu Haufen zusammenhangsloser Bruchstücke, thatsächlich aber ein einbeitliches, abgerundetes Ganze ist, das den oberflächlichen Beschauer abstösst, weil es ihm unsittlich und abstrus erscheint, und das doch dem, der es in seiner Eigenart zu verstehen, sich ernstlich bemüht, eine unendliche Welt des Wahren, Guten und Schönen erschliesst! Soll aber hierin eine Wandlung zum Besseren eintreten, so bedarf es vor allem eines Organs, das in sich alle dem Talmud gewidmeten Studien concentrirt und zugleich die Anregung zu neuen, erfolgreichen Arbeiten auf diesem Felde gewährt. Um diesem aber den rein wissenschaftlichen Charakter zu wahren, ist' es nöthig, aus dem Gebiete, dem es seine Pflege zuwenden will, alles dasjenige auszuschliessen, was ein lediglich religiöses Interesse bietet, also vor allem das, was nur mit den die Cereraonien und den Kultus betreffenden Bestimmungen des Talmuds zusammenhängt. Hiermit soll anderseits die sorgfältigste Schonung aller religiösen Gefühle verbunden und jede Polemik religiösen Inhaltes streng vermieden werden. Was aber innerhalb des so umgrenzten Gebietes liegt, der grosse Kreis aller derjenigen Wissenschaften, die der Talmud eingehend behandelt oder nur gelegentlich berührt: die Philosophie mit allen ihren Spezialgebieten, die J ur isprudenz, die Geschichte nebst ihren zahlreichen Hilfswissenschaften, insbesondere der Altertumswissenschaft, der Kulturgeschichte, der Num ismatik, die Ge ographie etc. etc., die Natio nal-0 ekonomie, nicht minder aber auch die gesammten Naturwissenschaften und die Medizin, ebenso auch die Künste, insbesondere die Musik nnd die Baukunst etc., etc., das Alles soll in dem hier angekündigten Organ eine systematische, streng wissenschaftliche Bearbeitung finden. Diesem ihrem Standpunkte der strengsten Wissenschaftlichkeit entsprich., es auch, dass die Redaktion sich nicht an einen durch den Gegensatz der Confessionen bestimmten oder begienzten Leserkreis wendet, sondern an das gesammte geiehrte und wahrhaft gebildete Publikum, ebenso aber auch, dass sie ihre Mitarbeiter nicht in den Reihen irgend einer bestimmten Religionsgesellschaft sucht, sondern jeden, wess’ Glaubens e״ auch immer sei, zum Worte verstatten will, dr•: zu wahren Erkenntniss u:1d zum richtigen Verständn s des Talmuds etwas bjizutragen vermag. Es ist dei.a auch der Redaktion bereits gelungen, sich der Mitarbeiterschaft einiger, ihr hierin gleichgesinnter Gelehrter zu versichern, welche bereit sind, die ihren Berufssttidien entsprechenden Materien des Talmuds unter Berücksichtigung aller Anforderungen der modernen wissenschaftlichen Kritik zu bearbeiten. Gestützt hierauf uud in dem festen Vertrauen, dass es ihr gelingen werde, immer weitere Kreise davon zu überzeugen, wie die Erforschung des Talmuds zi.r Vertiefung der einzelnen