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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-10-21 · N° 43. (21.10.1887) · p. Seite 168

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 43. (21.10.1887)
Date
1887-10-21
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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168 — Spezialdisziplinen beizutragen und den allgemeinen wissenschaftlichen Gesichtskreis wesentlich zu erweitern, in hohem Masse geeignet ist, erlaubt sich die Redaktion, dem grösseren Publikum ihr Unternehmen schon jetzt zu unterbreiten und seiner Gunst angelegentlichst zu empfehlen. Die Absicht geht dahin, in noch zu bestimmenden Zwischenräumen massig starke Hefte herauszugeben, deren Hauptinhalt in fortlaufender Aufeinanderfolge wissenschaftliche Abhandlungen der bereits näher angegebenen Art bilden sollen. Diesen soll ein Literaturbericht folgen, welcher durch möglichst eingehende, rein sachgemäss gehaltene Besprechungen die Leser über die neuesten Erzeugnisse der einschlägigen Litteratur zu unterrichten bestimmt ist, während wissen- 8chaftliche Mittheilungen und Miszellen von sonstigem Interesse den Schluss bilden werden. Gleichzeitig beabsichtigt die Redaktion unter Heran- Ziehung geeigneter Kräfte die Herstellung eines zuverlässigen, den Bedürfnissen der modernen Wissenschaft entsprechenden Wort- und Sachregisters, welches den Talmud und die an ihn sich anschliessende Litteratur berücksichtigen soll, ein Werk, von welchem wesentliehe Förderung und Erleichterung talmudischer Arbeiten zn erhoffen ist. Ueber die Bezugsbedingungen sowie über sonstiges auf die Erscheinungsweise und Mitarbeiterschaft Bezügliebes wird die Redaktion binnen Kurzem nähere Mittheilungen zu machen sich erlauben“. Recensionen. Schulze, Dr., Martin. Zur Formenlehre des Semitischen Verbs., WieD, Verlag von Karl Konegen, 1886. Die Sprachgebilde innerhalb einer Sprache 80 zu ordnen, dass sie logische zusammengehörige Gruppen bilden, ist in der Anfangszeit die Aufgabe der Grammatiker gewesen. Den Bildungsgesetzen aber nachzuspüren und in die räthselvolle verhüllte Lebensgeschichte einer Sprache einzudringen, gab die Natur- Wissenschaft die Anregung. Es zeigte sich bald, dass die Lösung dieser Aufgabe mit solcher Klarheit nicht erfolgen kann, um den vollen Werth einer unbestreitbaren wissenschaftlichen Lösung zu beanspruchen. Denn ist es schon schwer, bei manchen Worten nachzuweisen, wie so dieselben zu mehreren anscheinend ganz verschiedenen Bedeutungen gekommen sind, wie אמר sagen und איןיך Wipfel; ist es noch schwerer, die Entstehung und Bedeutung von Hauptwörtern sicher zu erklären, zu denen die naheliegenden Wurzeln und Stämme in keinem klaren Verhältniss stehen, wie warum ״ מלאךBote“ bedeutet; ist'Vomit oft die Geschichte der Bedeutung eines Wortes fechon schwer zu enthüllen, um wie viel schwieriger ist die Aufgabe, die Entwickeluugsge8chichte der Stämme und Wurzeln selbst, die Entstehung der Verbal- und Nominal-, der Pronominalbildung sicher und beweiskräftig darzustellen. Dennoch hat die Vergleichung der semitischen Sprachen untereinander das Vorhandensein solcher Wörter, welche als Urwurzeln gelten können, dahin geführt, in die Vorgeschichte der setnit Sprachen einen tiefen Blick zu thun. Die Annahme, dass zweibuchstabige Wurzeln die älteren seien, aus weleben sich später die dreibuchstabigen Wurzeln entwickelt, sollte den alte׳ Streit, ob zwei- (»der dreibuchstabige Wurzeln den Nominibus und Verbis zu Grunde liegen, zur Ruhe bringen; die Auflösung der substantivischen und verbalen Bilduugsformen in ihre Bildungsbestandtheile, und die Zuriickführung dieser auf selbstständige Worte, sowie das Aufsuchen der Gesetze, nach welchen die Verbindung und die dadurch bedingte Verschmelzung und Veränderung vor sich ging, haben zu der Annahme geführt, da«8 Pronominalwurzeln, einsilbiger Art, vorhanden waren, welche durch Zusammensetzung mit anderen Nominaland Verbalwurzeln, zur Bildung von Nomina und Verba in bestimmter Beziehung zur Person, zur Zeit, zur Zahl und zum Geschlecht u. s. w. führten. Man ging aber weiter und versuchte durch Vergleichung der semitischen und urgermanisohen Sprachen nhht nur die Richtigkeit der ftir die Entwickelung der einen, Sprachgrnppe anfgefandenen Gesetze durch die gleichen Erscheinungen der anderen Gruppe zn beweisen, sondem allgemein menschliche Spracbbildungsgesetze aufzufinden, welche auf eine Ursprache oder doch auf eine Zeit zurückweisen sollen, in welcher eine solche Urspräche vorhanden war. Die vorliegende Studie des Herrn Dr. Schulze zeigt die Schwächen solcher sprachvergleichender Untersuchungen, aber auch einen Fortschritt iu der Erklärung der semitischen Sprachentwickelung. Wenn z. B. Dp aufstehen, mit dem sauskritischen gam, dem gothisehen qam — ״kommen“, D3 fliehen mit dem sanskritisehen näth ״Stütze suchen“, מל reden, mit gothisch malan, mahlen, zerreiben, sanskritisch mil ״miteinander verkehren“, verglichen und als identisch hingestellt werden, so sind das Annahmen, die eine allgemeine Zustimmung kaum finden werden. Trotz solcher Vergleichungsversuche zeigt diese Arbeit aber gewissermassen das Ergebniss mancher bis jetzt nur hin und wieder schüchtern aufgestellten Annahmen in einer so ansprechenden und durch viele Beispiele begründeten Weise, dass man sie als einen bedeutsamen Wendepunkt in der semitischen Sprachforschung betrachten kann. Von der zweibuchstabigen Wurzel ausgehend, deren Vocalisation noch flüssig war, schreitet er zur Verbindung derselben mit der Pronominalwurzel הל ,הי,הא, die als eine, aber verschieden ausgesprochene, ‘Wurzel^ gilt. Daraus entwickelt er das älteste Tempus — das Aftormativtempus צבר• Alsdann nimmt er die einsiibigo Vorlnilwurzel und entwickelt aus ihr den Imperativ, und aus ihm das Praeformativtempus. Aus einer dritten Vocalisation der einsilbigen Verbalwurzel entwickelt er in gleicher Weise das Medium. Nun hat der Verfasser sich den Weg gebahnt, um aus der zweibuchstabigen, einsilbigen Wurzel auch zweisilbige (Ireibuclistahige abzuleiten. Er scheidet die letzteren in Aftbrmativ- und Praeformativwurzeln, in reduplizirte und distrahirte; z. B. die einfache Wurzel שם in die affirmative שמה, die praeformative ישם, die reduplizirte, שמשם. die distrahirte שום. Aus den Wurzeln leitet er die Stämme ah, und zwar: 1. einfache dreibuchstabige wie שמל, - reduplizirte ״ שמשמלdmש ממל,שמלמי. ׳ u. s. w.;5. distrahirte 4. Praeformativstämme ,נשמל ,ששמל 1)״" •|; יתשמל Afformativstiimme wie שמלן ,שמל. Diese Art der Ableitung scheint einleuchtend, und Alles ganz nuturgemäss auseinander entstanden. Der Verfasser verliert sieh aber dabei manclinial in unlösbare Widersprüche und kühne Gescliichtsmacherei. S. '13 giobt er unter den red 11 pIi zi rte 11 Stammen רומם und hezeielmet es mit dem typischen Wort saml-il, Seite ."14 führt er unter den t-Stiimmen als distrahirt mit an התרומם, das er ta-saumil nennt. Seite 48 erklärt er die Verschiedenheit der Vokalisation der Dialekte im I’iel also: die älteren Nordsemiten behielten,‘• ohne sieh viel zu besinnen, die Vokale des Futurs bei; die jüngeren Araber aber wählten in schematisirender Weise diejenigen des Kal Praeteritums. Hs ist aber wenig beweisend, eine dialektische Verschiedenheit auf eine flüchtige Besinnung znrückzuiühren. Hannover. Kr. Verantwortliche- Redacteur Dr. Ha Inner, Magdeburg. JJruck von D. L. Woltt, Magdeburg. Verlagvon Robert Friese, Leipzig.

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