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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-08-19 · N° 34. (19.8.1887) · p. Seite 133

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 34. (19.8.1887)
Date
1887-08-19
Page
Seite 133 (sequence 3)
Language
German
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— 133 liehen Tage jagten die Schützen vier Ochsen in den Stadtgraben. Da erschien der Jade Meier vor dem Rath, erklärte, dass er seine Ochsen mit Wissen and Willen Joh. Hoburgs in die von demselben gekaufte Weide getrieben und bat, weil die Thiere keinen Schaden angeriohtet, ihm dieselben freizageben. Der Rath gewährte die Bitte unter der Bedingung, dass der Jude ihm und den Schützen 4 Thaler erlege. Homburg musste, weil er gegen die Verfügung der Stadtpolizei einem Fremden und Juden die Weide verkauft hatte, einen Thaler Ordnungsstrafe zahlen. Desgleichen heisst es in der Rathsverordnung vom Jahre 1582: ״Es soll auch keiner mit den Juden einich gemeinschaft haben und mit ihnen handelen, Fleiss oder anderes abkauffen.“ Zur Zeit des truohsessisoben Krieges flüchteten sich die in den umliegenden Dörfern wohnenden Juden in unsere Stadt, um vor den Drangsalen und Gefahren geschützt zu sein. Kaum war derselbe beendigt, als man sich ihrer wieder zu entledigen suchte. Darum wandte sich Jude Meier am 8. Juni 1589 an den Magistrat mit der Bitte, ״ ihm noch eine Zeitlang des gefährlichen Kriegslaufs halber aus Gnade in der Stadt wohnen zu lassen.“ Es wurde ihm dazu auch bis zum nächsten Jacobi-Tage Erlaubniss gegeben. Diese Frist muss indess immer wieder verlängert worden sein, denn wir hören, dass Meier noch 1590 sich in Andernach befindet. Am 4. Januar 1590, 80 lesen wir nämlioh im Protokollen buche, hat der Rath den Juden Meier gestraft und ihm 10 Goldgülden zu zahlen auterlegt, weil er wider des gnädigsten H;rrn und der Stadt Ordnung kein Verzeichniss der fremden Juden dem Bürgermeister eingereicht hatte. Ein weiteres Protokoll vom 15. März 1590 lautet: ״Es erschienen vor dem Rath die Accisspächter und ,Meier Jude wegen etlichen verkauften wollen Acziess ^halber und legten die Fragh vor, ob der Jude als ein Bürger oder als ein Fremder duppel geben soll. Ist der Abscheit, dass ein Jude als ein Bürger duppel geben solle, nämlich ein Bürger soll geben 9 heller und ein Jude duppel, also 18 heller.“ (Schluss folgt.) Litteraturbericht. Recensionen. Dessauer, Julius. Der Raschi-Komment ar zu den fünf Büchern Moses, vollständig in’s Deutsche übersetzt, mit beigedrucktem Bibeltexte. — Im Selbstverläge des Verfassers. Budapest 1887. Statt jeder besonderen Recensiou und kritischen Be* leuchtung dieses vortrefflichen und besonders allen jüd. Lehrern und solchen, die es werden wollen,zu empfehlendenBuches drucken wir die zwei Anerkennungsschreiben, die der Verf. von den zwei bedeutendsten des hebräischtalmudischen Idiomskundigen christlichen Gelehrten, Delitzsch und Wünsche, erhielt, hier ab. Der erster« schreibt: ״Verehrter Herr! Empfangen Sie meinen herzliehen Dank für Ihren zweisprachigen Raschi! Um wie vieles haben sich seit 50 Jahren die Hilfsmittel zur Erlernung des Talmudischen und Rabbinischen gemehrt; ich war als junger Mann fast lediglich auf mündlichen Unterricht gewiesen, den auch jetzt noch ^niemand entbehren kann, wer Talmud und Raschi nebst Tossafoth lesen lernen will. Raschi,!nicht Kimchi oder Aben Esra ist der rabbinische Musterschriftsteiler. Hunderte werden es Ihnen Dank wissen, dass Sie Ihnen Raschi’s Peutateuch-Commeutär so zugänglich gemacht und ihnen dadurch eine Brücke zur rabbinischen Litteratur geschlagen haben. Lassen Sie mich dooh wissen, um welohen Preis dieser hebr. deutsche Raschi von Ihnen zu beziehen ist. Ich werde jede Gelegenheit benutzen, es den Besuchern unseres Leipziger Institutum Judaioum zu empfehlen, das wird der beste Dank sein, den ioh Ihnen erstatte. *) Hochachtungsvoll Leipzig, 25 Juni 1887. Ihr ergebener Prof. Franz Delitzsch.“ Der zweite Brief lautet: Sehr geehrter Herr! Genehmigen Sie meinen herzlichsten Dank für Ihr schönes Gesohenk. Wenn ioh schon Ihren früheren Publikationen, dem Lexikon der Kernsprüohe, wie dem Schlüssel zum Gebetbuohe, mein ganzes Interesse entgegen gebracht habe, 80 ist das noch in höherem Grade bei dieser neuesten Arbeit der Fall. Ioh habe mir alle diese Werke angesohaffc, besitze auch Ihre 5 bändige Raschiübersetzung von 1867 Aus der letzteren habe ioh viel gelernt. Ihr neuester Rasohi-Cominentar ist nun handlicher und vielfach . . . für das Naohsohlagen brauchbarer geworden. Vor allem aber hat das Werk durch die bessernde Hand gewonnen. Vieles ist schlagender und ganz textentsprechend geworden. Ioh sohätze Raschi sehr, schon seiner traditionellen Exegese wegen, weil er immer auf Talmud und Midrasch zarückgreifc. In dieser Beziehung ist er für den Talmudisten unentbehrlich. — ״Ich freue raioh jedesmal, wenn mir die Uebersetzung eines echt jüdisohen Nationalwerkes begegnet. Es muss in dieser Beziehung noch mehr geschehen! Hätte man z. B. den Talmnd schon übertragen, so wäre manche gegen das Judenthum geschleuderte Verunglimpfung sioher fortgeblieben! Es wäre eine schöne Aufgabe des Judenthums, ein Institut zu gründen, welches die Hauptwerke der jüdischen Litteratur in schönen Ueber- Setzungen der Welt zugänglich machte. So haben Sie nochmals Dank! Ioh werde Ihr Werk fleissig gebrauchen, und wo ioh nur kann es zitiren und gebührend würdigen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener Dresden, den 10. Juli 1887. Aug. Wünsche.“ שירי אהל יעקב, Gottesdienstliche Gesänge für Israeliten componirt von M. Rosenhaupt, Character der israelitischen Gemeinde zu Nürnberg, II. ' Theil, Sabbathmorgengottesdienst. Frankfurt a. M. J. Kaufmann, 1887. Seit dem Erscheinen des I. Theiles dieser Gesänge (Freitagabendgottesdienst) ist ein Zeitraum von 7 Jahren verflossen, und dem Unterzeichneten Rezensenten war auch damals die Aufgabe zugefallen, den I. Theil zu besprechen und somit die Pathenstelle bei des Componisten gottesdienstlichen Gesängen zu übernehmen. Ich hatte damals auch den Wunsch ausgesprochen, der Autor möge seine Arbeiten fortsetzen, dem er auch gefolgt ist, und wobei ein musikalischer Fortschritt gegen den I. Theil nicht unbemerkt geblieben ist. — No 1 beginnt mit einem Ma towu Rezitativ in C-moll, dessen zweiter Satz a tempo Moderato bezeichnet ist, und (wenn man will, dessen dritter Satz Andante) in A-moll sehliesst. No. 2 in Es-dur und No. 8 enthalten je ein Adon olam, ersteres im strengen Tempo ist recht schön, namentlich in *) Einige Tage darauf lief folgende Bestellung ein: Im Aufträge des Herrn Prot. Fr. Delitzsch und des Herrn Faber bitte ich Sie, uns gütigst fünf Exemplare Ihres deutschen Rasch i-Commentares zusendeu zu wollen. Der Betrag von 30 Mk. wird Ihnen sofort nach Empfang der Bücher eingesandt werden. Mit besten drüsseu von Prof. Delitzsch und llerru Faber im Aufträge 11. Schwabe, Leipzig, den 5. Juli 1887. Sekretär.

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