Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 34. (19.8.1887)
- Date
- 1887-08-19
- Page
- Seite 134 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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134 — der beigefügten Orgelstiame, letzteres ist ein Bezitativ. — No. 4, 5 und fi bringen die Morgen-B’rochaus, nnd das Ascbrenu für den Cantor. — No. 7 boruch scheomar ohne Vorzeichen, jedoch erkennbar im Boginn in der F-dur-Tonart, schliesst in D־dur und ist im traditionellen Stile gehalten. Die folgende No. behandelt in der letztgenannten Tonart denselben Text. No. 9 die Schlussverse des 149. Psalms, in G-dur, leiten den für gemischten Chor geschriebenen Ps. 150 in C-dur ein. Ich halte diese Piece nicht für die beste des Werkes, obgleich sie, gut. vorgetragen, dem Publikum imponiren dürfte. — Nach den Rezitativen von No. 11 —13 finden wir in 14 ein wunderschönes Schochen-ad in F-dur, C, Andante für gemischten Chor, das stimmungsvoll ist und schön harraonisirt worden, und des Eindrucks nicht entbehren wird. In den mehr oder minder üblichen traditionellen Weisen sind auch die folgenden Nummern 1-—31 geschrieben. No. 32, לך אלים für Sabbath Rosch-hachodesch in D-dur Moderato. Ob diese Melodie traditionell oder selbstkomponirt ist, ist mir unbekannt. Ich will nur den schönen Orgelsatz hervorheben.*) No. 23—28 bringen איל חלש etc. bis!ישמח משל nach im traditionellen Stilegehalt.enenWeisen, die Sätze מ״ במכה und די ימלך jedoch sind Originalkompositionen. Die folgenden NNo. 29—31 in G-dur 4נ Andante führen uns ansprechende Melodieen des Hallel für Rosch-hachodesch in ebenfalls eigenen Compositioneu für Cantor und Chor, bezw. Gemeinde abwechselnd vor. — No. 32 En komöcho, abwechselnd zwischen Cantor, gemischtem Chor, Sopran- und Alt- Solo, wieder Chor, dann Cantor, Männerchor, endlich gemischter Chor, wird denjenigen befriediegen, der nach Eilect sucht. Namentlich sagt mir der Schluss in dem pompösen hellen A-dur auf den ״Frieden“ nicht zu. Herr R. hatte aber, wie es scheint, den Anfang des nächsten Aw horachamim in D-dur im Auge. Ein anderer En komocho und Aw horachamim, No. 33 ist einfacher. — Die Gesänge zum Ausheben der Thorah führen uns die folgenden Piecen für Cantor und gemischten Chor vor. — In modernen Gemeinden wird wohl selten noch das Mischeberach hebräisch gehört. Sogar in ziemlich orthodoxen habe ich es schon in deutscher Sprache vernommen. Der Autor bringt es in No. 38, worauf das übliche 'ברכת החוד folgt. — Zwei Melodieen zum Aschre, beide in G-dur, die erstere 3/4, die andere C-Takt•, sind wohlgesetzt und entbehren auch nicht des melodischen Elementes — Das Einhebeu der Thorah besingen No. 42—15 (Jehallalu, Hodo für Gemeindegesang, ki lekach tow für den Cantor und haschiwenu für gemischten Chor). — No. 4(i hat den Mushaph-Kaddidch in A-dur für den Cantor in der üblichen traditionellen Weise, No. 47 Boruch attoh in G-dur. Hier findet ein Uebergang tmch dieser Tonart durch einige modulatorische Akkorde der Orgel, von A-dur nach G-dur statt. Auch diese Piece hat die übliche Weise beibehalten. Von dieser zur nächsten, einer F-dur-K’duschoh, ist *) Als ich 1״ir in Bär’s עבודת ישראל aber den Text dieses אופן Rath holte, da wurde ich gewahr, dass כל פיוט זה מיוסד על ויקרא רבה פ־ב, und temer, dass ד׳ מאות ותשעים ושלשה אלפים של מלאכי דשרת שהם עומדים ומקדשים את שמו הגדול בכל יום תמיד מיציאת החמה ,יעד שקיעתה ואומרים קה״רן ומשקיעת החמה ועד יציאתה ואומרים ברוך כבוד ה׳ ממקומו. Nach der modernen Einrichtung unseres Gottesdienstes können wir wirklich diesen Piut übergehen. Er muss auch vielen unserer Alten nicht behagt haben, denn die nach dem 2'א verfasste Poesie bricht mit אות יו״ד ab. ״!מ• sagt: ונראה כי המחבר עשהו עד תשלום אותיות א״ב, והקהלות קצרוהו וכמו שעשו בבמה פיוטים; streichen wir also noch von ‘אות א bis TV 8 .אות. G. nun wieder die Brücke durch die Modulation von G-dur nach F-dur gelegt. Von ״Echod hu“ ab verlässt sie aber den Weg und bewegt sich in B-dur, worin sie auch schliesst. Diese K’duschoh ist recht wohlklingend. Dasselbe lässt sich auch von der folgenden in C-dur, die in den Mittelsätzen in den Tonarten C-moll, B-dur und F-dur abwechsein, sagen. No. 50 L’dor wodor und No. 51 Tikanto schabbos sprechen uns in ihrem alten Gewände (in A-mnll) recht an. Nach einem einfach gehaltenen En Kelohenu, No 52, in C-dur (mittlere Sätze F-dur) für gemischten Chor folgt als Schlussgesang No. 53 die deutsche Uebertragung des Adon 010m, in D-dur J'4 Allegretto, unisono als Gemeindegesang, eine der schönsten Nummern des ganzen Heftes. Besser wäre es gewesen, wenn dieser Gesang vierstimmig gesetzt wäre. Die Orgelstimme ist superb. (Schluss folgt.) Notizen. 1. Zur׳ Chronologie. (DorSterbe-undBejviibnisstag Jost’s.) Dem geehrten Herren Cohen-Rees erwidere ich, dass der Nekrolog, unterzeichnet von meinem verewigten Freunde Dr. Stein, mit den Worten beginnt: ״Unter einer seltenen Theilnalmie . . hat am ‘24. November das feierliche Leichenbegängniss dos uns durch den Tod schmerzlich entrissenen Dr. Isaac Marcus Jost . . stattgefunden.“ — Nun denke ich mir, Stein’s ״Yolkslehrer“, dem ich diese Worte entnehme, zahlte s. Z. ebenfalls zu den competenteu ״Zeitungsberichten,‘ zumal Stein ein intimer Freund Jost’s gewesen und beide an einem und demselben Orte lebten. Dass die Angaben der ״Zeit, d. Judenthnms“ richtig seien, will ich nicht bezweifeln, andererseits aber ist doch schwer zu glauben, dass Stein in einer und derselben gar nicht so unwichtigen Sache einen zweifachen Fehler — sowohl in seiner Leichenrede als in seiner ״Rundschau“ — begangen hätte? Indes* spielt der Druckfehlerteufel oft eine Holle: so z. B. schreibt Herr Cohen in seiner ,Eutgegnung“ in No. 113 d. Bl., dass der von mir als Begräbnisstag angegebene ‘21. November 1*04 auf einen Sabbat fiel. Der ‘21. November 18(14 fiel auf einen Donnerstag (25. Marcheschwau), aber Herr Cohen hatte gewiss die Jahreszahl 1860 — das Sterbejahr Jost’s — geschrieben, und allerdings war der.*- ‘24. November 1860 am Sabbat ״Wajeze.“ Ob die <!u. Beerdigung Jost’s aus irgend einem dringenden Grunde am Sabbat stattgotundon, weiss ich nicht. Stein schliesst seinen Bericht: ״Am jüngsten Sabbath wurde, durch eine von dein Unterzeichliefen über Hiob 32,8 gehaltene Predigt, das Andenken des verewigten Geistes auch in der Synagoge gefeiert.“ — 1111 Interesse der Wahrheit wäre es wünschenswerth, wenn einer der befugten Herren in Frankfurt a. M. die Inschrift des Leichstjins nachsehen wiirdo.*1 Jap 11 et-Aschersleben. 2. Zur Chronologie. Im Anschluss an meiner Notiz in voriger Nummer bemerke ich noch, dass in dem Nachrufe Dr. Goldsclunidt s (Jahrbuch f. d. Gesell d. Juden 1861) als Sterbetag Jost’s ebenfalls der '20. November 1860 angegeben ist; Meyers Conversations-Lexikou, 3. Auf!., hat dasselbe Datum. Zum ״Hanauer Memorbuch« in voriger Nummer: Dein ‘24. Chescbwan תס״ט entspricht nicht der October, sondern der 7. November 1708; dem 13. Tammus תעיד nicht der Juli, sondem der 26. Juni 1714, und dem 7. Jjar תל״ך nicht der Mai, sondern der 19. April 1744. Cohen-Rees a. Rhein. Stelnthal’s ״Allgemeine Ethik.« In der ״Gegenwart“ wird in einem mit ״Der falsche Idealismus“ überschriebeneu Artikel von Hieronymus Lonn das Steinthal’sche Werk besprachen. Er kommt zu demselben Resultat, wie seiner Zeit Dr. Goldsclunidt in seiner ausgezeichneten Besprechung desselben Werkes im Jüdischen Litteraturblatt. Hieronymus Lorm sagt u. a.: ״Zwischen dem Wohlthäter, der im Hospital stirbt, nachdem er sein Letztes der Armuth geopfert hat, und dem in der Gosse sich wälzenden Trunkenbold, der seinen letzten Pfennig versoffen hat, wäre nach dem Moralprincip Steinthal’s nicht der geringste wesentliche Unterschied.“ Und weiterhin: ״Als das Dogma dar unbefleckten Empfängniss Maria proclamirt wurde, sagten die Wiener: ״Pius der Neunte hat’8 verkündet und der Zehnte glaubt’s nicht.“ Dies dürfte auch dem Lust-Dogma des Herrn Steinthal widerfahren. M. Sp. *) Auch nach der ״Einladungsschrift zu der öff. Prüf, der Real- und Volksschule“ der isr. Gemeinde Frankfurt a. M. für 1861, erstattet vom Oberlehrer Dr. Stern, ״stark Jost am 22. November 1860 und wurde beerdigt am 24. Novomber“. F. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahme r, Magdeburg. Druck von D. L. Wolf f, Magdeburg. Verlag von Robert Fri eie, Leipzig.