Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 32. (5.8.1887)
- Date
- 1887-08-05
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Verbinden wir damit die von Dr. Kohn aufgeworfene Frage: Bei der Akeda gab 68 Menschen- Knochen, aber keine Menschen-Knochen-Asche? und fragen wir noch hinzu: was für Asche gab es denn bei der Akeda? So ist die Autwort: Holz-Asche Das ״Holz“ steht aber im Akeda-Kapifcel im Plural 1) וירקע עצי עולה. M. 22,3) und ויערוך'את העצים (ibid. 9) ״Holz-Asche“ wäre demgemäss: אפר עצים oder דפר geschrieben: אפר עצם. —da haben wir: die Knochen- Asche! Lesen wir nun in Tossaphoth: 'אפר לקלה פי אוחו עפר דוה מדבר הנשרף, מעצם (ות אדם) כדי לזכור עקדתו של יצחק וכר so giebt es einen vorzüglichen Sinn. Tossaphoth Erklärung ist dann identisch mit der von Raschi in der Mischna: beide wollen das Epitheton מקלה erklären, und meinen אפר מקלה bedeute immer präcis ״Asche“, während אפר allein auch ״Staub“ bedeuten könne, und hier müsse es absolut ״Asche“ sein, weil bei der Akeda auch ״Asche“, nämlich ״Holz- Asche“ אפר עצים war. Ein ungeschickter Schreiber oder Leser ▼erstand aber ״ עצםKuochen“ und das schien ihm noch bessern Sinn zu geben, da es dann innigem Bezug auf Isaak’s gebundene oder zu verbrennende Knochen hatte, und er maohte aus dem vermeintlichen Singular עצם einen Plural und setzte * אדם hinuzu. Aehnlich ging es mit der zur Mischna gehören sollenden Tossapfoth 15 b (ואותו אפר היה מעצם (אדם שהרי הוא האפר הוד, לוכרון העקדה ובעקדה היו עצמות) Vielleicht ist der superkluge Correotor durch diese Tossaphoth zuerst auf seinen Einfall gekommen, indem ihm der Plural היו עצם, wenn עצם Knochen, den Anlass zur Correktur עצמות gab. — So lösen sich die Schwierigkeiten in der einfachsten Weise. Die von Herrn Dr. Richter aufgeworfene Frage, wie Levi b. Chama’s Ansicht mit dem ausdrücklichen אפר מקלה der Mischna sich vertrage, setzt voraus, die Frage des Talmud למה נוחנין אפר כראש בל א' וא׳ lege den Nachdruok auf אפר; warum streut man Asche auf das Haupt jedes Einzelnen? Dem ist aber nicht 30, denn sonst müsste die Frage schon bei der רישא gestellt sein: למה נותנין אפר ע״ג התיבה? Der Sinn ist aber: Warum streut man Asche auf das Haupt der Menschen? d. h. da man doch schon die höchste Trauer durch Bestreuen der תיבה, dessen Anblick den R. Sera so in der Seele erschütterte, ausgedrückt hatte? Antwort: אנו חשובין כאפר oder וכר לאפרו של יצחק, was nur bei den Mensehen, nicht bei der תיבה anwendbar. Nach Lewi b. Cbama ist demnach das אפר מקלה nicht absolut nöthig, aber doch לכתחלה besser, wie bei תיבה, wo schon Rasohi in der Mischna motivirt: אפר מקלה גנאי יותר. - Noch eine Bemerkung. Zu den Tossaphoth ונותנין 15 אפר b sagt ein Marginale שייך לעמוד א' כמשני. Das ist falsch! Tossaphoth bezieht sich z. St. auf ונותנק אפר ע״ג התיכה, während die Mischna אפר מקלה hat. Zur Mischna wäre auoh die Bemerkung der Tossafoth überflüssig, denn אפר מקלה ist natürlich אפר מעצים. Dr. Golds chm i d t - Birkenfeld. Der geehrte Redacteur dieser Blätter bezweifelt die Richtigkeit meiner in No. 30 zu der besprochenen Tossaphothstelle in Taaaith 15 a gemachten Coujaoturen. Ich habe dieselben selbst nicht als Gewissheit, sondern blos als Vermuthung ausgesprochen. Dagegen halte ich eine meiner Behauptungen entschieden aufrecht, dass das fragliche Wort nicht מדבר, sondern מלבר zu־ lesen ist, ohne dass ich es darum nach reiferem Erwägen für nöthig eraohte, die Worts des Textes in eine andere Fassung als die uns vorliegende zu bringen. Nur ist das diesen vorangehende 'פי nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, als eine Abbreviatur des Wortes פירוש anzusehen, sondern es ist dies wahrscheinlich ein oorrampirtes מ, das ursprünglich zu dem nachfolgenden אותו gehörte, aus dem dann später duroh das Versehen irgend eines Abschreibers ein von diesem getrenntes, selbstständiges פ entstanden ist, welches dann irrigerweise als פירוש aufgefasst ward. Es ist also in dem beregtea Tossaphoth nicht פי' אוהו etc. zu lesen, sondern כאותו אפר דוה מלבר הנשרף מעצמות אדם כדי לזכור עקדת יצהק, und muss diese Stelle übersetzt werden: ״Von der Asohe ist hier die Rede, die aus verbrannten Menschenknooheu gewonnen worden ist, um an die Akeda des Jizohak zu erinnern.“ — Zum Belege dafür jedoch, dass eine solche Emendation selbst in den so vorsichtig religirten Tossaphoth oftmals nothwendig ist., sei hier gelegentlich u. A auf die Tossaphothstelle in Mosi Katan 11b s. v.אמר אביי verwiesen. In diesem heisst es gegen den Schluss: ואפילו נראה דידוי הי׳ נ בכהברא מ״מ נוכל ״ ,לומר לעיוני כלאו הכי נפי מפתבראäs dooh dem Anscheine nach keinen Sinn giebt, da in der ganzen betreffenden Discussion der dortigen Gemara von einem ה״נ מפחכרא nioht die Rede ist. Offenbar ist auch hier das erste ה״נ מכתברא irrthümlioh blos in den Text hineingerathen und als von unten naoh oben gekommen anzusehen, während es einfach heissen muss ...״ ואפילו נראה דהוי מ״מ וכו׳Sflbst wenn er (Abaje) die Widerlegung seines B )weises aoeeptirt haben sollte, so lässt sich dooh annehmen, dass ihm die Auffassung der B3raitha דני! דיני נפשות im Sinne von לעיוני auch ohne einen solchen einleuchtend genug war.“ Dr. Riohter-Filehne. Zur Geschichte der Juden in Andernach. Wann und warum die Juden unsere Stadt zuerst endgültig haben verlassen müssen, ist uns leider nioht überliefert worden. Wir wissen aber, wie allgemein der Judenhass im 15. und 16. Jahrhundert in Deuts chland verbreitet war und wie eine Stadt naoh der andern die Juden ihres Wuchers wegen aus ihrem Bereiche vertrieb. *) Die oben sohon berührten im hiesigen Arohiv beruhenden zahlreichen Schuldver- Schreibungen, der hohe Zinsfuss und die regelmässig wiederkehrende Bestimmung, naoh Ablauf des Zahltermins ״für jeden Gnlden wöchentlich 2 Denare Wucher zu geben“ lassen vermuthen, dass auch hier ״der Abscheu gegen den Wuoher und die Wuth der ausgesogenen Schuldner“ Veranlassung zur Vertreibung der Juden wurden. Hiesiges Arohiv bewahrt noch zwei Urfehdenbriefe vom 2. Oktober 1338, wonach die Andernaoher Bürger Thelo van Nurberg und Jaoob Stoverok ״verzigen hain un verzien ufl alle uokesune un uff allen Zorn und has un nyt gen ymanne ove uff ymanne als van myns hem Juden wegen van Co Ine, die zu Audernach Irslagen sint.“ 1514 Donnerstag naoh Valentini stellte die Gemeinde dem Rathe vor, ״wie der Rait Wissens das buissent Ire wissen oder willen ein Juede in die s tat gesetzt als sie des bericht, das unserm gnedigsten herrn nit za gefallen gewest, auoh sy in allen flecken des stiffts oolne keine Juede gesessen, sy auoh Inn vergangen Jare vermitzt Rait und gemeyne samenlerhant eine Zale Jueden des mals vur die 20 oder me zu Andernach gewest, vertrieben worden, diesen nu za liden wollen sie nit thun hageren, das man den Jueden gaitliohen dahin bringe, das er ziege unden einen andern herrn. Sie haben sich verdragen, man solle Ime nuss nemen oier schaden thun; sie aber, *) Gesch. de» deutschen Volkes von Prof. Dr. J. Jaussen. I. Bd״ Seite 383.