Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 28. (7.7.1887)
- Date
- 1887-07-07
- Page
- Seite 108 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Toseafoth weiter(8.16) sagen:ן אותו עפה הר מדבר הנשרף מעצמות אדם Wer vermag das zu übersetzen?!*) ״Diese Asche rührt her von einer Sache, die verbrannt worden ist von Menschen-Gebeinen“. Wörtlich : Also was ist verbrannt? Die Sache! Von wem ist die Sache verbrannt? Von Menschen-Gebeinen! Ist das nicht ein Nonsens? Was soll das heissen und ' bedeuten? — Alle diese wunderbaren Räthsel und Fragen i fallen aber weg und hören auf, wenn wir in Kürze : sagen, dass hier in den Tossafoth von Menschen-; Knochen gar nicht die Rede ist, dass die Tossafoth i an Mensch en-Asch e nicht gedacht; es ist selbstredend auch hier wie überall unter אפר מקלה ge- 1 wohnliche Holz-Asche oder sonstige Asche zu veri stehen; עצ□ אדם aber bedeutet, die Kraft, das i Selbst, das Wesen des Menschen,עצמית die Selb st-! thätigkeit, die lebendige Thatkraft, und! diese S e 1 b s tt h ä t, ig k ei t ist’s was die Tossafoth hier ’ betonen und hervorhehen . . . Die Asche soll nach den Tossafisten nicht eine etwa zufällig Vorgefundene, j sondern eine ad hoc מעצם אדם von Menschen- I Kraft und -Hand zubereitet sein, wenn sie die ״Akedah“, die thatkräftige Opferfreudigkeit Abrahams und Isaaks, symbolisiren, darstellen soll. Es giebt nämlich zweierlei Asche. Erstens, gewöhnliche Asche, I die wir vorfinden, über deren Bereitung und Ent-; Stellung wir nichts zu sagen wissen, weil sie ohne ’ unser Wissen und Hinzuthun entstanden. Es giebt aber zweitens eine Asche, die nicht zufällig vorge-; funden, sondern mit Absicht, zu einem bestimmten Zwecke, מעצם אדם, durch Menschen-Kraft, von einem menschlichen W׳ sen bereitet wurde. Nur von solcher durch Men״ci1en-Kraft und -Hand ad hoc bereiteten Asche kann hier in der Mischna die Rede sein, «agen dieTossafoth,denn diese Asche soll jaerinnern an die Akedali, ״ יבעק־דה י,־ה עצמיתund bei lier Akedah . war ja Sei b stt 11 ätigkeit,“**) lebendige T11 atk raft, vorhanden, hat, doch Abraham seinen Sohn mit, eigener Hand gebunden, auf den Altar gelegt, das Schlachtf messer ergriffen etc, so ni',1'■' diese Asche hier auch מעצם אדם vom Menschen selbst, von seiner Kraft und Initiative herrühren .. Diesem Gedaukeu geben die Tossafot h klaren und unzweideutigen Ausdruck, iudem sie sagen:״ איתז עפר הוי מדבר הנשרת מעצם1וה>('אדםdie. Asche riihrr, her von einer Sache, die verbrannt worden : ist vom Menschen selbst, von seiner Kraft und i in frommer Absicht, . . . Nur so entspricht sie als i Symbol der Akedah. — Die Veranlassung zu dieser : Erklärung giebt der Talmud selber . . . Der Talmud (S. 16 a) wirft nämlich die Frage auf: Was bedeutet denn die Asche, die man sich am Festtage aufs Haupt streut? Der Eine — R. Levi — meint, es wird dadurch symbolisch angedeutet ״ הרי אנו לפניך בצפרwir sind vor dir, o Gott, wie Staub“! Der Andere, 11. Chaniua, sagt, man streut Asche aufs Haupt, כדי שיזכור לני אפרו של יצחק damit Er uns gedenke die Asche des Jizchak. — Worin unterscheidet sich der Eine ן vom Anderen? Der Differenz-Punkt wäre, antwortet j der Talmud, צפר סתם d. 11. nach der Erklärung der Tossafisten, gewöhnliche Asche, die zufällig vorgeiuudeu, und ohne unser Wissen und Hinzuthun entstanden ist — Soll die Asche nur unsere Demuth ' symbolisiren, in der Demuth erscheint der Mensoh ן als Object, als leidendes Wesen, wir sind eben i *) Sinngemäss zu übersetzen ist die Stelle doch wohl '. auch nacii dm bisherigen Auffassung, wenn man 1 מעצמות אדם als Opposition zu מדבר הנשרף nimmt: ״Die Asche rührte | von etwas Verbrnnntem, von Menscheuknoehen, her.“ Nach : des Vert.’s Auffassung hatte es wohl 'צ״י עצמות א oder בצצמות heissen müssen, oder besser noch יבכה גברא (Red.) **) Daun hatte es aber ,היחד heissen müssen. (Red.) *) Tosat'oth Jomtob z. B. hat auch hier die L. A. מעצם אדם■ ״todter Staub“, begeben uns aller Selbstthätigkeitf alles Selbstbewusstsein, zur Symbolisirnng dieses leidenden Zustandes, genügt jedwede Asche, genügt auch עפר סתם zufällig Vorgefundener Staub; soll die Asche aber an die Akedah, an die Opferfreudigkeit Abrahams, erinnern, Opferfreudigkeit setzt Subjeotivität, freudig begeisterte Thatkraft voraus, dann aber muss das Symbol dieser Thatkraft מעצם אדם, von Menschenkraft und Menschen wesen, herrühren, denn bei der Akeda war ja auch ממית Selbstthätigkeit Abrahams vorhanden ... Dass עצם in der hebräischen Sprache nicht nur ״Knochen“, sondern auch ״Kraft“, ״Selbst“, ״Wesen“, bedeutet, braucht den Lesern dieser Blätter nicht erst gesagt zu werden. — Wir erinnern nur an *T בחי ועצם (iS B. M. 8.17) עצמה ירבה (Jesaj 40.29), an den Ausdruck הקבר, בכבודו ובעצמו etc. Das hebr. עצם ist identisch mit dem chald. גורם נרם; aber bedeutet ״Urheber, Veranlasser, Verursacher, also מעצם אדם ungefähr soviel wie מגרמא דאדם durch menschliche Veraulassung, Kraft, Thätigkeit. So sehen wir in unseren Tagen das Wunder Jecheskels erneuert. Den עצמות die bisher für ״todte Gebeine“ gehalten wurden, wird der Odem des ״Lebens‘• eingehaucht und sie ■ bilden das Symbol lebendiger Kraft, opferwilliger Begeisterung für Gott und Religion. Aus עצמית wird עצמות — ein mächtiger Unterschied — und אותו אפר היי העצם אלם heisst nicht: die Asche kommt her von todten Gebeinen, indem sie verbrannt, sondern die Asche rührt von Holz oder irgend einem Gegenstände, den ״lebende Gebeine“, d. h. der Mensch selbst, in frommer Absicht, zur Erinnerung an die Opferfreudigkeit Abrahams verbrannt und in Asche umgewandelt. Das Andernacher Judenbad. 1 Fortsetzung.) Auch die zweite Ausicht, das in Frage stehende Gebäude nämlich sei ein wirkliches Judenbad, will Professor Braun nicht gelten lassen. Dieselbe hat nach seiner Darstellung keine bessere Gründe für sich als die, welche ein Römerbad in demselben erkennt. Die Entstehung des Namens Judenbad weiss Dr. Braun sich auf die leichteste Art zu erklären. ״Die Ursprungliehe Bestimmung dieses Gebäudes und vielleicht das Gebäude selbst“, so schreibt er Seite 11, ״war in Vergessenheit gerathen. Als das letztere wieder entdeckt wurde, suchte man nach der Deutung, und irgend Jemand erklärte mit derselben Bestimmtheit, wie dieses von Herrn de Lassaulx geschehen ist, dasselbe sei ) ein Judenbad und nichts als ein Judenbad, und da Niemand Widerspruch erhob, war es leicht, diese Ausicht in Andernach und in weiteren Kreisen in Umlauf zu bringen.“ Doch lassen wir diese wohlfeile Hypothese unberücksichtigt und hören wir die Gründe, welche Braun gegen die traditionelle Auffassung vorzubringen weiss. ״Gegen diese Annahme“, heisst es Seite 8, ״streiten zum Theil dieselben Gründe, welche wir auch gegen die Annahme eines Römerbades geltend gemacht haben. Dazu kommen aber ncoh andere. Nach der Vorschrift der Rabbiner, welche dabei zuletzt auf Levit.icns 15, 16 zurückgehen, muss das Bad jedesmal so viel Wasser enthalten, dass die Badenden mit dem ganzen Körper untertauchen können. Geschieht dieses nicht, so ist das Gesetz nioht erfüllt. Wenn nun aber das Wasser in dem sogenannte £ Judenbade im Sommer nioht mehr als zwei Fuss Höhe erreicht, so würde das Untertauchen in demselbea doch sohwer zu bewerkstelligen uud das Bad nicht selten im Jahre unbrauchbar sein. Die mögliche