Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 28. (7.7.1887)
- Date
- 1887-07-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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■ 28, Jüdisches Litteratur Jahrg. XVI, Blatt. Zir Btleichtug aller •)■Intha■ 111 Jade« fcetrefTtade■ lltterariaehea Er- 1eh«l111gc1 aaf de■ Gebiete der Philo- •opkle» Gearhlfhte, Ethao^raphle, Theolofie, OrienUlU, Exege«(. HonMetIk, MUrgU, Pidagoglk. Heraasgegeben von Rabbiner Ur. Moritz R-ahmer. 0T£a<j9ef־>wwj,, 7. 314.fi 1887. Hflc.Vr «1er eiaichllgigen ljitteratartaelcke der Hedaet >״ mg mm« dt werde■, finde■ 1■ diese« Klette eingehende Bespreche■* * Bel Elasendn■* ▼0■ awel Becenslo■■• Exemplaren erfolgt einmalige knrse Gratls-Usertlon. Das ״Jfldflsche Lltteratmr-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Baohhandlungea in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erbalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit *8 Pf» lur die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. «■* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten '25 yi Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Erd- und Feuer-Bestattung. Von Rabbiner Dr. Kobn-Inowrazlaw. VI. — Das Andernacher Judenhad. (Fortsetzung.) Litteraturbericlit: Recension: Prague, H., Annuaier des Archives Iaraelites pour l’an du monde 5C1Ö. Notiz. Die Pessachfeier bei den Samaritanern. Nachdruck nur mit -voller Quellenangabe gestattet. Die Erd- und Feuerbestattung. Von Rabbiner Dr. Kohn-Inowrazlaw. VI. 60 ernst das talmudische Studium überhaupt und der von uns zu besprechende Gegenstand insbesondere ist, fehlt es aut diesen. Gebiete dennoch auch au Heiteren Momenten nicht, wenu man sieht, welch’ schwerwiegende Irrthümer, welche in die religiöse Praxis tief einschneidende falsche Theorien, durch ein sprachliches Quiproquo entstehen und entwickelt werden können. Für ein solches Missverständnis« halten wir es, wenu Jemand aus Tossafoth Taanith L5 b und 16 a beweisen will, dass man in deu Tugeu der Mischnah Leichen verbrannt hat, weil Tossafoth 1. c. schreiben ״ ואותו אפר הוי מעצם אדםund diese Asche, die man sich am Fasttage aufs Haupt gestreut, war veritable ״Menscheu-Snocheu - Asche“, oder S. 16a אותו עפר הוי מדבר הנשרף מעצמות אדם, Worte, die sich, vim ersten Augenblick, garuicht übersetzen lassen . . . Besieht man die Tossafoth-Stelle etwas näher, fühlt man die vermeintlichen ״Knochen* an, und findet, dass es ״Knochen“ liier garnieht giebt, von Knochen der Todten in Tossafoth überhaupt nicht die Rede ist, und höchstens die Knochen d. h. die Kraft und Thätigkeit der Lebenden gemeint sein können, dann lächelt mau unwillkürlich darüber, wie mau sich so irren und die. Worte der Tossafisten so missverstehen konnte ... Ist hier wirklich von Menschen- Asche und von Menschen-Kuochen die Rede?! Hören wir die Worte der Mischuah. ״Au Fasttagen fühlte man die Bundeslade hinaus auf die offene Strasse, Imau gab auf dieselbe אפר מקלה״" gebrannte Asche ebenso auf das Haupt des Nassi, des Ab-beth-din und jeder Einzelne der Versammelten gab sich dann s?5ber Asche aufs Haupt etc. Dieser einfache Wortlaut der Mischnah allein, lasst uns schon die Unmöglichkeit, ja die Absurdität j einer Annahme, als ob hier von ״Menschen-Asche“ : die Rede wäre, ganz deutlioh erkennen ... Wo in j aller Welt hätte man zu jeder beliebigen Zeit soviel verbrannte Menschen-Knochen und Menschen*Asohe hergenommen, um Tausende und Zehntausende von ״Köpfen“ mit derselben zu bestreuen und zu bedecken?! "וכל אחד ואחד נותן בראשו" sagt die Mischnah! ״Jeder Einzelne giebt von dieser Asche aufs Haupt“, also ohne Maass, ohne Beschränkung! ״Wenn es bis zum Monat Kislew nicht regne!, — lehrt die Mischnah (Taanith 10 a) — werden vom Beth Din drei Fasstage etc. angeordnet“ . . . Wieviel Zentner Menschen-Knochen und Menschen-Asche mussten der nach Tausenden zählenden Gemeinde resp. fastenden Versammlung zur Verfügung steheD, wenn sie an den 7 letzten Fasttagen mit diesem etwas ungewöhnlichen ״Symbol des Trauer“ so verschweuderisch wirthschaf'ten konnte? Hat. es in den Tagen der Mischnah denn wirklich Fabriken, Oefen gegeben, wo man Tag und Nacht Menschen-Knochen verbrannte und Menscben-Asche bereitete?! Das wäre doch eine ganz sonderbare, eigentümliche Industrie?! Im ganzen Talmud bedeutet ״ אפר מקלהgebrannte Asche“ soviel wie ״ "אפר בירה״Asche vom Herd“ — (S. Parah IX 7. Baba bathra 60 b). — Wie kämen also die Tossafoth mit einem Male zu der unsinnigen, lächerlichen, und jedenfalls unjüdischen Idee, dass die Mischuah hier vorschreibt, man solle so mir nichts, dir nichts — einige Zeutner Menschen -Knochen verbrennen, und mit Menschen-Asche sich das Haupt bestreuen, denn hier hat אפר מקלה eine ganz andere Bedeutung wie überall in Midrasch und Gemara?! Ist es nicht eiue Öchinähung uud Beleidigung der Tossafisten, wenn mau ihueu eine solche Absurdität zumuthet, in die Schuhe schiebt?! Sehen wir uns aber die Tossafothstelle näher an, uud wir erkennen sofort sachlich uud sprac hlich, dass die Tossafoth mit עצם אדם unmöglich ״Menschen- Knochen“ gemeiut haben können. Tossafoth schreiben : : ,אותו אפר הוי מעצם אדם שהרי היא האפר הוי לזברו; העקידה •ובעדף־ה היה עצמות ״Diese Asche ist vou .Menschen Knochen, denn die Asche ist zum Andenken au die Akeda (Opfern:• .׳ Isaks) uud bei der Akedah waren ja Knochen?!“ — Ist das nicht die uakte Unwahrheit? Wo gab es bei der Akedah ״Knochen“? Talmud upd Midrasch sprechen allerdings symbolisch von אפרו של יצחק — nirgends aber ist die Rede vou עצמות!!! Uud angenommen, — aber nicht zugegeben — es waren bei der Akeda ja עצמות, dann sollte es doch sprachlich correct heiss׳, a ובעקידה היו עצמות im Plural, und nicht היה עצמות im Singular?!*) Was soll es aber gar bedeuten, wenn die *) Iu uns Ausgabe (Wien, Üchlossberger 1H1S4) steht in der That ויה• (Red )