Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 27. (1.7.1887)
- Date
- 1887-07-01
- Page
- Seite 105 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 105 — Markt sub No. 307 belegenen Hauses an den Schutzjuden Marcus Hertz zureoht erhalten, und da der p. v. d. Heyde 80 wenig dieses Haus zur wohnbaren Unterhaltung an einen Mieths-Mann hat unterbringen können, als er die reparations-Kosten aufzubringen vermögend ist, und also solches dem gänszl. Hain bloss gestehet ist. So genehmigen wir allergst. dass dieses Haus an den Marcus Hertz gegen Erlegung der gewöhnlichen Jurium nach dem neuen Chargen- Cassen ]Elegiement, wofür Ihr zu sorgen und alsdann zu berichten habt, verkauft werden kann. Sind p. p. Geben Berlin d. 6. Martü 1766. Auf pp. gez von Massow. gez. von Blumenthal. gez. von Hagen. An die Clev. p. Cammer. III. Wir zum Königlichen Land Gericht hieselbst verordnete Land Richter und Assessores, thuen kund und fugen hiemit zu wissen, was gestalten der Bürger und Tuch Fabrikant Jehan Henrich von der Heiden zu Camen bei Uns angezeiget, wie Er bereits vor Fünf Jahren sein, am Markte zu Camen im Vösen־ sohicht gelegenes, jetzo zwisohen des Schreiners Edelmans und Wollspinners Conrad Heill Häusern gelegenes, derozeit unbewohnt und baufällig gewesenes mit Nro. 307 bezeichnetes Wohnhauss, samt dazu gehörigen Hof Raum, bis hinten an der Lütgen weststrassen und dem in demselben befindlichen Brunnen, wozu jedoch der besagte Heill, gegen die hälbscheid der Unterhaltungs Kosten, Wasser zu schöpfen, mit bereohtiget, frey und von allen aussgehenden Renthen unbeschwert, Erblich und unwiderruflich, vor die vereinbahrte Summe von 367 rthlr. in preussischen 7, teln vorigen Schlages, drey per Thaler so naoh der vorgeschiiebenen reduction in Edictmässig goldenem * courant Zwey hundert neun und Zwantzig Reichsthaler 22 '/ג stbr. betragen, an den Sohutz Juden Marais Hertz zu Camen verkauft und übertragen, den Kaufschilling auch bereits beym Verkauf richtig erhalten hätte, fort darüber quittirt, seit der Zeit auch solches von Ankäufern bewohnet, demselben auch alle Rechts erforderliche Gewehr gegen jedermans Ansprache in Absicht des Verkaufeten Hauses und pertinentien, bey Verband seines jetzigen und künftigen Vermögens zugesaget, dabey der Einrede der Ueberredung, der Verletzung unter oder über die hälbscheid sich begeben und gebeten dem Ankäufern darüber ein Gerichtliches documentum mitzutheilen. u. s. w., u. s. w. Urkundlich des Königl. Land Geriohts unter- Schriften und beygedruckten Siegels. Signatum Unna im Land Gericht den 1. Novbr. 1770. gez. Moellenhoft. gez. Goeden.“ Litteraturbericht. Recensionen. M0886, B., rabbin d’Avignon. Le Judaisme ou l’expose historique et loyal de la dootrine, de la morale et des moeurs israelites. Paris, C. Marron et E. Fl&mmarion. 1887. 267 S. Gr. 8°. Als Drumont’s unfläthige, ebensosehr von niederträchtigen Gemeinheiten, wie von groben Lügen strotzende, antisemitische Gassenhauer in dem naoh Sensation lüsternen Paris und Frankreich ungemein viel von sich lesen, reden und hören machten, trug sich der greise und bewährte Redaoteur der Familie de Jaoob, der litterarisch unermüdlich thätige und auoh in Deutschland rühmlichst bekannte Bezirksrabbiner von Avignon, mit der Absicht, Drumont’s famose Schrift zu widerlegen, die Glaubenswahrheiten und Kernlehren des Judenthums, sowie das religiös- und sittlich-praktische Leben der Juden in den wichtigsten Phasen und Entwickelungsreihen gemein fasslieh, leicht verständlich und doch allgemein orientirend vorzuführen Vor wenigen Monaten trat der greise und doch immer jugendfrische Autor mit seinem Plane vor das grössere lesende, jüdische Publikum und gar bald folgte dem edlen Willen die volle That. Vor etwa 6—8 Wochen hat das oben angezeigte Buch in angemessener, trefflicher Ausstattung die Presse verlassen und schon dieser Umstand allein verdient die beachtenswertheste Anerkennung. Wir müssen es unsern Glaubensgenossen jenseits der Vogesen rühmend naohsagen, dass sie ein voll ausgeprägtes Bewusstsein von dem haben, was sie ihrer Ehre und der Ehre ihres und unseres heiligen Glaubens sohulden. Ohne Mäkelei und ohne Deutelei huldigen sie mit grossem Opfermuthe dem sie wahrhaft adelnden Grundsätze: Noblesse oblige. Diese Hand voll Juden Frankreichs — im Ganzen etwa 50,000, was kaum der jüdischen Bevölkerung der einzigen deutschen Stadt Berlin gleich kommt — ermöglicht sofort das Erscheinen dieses voluminösen mit ganz respectabelen Herstellungskosten verknüpften Buches. Es ist dem Präsidenten des israelitischen Consistoriums zu Paris, Herrn Baron Gustav v. Rothschild, gewidmet. Ihm wird in der Dedication nachgerühmt: Vous favorisez de vos bienfaits oontinuels . . . le Judaisme universel, de quelque part que l’on fasse appel ä votre gänäreuse ietA“ Nun, wir sind social schon ziemlich weit geommen. Wir haben es bis zu den Finanzbaronen und Geldaristokraten auch schon gebracht. In der grossen Doppel-Monarohie diesseits und jenseits der Leitha sind die jüdischen Ritter, Freiherren und Barone gar keine rara avis mehr. Uns ist aber leider nioht bekannt, dass sie für speciell und specifisch jüdisoh-litterarisohe Unternehmungen sioh irgendwie begeistern und dieselben materiell oder auch nur moralisch fördern. Jstoozy und Stöoker haben früher schon den wüstesten antisemitischen Korybantenlärm in Oesterreich-Ungarn und Deutschland veranstaltet. Es hat sioh aber weder hüben noch drüben ein Roth- Schild gefunden, einen Autor zu ermuthigen, ritterlioh eine Lanze zu brechen zur Ehrenrettung der verlästerten und verleumdeten Grundprinoipien und ethischen Erscheinungen des Judenthums vom Beginne seiner historischen Existenzberechtigung bis auf diesen Tag. Das ist nach unserem Dafürhalten die hohe moralische Errungenschaft, welche das uns vorliegende Buch mit berechtigtem Stolze zu verzeichnen hat. Von Drumont und seinem elenden Machwerke ist in diesem ganzen vornehm abgetönten und ruhig gehaltenen Buche auoh nicht mit einer Silbe die Rede. Ist auch der wissenschaftliche Werth dieser iitterarisehen Leistung kein nennenswerther, 80 ist doch der praktische Werth derselben ein um so bedeutsamerer. In 16 Capiteln verbreitet sich der Verf. im Einzelnen über die doppelte religiös - geschichtliche Weihe der Sendung Israels, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Mosaismus, über den Dekalog, das שפע über den geistigen und sittlichen Gehalt des Judenthums, gemessen an den modernen Anschauungen und Principien der Gegenwart, über Familiencultus, Pietät gegen Eltern, über die jüdische Frau in ihrer Eigenschaft als Schwester, Gattin, Mutter und Erzieherin, über die israelitische Hygiene und deren Wirksamkeit auf das körperliche, geistige und sitt-