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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-06-03 · N° 23. (3.6.1887) · p. Seite 89

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 23. (3.6.1887)
Date
1887-06-03
Page
Seite 89 (sequence 3)
Language
German
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bis 1860 und 1872 and 1873 Gelegenheit geboten wird, anoh diese in ähnlicher Weise antersaohen zu können, bitte ich, mir event. die Bereitwilligkeit, mir die genannten Jahrgänge anf einen Monat leihweise zur Verfügung stellen zu wolbn, gefälligst vorher mittheilen zu wollen. Jahrg. 1861, S. 432, Z. 20: Salomo di Oliveyra gestorben 13. Tisohri 5619 (Okt. 1658). — St. 5619 1. 5419 1862, S. 352, Z. 6 v. u.: Act. Zürich, Sonstags den 17. Martii Ao. 1670. — Der 17. März fiel auf Montag. S. 353, Z. 9: Act. Montags den 28. Martii 1670. — Der 28. März fiel auf Freitag. Z. 19: Act. Mitwöohs den 6. Aprilis Ao. 1670. — Der 6. April fiel auf Sonntag. Z. 3 v. u.: Act. Samstags den 9 Aprilis Ao. 1670. — Der 9. April fiel aut Mittwoch. 1863, S. 325, Z. 7: Protokolle vom 26. Tiscbri 5489 1729 — Tisohri 5489 war im Jahre 1728. s. 397, z. 15:בהכרזת ב״ד היום יום ה׳ י״ז טבת רפ״ו. — Der 17. Tebet war am Dienstag. 1864, S. 172: Liepmann Cohen in Hannover starb am 14. Sohebat 5474 — 1. Januar 1714. — Der 14. Sohebat war am 30. Januar, dagegen der 14. Tebet am 1. Januar. S. 373. Lewa b. Bezalel starb 22. Aug. 1609. — Zunz hat 17. Sept. (wird fortgesetzt.) Recension. Gelbhnas, Dr. S. Rabbiner zu Nordhausen. Ueber;Stoffe altdeutscher Poesie, Berlin, Stuhr. (Schluss.) Zum weiteren Beweise meiner Behauptung, die Beziehungen, die der Verf. für den geschichtlichen Pragmatismus aufstellt, seien keine zwingende und nicht selten sehr gekünstelte, kann ich ohne viel Auswahl in die vorliegende Arbeit hineingreifen. Z. B. gleich die 3. Sage. Dagobert jagt einem Hirsche nach; dieser flüchtet in das Grabhaus des heil. Dionysius und seiner Gefährten. Die Hunde ihm nach, aber sie können trotz der offnen Thür nicht ins Haus. Dagobert wendet sich durch dies Wunder zu den Heiligen. Dagobert flüchtet später vor König Chlothar in dasselbe Haus. Ein Traum sichert ihm Schutz zu, wenn er stets die Heiligen ehren werde. Und die Diener Chlothars konnten auch nicht zur Thüre hinein. Diese Sage soll entstanden sein aus Nidda p 24: ״Aba Saul spricht: Ich war Todtengräber. Einmal lief ich hinter einem Hirsche her und gerieth im Laufe in das Oberschenkelbein eines Todten. Ich lief hinter dem Thiere 3 Meilen, den Hirsch aber erreichte ich nicht. Das Sohenkelbein war ebenfalls nicht zu Ende Als ich zurückkam, sagte man mir, dies sei die Grabstätte des Og, Königs von Basohan“. — Diese Erzählung hat doch offenbar mit der Sage absolut nichts gemein; die Verfolgung eines Hirsches und ein Grab sind doch in beiden in so verschiedener Absicht vorhanden, dass man sie kaum als gemeinsame Züge ansehen kann. In der Dagobert-Sage ist die Schutz kraft des Heiligen die Hauptsache; in der talmudisohen Erzählung die Dimensionen des Riesenkönigs Og. Wie gross mussteu diese sein, wenn ein Hirsch 3 Meilen dessen Schenkel entlaugelaufen konnte, und zwar so schnell, dass der Jäger ihn nioht erreichte! — Wer, der die ״Dagobert-Sage“ hört, würde an diese ״Og-Sage“, und umgekehrt, denken? — Der Verf. ist aber folgender Ansicht: ״Die Sage von Dagobert hat mit der talmu- ■dischen Erzählung mehrere Züge gemeinsam. Der Frankenkönig verfolgt auf der Jagd einen Hirsch. Aba Saul läuft hinter einem Hirsohe her. Der Hirsoh der Sage rennt über Berg und Thal, der der Erzählung 3 Meilen. In der Sage wird das verfolgte Wild nicht erlegt, in der Erzählung wird es ebenfalls nioht eingefangen. Beide Thiere fliehen in eine Grabstätte, in beiden Schilderungen sind es die Ruhestätten hervorragender und berühmter Männer“ etc. Wenn man solche allgemeine Züge für charakteristisch halten will, dann steht eben alles miteinander in Verbindung, wie ja in der That das ganze Weltall in seinen allgemeinsten höchsten Abstraktionen eine Einheit bildet. Aber damit eine Pflanze aus einem Samenkorn abgeleitet werden könne, muss ein ganz individuelles Samenkorn nachweisbar sein. Nun, wird wohl der Schluss richtig sein: hier ist eine Pflauze; ein Samenkorn von jetzt unbekannter Qualität ist hier ausgestreut worden; ergo wird dies Samenkorn wohl dts zu dieser Pflanze gehörige gewesen sein! Keineswegs aber folgender Sohluss: Hier ist eine Pflanze; hier existirte ein Samenkorn von ganz andern Qualitäten, als zu den von dieser Planze gehörigen. Da aber die Pflanze aus einem Sein, das die Qualität ״Samenkorn“ besitzt, entsteht, und hier dieses fremde ״Samenkorn“ doch wenigstens ein ״Samenkorn“ ist; ergo ist diese Pflanze aus diesem Samenkorn entstanden. — Der Sohluss des Verf. ist aber nooh weniger berechtigt, denn er kana das Bekanntsein der talmudisohen Erzählung im Entstehungsbereiche der Sage nicht speziell nach weisen; auch das ist Gegenstand seiner Hypoth *se. Dabei sieht man, dass Dr. G. die talmudische Erzählung dahin missversiauden hat, als habe sioh der Hirsoh zu Og geflüchtet und habe dort Zuflucht gefunden. Offenbar spielt der Hirsch dabei nur die obenbezeiohnete Rolle, um mit seiner Schnelligkeit ein Masstab für die Riesengrösse des Königs Og zu sein. Die talmudische ״Meile“ ist nämlich kein Raum-Mass, sondern ein Zeit-Mass, ich glaube 18 Minuten. Je schneller also der Hirsoh lief, eine desto grössere Wege-Läuge entspricht den 3״ Meilen“. Uad er lief so sohneil, dass ihn der Jäger nicht erreichen konnte — wie gross war also Og! Keineswegs aber ist Og als der Schutz-Heilige dabei gedacht. — Ganz ähnlioh erscheint die Ansioht des Dr. G. in dem 4. Stücke: ״Der eiserne Karl“ Der Lombarden-König Karl zieht gegen Desiderius, bei welchem Ogger als Flüchtling vor Karl lebte. Beim Heranzuge Karls stehen Ogger und Dasiderius auf einem Thurm. Das Gepäck, der Landsturm, ein Kriegertross, Bischöfe mit Aebten und Kaplänen ziehen naoheinander heran. Jedesmal fragt Dssiderius: ״Darunter ist doch Karl?“ und Ogger antwortet: ״Nein!“ Naoh dem 4. Zuge sagt Ogger: ״Wenn Du die Saat auf den Feldern wirst starren sehen, der eiserne Po und Tissino mit dunkeln eisensohwarzen Meereswellen die Stadtmauern überschwemmt, dann erwarte, dass Karl kommt.“ Da kam der ״eiserne Karl: mit Eisenhelm, eisernen Schienen, eisernem Panzer, einer Eisenstange in der Linkeu, in der Rechten den Stahl, mit eisernem Schild und dem eisenfarbuen Ross mit eisernem Muthe. Und so seine gauze Umgebung. ״Hier hast Du den, naoh dem Du so viel frugest“, rief Ogger und stürzte entseelt zu Boden. Dies wird zurüokgeführt auf die bekannte Erzählung Berachoth 58, dass der blinde R.iv Scke8chet das Erscheinen des Königs, welches der sehende Sadduzäer beim Geräusche erwartete, au der weihevollen Stille eines heranuahenden Zuges richtig erkannte, denn nicht im Sturme etc., wie bei Elia, sondern im leisen Flüstern ist Gott. Und R. Sohesohet segnete den König. — Eine Ableituug der Sage vom ״Eisernen Karl“ aus dieser Erzählung

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