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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-06-03 · N° 23. (3.6.1887) · p. Seite 88

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 23. (3.6.1887)
Date
1887-06-03
Page
Seite 88 (sequence 2)
Language
German
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— 88 — grässliohen Fremdlinge kollegialer Verehrung. Viel, viel Ehre für den ,geehrten Kollegen“! Nicht nur jede poetische Licenz des Herrn L. beherrscht, wie wir demnächst zeigen werden, ein eigenartiger Unstern, sondern auch jedeprophetische Licenz desselben Herrn. Unter den •inen der mehrerwähnten Artikel des ״Jüd. Litt.-Bl.“ waren 6 Punkte gesetzt, und nun dachte Herr L an alle ihm bekannten sochsbuchstabigen Namen jüdi• scher Autoren. Aber Herr L denkt und der Setzer lenkt: dieser allein hat die unselige Sechszahl zu verantworten, die des Herrn Professors teutonisch blaues Blut in höchstgradige Wallung gebracht. Und, was am meisten bedauernswerth, ohne die beabsichtigte Wirkung in Wallung gebracht: die rohrspatzenhaft beschimpften Autoren sechsbuohstabiger Namen kicherten erst recht, als seitens der Redaction des ״Jüd. Litt.- Bl.“ öffentlich konstatirt wurde, von wem jene sechs Punkte beliebt wurden, ja, dass der Verf. des betr. Artikels gar keinen sechsbuchstabigen Namen fuhrt! Nicht weniger Pech hat Herr L. entschieden mit einer andern prophetischen Licenz, des Inhalts, dass lagardeanisches Bangemachen gilt. S. 111 ruft er Allen, die ihm, dem Unsterblichen und dem Urgermanen, widersprechen würden, schon vorweg ein Quos ego! zu. Und doch haben verschiedene ,Tagesgrossen und Fremdlinge“ zu widersprechen gewagt, sogar gewagt, Briefe aus den Tuilerien zu veröffentlichen und zu besprechen, die nicht allein uns ,Fremdlinge“ — befremden, die nicht allein uns ,Tagesgrössen“ — die Nachtgrössen zeitgenössischer Teutomanie kennzeiohen. Auf diese hochinteressanten Briefe kommen wir noch zurück. Herr L. will, dass die Welt bei Titeln fast immer an etwas Anderes denke, als an das, was sie den Worten nach besagen oder bedeuten. Wie wir bereits vernommen, ist nach ihm unter Doktorand oder Doktor lediglich ein Student zu verstehen. Ferner: Herr Techen beschreibt zwei Machsor (Festliturgie)- Handschriften. Ein Mitarbeiter des Jüd. Lilt.-Bl. ist so unbesonnen, das eine liturgische Arbeit zu nennen; solche Unbesonnenheit rügt Herr L. gebührend in einer Note S. 111: ״Fällt ihr gar nicht ein, ״liturgisch“ zu sein, lies den Titel!“ Den Beschreibungen geographischer, historischer, naturwissenschaftliche:, architektonograpbisoher und ähnlicher Litteraturwerke fällt es gar nicht ein, geographisch, historisch, naturwissenschaftlich, arohitektonographisch etc. zu sein, lies den Titel! Wie sind sie denn? Herr L. würde antworten: sie sind philologisch und sollen nichts anderes sein; ״philologi>che Schulung allein“ kann und darf alle beliebigen Litteraturwerke beschreiben, wenn sich derselben auch nicht die mindeste Kenntniss der betreffenden Gegenstände zugesellt. (S. 148) 0, allwissende und allmächtige Philologie, Niemand hat bisher dein Können uud Dürfen so tief erkannt und empfunden, wie Herr Lagarde und sein Schüler! Philologen sind eo ipso Liturgiker, Geographen, Historiker, Naturforscher, Baukuudige, kurz — Alles. Künftig werden unsere Stud. med., archit. etc. zu den Herren L. und T. wallfahrten, um sich von ihnen belehren zu lassen. Es ist und bleibt uns ein Räthsel, dass Herr L. ungeachtet seiner angeblichen Neigung zu altohristlieber Frömmigkeit in der zweiten Note 8. 111 seinem Schüler das Christenthum ab - und absolutdas Deutschthum zu gesprochen wissen will. Ein Philologe, zumal ein solcher wie der Herr Professor, ״kann“ doch, kann doch Alles, folglich auch dies Räthsel lösen; also bitte: Erkläret mir, Graf Örindur, Diesen Zwiespalt der Natur! (Fortsetzung folgt.) Zur Chronologie. Von L. Cohen, Lehrer in Rees a. Rhein. (Fortsetzung aas No. 20) S. 101. Nach einer Handschrift iu der Sorbonne zu Paris ist Mosoato am 2. Elul 5350 (= 1590] gestorben. 5 Tage später an einem Sonntage wurden grosse Trauervorträge gehalten u. 8. w. — Der 2. Elul war am Sabbath den 1. Sept. Wenu nun angenommen wird, dass entsprechend dem damaligen Gebrauche die Leichen am Sterbe-, oder spätestens am darauffolgenden Tage bestattet worden seien, so ist der vorgenannte Sonntag verdäohtig, weil zwischen ihm und dem Sterbetage nicht 5, sondern 7 ganze Tage liegen, es sei denn, dass auch das Monatsdatum nicht genau angegeben ist. Jahrgang 1840, S. 185 b uateu: N. H. Katzenellenbogen, Consistor.-Präs. in Colmar starb Dienstag, 8. Chislew 1824. — Der 8. Chislew war Montag. S. 198b ביום ראשון לשבוע ארבעה ימים לחדש ך טבת בשנת ארבעת אלפים ושמנה מאות ושבעים ,שנים ריצירה — Der 4. Tebet 4872 war am Mittwoch 6. Dec. 1111. ץ Die erste Hälfte der hebr. Inschrift weiss ioh nicht zu deuten. Jahrgang 1841, S. 257 a und 258 b: Moses Bloch gestorben 13. März 1841. Dieses Datum findet sich auch in dem Nachrufe von Rabb Leop. Sohott. — — Zunz ״Monatstage“ hat 14. März. Was ist richtig? S. 259a, 2. Absatz: Wir lesen im Rundsohreiben vom 12. Caslev 600 (Deo. 1839). — Der 12. Caslev 600 war am 19. Nov. 1839. S. 268a: Im Anfänge des Cheschwan 600 (Dec. 1839). — Anfang Cheschwan war im October und ist im December unmöglich. S. 284b. Nachrichten, 2. Absatz: Wilna’scher Bote Nr. 55, Dienstag, 15. Juli 1841. — Der 15 Juli war Donnerstag. Derselbe Lapsus findet sich aut \ ״Allgem. Zeit. d. Judonth.“ V. Jahrg. S. 494 a nuten. In ״Emek Habacha ed. Wiener S 37 stimmen die Zeitangaben über die Vorgäuge iu Neuss mit denen der hebr. Beilage S. יב uicht überein. Ersteres hat das Jahr 4957 d i. 1197 am 7. Tage Adar (28. Januar), welcher auf einen Dienstag fiel .... Am Sabbath, dem 11. des Monats (1. Febr.) eto. — Hier stimmen die Wochentage zu den Mouatsdateu. Die hebr Beiläge hat 4947, der 7. Adar 1 am Montag Das Jahr 4947 war aber kein Schaltjahr und kann der 7. Adar I. auch nie auf Montag fallen. Wiener lässt diese Irrthümer passireu und bemerkt nur zu der folgenden Stelle ואח״ב לקץ ה׳ ימים בי״ב לחדש ביום מחנו in einer י Note צ״ל בי״ א. Das richtige hebr. Datum ist aber ד״א תתקנ״ז בז באדר בג בשבת und statt לקץ ה׳ ימים müsste es heissen ל׳קץ די ימים• Vergl auch Zunz ״Monatstage“ und סדר הדורות. Ohne Zweifel verdient unter den bedeutendsten litterarisohen Erscheinungen der Gegenwart die ״Monatssohrift für die Geschichte undWissenschaft des Jadenthums“ Dresden, Leipzig und Breslau 1851 u. 8. f iu erster Reihe mit genannt zu werden. Den Freunden derselben dürfte es daher nicht unlieb sein, auf einige in derselben befindliche chronologische Irrthümer an dieser Stelle a ifmerksam gemaoht zu werden. Da mir durch freundliches Entgegenkommen des Hm. Ouerrabbiuers D1\ Horowitz״ iu Crefeld, welchem ich hierfür meinen herzlichsten Dank abstatte, nur die Jahrgänge 1861 ff. zugänglich gemacht wurden, so kann ioh vorläufig nur meine Bemerkungen zu diesen Jahrgängen veröffentlichen. Sobald mir durch einen Besitzer der Jahrgänge 1851

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