Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 23. (3.6.1887)
- Date
- 1887-06-03
- Page
- Seite 90 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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gleicht ganz dem alten ״lucus a non lucendo“, denn in der Sage wird der ״Eiserne Karl“ an dem wilden eisernen schrecklichen Aufzage erkannt׳ in der talm Erzählung am Gegentheile: an der Stille und Weihe. So gewiss der Aufzug der vorangehenden Züge in beiden gleicherweise geschildert sein wird, 80 dient dies in der Sage nur, um den Eindruck des Schreckliehen im Aufzuge Karls zu erhöhen, also dem Gedanken: die Majestät ist an der Grösse des Aeusserliehen zu erkennen; in der talm. Erklärung dagegen dem Gedanken: die Majestät ist erkennbar am bescheidenen Zurücktreten des Aeusserliohen, an der Ehrfurcht der Umgebung. Wer da die ähnlichen Nebenzüge hervorhebt, die beiden gemeinsam sind, nm die geschichtliche Genesis der erstem aus der letztem zu deduziren, der macht, um den talmudisehen Ausdruck zu gebrauchen, den תפל zum עיקר und den עיקר zum תפל. — Zwölf von den 19 Stücken des Buches sind nicht ganz freizusprechen von dem Vorwürfe, dass aus ganz nebensächlichen Zügen Beziehungen zwischen ihrer Tendenz nach einander ganz fremden und oft entgegengesetzten Dichtungen behauptet werden. Dass dies oft in sehr geistreicher Weise geschieht, macht das Buch, wie ich schon oben sagte, höchst interessant, aber die Thesen nicht wahrscheinlich. Nur das 14.: ״Milbchen und Grillchen“ hat in der Fa90n offenbar die behauptete Aehnlichkeit mit dem ״chad gadjo“- Liede der Seder-Hagodo, wie dies auch sohon Zunz bemerkte. Die Gründe des Dr. G. für die Priorität des ״chad gadio “-Liedes sind aber auch nicht stichhaltig. Der epische, nicht weihevolle Charakter des ״chad gadio“-Tones ist ja, wie das Räthsel-Spiel ״echod rni jodea“, sehr wohl motivirt durch die ausgesprochene Tendenz: die Kinder wach zu erhalten. Und dennoch bin ich Hm. Dr. Gelbhaus zu Danke für sein Buch verpflichtet, weil es mich zu Hypothesen angeregt hat, die ich den Lesern dieses Blattes vorzulegen mir besonders gestatten werde. Ich habe an mir erfahren, wie sehr das vorliegende Buch ein .... anregendes ist. Goldschmidt-Birkenfeld. Rosin, Dr. David. Beime und Gedichte des Abraham Ibn Esra. Heft II. Breslau 1887. (Schluss.) Pg. 84— 8fi wird das ergreifend?, auch nach unserem Gefühle nach Form und Inhalt poetische Schönheiten aufweisende Klagelied Jbn Esra’s um seinen zum Jslam übergetretenen Sohn Isaak übertragen. Die 4 Strophen des Liedes ergeben das Akrostich אכרם, das sich im Deutschen schwer oder gar nicht markiren liess. Die Eingangs- und Schlussstrophen endigen regelmässig unter Benutzung geeigneter Bibelstellen mit dem Worte יצהר als Refrain. Selbst diesen Schluss- Teim ״Isaak“ dürfen wir hier nicht vermissen, was im Deutschen nicht nur gekünstelt, sondern auch fremdartig und schleppend klingt. Herr Dr. Rosin übersetzt sehr genau treffend, fast wortgetreu, gereimt, metrisch und rhytmisch correct, wie folgt: Komm, Vater, klag’ im Jammerton! Dein Gott hat — welch’ ein harter Schlag! — Entfernt von dir den einz’gen Sohn, den du geliebt, den Isaak. I. Ich bin der Mann im UngiUcksbann, dem alle Freud’ ist hin. Beraubt bin ich des Kind’s; wie nie geahnet hat mein Sinn. Ich dachte ihn als Hülfn. Schutz, wenn alt u. schwach ich bin; Doch mttht’ ich mich um Schreck und Tand, gebar nicht zum Gewinn. Wie 8011 noch fröhlich sein mein Herz? da hinschied, starb mein Jsaak. II. Ich weine jederzeit, u. bitt’re Klage ruft mein Mund. Drei Jahre denk’ ich seines Todes ach! auf fernem Grund; Wie er geirrt von Ort zu Ort. Die Seele schrie sich wund, Bis ich ihn brächte in mein llaus: ach welch ein Thränenfund! Ja wie viel Leiden traten mich! Und die gebar mir Jsaak. III. Mein Freund, lass ab! Dein Trost treibt mich noch weg■ von diesem Ort. Was krauk mich macht, erwähne nicht, ihn selbst mit keinem Wort! Mein letztes Flämmchen löscht die Zeit, zermalmt auch mich hinfort; In Trümmer warf sie meinen Bau, rafft meine Wonne fort. Zu Ende war mein Fleisch, mein Geist, als a^h! vollendet Jsaäk. Beschützer, der das All beherrscht, kann thun, was er begehrt, 0 tröst.’ ein Vaterherz voll Schmerz, das stets dich hat geehrt! DessBiss durchdring’ein Trostesgeist, den gnädig du gewährt Den Liebling lehre deine Furcht, zum Ahnenweg bekehrt. Den du dem Knaben zugedacht hast, deinem Knechte Jsaäk! Dass dieses Gedicht trotz aller Acouratesse uns dieser Form im Deutschen kaum auszusprechen vermag, wird selbst der wohlwollendste Leser bekennen müssen. Sollte es nicht viel mehr in freier metrischer Uebertragung zu seiner wahren und wohlverdienten Geltung kommen, vielleicht etwa in folgender Form: IV. in ״Der Vater weint um seinen Sohn, ״Um Isaak, den er liebet, ״DenVaterschmerz nimmt er zum Lohn. ״DerSohn hatGott betrübet“. Es spricht der Vater: ״Schwer geplagt, ״Musst Unheil viel ich schauen. ״Die Freud' und Ruh’ ist mir versagt, ״Dem Sohn darf ich nicht trauen. ״Zu strahlen schien des Glückes Stern ״Aus seinen klugen Blicken. ״Als Stütz’ im Alter sollt’er gern ״Das Vaterherz beglücken. ״Vergeblich habe ich geharrt, ״Die Lieb’ an ihm verschwendet. ״Die Hoffnung hat mich nur genarrt, ״Mein Isaak mich geschändet. ״Die Thränen sind mein Augenthau, ״Der Gram ist meine Speise. ״Drei volle Jahr denSohn ich schau’ ״Mir fern in fremder Weise. ״Den Gott der Väter, Jakobs Hort, ״Ihn hat er abgeschworen. ״Es schwankt mein Sohn von Ort zu Ort. ״Verdorben und verloren. ״Noch lebt mein Isaak — er ist to d t, Sohrau Ob./Schl. ״Beim Leben schon gestorben. ״Wer zählt den Jammer, wer die Noth, ״Die ich durch ihn erworben? ״Den einz’gen Sohn war ich bestrebt, ״Zum ew’gen Heil zu leiten. ״Ich, Unglücksvater, hab’a erlebt, ״Zu seh’n ihn fallen, gleiten. ״Kein Mittel heilet meinen Schmerz, ״Nichts lindert meine Wunden. ״Untröstlich seufzt und klagt mein Herz, ״Es kann nicht mehr gesunden. ״Genommen ist mein Augentrost, ״Mein Isaakkläglich endet. ״Das Herz in mir — es stürmt, es tost — ״Mein Sohn hat mich ״eschändet. ״Allgüt’ger, lenke mein Geschick! ״Den Sohn, den Sohn mir heile! ״Dem Liebling mein lass blüh’nncch Glück! ״Zu Dir, zu mir er eile! ״Sein Aug’ erleuchte immerdar! ״Dich, Väterhort, er schaue! ״Er handle wacker, glaube wahr! ״Dir, Gott,er nur vertraue!“ Dr. Jmmanuel Deutsch. Litterarische Notiz. Sehr geehrter Herr Redacteur! Sie sind in vollem Rechte״ dass sich die Stelle im Midrasch nicht findet: ״ein Feuer vom Himmel habe das Opfer Abels verzehrt“. Ich habe in allen mir zu Gebote stehenden Midraschim vergebens nach der fragliehen Stelle gesucht. Es ist allerdings befremdlich, dass der vorsichtige R. Jizchaki seine Worte hier so apodictisch anführt, als hätte er eine Tradition darüber gehabt. Es wäre vielleicht darauf hinzuweisen, dass Raschi durch 3. M. 9,24 oder durch die Relation zum Opfer des Gideon, des Salomo 2 Chr. 7,1 und ganz besonders durch das Opfer des Eiiah auf dem Kharmel zu seiner Erklärung veranlasst wurde. Die allerälteste Tradition von dem Feuer des Himmels beim Opfer Abels wird wohl die des Theodotion sein, er giebt die Worte 1. M. 44 וישע . ... אל מנחתו also wieder: gvetrupeaev 6 fteö{;.*) - Wiener-Oppeln. *) Auch die Heiden wollten daran erkennen, dass ihre Opfer den Göttern wohlgefällig wären, wenn ein Feuer vom Himmel sie verzehrte, 80 namentlich bei Veigil (Aeneis); eine ältere Sage also, als bei Theodotion. Vgl. dazu den Commentar des Servius: Apud majores arae non incedebantur, sed iguem divinun! precibus elioiebant, gui incendebat altaria._W. Berichtigung, in vor. iJr. S. ö4b 44. $ v. u. muss es statt: verbrannt heissen: ״beerdigt“ wurde. Verantwortlicher Redacteur Dr.Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolf f, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig