Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 21. (19.5.1887)
- Date
- 1887-05-19
- Page
- Seite 81 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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״Assa entschlief zu seinen Vätern ויקבר עם אבתיו und 2. Chr. 16,14 wo nooh hinzugefugt wird, וישרפו לו שרפה גדולה עד רראוד־. Manche Schrifterklärer nun (so unter Andern auch Herr Arthur Weissmann in seiner Brochüre) praesumiren, dass hierunter Leichenbrand zu verstehen sei, diese Bestattungsform wäre nämlich eine ehrende Auszeichnung gerade für die Könige gewesen. Obgleich ich mich dafür nicht entscleide, so will ich doch auch hier wiederholen, erstens, dass das dabei befindliche ויקברהו dieser Annähme nicht gerade widerspricht, da ja קבר als vox media auch blos ״bestattet“ bedeuten kann; zweitens, dass ja, wenn auch verbrannt, die Aschenreste (oft auch die Gebeine) doch der Erde übergeben wurden. Aber man sieht, dass der griechische Uebersetzer der Chronik (denn die verschiedenen Theile der Bibel haben verschiedene Uebersetzer, die in ihren Ansichten von einander abweicheu) aus einer gewissen Scheu das Wort ״verbrennen“, und wären es auch nur Spezereien und andere Gegenstände, ganz iguorirt und wie folgt interpretirt: xai £־o(r;aav a־jTtj> ex־f0p5tv (1e׳־a/.r,v etc. und ebenso 2. Chr. 21,19 bei Joram. ולא עשו לו שרפה o'j־/. i-drpz'i 6 Xao; Jx*f0pav. So ängstlich war die Vulgata an beiden Stellen lange nicht, wenigstens verwischt sie das ״Verbrennen“ nicht, nur dass sie es auf das Abbrenueu von Spezereien und Aehnlichem bezieht. Wir kommen nun zu dem Verse <i,10 in Amos. Hier sehen wir, wie aus purer Antipathie gegen Leichenbraud manche Uebersetzer und Exegeten ein Wort ohne jede weitere Begründung anders schreiben (leseni, um es auch anders zu übersetzen und zu erklären. Dort ist V. 9 von einem epidemischen Aussterben die Rede, dann wird fortgefahren: ״ Es trägt ihn (den Verstorbenen) seiu Oheim, ומשרפו oder ומסרפי das ist eben das streitig gewordene Wort — hinweg, um die Gebeine (des Leichnams) aus dem Hause zu schaffen.“ Höchst wahrscheinlich ist ״ ומשרפוsein Verbrenuer“ die richtige und ursprüngliche Lesart, diese findet sich auch in 25 Codices bei Keunicott, so auch die Vulgata: qui coraburet eum. Auch Kimchi bringt folgende Erklärung im Namen seines Vaters: מ=רףמ ist gleich משרף, der Verwandte oder Leichenbestatter kommt, um die Eieisektkeile (des Übeln Geruches wegen) zu verbrennen, die Gebeine aus dem Hause zu entfernen.“ Die von mir in Klammern gesetzten Worte fügte Kimchi, der Vater, gewiss nur hinzu, um die Cremation durch die obwaltenden Umstände zu vertheidigen. Und das ist es ja auch, was wir von Anfang an behaupteten, dass die Cremation zwar nicht verboten, nicht verpönt, aber nun einmal nicht üblich war, dass sie aber, wenn besondere Gründe Vorlagen, nicht beanstandet wurde, wie dies so ganz correct in dem schon oft citirten Ausspruch der Thossaphot liegt: שאין דרך לשרפו.*) \ Eine hervorragende Stelle in unserer Frage nimmt *) llyperorthodoxe, die jode Institution, jeden Ritus, don sie bei Nicht israeliton in Gebrauch sehen, wenn sie auch mit Got/.euthmn nicht im Geringsten in Beziehung standen, perhorrescirien, haben wahrscheinlich das ihnen unliebsame ומשרפו n ומברפו abgeitudert, ein Wort, das sonst nirgendwo in der Hübel vorkommt und sio nehmen dies Wort, ebenso willkürlich für synonym mit ־דודו Ich trage aber, giebt es überhaupt in der Bibel eine Form für eigentliche Substantive nach dein Misclikal למפעל oder bei media guttural מפעל, (Le nicht reine Verbale sind, partic. Piel? Sie haben alle auch von Verben, die sonst im Kal gar nicht gebräuchlich, eine iterative und intensive Bedeutung wie מכשח מעונן מנחש מנאף so auch משרף nd מסרף, iner der sich mit dem Geschäft des Verbrennens befasst. Wie משרת!מברך und zwei Verse vor unserem משרף das Wort מתאב* Auch Jonathan hat die Lesart משרפו vor sich gehabt, er wandelte aber in seiner tendeutiös parteiischen Voreingenommenheit den Sinn des Jerem. •14,5 ein, wo dem König Zedekiah verheissen wird ״er werde in Frieden sterben“. Die folgenden Worte nun können wir dem Genius der hebräischen Sprache gemäss wörtlich, allerdings nioht anders als wie folgt, wiedergeben: ״Und gleich**) den Bränden deiner Vorfahren, der früheren Könige, so wird man über dir brennen“ — (höchst wahrscheinlich ist nach Analogie 2־. Chr. 16,14 Speeerei zu verstehen). Jonathan giebt die Stelle auch ganz wörtlich wieder. Die Septuag. dagegen nehm n hier Leicheubrand an: «; exxjaxv to׳j; tz%ripz; atu . . . xxOaovta׳. xai al. Dr. Perles glaubt zwar mit Grimm (eigentlich Bertheau), dass die Besseren Codices statt *xxjax/ und xxiaovtx. — exXxjaav uud xXxjoovtx. lesen, was ״beklagen“ bedeutet.*) Ich habe mehrere Ausgaben der griechisehen Ueberselzung vor mir, ich kann nicht sagen, welche die bessere ist, aber darüber können wir doch nicht in Zwrifel sein, dass sxXxj-jxv ein Irrthum oder eine in majorem Dei gloriam begangene pia fraus ist, weil der Uebersetzer dieses Buches oder Capitels in Jeremias ein Feiud der Cremation war. Hieronymus hat doch wohl auch die besten Codices vor sicu gehabt und übersetzt dennoch: secundum**) combustiones patruin tuorum ... sic combureut te. Vielleicht war, wie manche Alterthumsforscher glauben, es für die Könige eine ehrende Auszeichnung in anderer Weise als die übrigen Israeliten, durch Cremation, bestattet zu werden. Wurde doch, wenn wir anders Cicero (de leg. II.) und Xenophon (Cyrop. 8,7) Glauben schenken, mit der Bestattung des Cyrus (nach Andern auch mit den Leichen anderer persischer Könige) eine Ausnahme gemacht, dass, während nach der Parsenlehre die Erdbestattung verpönt ist, er dennoch beerdigt wurde. In neuerer Zeit sind es nicht weniger, als vier der hervorragendsten jüdischen Bibelkenner, keineswegs Neologeu, und einer unter ihnen sogar orthodox, Arnheim, Dr. Michael Sachs, Prof. Fürst (dieser auch in seinem Lexikon, ich habe das kleinere vor mir; auch bei dem gewiss bezüglich Hypothesen sehr nüchternen Gesenin-, Lexicoa. 1894), Zunz — sie weilen jetzt alle im Reiciie der Wahrheit — alle diese Koryphäen der Bibelexegese, die sieh streng au die Massorah halten, übersetzen unsere Stelle also: ״Und wie man deine Väter, die früheren Könige, verbrannt hat, so wird man dich verbrenuen.“ Sind die-־e Autoritäten so ganz zu ignorireu?“ Was steht uns grammatisch Anderes im Wege, dieser Auffassung beizutreten — dass man bei besonderen Fällen und für Könige als ehrende Auszeichnung die Cremation statt der Humation eintreten liess? — doch nichts weiter als der Dativ לך statt des Accus. אתך. Ist denn aber frage ich, etwa wie in anderen Sprachen, so auch in der hebräischen Bibelsprache die Grenze, der Unterschied in diesen beiden Casus so streng fixirt? Gehört es etwa zu den grossen Seltenheiten, dass beide Casus, ohne den Sinn zu ändern, promiscue gebraucht Wortes so um, als wenn ״ משרפוzu lesen wäre (Mein privativnm) nml übersetzt רמליניה מיקידא. Iu der Sept. ist das Wort entweder aus Unwissenheit oder tendeutiös ganz entstellt wiedergegeben. Unter den Neuern übersetzt Luther: Sein Vetter und sein Obeiu), eben so falsch Dr. Salonion: uud sein Sipp, dagegen %nuz: Verbrenner, eben 80 schon in der Wiener Bibelübersetzung von 1817, so auch einige christliche Exegeten, auch Fürst im Wörterbuch. **) Ich möchte oben Vorschlägen, statt ובמשרפות mit ב zu lesen וכמשרפות mit ב• *) Ich glaube, dass Dr. Perles seine Vermutbung nicht aufzugebon braucht, denn sie hat grosse Wahrscheinlichkeit tür sich, aas3 der betreffende Codex durch das bald nachfolgende יספדו irrthümlich aut sein IxXxj:jav geleitet wurde, und auch beim Syrer wäre (wie die Redaction zu Perles Worten bemerkt) statt דארקדי wohl דאוקדו zu lesen. **) H. scheint, wie auch ich obeu conjecturirt,'במשרפו mit . ל statt mit ב gelesen zu haben.