Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 20. (12.5.1887)
- Date
- 1887-05-12
- Page
- Seite 76 (sequence 2)
- Language
- German
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nicht aus humanitären Gründen, sondern um den Mord vor Gott zu verheimlichen, den Erschlagenen in der Erde verborgen. Bei Abraham 1. B. M.cap 28 lesen wir zuerst von Leichenbestattung. Abr. erwarb eine Ruhestätte für die verstorbene Sarah, und so wurde er selber, die Erzväter alle und auch Andere bestattet.—Ich sage ausdrücklich: ״Leicheubestattung“ und nicht ״Beerdigung“, weil, obwohl ich entschieden der Ansicht bin, dass nicht Cremation, sondern Humation die primitive Form der Leichenbestattung war, ich damit andeuten will, dass das verbum קבר nich durchaus ״begraben“ bedeuten müsse. Die Leiche Sarahs und der Erzväter sind vielleicht in der Hohle Machpelah, wie in einem Mausoleum beigesetzt, aber nicht eigentlich beerdigt worden, wie ja auch wir in unserer Zeit von Beerdigung sprechen, auch in solchen Fällen, wo eine eigentliche Beerdigung nicht siattfimlet.*) Die Bitte Abrahams: ich will iueiueu Todt.cn bestatten ״von meinem Angesichte hinweg“, würde darauf hinweisen, das> es ihm hauptsächlich darum zu thun war, den : traurigen Anblick nicht vor seit.ein Angesicht zu haben. Dass wir immer und immer קבר mit ״begraben“ übersetzen, findet seine natürliche Erklärung darin, dass ein Wort, der fremden Sprache dann xa־c’ eio'/v,’/ d i e Bedeutung erhalt, in der es am allerhäufigsten! angewemlet wird Ausserdem, wenn auch die Leiche ' verbrannt, so wurden doch die Aschenroste und Ge- . beine der Gruft übergeben und darum auch in diesem j Fall hat קבר eiue nicht incorrecte Bezeichnung. Wäre 1 Grimm ein tüchtiger Hebraist, und nicht ganz von Bertheau abhängig gewesen, so hätte er vielleicht auch , bei den Hebräern der Cremation die Priorität vindi- ן cirt. zumal die Worte Abraham■' I. M. IS,27: ״ich; bin Staub und Asche“ diese Annahme wohl zu unter- : stützen geeignet wären.**j Das verbum קבר hat vielleicht dieselbe Geschichte, wie das lateinische Wort | ״sepelire,•‘ ursprünglich war dies eine vox media, eine; Leiche bedecken, irgendwie und wo ״bestatten“, sei; es, wie es bei den Römern nachweislich der Fall war, , durch Verbrennen oder Beerdigen, denn erst als Be-! erdigung die eigentliche Norm der Leichenbestattung wurde, dann unterschied man streng zwischen urere i und sepelire, und dies letzter? wurde ebenso wie humare i ausschliessliche Bezeichnung für ״beerdigen“. Wir kommen jetzt zu der Hauptstelle der Schrift,, auf die im Talmud Synhedrin l(i der eigentliche Beweis für das pentateuchische Gebot der Beerdigung j zurückgeführt wird, nämlich 5 M. 21, 22 und 28. Wir übersetzen sie vollständig und wörtlich. ״Wenn an einem Menschen eine Sünde sein wird, aul die ein Todesurtheil gesetzt ist, und er wird getödtet, und du hängst ihn an einen Holzblock, so *1 קבר kann sein׳ wohl, wie dem Laute so auch der Bedeutung nach, mit 1 בפר M. '1,14 verwandt sein, und wenn ״Versöhnung•• Sündenvergebung, ebenfalls durch ״פך im l'iel bezeichnet wird, so heisst das eben, ״die Sünde bedecken.“ wie Spruche Sal. 2H,13 m!d I‘s. 32.1 חטאה ",C-. Dessen war sich wulil auch der Rösch Mot hihi ha Chama Svnli. ■l'ib bewusst, wenn anders nach der Annahme Ties R. Hai im Arucli auch dieser, und nicht blos der Perserkotiig, dalür hielt, dass הבר eben so wenig wie das übortfiissig soheiuondo תקברנו gerade licdeum! müsse: die Leiche in ein Grab zu senken, sondern dass man eine בם,״ Bedeckung der Leiche vornehme, sie in einen ארון oder ארגז lege, eine eigentliche Beerdigung sei uns ל,בר תקברנו durchaus nicht zu erhärten: ¬אבל צפר אין בבקרא זד oder אבל קבורה בקרמע לא חזינן, ■wie es im Aruch lautet . *ד Abr.!hu Esra sagt:וטעם... כי צפר הייתי ואפר אשוב, vielleicht aber sollen die daraut folgenden Worte והציקר על יסוד הגוף יחם הצצב־ת andeuten, dass er daboi nicht an Cremation denke. sollst du seinen Leichnam nicht übernachten lassen am Holze (sondern sollst ihn ja und ja am selbigen Tage bestatten׳, denn eiue Geringschätzung Gottes I ist ein Gehängter, und du sollst dein Erdreich uicht verunreinigen, *j das der Ewige, dein Gott, dir zum Erbe eingiebt.“ — Wahrlich, es giebt nur wenige Ges.tze im Pentateuch, die so deutlich, so klar und einleuchtend motiviert sind, und doch ist von der ältesten Uebersetzung bis aut die Gemara keine Motivierung irgend eines Gesetzes so missverstanden worden, wie die uusrige. Die Leiche des Justificirten soll um deswillen nicht am Holze über die Nacht hinaus hängen bleiben, weil dies gleichsam eine Herabwürdigung Gottes ist, in dessen Ebenbild ja der Mensch (selbst der Sünder) geschaffen ist. Wie giebt die Septunginta das Motiv wieder? '6v. xexaxr,- pa|i£vo; i>~6 fi-eoO TCä; xp£|i4p£vo; (67:1?,iXo'j/ ״denn ein von Gott Verfluchter ist jeder, der (am Holzet hängt.“ Und hierauf bezugnehmend sagt Paulus (Galater 8,18): ״Christus habe!Hie Gläubigen) vom Fluche!,der Uebertretnng) des Gesetzes befreit, da er selber (der Gläubigen wegen) ein Fluch geworden, (den Fluch erlitten), denn es ist geschrieben: verflucht ist jeder, v der am Holze hängt.“** 1 Weich’ eine pia fraus ist es, wenn H. A. Schott übersetzt: poenam luere quemvis * e trabe suspensum. Vulg: quia maledictus a Deo est, qui!)endet in ligno. Luther: ״denn ein Gehenkter ist verflucht bei Gott.“ Leider aber werden ja die billisehen Wort;, das Motiv für das Nichtübernachtenlasseu des Justificirten, auch von der Misehuah ebenso willkürlioh verdolmetscht: מפני מה זה תלוי מפד שבירך ־»״ את השם ונמצא שם שמים מתהלל (der Justifizierte) hängt, weil er Gott gelästert hat.“ Das ist doch gegen den einfachen, klaren Siuu des ßibelwortes? Erst tlie Thossephta bringt im Namen R. Me'irs das | Richtige, aber es scheint ihr auch nicht damit rechter; Ernst zu sein, sondern nur als agadiscln-s Beiwerk, sie scheint es mehr mit der Mischnah zu halten. Ebenso* verhält es sich mit dem Thargum des Oukelos; nur (\ gerade die Paraphrase des Jeruschalini nimmt auf tlie Worte R. Me'irs Rücksicht und paraphrasirt den Wortsiun: ein Gehängter ist in sofern eine Gering- Schätzung Gottes, als in dessen Ebenbild ja der Mensch, auch der Sünder, geschaffen ist. Die Worte, ״sondern du sollst ihn ja und ja desaelbigen Tages be.-tatten,“ habe ich in Klammern gebracht, sie bilden in der That einen מאמר מוסגר, eine Parenthese, denn sie unterbrechen den Zusammenhang des Befehles לא תלין נבלתו צל הצץ und der Motivirung dieser Vorschrift ״ ,כ" קללת איד,ים תלויdu sollst den Leichnam des Justificierten nicht über Nacht am Baume hängen lassen, denn der Gehängte ist eine Geringschätzung Gottes“. Alle anderen uichtjustificierten Leichen auch zu bestatten, ist aus unserer Stelle nach dem gesunden, nüchternen Wort sinn durchaus nicht zu ent- 1x6)1 men — wie ich dies ja zur Genüge und wiederholt eröitert— brauchte aber aiulerutheilsauch nicht erst hier *) Es ist doch zu verwundern, wie so hervorragende, sonst so uur.hlencr Exegoten, wie A. b. Esra und Sam. b. Meir, statt des einfachen Wortsinnes zu weithergeholten Erklärungen ihre Zuflucht nehmen: Der Begriff ״ טמאunrein“, ״ טמאverunreinigen“ ist in der Bibel ein sehr weitschichtiger, er iuvolvirt die verschiedensten Unzuträglichkeiten physischer und ethischer Natur, auch jede Art von Sünde ist dariu suhsumirt, er wird gebraucht vom Götzendienst, krassen Aberglauben u. dgl. Statt unzähliger Stellen nur folgende 3. M. 13, 13—23, 25; ibid 13,31. — 4. M 35,34 heisst es ebenso, wie an unserer Stelle: ״Du sollst das Erdreich nicht verunreinigen,“ dadurch, dass ein Mord ohne die verdiente Straie bliebe! Und an unserer Stelle: verunreinige das Erdreich nicht, dadurch dass ein Gehängter über Nacht atn Galgen bleibt, da dies ja eine Geringschätzung Gottes ist. Wozu da erst sanitäre Motive autsuchen, oder zu Spuck und Gespenstern recurriren V **) Vergl. unsere Hehr. Traditionen oto. p, 3. (Ked.)