Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 20. (12.5.1887)
- Date
- 1887-05-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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-. Jüdisehes T I4r4r__ Literatur Zir TleleicMuagr aller Jadeatha■ vnd Joden betreffenden lltterarische* €r* «rheinoneen auf dem («ebiete der Philo* t »phfe, Nenrhfchte, Ethnographie, Theo* löffle, Orientalin, Exegese, Homiletik, Mturrfk, PadMOprlk. HerBusgegeben v von Rabbiner l)r. Moritz Rahmer. 2)tto^3e6u1^., 12. 0Tüai. 1887. Jahrg. XVI. Kar >1«r 11er einschlägigen l.ltterntiir,״eiche der Kedact nu zHgeiiandt ״erden, Finden |n dienern Blatte eingehende Kenprerliung Bel Einsendung Ton anef Keeenaloas• Exemplaren erfolgt einmalige harne Bratls-Insertlon. Das ״Jüdische Litteratur-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen in Leipzig bei Robert Priese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit J5 Pf. ltir die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Mt- Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25־ ji Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Zur Erd- und Feuerbestattung in der Bibel. Schlussartikel von Rabbiner Dr. W iener-Oppeln. — Zur Chronologie. Von L. Cohen, Lehrer in Rees a Rhein. Litteraturbericht: Recensionen: Ziemlich, Bernhart! Dr. Das Machsor Nürnberg Ein Beitrag zur Erforschung des Ritus und der Commentarlitteratur des deutschen Machsor. (Schluss.) — Münz, Dr. L. Rabbiner in Kempen (Prov. Posen». Religiöse Zeitfragen. — Litterarische Notiz. Paris. Nachduck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Zur Erd- und Feuerbestattung in der Bibel. Schlussartikel von Rabbiner Dr. Wien er-Oppeln. Von Adam bisNoah, zehn Generationen, lesen wir in der Bibel nur: ״er war so und so alt, zeugte Kinder und starb,“ ebenso von den zehn Generationen von Noah bis Abraham; es ist vom Sterben die Bede, aber nicht, ob und wie die Leichen bestattet wurden. Und doch werden wir wohl annehmen, dass, wie nur die Mensehen zu denken anfingen, sie die Leichen in irgend einer Weise werden bestattet haben, es musste sowohl um der Todten, wie um der Lebenden willen darum zu thun sein, die Todten irgendwie zu bestatten*) Es kann vier Arten der Leichenbestattung geben, gleichsam nach den von denAlten recipiertenElementen: die Leiche konnte ins Wasser geworfen, oder dem Feuer überliefert, der Erde wiedergegeben oder einbalsamirt der Luft überlassen werden. An das letztere, die Einbalsamiruug, wird wohl in den allerersten Zeiten Niemand denken. Wir sind schon voller ׳ Verwunderung, wenn wir diese Kunst in Aegypten z. Z. Jacobs gewahren; ins Wasser zu werfen, selbst ן wenn ein See oder Fluss in der Nähe vorhanden war, , Hess schon die Rücksicht für die Lebenden nicht zu, , es konnten also wohl nur die beiden anderen Arten | der Bestattung in Erwägung gezogen werden: Ver- ן brennung und Beerdigung. Der so gründliche Forscher! J. Grimm in seiner Abhandlung über Leichenver- \ brennung räumt bei den ältesten Völkern der Verj brennung die Priorität ein — nur bei den Hebräern j (und hierin ist Bertheau seine Autorität) sei es anders J gewesen. Von den vielen anderen Völkern abgesehen,; beschäftigt er sich namentHch mit den Griechen und j Römern und beweist, dass Mitra ursprünglich ״brenj nen“ bedeutet, denn Leichenverbrennung war die j [^-frühere Art der Bestattung, erst später erhielt das I Wort auoh die Bedeutung ״beerdigen“; ebenso hänge! T&fG{ ״Grab“ zusammen mit tuepu) brennen; ebenso | *) Wie so manches andere fromme Werk zählt gewiss das : obige zu den דבד־ם שאילו לא נכתבו ראויין הם להצטוות. : sei es der Fall mit bustum, tumus, tumulus, das früher ״Scheiterhaufen“, erst später ״Grab“ bedeutet. Mau lese dort die Ableitung aus dem Sausorit und den bereits citirten Artikel ״Die Leichenverbrennung in den alten Bibelversionen‘‘ von Dr. Perles (ruhig, objectiv gehalten, ohne jedes Vorurtheil und jede Voreingenommenheit, lediglich darauf ausgehend, naohMöglichkeit Klarheit in das Thema zu bringen). Ich stimme nicht mit Grimm überein, ich weiss nicht, wie ich es bezeichnen soll, ein inneres Gefühl spricht in mir: nein, die primitive Leichenbestattung war eine einfachere, war die Beerdigung. Ausserdem wird von den Alten, freilich nicht in Uebereinstimmung mit der Bibel*), der Gebrauch des Feuers erst einer späteren Periode (Prometheus) zugeschrieben. Manche Theologen, christliehe wie jüdische, glauben auf die von der Schrift angeordnete Erdbestattung in den Worten 1 B. M .3, 19 hinweisen zu können: Staub bist du und zum Staube sollst du zurückkehren. Der Sinn der Stelle kann aber ebenso gut sein: und Staub wirst Du wieder werden, und das wird der Todte unbedingt, er mag humirt oder cremirt werden, oder ganz unbestattet bleiben. Man vgl die ganz ähnliche Stelle Ps. 101,29, wo es von den Thieren heisst: Gott nimmt ihren Odem zurück, da verschwinden sie und werden zu Staub. — Was geschah nun mit der allerersten Leiche, dem erschlagenen Abel? Die Schrift, wie bereits erwähnt, schweigt gänzlich, aber ein Rabbi (Midrasch z. Stelle) meint: Die Vögel des Himmels und die reinen Thiere haben ihn beerdigt. Ein anderer Rabbi (im Thanoh. zur Stelle) referirt: Kain wusste nicht, was mit der Leiche beginnen, da sah er einen Vogel den anderen todten und ihn dann begraben, das merkte sich Kain und er legte den Abel in ein Grab. Noch ein anderer Rabbi (Pirke d. R. Elieser) beriohtet, das der Vater Adam die Beerdigung vollzogen und zwar, naolidem er gesehen, dass ein Rabe seinen gefallenen Genossen mit Erde bestattet hat.**) Nach einer anderen Hypothese daselbst hätte Kain aus eigenem Antriebe, aber *) Sie lässt ja schon dnn Abel Thiere opfern. Nach dem Midrasch kam Feuer vom Himmel und verzehrte das Opter. (Wir haben die Stelle im Midrasch ni'tht gefunden. Rasehi. z. St. bringt diese Ansicht, auch Hieronymus in seinen Onaestiones in Genesin kennt sie; die jild. Quelle dafür ist jedoch nicht, eruirt. (S. unsere ״Hohr. Traditionen in den Werken d. Hierou. I. S. 18. - Red.) **) Hierauf mochte man die Worte der Schrift (Hiob 35,11) anwenden. ״Er (Gott) belehrt uns durch das Vieh der Erde, und durch den Vogel des Himmels macht er uns weise.“ Bemerkeuswert.il ist, wie liier die Rabbinen mit Virgil (Georg. IV, 355) und Plinius harmoniren: jener dichtet von den Bienen: . . . . tum Corpora luce carentum exportant toctiset tristia fuuera׳ duennt, und Plinius von den Ameisen: sepeliunt inter se viventiwm solae praeter hominem.