Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 19. (5.5.1887)
- Date
- 1887-05-05
- Page
- Seite 73 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/6492408-5990847-5991208--1175-5368415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
73 zu erwecken. Auf dieses Lob alter christlicher Frömmigkeit werden wir später zurückweisen, wenn wir Herrn Lagarde’s Ansicht über Christus erwähnen. Lagardes Ansicht über Christus und sein Lob alter christlicher Frömmigkeit stehen allerdings in verschiedenen Schriften. — Welch ein Kleinod in unserem geliebten Deutsch ist übrigens die Neubildung ״todtenkopfhaft“! Ein Patent her für diese Erfindung! "Von den früheren Liberalen, die Herr L. ebensowenig wie die modernen goutiren mag, hebt er ״gähnend oder lachend“ hervor, dass sie Leibrock, Vatermörder und Sprungriemen hatten. Wenn sich Herr L nur nicht versehen hat! Oder sollten damals Professoren keine Vatermörder etc. getragen haben? Da wären doch gewisse Illustrationen pure Erfindung, was wohl ausser Herrn L Niemand so leicht annehmen wird. S. 90 meint Herr L. von sich selbst, ein in frühester Jugend krumm gezogener Baum wird nie gerade, und nie eine Freude der Menschen Welche rührende Selbsterkenntniss! Uns wundert übrigens, dass jener Baum nicht einmal durch den kultivirenden Einfluss von Handwerksburschen und Tagelöhnern gerade und nicht einmal deren Freude geworden ist. Oder ist die letztgedachte Ansicht des Herrn L. nur cum grano salis aufzutassen. Erscheinen ihm Handwerksburschen und Tagelöhner schon nicht mehr als Menschen, sondern als unerreichbare Engel? (Fortsetzung folgt.) Die Thiere im Leviticus. In dem Jahrgange 1883 der ״Verhandlungen der kaiserlich königlichen zoologisch-botanischen Gesell- Schaft in Wien“ findet sich ein Aufsatz von Dr. Ludwig Karpelles, welcher sich mit der ״Thierwelt im Levi- ^.ticus“ beschäftigt. Der Verfasser unternimmt es in dieser Arbeit die oft schwierige, zoologische Deutung der dort aufgezählten Thierarten vorzunehmen, um dadurch einen werthvollen Beitrag für die Geschichte der Zoologie zu geben. Wir theilen den Inhalt hier mit. "ש־ף “, von Martin Luther mit ״Kuckuck“ übersetzt, ist nach Karpelles die Seemöve, Larus marinus L. "תנשמת“, von der Septuaginta mit 7״rop׳pup:ü)v“, von der Vulgata mit ״cygnus“ wie'dergegeben, bedeutet nach Bochart soviel, wie ״Eule“; nach Herxheimer ״Wasserhuhn“; nach Levysohn ״Maulwurf“; nach Raschi ״Fledermaus“. Letzterer Bezeichnung stimmt unser Verfasser zu. Das Wort דוכיפת״“ wird von den alten Ueber- Setzungen mit ״Wiedehopf“, von Raschi mit ״Auerhahn“ wiedergegeben. Nach Karpelles ist das Letztere richtig. "חלד“, bis auf Luther einschliesslich mit ״Wiesel“ übersetzt, ist wie auch schon Bochart richtig angiebt, der asiatische Maulwurf, Spalax microphthalmns. Das Thier צב״“ muss nach Karpelles mit ״Kröte“ übersetzt werden, nicht mit ״Krokodill“, ״Landfrosch“, ״Eidechse“ oder ״Schildkröte“, wie andere Forscher gewollt. "חמט“ ist nach der Septuaginta und Vulgata eine echte Eideohse, nach Raschi eine Schuecke. Letzteres ist unmöglich richtig, da von dem in Rede stehenden Thiere gesagt wird, dass es ״aus Fleisch, Sehnen und Knochen“ bestehe, also ein Wirbelthier sei. Da חומט״“ auch ״Sand“ heisst, 80 hält Karpelles dieses Thier für eine Sandeidechse, einen tSkink, Scincus officinalis Laur., welche Eidechse sich bei der Verfolgung gewandt in den Sand einbohrt. Dem lebenden Thier, wie dessen Leichnam wurden wunderbare Wirkungen zugeschrieben, ein allgemein verbreiteter Aberglauben, der es erklärlich erscheinen lässt, dass dem Volke Israels die Benutzung dieses Thieres verboten wurde. "תנשמת“ wird als synonym mit "תמצמת“ für eine Fledermaus gehalten. Die Thiere im Lev. c. 11 wären demnach Horneule בם 1. S äug e thiere: Schleiereule ינשוף Fledermaus עטלף u.תנשמת Rabe ערב Maulwurf חלד Auerhahn דוכיפת Igel אנקה Storch חסידה Maus עכבר Fischreiher אנפה Hase ארנבת Scharbe שלך Klippdachs שפן Seeinöwe שחף (Hyrax syriacus Schreb.) Pelikan כום Schwein חדל בת היענה strauss Kameel גמל 3. Reptilien. Chamäleon כה 2. Vö gel. Skink המט Adler נשר Eidechse לטאה ßeinbrecher פרם Kröte צב Flussadler עזניה 4. Gliederthiere. Geier איה u. דאה Wanderheuschrecke ארבה Falke נץ Felsheuschreoke סלעם Aasgeier רחם Heupferd הרגל Nachteule תהמם Heuschrecke. הגב Recensionen. Wuensche, August, Dr. phil. et theol. Der baby- Ionische Talmud in seinen haggadischen Bestandtheilen wortgetreu übersetzt und durch Noten erläutert. II. Halbband. I. Abtheilung. Leipzig 1887. VIII. u. 378. Gross 8°. Der emsige und fleissige Uebersetzer der Rabbot zu dem Pentateuch und den Megilloth, der Pesikta, der Haggadoth des Talmud jeruschalmi hat sich die Aufgabe gestellt, auch die aggadischen Bestandtheile des babylonischen Talmuds wortgetreu in’s Deutsohe zu übertragen. Der 2. Halbband, welcher in seiner 1. Abtheilung die aggadischen Piecen der 7 Tractate des סדר נשים umfasst, ergiebt eine stattliche Bereicherung der von ihm in’s Deutsche übertragenen Bibliotheca Rabbinica. Weloher Unstern über dem ersten Halbbande dieses modernen עין יעקב, mit dem die ausgewäblten Stücke sich übrigens nicht allenthalben decken, gewaltet, wissen wir nicht, da wir ihn nicht gesehen So viel aber wissen wir, dass der gelehrte Uebersetzer sein Unternehmen wirksam dadurch gefördert, dass er auf seine eigene Correctur sich nicht verliess Zwei Sachverständige, die Herren DDr. Hoffmann-Berlin und Loew-Szegedin, unterstützten ihn bei der Correctur. Wenn auch die Ueber- Setzung nicht frei von Fehlern, so sind doch die Versehen weder belangnoch Zihlreich, so dass sich auch hier die Wahrheit׳ des Satzes erprobt: טובים השנים מן האחד והחוט המשולש לא במהרה ינתק• von ungenauen oder unrichtigen Uebertragungen seien nachstehend die bemerkenswerthesten kurz registrirt. Ungenau heisst es z. B. pag. 19 ”31 ״verdient er 8י׳*, genau: ״hat er sittliches Verdienst“; pag. 20 באדמה war hier zu übersetzen ״in der Erde“, nicht ״auf dem Erdboden“. Sinn: um Israel’s willen werden auch die Schaaren der Schöpfung, הדרות באדמה, welche i n der Erde wohnen, gesegnet Pag. 22 ויפק leitet der Talmud z. St. von der radix פקק ab. Sinn: er macht verstopfen so. seine Sünden; dann hat er Wohlgefallen vom Ewigen. Pag. 2 7 רגזנות heisst nicht ״Grausamkeit“ —eine Eigenschaft, welche, Gott beizulegen, der Talmud sioh sicher scheuen würde, sondern: ״ zürnendeStrenge“, pag. 34. ״Sieben Beischläfe“ (!),eine