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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-05-05 · N° 19. (5.5.1887) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 19. (5.5.1887)
Date
1887-05-05
Page
Seite 74 (sequence 4)
Language
German
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— 74 mehr als gewagte Pluralbildung! Warum nicht: ״er hat siebenmal den Beischlaf vollzogen“? ib. Die bekannte Stelle Jebamoth 103 b, Sabbath 145 b Aboda sarah 22 b :בשעה שבאגדסנהש על חוה הטיל בה זוהמא ישראל שעמדו על סיג־ פסקה זוהמתן: אומות שלא עמדו בהר סיני לא פסקה זוהמתן sieht auch Herr W. mit christlich dogmatischen Augen an; denn sie bietet — ihm — einen Beweis für die Lehre von der Erbsünde; allein die Stelle spricht nicht von der Erbsünde und dem sündig gewordenen Fleische, sondern von der nicht durch göttliche Offenbarung geläuterten und darum verwahrlosten Vernunft des Menschen, die sich leicht der Sünde zuwendet. Pag. 3 9. בת קול heisst durchaus nicht ״Himmelsstimme“ cf. Raschi z. St. s. v. בת קול ib. אמר לי יונתן: שידא וכו heisst nicht ״der Dämon Jonathan hat mir gesagt“, sondern: ״Jonathan hat mir gesagt: ״ Die Dämonen etc “ Pag. 4 4. סימופין טרימוסין ist mit semisses, tremisses ״Halbwisser‘, ״Drittelwisser“ sehr plausibel erklärt. Die Leseart חמיסין ist wohl auf das griechische yj(xtou zurückzuführen. Pag. 5 5: ״ •נעניתי לךIch habe dich beleidigt,“ nach ßaschi z. St. ״ich habe mehr als genug (als sich gebührt) gesagt. “ Pag. 5 9: שלא בכתובה heisst nicht: sie soll fortgeTien mit ihrer Mitgabe, sondern im Gegentheile: ״ohne ihre Mitgabe“, ib. ״ בהrein־‘ Druckfehler statt ״darin“, pag. 02 דדיינא שודא heisst wohl nicht ״Geschenk der Richter“, שודא ist eher von rad. ״ שדאwerfen“ abzuleiten, ״der Wurf» das Gutdünken der Bichter.“ pag. 0 5. Für ״Nasiat“ dürfte sich besser das Wort ״Nasi-Würde“, ״Nasi- Amt“ eignen, pag. 74. עם הדומה לחמור so ist zu vocalisiren, nicht עם הדומה. Auch Synhedrin 76 b wird die Präposition עם so gedeutet עמך בדומים לך .עם drückt demnach nicht das Verhältniss der Zeit und des Ortes aus, wie etwa una, simul, sondern die Gleichheit der Qualität, pag. 7 5 ist nicht von einem Schüler, sondern von ״Schülern“ die Rede. pag. 78 אשכול heisst nicht ״Traube“, sondern ״Rebe“, pag. 84. אהבך heisst nicht ״ich liebe dich“, sondern ״er liebt dich“, pag. 82 חומר heisst nicht ״Schriftforschung“, sondern nach ßaschi z. St. ״Perlenschnur und Gewürzbündel“. ib. Das Ohr des hebräischen Knechtes wurde nicht ״durchbohrt“, sondern nur ״angebohrt“, pag. 80 תק ist terminus technious für eine Relation in der ״Mischnah“, aber nicht in der ״Boraitha“. pag. 88 אומצא ist ״gebratenes Fleisch“, und nicht ״Nichts“. Pag. 90 קשה יצר הרע heist nicht ״Mit dem bösen Trieb steht es schlecht“, sondern ״schädlich ist der böse Trieb“. Pag. 93 אמר לו: רבי sprach Jener: Babbi! u s. w., Pag. 95. Sehr sonderbar erklärt W. den Ausdruck, künftige Welt“ durch ״ausgesuchte Kos t“ (!) Gemeint ist: ewige Seligkeit, wahres, höchstes Glück Pag. 100 אין־רשאין heisst, nicht: ״sie brauchen nicht“ u. s. w., sondern: ״sie dürfen nicht.“ Pag. 102 מצוד. אחת יותר על וכיותיי heisst nicht: ״wer ein Gebot ausübt und seine Verdienste vermehrt“, sondern: ״wer ein Gebot mehr übt, als erforderlich wäre, durch seine verdienstlichen Werke seine sündigen Thaten überwiegen zu lassen“. Pag. 115. Statt, ״fehlerha ft“ ist. gonauer zu sagen: ein mit einem börperlieber! Fehler ,.Behafteter“. Pag 132 קדר heisst ״Töpfer“, nicht, ״Bartscheerer“ (ספר) pag. 136 שובי עדי עד u. שובן בסנה. Bei diesen Worten beginnt der Nachsatz. W. zieht sie fälschlich noch zum Vordersatzc. — Pag. 164 גר תושב u. גר צדק- Diese termini sind mit ״Proselyt des Thores“ und ״Proselyt der Gereehtigkeit“ ganz verfehlt wiedergegeben. Pag 108 מנדן heisst nicht ״sie schändeten“, sondern ״sie übertrafen“; ib. מבה irrthümlich ״Pflege“ statt ״Plage“. Pag. 185 ומית heisst ״und er ist gestorben״, nicht: isfc nicht, gestorben. er 206 ״ויהזור מר^רייס Nach ßaschi verwenden die Soferim bisweilen an sich entbehrliche oder überflüssige Wörter zur Verschönerung des Ausdruckes. Cf. ßaschi z. St. Pag 210 לאור חציך יהלכו kann nicht heisseu: ״Eine Sonne gehen deine Pfeile“. Pag. 240 וקנא heisst das eine Mal: ״er darf eifersüchtig sein“, das andere Mal: ״er muss eifersüchtig sein“. Pag. 249 במדבר ist irrthümlich ״in Aegypten“ übersetzt, statt ״in der Wüste.“ Pag. 2 50: מדה״במדה war frei, aber zutreffend zu übersetzen: Obgleich die formelle (sc. vom Synhedrin zu verhängende) Bestrafung aufgehoben ist, hat doch die factisohe (sc. durch Gott den Weltenrichter verhängte) Bestrafung nicht aufgehört. Pag. 25 1 בשלחה heisst hier sinngemäss: ״wenn er es (sc. das Strafmass) fortgeschickt wähnt, nicht, ״wenn er verstossen sein wird“. Pag. 2 5 5r Ist ״gewiesen“ verdruckt für ״gewich en“. Pg. 260 כלה heisst hier nicht ״Braut“, sondern ״Schwiegertochter“. Pg. 26 6 חחן heisst ״Schwiegervater“, nicht ״Schwager“. Pg. 2 7 1 findet sich irrthümlich oben in erster Reihe die letzte Zeile dieser Seite. Pg. 2 7 3 אחזו heisst ״ergreifet 1“ nicht ״uns ergreifen“. Pg. 2 8 2 steht irrthümlich Num. statt Deuteron. Pg. 2 88 muss es heissen: ״betreffs des Staubes des zu bedeckenden Blutes“ nicht ״des bedeckten Blutes“. Pg. 290 ,אשה פרושה ist nicht ״eine scheinheilige“, sondern eher ״eine übertrieben blöde Frau“. Ib. פרושין מכות heisst nicht ״die Pharisäer u. die Schläge (Geisselungen)“. Pg. 3 23 heisst es irrthümlich: ״Fischsegen“ statt ״Tischsegen“. Pg. 335 או ו. Es ist die Rede von einem Priester, der eine Geschiedene oder eine Chaluza, nicht aber eine Geschiedene und eine Clmluza gelieirathet. Ib. נתינה. נתין ist nicht schlechtweg ״Sklave“ u. ״Sklavin“. Pg. 3 4 7 ענוים sind ״Demüthige“ nicht ״Geduldige“. Pg. 3 55 פרעהו heisst eigentlich:׳ ״entblüsse ihn“, erschwere ihn sichtbar von aussen schon. Pg. 3 0 7 רכושו verdruckt ״Hebe“ statt ״Habe“. Pg. 3 0 8 זילוחא heisst hier nicht ״Hässlichkeit“, sondern ״Geringschätzung“; Sinn: um die Frau nicht der Geringschätzung Preis zu geben. Pg. 36 9 לה אחין ואילו יבמה דחלצו heisst nicht: ״wenn der Levit (verdruckt statt Lev ir) von der Schwägerin erhält,“ sondern ״eine Jebamah (Schwägerin), welcher die Brüder (sc. ihres verstorbenen Mannes) den Akt der Chalizah gestatten“. Pg. 37 0 אזהר heisst nicht ״Furcht haben,“ sondern ״warnen“ ״warnen lassen.“ Das ist im Wesentlichen die Nachlese, die sich uns bei der Lecture ergeben hat Wer die hier zu bewältigenden Schwierigkeiten nach Gebühr zu würdigeu weiss, wird die von uns urgirten Verstösse gegen Text und Sinn weder beträchtlich noch erheblich finden. Hoffentlich gelingt es dem sorgsamen Uebersetzer, welchem Lust und Liebe zur talmudisch-rabbinischen Litteratur die Feder führt, bei ferneren Publikationen, welche er noch in Aussicht stellt, auch Fehler geringerer Qualität zu vermeiden. Wir zollen ihm gern die Anerkennung, dass er den häufig vorkommenden Wortspieieu und Wortanalogien der aggadischeu Piecen ein feinfühliges Verständnis» entgegenbringt, eine Errungenschaft, deren sich nur sehr wenige christliche Gelehrte rühmen dürfen. Es ist ihm daher nicht selten geglückt, diese Pointen und linguistischen Feinheiten des talmudischen Idioms j auch im Deutschm annähernd präcis und knapp ztf; markiren. | Sohrau, O.-S. Dr. Immanuel Deutsch Verantwortlicher Redacteur D1-. Rahme r, Magdeburg. Druck von D.!!. Woltt, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leip zig

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