Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 18. (28.4.1887)
- Date
- 1887-04-28
- Page
- Seite 69 (sequence 3)
- Language
- German
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Der HO. Psalm. Historisch-kritisch bearbeitet von Arthur ■S. Weissmann. (Schluss.) "V. 4. Geschworen hat Jehova, und gereuen wird es ihn nicht: Du bleibst Priester ewiglich; Damit regiere und Recht schaffe er, der Herr! V. 5. Schirm Deiner Rechten war er, als er amTage seines ZornesKönige zerschmettert. "V. *>. Damit unter Heiden errichte, Körper beschneide. Er zerschmetterte das Haupt grossen Landes. V. 7. Weil den Bach am Wege er hinüberschwamra, Darum erhebt er das Haupt. — B, Auslegung. V. 4. נשבע schwören unterscheidet sich von *נדר geloben. Letzeres ist einfach betheuern, oder feierlich betheuern, ist mehr als versprechen, versichern, aber ohne äussere Veranlassung. נשבע dagegen ist eine auf einer vorhergegangenen Aufförderung; also äussern Veranlassung, bei einer ceremoniellen Feierlichkeit geschehene Betreuerung, daher נשבע im Niphal. Ein solches Schwören kann durch Nichts rückgängig gemacht werden. Weder Missverstehen noch Zwang noch Noth können einen solchen Sohwur rückgängig oder ungeschehen machen, oder auch nur abschwächen. Daher ולא ינחם. Aut unseren Hyrkan bezogen hat es folgende Bewandniss. Als mit der Priesterwirtschafc der Zadokiten in der macedonischen Zeit viel Unheil über Juda und dessen Cultusstätte, den Jehovatempel, den vorzüglichen Wirkungsort der Hohenpriester hereinbrach, in Mat- ^hatia und seinen Söhnen aber Retter des Volkes und der Sache Jehova’s erstanden, wurde die Hohepriesterschafo und deren Erblichkeit für dieses Stammhaus (aus der Priesterordnung Jehojarib) gefordert, da sie dem Pinchas seiner Zeit aus einer ähnlichen Veranlassung gewährleistet wurde. (4. Mos. 25, 1:1 1 Makk. 2, 2־>.) Und Simon nahm das auch als von Gott gebilligt und bewilligt an. (1. Makk. 14, 41.) Demzufolge wurde auch Johann Hyrkan kaum dem Mutterleibe entrückt geweihet. (V. •1) Mit stolzem Bewusstsein konnte der Psalmist, der auch ein ergebener Freund Hyrkans war, u. mit Begeisterung sich so ausdrücken. Besonders da die Pnesterlichkeit nur vererbt aber nicht verliehen werden konnte, konnte der Psalmist unter כהן לעולם nur die Hohepriestersohaft, keinesfalls aber die gemeine Priesterlichkeit meinen, nicht den Vorzug der Geburt allein, sondern mit demselben auch den Rang. — על דברתי acht Handschritten haben על דברתו mit einer Keriglosse דברתי, zwei sogar דברת. Es ״nach der Weise“ oder ״nach der Ordnung“ auch ״ fürder“ übersetzen zu wollen, ist ein Beweis mehr, dass auch frsiseiawollendj Ausleger sich von eiaern vererbten Vorurtheil kaum befreien können. Diese Bedeutuug hat על דברת durchaus nicht und nie. ■Es ist, wie Hupfeid richtig erkannt, das später gebräuchliche על דבר על דברת• (Kohelet 3,18. 7,14. 8,2. Dan. 2,30. 4,14 ). So auch Grätz, der es aber anders erklärt und anders übersetzt. Das wohl aber nur deswegen, weil es zum Folgen!len nicht passt und bei aller Künstelei sich nicht unbequemen lässt. Auf die ,richtige LA. verweist aber schon das überflüssige ,in דברתי• Es ist aus dem Folgenden herübergezogon worden, 1. על דברת ימלך (צדק. Wir verweisen blos auf (Jes. 32,1. 53,11.) Die gottbegeisterton Männer jener Zeit sahen eben in ihrem frommen Entzücken den Messias in jeder Erscheinung. Vielleicht ist auch אתי aus dem folg. V. hierherzuziehen uad als Anspräche zu nehmen. — V. 5. על ימינך ist nach vielen Auslegungen leidige Wiederholung aus V. 1. (Olshausen, Hupfeid uad A.) Nun stört es ja unnützerweise den Zusammenhang. Auch muss erwogen werden, dass, wenn der Betreffende nach V. 1 zur Rechten Gottes zu sitzen kam, Gott doch unmöglich, wieder zu seiner Rechten gedacht werden kann. Aber 9ל ist aus צל verschrieben. Nur in seinem Zorn konnte Gott den meuchlerischen Anschlag auf Simon den Gesalbten Gottes und auf seine Kinder gelingen lassen. Wenn aber Hyrkan versohont blieb, war man berechtigt zu sagen, er erfreue sich eines besondern Schutzes. V. 0. ידץ בגוים ist wohl frommer Wunsch wie V. 4; aber מלא גויות! Hören wir die Ausleger. ״Das Object muss hinausgeschoben und zwar ארץ רבה sein. (Olshausen.) ״Entweder ist ™א.ית ausgefallen, oder hinzuzudenken“. (Hupfeid.) ״Letzt sich mit Leichnamen“; er sättigt sich seine Seele (2. Mos. 15,9) d. h. stillt seinen Grimm wider die Feiade dadurch, dass er sie zu Leichen macht.“ (Hitzig.) Grätz ist, wie stets, aufrichtig genug einzugestehen, dass diese Phrase völlig unverständlich ist. Vielleicht ist es aber eine Aufforderuug an Johann Hyrkan, sich Völker zu unterwerfen uud sie dem Jud6nthume durch die Beschneidüng zuzuführen und מול גויות? dafür zu lesen. Kam ja doch Hyrkan dieser Aufforderung naoh. (Jos. Altth. XIII 9,1.) *ראש bedeutet Haupt, aber auch Oberhaupt, und “ארץ רב ansehnliches Land, also einen grossen König. V. 7. Dieser Vers schildert abermals eine Begebenheit aus dom Leben Hyrkans, und zwar, wie der Schluss es hervorhebt, eine, welche seinen Ruhm begründete. In der letzten Zeit Simons fiel Hyrkan die Aufgabe zu, wider Ceudebäus zu Felde zu ziehen. Er traf auf das feindliche Heer, konnte es aber nicht angreiten, ein Bach trennte sie—נחל בדרך• Das Volk scheute sich, über den Bach zu setzen und begann zu wanken. Da ermannt sich Hyrkan, wagt sich ganz allein den Fluss hinüberzusetzen. Seine Leute gewannen Muth, folgten ihm und halfen ihm einen glänzenden Sieg erringen. (I. Makk. 15, 1—li.) Für ישתה ist daher ישחה zu lesen. Und diesem Umstand verdankte er seine hervorragende Bedeutung — D על ירים ראש. — Recensionen. Lewiu, Dr. M. Lehrbuch der biblischen Geschichte und Litteratur. Zweite verb. Auflage. (Nürnberg Fn Korn.) Diese biblische Geschichte enthält nur Geschichte, ohne alle Reflexion, ebenso ohne Verse. Verf. ist also entweder kein Anhänger des geschichtlichen Religions-Unterrichts, oder aber er überlässt die Bearbeitung des Geschichts-Materials nach religionsunterrichtlichen Gesichtspunkten dem Lehrer. Dass die Verse nicht direkt unter den einzelnen Stücken stehen, ist gewiss ein Umstand, den kein denkender Lehrer bedauern wird, denn was ist störender und dem empirisch geschichtlichen Geiste ebenso, wie den pädagogischeu Zwecken mehr zuwider, als wenn die Kinder in einem Zuge den Vers mit der Gesohiohte lesen. Anstatt über den religiösen Inhalt der Geschichte, für welchen der Bibelvers doch nur das Gefäss sein 8011, nachzudenken, erhält das Kind früher das Gefäss als den Inhalt und darum den Inhalt nicht vollkommen, weil nicht aus der Geschichte und aus sich, sondern aus dem Verse, dem Gefässe. Der Erfolg ist dann derselbe, wie wenn man die Verse besonders memo-