Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 18. (28.4.1887)
- Date
- 1887-04-28
- Page
- Seite 70 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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riren liesse und die Geschichte znr Veranschaulichung heranzöge. Die Verse haben daher wohl besser ihren Platz am Ende des Buches. In der vorliegenden bibl. Geschichte fehlen sie ganz, was manchem als ein Mangel erscheinen wird. Um so reiner tritt dadurch die Objeclivität des Veifassers hervor: er erzählt ganz unparteiisch die Geschichte, wie sie in der Bibel gegeben ist. Diese Objectivität ist ganz entschieden ein Vorzug, zugehöriges Bäsonnement ist Sache des Lehrers, oder vielmehr des durch den Lehrer znr Selbstthätigkeit angeregten Schülers. — Ebenso ist es ein en tschie dener Vorzug, dass das Buch sich den W ortlaut d er heiligen Sch rift beizubehalten befleissigt. Ich bedaure nur, dass der Verfasser doch manchmal Abweichungen vorgezogen bat, an Stellen, wo der biblische Wortlaut als ein Muster der Erzahlungskunst für Kinder anzusehen ist. Z. B. S. 122: ״Israel in 2 Beichen. Nach dem Tode Salomo’s kam Jerobeam etc. . . .“ Er sprach zu fiehabeam: ״Erleichtere unser Joch, dann wollen wir dir dienen“. Die Aeltesten Salomo’s rietlien Behabeam zur Nachgiebigkeit, doch dieser folgte dem Eathe seiner Jugendgenossen und antwoitete dem Volke“ etc... . Abgesehen von der Abweichung ״Er (Jerob.) sprach zu Behabeam“, wahrend das Original ״Sie sprachen“ (ידברו') hat, ist gerade an dieser Stelle die epische Ausfülnlichkeit und die dialogische Form der H. S. sehr wünschenswerlb, weil der Leichtsinn der Jugend in Parallele mit der Erfahrung des Alters nicht ansehaulich genug den Kindern geboten werden kann. — Aehnlich dieselbe Seite unten: ״Er (Jerob.) wandelte aber nicht in Gottes Wegen, sondern baute aus E’nrcht, das Volk könnte nach Jerusalem wallfahrten und dadurch“ etc. . . . Wie klar und anschaulich ist dieser etwas verwickelten Konstruction gegenüber die direkte Bede des Bibelwortes: ״Und Jerobeam sprach in seinem Herzen: So kann die Herrschaft an das Haus Davids zurückkehren! Wenn das Volk hinaufzieht, Opfer darzubringen dem Herrn in Jerusalem, so“ etc. — abgesehen von dem exemplarischen Werthe dieser Jerobeam’schen Gesinnung für’s Leben, wo so oft ״Unternehmungen voll Mark und Nachdruck“ durch egoistische ״Eücksicht aus der Bahn gelenkt“ werden. -- Auch finden sich hin und wieder interpretative Znsätze, deren Dringlichkeit sehr problematisch ist. Z. B. S. 2 (״So verlässt der Mann Vater und Mütter und hängt seinem Weibe an; beide ergänzen sich tmd werden zu einem Wesen“) ״Beide ergänzen sich“ — für ein Kind, dem die 2. biblische Geschichte erzählt wird, gewiss eine harte Nuss! Nicht viel weniger: ״und werden zu einem Wesen“! — Im grossen und ganzen aber ist der Ton echt biblisch — und das ist wohl das Beste, was inan einer biblisehen Geschichte nachrühmen kann. — Noch eine Kleinigkeit hätte ich in dem voiliegenden Buche anders gewünscht: eine Zerlegung der Geschichte in kleinere Ganze durch Abbrechen der Zeilen an den entsprechenden Theiluugs-Punkten. So z B. bildet die ganze Geschichte von Kain und Abel ein einziges Lesestück ohne jeden Absatz, während doch die Wendepunkte: ״Kains Antlitz wurde betrübt“, ״Kain erschlug seinen Bruder Abel“ durch neue Zeile markirt sein mussten. Man kann doch eine solche Geschichte nicht auf einmal erzählen, ohne gegen Katichs Gesetz der suceessiven Klarheit zu verstossen. Es ist aber gut, wem dies auch fürs Aug3 kenntlich wird, abgesehen davon, dass nicht jeder Lehrer im Stande ist, die begriflliche Zerlegung eines Stückes zu vollziehen. — Die Stücke aus der biblischen Litterutur, aus den Propheten und Psalmen, werden dem Lehrer eine willkommene Beigabe sein, ebenso wie der kurze An- Verantwortlicherltedacteur I»r.ltalnncr, Magdeburg. Druck v« hang über nachbiblische Litteratur und den Fest— kalender. In der Hand eines gewandten, mit der־ Methode des biblischen Geschichts-Unterrichts vertrauten Lehrers wird das Bnch nicht ohe Nutzen an- I zuwenden sein — und wo giebt es ein Schul-Buch״ das den Lehrer ersetzen könnte! — Bernhard Ziemlich, Dr. Das Machsor Nürnberg. Ein Beitrag zur Erforschucg des Bitus und der j Commenturlitteratur des deutschen Machsor. Berlin BSSti. In Commission bei Ad. Mampe. | Seresch, die Fran des Haman, war ein kluges״! welterfahrenes Weib. Das beweist ihr für die Hamane ׳ aller Zeiten bedeutungsvolles Wort (Ester (1,1;1). Lange Zeit war die Verhimmlung christlicher Exegeten und Hebraisten gang und gäbe unter uns. Denn Dankbarkeit ist eine jüdische Tugend und über fühlbare Mängel sahen wir hinweg, voll Dankes, dass auch christliche Gelehrte sich eingehend mit unserem Schriftthum beschäftigen. Zu Buxtorf, Gesenius, de | Wette, Hitzig, Hupfeid, Delitzsch, Fleischer u. A. schaueten wir, wie zu unseren Lehrern mit Achtling und Verehrung auf und so oft wir sie auch auf falschen Wegen wandelnd betrafen, so imponirte uns doch die wahrhaft wissenschaftliche Behandlung und Durchdringung ihres Lehrstoffes. Herrn Professor Paul Bötticher alias de Lagarde, dem kerndeutschen Grossneffen des Königs von Korsika, haben wir es zu verdanken, vorsichtiger in jener Wertschätzung geworden zu sein. Dass obengenannuter Urgermane korsischer Provenienz nur ein sehr mässiger Kenner des jüdischen Schriftthums sei, stand bei mir seit seiner Beschreibung der jüdischen Handschriften für den Katalog der Erfurter evang. Ministerial-Bibliotliek ן ziemlich fest, als Antisemit geueris Stöckeriani war er längst bekannt, dass er es aber wagen würde, in Gemeinschaft mit seinem Schüler und Schützling, dem Techinimdoktor Techen, das Andenken und den Namen unseres grossen!Meisters Zunz mit Koth zu behandein — das Iless sich von dem charakterfesten germanischen Professor (siehe Briefe aus den Tuilerien' auch erwarten. Nun, Kaufmann , Berl iner, Ziem ■ lieh und auch Gtidemann haben den Herrn heimge- : leuchtet, noch nicht ganz, wie sie es verdienen, aber ׳ doch so, dass ihnen eine Zeit laug die Lust, am Koth werfen vergehen wird. Die sein eidendste, vornehmst© und treffendste Abfertigung empfing das blöde, sohiiler : hafte Machwerk Techens durch die uns zur Hesprechung vorliegende treffliche Beschreibung des Machsor von Nürnberg. Alles Lob, das wir ihr z״ spenden haben, fassen wir in den Worten zusammen — hört es, korsischer Grossneffe und Techinimdoktor — sie ist, in dem kritisch forschenden Zunz’schen Geiste gehalten und eines Jüngers des grossen Meisters würdig. Dr. Ziemlich bat mit diesem Büchlein 'eine schwerwiegende geistige That vollbracht-, er hat nicht nur gezeigt, wie man Halbwisser und Stümper; geisselt, sondern auch wie man es besser macht, wie man ein gründlicher Liturgiker sein muss, wenn man die Hand an ein liturgisches Werk legt. Wahrlich ■ jene Entschuldigung des korsisch-germanischen Indäophagen, mit welcher er seinen Schüler wegen der gröbsten und dümmsten Schnitzer in Schutz nimmt,: ״Techen wollte nicht Liturgiker sein“ lässt uns■ an den wissenschaftlichen Ernst, des Herrn Professors zweifeln, oder an die Vortrefflichkeit des germanischen Bieres in Göttingen glauben. Doch genug von jenen scherzhaften und doch so traurigen Dingen! (Schluss t.t Berichtigung; ln vor. Nr. S li5b. Z.!1 v. o. sind hinter . ״ersten“ die Werte: ״dem entsprechenden und das letzte“, 1 u. /. 12 hinter ״erste“ die Worte: ״dem vorigen und die | :! letzten“ durch Verseilen dos Setzers weggehlieben. '11 D. T.. Wollt, Magdeburg. Verlag von Kotiert i'rios e , Leipzig