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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-04-07 · N° 15-16. (7.4.1887) · p. Seite 58

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 15-16. (7.4.1887)
Date
1887-04-07
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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Der Schnitzer im Buche der Makkabäer, wie im Josephus, ist einfach UebersetzuDgsfehler, wie denn die BB. der Apokryphen von solchen wimmeln. Der Name der Braut, nicht des Orts, ist hervorgehoben worden, weil sich an ihn ein grosses Stück jüd. Geschichte knüpft. Nicht nur wurde sie Ehegespons des erlauchten Simon, sondern auch Mutter des rühmlichen Hyrkau und der königlichen Dynastie der Makkabäer. Auch ist es sehr bezeichnend, dass Hyrkan, der dieser Ehe entsprossen, den Namen jenes Mannes führt, der bei dieser Gelegenheit gerächt wurde, J o h a n a n. Er heisst aber auch: Hyrkan, und wie kam er zn diesem noch immer nicht enträthselten Namen? Allerdings ist er nicht der erste dieses Namens, schon vor ihm hat ihn ein jüdischer Steuerpächter unter den Ptolemäern gefuhrt. Aber die Entstehungsgeschichte jenes Hyrkan ist der unseres Johann Hyrkan so frappant ähnlich, dass sie uns auf den Grund dieser eigenthümlicheu Benennung fuhrt, unsere Annahme aber auch im Grossen und Ganzen bestätigt. Hören wir dessen Geschichte, wie sie uns Josephus berichtet: Joseph ben Tobias, Steuerpächter unter Ptolemeus IH, speiste einmal an der königlichen Tafel und empfand eine leidenschaftliche Neigung zu einer Hoftänzerin, die er dort gesehen habe, in einem solch gesteigerten Masse, dass er nicht anstand, seinen Bruder Salim zu bitten, er möge Alles thun und Nichts unterlassen, um nur seinen heissen Wunsch, einer Vereinigung mit der Tänzerin, in Erfüllung gehen zu lassen. Salim erklärte sich erbötig, benützte aber den trunkenen Zustand seines Bruders, um ihm seine eigene Tochter, die jener Hottänzerin an Schönheit nicht nachstand, wie eine solche verkleidet, zuzuführen. Joseph hielt sich fiir den Glücklichsten, und je mehr er dieses Glückes theilhattig wurde, wuchs seine Leidenschaft zum Gegenstand seiner Liebe in so hohem Grsde, dass er abermals seinen Bruder ins Vertrauen zu ziehen nicht unterlassen konnte, dass er mit dieser vermeintliehen Tänzerin durch ein Ehebündniss verbunden werden müsste, da es sonst seines Lebens überdrüssig sei Salim gestand ihm hierauf seinen Betrug und erklärte ihm, dass ihm Nichts im Wege stehe. Joseph wurde hierüber sehr erfreut. Er ehelichte in der That seines Bruders Tochter. Sie gebar ihm einen Sohn und sie nannten ihn: Hyrkan (Jos.Altth.XH, 4!. Es hat den Anschein, als sollte der Name Hyrkan eine Andeutung auf diese ganze Begebenheit enthalten: aber worin liegt sie? Ziehen wir jedoch eine Talmudstelle zu Käthe ,in Ketubotüla. heisst es: •דצ״יל״תלךאתתאבהרקא ״ich halte dir eine Frau meiner statt ins Haus gebracht“!, so haben wir das Gewünschte. בהדקאי (so liest Aruchi heisst anstatt, an der Stelle: Weil anstatt der Hofcänzerin Joseph seine Nichte geheiratbet, nannten sie den dieser Ehe entsprossenen Sohn Hyrkan. Und weil die Nedaboth, anstatt einem der Söhne Arnris zu folgen, das Weib des Hasmouäers Simon wurde, nannten sie den dieser Ehe entsproseenen Sohn ebenfalls Hyrkan (Hyrkan Vhyrkau, entspricht also vollkommen dem hebr. Nameu תחת s. Chron. I 6,!1. 22). Die reaktionären Pharisäer haben somit nicht andets können, als treu ihren Prinoipien die yualificatiou Hyrkaus und seines Sohnes Alexander Janai zur Hohepriesterschaft anzufechten. Wie mau sicdi aber in dieser Schule darauf verstand, den Thatsachen nicht allzuschrof! entgegenzutreten, wie sie den König David, der ja auch von einer Moabiteriu herstammte, doch nicht alsgegeu 5.Mos. 17,1,‘iverstossend und als der Königswürde in Israel unfähig erklärten, indem sie TÄ? uud *מיאב (das. 23.4) wörtlich nahmen (Amouiter oder Moabiter, keineswegs aber eine Amoniterin oder Monbiterim, so deducirt auoh in unserem Falle der Talmud, dass die Kanaaniterinnen ' von den Frauen aller andern proskribirten Völker- | schäften eine Ausnahme machen. Nur die Kanaanij terinen sind als Kriegsgefangene den Israeliten statthaft. Ja, Rab ging noch einen Schritt weiter, diese selbst den Priestern zu gestatten. (Kiduschin 21. Sota 35.) Man sollte und wollte mit einem gegebenen Fall und fertigen Thatsache nicht mehr rechten. Und diese ganze Liebesgeschichte, wenigstens in den Hauptzügen, kommt in dem HO. Psalm zum Ausdrucke; um uns nicht zu wiederholen verweisen wir auf unsern in nächster Nr. folgenden kritischen Commentar. Wer aber war der Verfasser dieses Psalms und bei welcher Gelegenheit wurde er verfasst? Die Aufschrift sagt: לדוד. Nun haben wir aber in. unserer Einleitung zu Ps. 2 zur Genüge nachgewiesen, dass an den König David hierbei gar nicht zu denken sei. Hier aber mag der Verfasser wirklich ein David, u. z. Zeitgenosse des Johann Hyrkan, gewesen sein. Denn zu Zeiten unseres Helden finden wir eine hervorragende Persönlichkeit, Namens Diodorus, Sohn der Jason (שי* *Z דוד), der zu Hyrkan in einem nahen Verhältniss stand. Wir finden, dass Hyrkan jenen Diodorus seines Vertrauens würdigte und ihn mit einer ihn auszeichnenden Mission betraute, die nichts geringeres zum Zwecke hatte, als die Freundschaft der Juden mit den Römern zu erneuern (Jos. Altth. XIII, 9.2.) — Dieser Diodorus scheint einer alten, ehrwürdigen und patrizischen Familie entstammt gewesen zu sein, die sich durch hervorragende Talente und diplo - matische Gewandtheit auszeichnete. Finden wir ja auch seinen Vater, Jason, den Sohn Eliesers, bei Schliessung des Bündnisses mit den Römern im Auftrage des Hasmonäerpaares Juda und Simon thätig. (1• Makk. 8,17. Jos. Altth. XII. 10,6).*) Dieser begabte und von Hyrkans so sehr ausgezeichnete Diodorus musste wieder dem Hyrkan besonders gewogen und schon von früher zugethan gewesen sein. Er konnte also diesen wie andere auf Hyrkan und seine Zeit bezughabende Psalmen gedichtet haben. (Schluss folgt.) Harmlose Lagardeana. Von 1וי• Krön er, Rabb. in llrandenburg a d. 11. Es liegen uns vier Broschüren zur Besprechung! vor: 1) Erinnerungen an Friedrich Rückert. Lipman | Zunz und seine Verehrer. Von Paul de Lagarde. Göttingen, Dieterich’sche Buchhandlung; 2) Professor! Paul de Lagarde, nach seiner Natur gezeichuet von ' Dr. A. Berliner (Julius ßonzian, Berlin); 3) Paul I de Lagarde’s jüdische Gelehrsamkeit. Eine Erwiderung von Prof. Dr. David Kaufmann (Leipzig, Otto Schulze) ' u. 4) Einer der nicht Liturgiker sein will. Antwort an! Hr. Professor de Lagarde von Dr. Bernhard Z ie m 1 i 0 h j Rabbiner in Nürnberg (Leipzig, Robert Friesei. ’ Die erstgedachte Broschüre, deren Verfasser eine ebenso genaue Kenntniss der alten, der mittelalterliehen uud der neuen judäivoristisohen Redensarten, wie ungenaue Kenntniss des jüdischen Schriftthums und mancher sonstigen Gebiete an den Tag gelegt, : hat das Erscheinen der drei anderen Schriftohe n 1 veranlasst, die in hohem Grade werth sind, weit verbreitet und gelesen zu werden. Berliner hat uns ein j eigenartiges Charaktergemälde eines deutschen Pro- | fessors, Kaufmann ein solches Bild jüdischer Gelehrsamkeit desselben Professors, Ziemlich ein ebensolches Konterfei des liturgischen Veile et Nolle eines Schülers *) Dieser Klieser inan vielleicht jener Mann gewesen sein, der unter Rtolemäus II. Dhiladelphus bei Antertigung der griechischen l’ebersetzung der heiligen Schritt hervorragend l'heii nahm.

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