Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 15-16. (7.4.1887)
- Date
- 1887-04-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt־ gratis. — In9erate werden mit g& Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsendeu, erhalten '25^ Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Der 110. Psalm. Historiscli - kritisch bearbeitet von Arthur S. W e i s s m a 11 n (Fortsetzung.) — Harmlose Legardeana. Von Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. — Unsere Jugeudschriften-Litteratur. — Zur Chronologie. Von Lehrer Cohen in Rees a. Rh. Litteraturbericht: Recension: מקדמוניות היהודים, Beiträge zur jüdischen Alterthuinskunde von A. Epstein Von Arthur S. W e i s s m an 11. Li ttorarisehe Notizen. — Inserate Nachduck nur mit •voller Quellenangabe gestattet. Der 110. Psalm. Historisch-kritisch bearbeitet von Arthur S. VVeissmanu. I Fortsetzung.) Wir haben auf unsere historische Begründung zu Ps. 45 hiDgewiesen, woselbst wir ausgeführt, dass (Ijßimon eine fremdländische Schöne ((שברה יפת תואר גי»^} eimgeführt habe, wir wollen nunmehr festzustellen suchen, wer die erbeutete Schöne war, der Johaun Hyrkan sein Leben verdankt. Vor Allem möchte man doch fragen, war die Mutter Hyrkans in der That eine Kriegsgefangene, eine שבייה יפת תואר, wie kam mau dazu, dass man diese, nach dem unzweideutigen Wortlaut der heiligen Schrift (5. Mos. 21,10—13) statthafte Ehe dennoch aufocht? Die Antwort hierauf ist nicht schwer zu geben. Mit Esra (458—433)'— der, nebenbei bemerkt, gerade in Sachen der Eheschliessung mit fremdländischen Frauen Vieles in die heiligen Schriften hineininterpretirt hat (siehe Neh. 13,1) — trat eine Schule ins Leben, deren Methode es war, das biblische Wort ihrer Auf- oder Beschlussfassung anzupassen. Früher nannte man diese Männer משכילים wörtlich: die Rationalisten (Neh. 8,8. Dan. 11, 33. 35. 12, 3. 10), später aber פרושים (von paros oder parsa in der Zendsprache: ״ die G länzenden, Gottesfürchtigen,Reinen und Heiligen “, aber auch mit der Nebendeutung von ״Gesetzesausleger“,' anklingend an מפורש (Neh. 8,8). Und diese ״Doktrinäre“ legten die heiligen Schriften gar nicht aus, sondern legten ihnen ihre eigene Auflassung und Interpretation unter. Und diese erklärten: eine Ehe nach 5. Mos. 21,10—13 kann nur dann statthaft sein, wenn der Krieg ein blos gestatteter (מלחמת רשות) war, nämlich mit einer der x-beliebigen Völkerschaften» keineswegs aber bei einem obligatorischen Krieg (מלחמת חובה) d. h. gegen jene proskribirten sieben Nationen, 'die zu vertilgen die Bibel den Israeliten zur Pflicht gemacht (4. Mos. 20,10.17). Es muss daher angenommen werden, dass die Mutter Hyrkans von jenen proskribirten Völkerschaften abstammte. Duroh diese Voraussetzung geht uns auch über eine im l.Makkabäerbuche aus dem Leben Simons, des Vaters unseres Hyrkan, mitgetheilte Episode ein Licht auf. Dort wird nämlich berichtet, dass die Söhne Jamris oder Amris aus Medeba, den ältesten Bruder der Makkabäer, Namens Johanan, gelangen genommen, und (nach Josephus) auch getödtet haben. Als diese aber eines Tages grosse Hochzeit mit der Tochter eines der vornehmen Fürsten der Knnaaniten hielten, und im Begriffe waren, die Braut mit grossem Pomp, augeblieh von Nedaboth, heimzuführen, bekamen Jonathan und Simon, die Brüder und Bluträcher des gemordeten Johanan, Wind davon. Sie legten sich in einen Hinterhalt und lauerten den sich sicher glaubenden lustigen Hochzeitfeiernden auf. Als diese bald in ihre Nähe kamen, fiel Jonothan mit den Seinigen über sie her, und tödteten sie, so au ihnen den Tod des Bruders rächend. (1. Makk. 9,30—40.) Nun muss es doch auffallen, dass Simon, der doch anfänglich sich an dem Akt der Vergeltung betheiligte, bei der Scblussaktion so ganz verschwindet, dass seiner nicht mehr Erwähnung geschieht. Dieses Schweigen ist sehr beredet. Es scheint, dass er nur aut die Braut ein Auge geworfen, an ihr Gefallen gefunden, sie erbeutet und ausschliesslich sich um sie beschäftigt habe, die Niedermetzelung des Gefolges seiuem Bruder Jonathan überlassend. Das 1. Makkabäerbuoh, welches unsern Simon besonders hervorhebt und überall nur Rühmliches von ihm zu melden weiss, schweigt hier absichtlich, um nicht auf ihren Helden, der eine Kanauniterin heimgeführt, einen Schatten zu werfen. Aus Josephus ist dies noch deutlicher zu ersehen. Er berichtet nämlich, dass als Jonathan und Simon die Jungfr au vorbeiführen sahen, und sie ihrer wie auch des Bräutigams und seiner vielen Freunde ansichtig wurden, brachen sie aus ihrem Hinterhalt hervor und raubten den ״Schmuck der Weiber“ und die übrige Beute (Jos. Altth. XIII. 1, 3). Unter ״Schmuck der Weiber“, der neben der Beute hervorgehoben wird, kann nur die Braut ihrer ausnehmenden Schönheit, (יפת תיאר) wegen, gemeint sein*) Die Braut wurde somit nicht gatödtet, sondern mit der Beute weggeführt. Aber sie sollte aus Nedab 01 h gewesen sein V Da jedoch in Kanaan kein Ort — und ein Ort, in dem ein Fürst residirt, muss doch bedeutend gewesen sein —, der diesen Namen führt oder geführt, bekannt ist, so ist man wohl berechtigt, anzunehmen, dass es der Name der Braut selbst war. *) Josephus hat an» einem hehr. < )riginale geschöpft, und dort musste es חמדת הנשים gelautet kabeu. Es ist das oiu Ausdruck der auch im zeitgenössischen Daniel wiederkehrt (Dan. 11,37. Auch das. v. 17 muss חמדת הנשים st. בת הנשים gelesen werden.