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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-04-01 · N° 14. (1.4.1887) · p. Seite 54

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 14. (1.4.1887)
Date
1887-04-01
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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— 54 — Es bleibt daher Nichts übrig, als mit Olshausen und Hitzig sich nach einem makkabäischen Fürsten, da ein solcher gewöhnlich auch Hohepriester war, umzuseheu. Für Jonathan, dem zuerst die Hohepriesterwiirde zuerkannt wurde, entschied sich früher Hitzig, liess ihn aber nachher fallen, weil er nicht auch König (ז(יןלך sondern blos Fürst (נשיא) war; er zog daher AlexanderJanai vor. Dieser war ja König, Hohepriester und Feldherr; auch steht fest, dass sein Pontificat ihm nach den übereinstimmenden Zeugnissen des Talmud (bab. Kiduschin 06) und des Josephus (Altth. 10,13.51 bestritten wurde, (cfr. V. 4.) Dagegen i>t aber eiuzuwenden, dass zur Zeit als man Alexander Jauai das Pontificat streitig machte, er bereits die Ziigel seiner Regierung fest in Händen hielt, gegen V 1 u. 2, aus welchen sich ersehen lässt, dass der Held des Ps. seine Regierung sich erst erkämpfen oder erkämpfen lassen musste. Und wenn Alexander Jauai, Dank seinem starken Arme oder richtiger den fremden Miethlingeu, sich in seiner Hohenpriesterschaft behauptete, so findet sich doch nirgends eine Andeutuug, dass man ihn darin auch feierlich bestätigte, was doch V. 4 nur zu deutlich besagen will. — Sind wir aber veranlasst, auf die Makkabäerzeit hinabzugehen, und auch da stehen zu bleiben, so finden wir doch nocheineuandern Hasmonäerfürsten, auf den die ganze Situation besser passt. Dass Simon, der Bruder und Nachfolger Jonathans, von Alexander, dem Sohne des Antiochus Epiphanes, nicht in die Hohepriesterwürde eingesetzt wurde, wird im ersten Buche der Makk. X. 2 *,21 erzählt, und ebenso (daselbst C. 14, 27—41), dass er in einer grossen Volksversammlung vom hohen Rath, von allen Schichten und Klassen des Volkes ins Hohepriesteramt eingesetzt und auf ewig, bis ein glaubhafter Prophet erstehen würde, darin bestätigt wurde. Diese Ausdrucksweise will ganz ohne Zweifel soviel sagen, dass die Hohepriesterwürde von nun an in seinem Hause erblich bleiben solle, wie dies früher beim priesterlichen Stammhause Zadoks der Fall war. Trotzdem sehen wir aber bald darauf einen Sturm wider Simon sich erheben. Sein eigener bübischer Tochtermann stellte ihm in seinem greisen Alter nach dem Leben und ermordete ihn meuchlings (Das. 10, 11—17.)—Sollte dieser ruchlose Vater- und Meuchelmörder (Ptolemäus) eine solche That gewagt haben, ohne auf eine Unterstützung im Volke gerechnet zu haben? Unmöglich! Ist doch dieser Ptolemäus, wie Josephus uns belehrt, von den Jerusalemeru nur darum als Nachfolger Simon’s abgewiesen worden, weil Hyrkan,der würdige Sohn Simons, nach der Ermordung seines Vaters, früher in der Hauptstadt eingetroffen war, als der Mörder. (Jcs. Altth. XIII, 7,4.) Was mochte wohl diese antisimonische Wandluug beim Volke hervorgebracht haben? Sollte sich Simon etwas haben zu Schulden kommen lassen, was geeignet war, ihn um die beim Volke in so hohem Grade und so lange Zeit genossene Gunst zu bringen? Welcher Natur war dieses Verschulden? Und warum schweigen die Berichte? Wir sollen bald hierüber belehrt werden. — Wie wir aus dem Leben des Johann Hyrkan I. und seines Sohnes Alexander Jauai erlahrou, haben die Pharisäer ihnen die Hohenpriesterwürde desshalb streitig gemacht, weil sie ihnen vorwarfen, von einer kriegsgefangenen (יבדה") herzustammen. (S. Kidduschin »Hi. Jos. Altth. XIII, 11,5 13,0.) — Wie wir in unser Einleitung zum )5. Ps. (in dies. Litt.-Bl. 1SSII No. 10. II. ■12. 43) ausgeführt haben, hat Simon der Makkabäer in der That eine Kriegsgefangene .geehelicht und dieser Ehe war Johann Hyrkan entsprossen. Dieser Johann Hyrkan hat sich auch in seinem Heereszuge wider Cendebäus besonders ausgezeichnet und mit Lorbeeren bedeckt. (S. 1. B Makk. 14,1—10.) Musste nun aber unter den rigorosen Pharisäern und Zeloten nicht der Argwohn erwachen, Johann Hyrkan könnte, da sein Vater Simon damals schon im hohen Alter stand, falls er zu seinen Vätern eingesammelt werde, berauscht von seinem Feldherrnruhm ob seines errungenen Sieges, seine Hände nach derOberhoheit und demPontificate ausstreckeu?Kr, der Sohn einer Fremdländischen und Kriegsgefangenen (נכריה, שבויה)? Um dies zu vereiteln, plante man einen Staatsstreich, man verschwor sich wider Vater und Sohn. Glücklicherweise glückte aber dieser teuflische pharisäische Plan, den man — wie zu allen Zeiten — ״zur grossem Ehre Gottes“ ausgeheckt hatte, nur zum Theil. Den Gesalbten Gottes, den edlen, weisen und tapfern Simon traf der mörderische Stahl, zwei seiuer zugegen gewesenen Söhne wurden ins Gewahrsam gebracht, Hy rka n aber, der glorreiche Sohn des ruhmbedeckten Vaters, entkam glücklicher Weise. — Die Oberhoheit und dasPontificat waren ihm! mithin mehr als bestritten. Und in Jerusalem mochte man es als einen glücklichen Zufall, ein wunderbares Omen, ja geradezu als einen Fingerzeig Gottes angesehen haben, dass er der Gefahr entkam, und früher als sein Nebenbuhler in Jerusalem eintrat. An guten Freunden fehlte es ihm auch nicht, und diese mochten daraus erst recht Kapital geschlagen haben, um das Volk für ihn einzunehmen. Und nur diesem Umstande hat es Hyrkan zu verdanken, dass man auf ihn die Würden seines Vaters, die fürstliche und die hohenpriesterliche, ungeschmälert übertrug. (Fortsetzung folgt.) Zur Litteratur der Pessach-Hagadah. ■,$ J, Von L. Cohen, Lehrer in Rees a. Rhein. 4 * Beim Herannahen des Pessachfestes dürfte ein Beitrag zu diesem Litteraturzweige für diejenigen, welche nicht im Besitze der Steiuschneider’sch-rn und Zedner’schen Cataloge sind, gewiss nicht ohne Interesse sein. Ersterer verzeichnet übrigens auch nur alle Ausgaben bis zum Jahre 1732, welches Verzeichniss Letzterer durch Aufuahme der spätem Erscheinungen ergänzt, wovon ßenjacob alsdann nur die rabbinisch commentirten und einige wenige übersetzten Ausgaben aufgenommen hat, die ihm aus Autopsie bekannt waren. — Dem Herrn Kaufmann Adolf Oster in Xanten, dessen Hagadah-Sammlung sich im vorigen Jahre aut 114 verschiedene Ausgaben belief (vgl. Notiz in No. 20 v. J.) ist es bei seiuem unermüdlichen Sammler* fleisse gelungen, diese Collection bis heute auf die stattliche Höhe von 155 diversen Editionen zu bringen. Wahrlich, ein Schatz, der im Besitze eines Privateigenthümers wohl als ein Unicum dusteheu dürfte. Es ist für den Bibliophilen von hohem Interesse, bei Durchmusterung dieser Collection die Ueberzeugung zu gewinneu, mit welcher Vorliebe Erklärer und Herausgeber gewetteifert haben, diesem Büchlein, welches uns in so einfachen und schlichten Worten von der göttlichen Allmacht und Liebe Kunde giebt, immer neue Seiten abzugewiunen, um es zu einem! Lieblinge jedes jüdischen Hauses zu machen. I Werfen wir einen Blick auf die verschiedenen j Erklärungsversuche, welche allein die letzten Jahr- | zehnte gebracht, unter welcheu es natürlich auch an ' kabbalistischen Commentarea nicht fehlt, so hat es in der That den Anschein, als wenn wir hier vor

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