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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-03-17 · N° 12. (17.3.1887) · p. Seite 47

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 12. (17.3.1887)
Date
1887-03-17
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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theilhattig maoheu wolleu? Die älteste Quelle9), aus welcher der Brauch geflossen ist, für das Heil der Todten zu spenden und Fürbitte zu thuu, ist meines "Wissens keine andere, als 2. Makkab. (12, 40—44), leider eine sehr trübe Quelle. Das zweite Buch der Maccabäer ist im Gegensatz zum ersten reich an Idärchen und Aberglauben. Die Sitte der Seelenfeier ist schön, sehr zu empfehlen, aber fern bleibe uns der Wahn, durch Spenden oder durch Fürbitten die Seelen der Verstorbenen aus der Hölle in das Paradies hinüberzuführen. j Unsere heilige Urkunde weiss hiervon nichts; das spätere jüdische Schriftthum der hellsten Denker desavouirt derlei Hirngespinnste. Das sind exotische Ge■ wachse, welche unkundige Gärtner auf den Baum des Judenthums gepfropft. (5. M. 32, 17). Es ist das schöne Gefühl der Pietät, dem wir bei unseren Seelenfeiern Rechnung tragen sollen, wir gedenken in Rührang der Wohlthaten, welche die Verklärten uns erwiesen, der Tugenden, womit sie uns vorangeleuohtet; wir spenden und stiften Gutes aus Dankbarkeit und Liebe, um ihr Andenken zu ehren. 80 aufgefasst, stehen diese Andachten mit unserer Ueberzeugung in vollem Einklang, sind sie von Weihe und Erhebung getragen. Durch eine kleine Aenderung der bisher gebrauchten Redewendungen können wir die sonst so schönen Betrachtungen und Andachten rehabilitiren. Anstatt der Worte z. B. bei Geiger Seite 112 ״und nimm wohlgefällig auf unser Fleheu für das Seelenheil der Angehörigen“, anstatt einer Bitte und eines Rathes an Gott, sollte es besser positiv ausgedrückt lauten: ״Du nimmst wohlgefällig auf unsere Spenden u. s. w., welche wir aus Liebe und Ehrerbietung für unsere verklärten Angehörigen darbringen“ In der Seelenfeier Seite 238 sind demnach die Worte: י •) Ich meine, soweit wir auf das jüdische Schriftthum /*Tecurriren. Denn für den mit der Zendlehre Vertrauten kann es nicht zweitelhaft sein, dass die vielen Aussprüche über das Jenseits, über Paradies und Hölle, wovon in der Bibel kaum eine Spur, die aber in den rabbinischen Schrittthum zu Legionen vorhanden und von meinem Antagonisten zu meiuer Widerlegung citirt werden, dem Parsismus entnommen sind, sie gleichen den Zend-Lehren und Vorschriften, wie ein Ei dem Andern. Ein berühmter Sprachforscher behauptet, wer nur eine Sprache erlernt, verstehtauch die eine Sprache nicht, nur durch ihren Vergleich mit andern Sprachen gewinnt man für die eigene das rechte Verständniss. So gewinuen wir auch für unsere Religionsgesetze, für Riten und Gepflogenheiten oft das rechte Verständuiss, wenn wir die Gesetze und Riten anderer Völker kenuen lernen Schon R. Asariah de Rossi ermahnt die jüdischen Gelehrten das Studium des nichrisraelitischen Schriftthums nicht zu vernachlässigen. Ganz wie in der Hauptstelle Siptire, so liest man in der Avesta, dass unser Almosen den Todten zu statten kommt, dass unsere Gebete für sie ihnen zur Seligkeit, zum Eingang in das Paradies verliilft. Ich bedauere sehr, jetzt nicht im Besitz der Spiegelschen oder Ktenkerschen Werke zu sein, habe sie mir in diesen Tagen auch nicht aus Breslau verschallen können, aber in meinem Gedächtniss haftet noch eine Stelle, die ich freilich nicht ganz wörtlich, aber doch dem Inhalte nach treu wiedergebe Wie nämlich das starrgläubige Judenthum die Engel als Mittels- Personen zwischen uns und Gott anruft (man denke nur an die Zwischengebete der Hyperorthodoxie bei den Schofartönen), so ־ächteten die Parsen ihre Gebete an die Amschaspauds als Mittelspersonen zwischen ihnen und Ormuzd. Die Parsen lassen nach ihrem Tode von Anderen Gebete verrichten, um in den Himmel zu kommen. Ein Gebet der Parsen lautet: ״Wenn ich ohne Sündenb6kenntniss sterben sollte, so möge das Seelenbekeunt.niss und das Gebet, das ein Verwandter, ein Bekannter, oder wer auch immer für mich verrichten wird, so autgenommen werden, als hätte ich es selber verrichtet.“ Auch auf ganz anderem Gebiete des späteren (rabbinischen) Judenthums Süden wir unserem Geist und Gemüth Unsympathisches, das wie ein Parasit aus dem Zeud unser biblisch so geläutertes Judenthum um wuchert. Vielleicht nimmt sich ein Leser des Lt.-Bl.( der im Besitz des Spiegel und Klenker ist, die Mühe, Auszüge aus diesen Werken in diesem Blatte zu veröffentlichen. Dass nicht etwa die Parsen die fraglichen Gepflogenheiten und Glaubensmeinungen, wie einige Heisssporne möchten glauben machen, aus dem Judeuthum überkommen haben, sondern das Umgekehrte der Fall ist, wird sehr leicht zn beweisen sein. ״Las3 uasera Bitten für sie Erhöruag bei Dir finden* uud Aehnhchos wegzulassen. Noch ein anderer Punkt darf nioht übergingen werden. Es geziemt sich durchaus nioht, über die Art und Weise des Fortleb sns in unseren Gebeten za spreohen, als wenn wir Vertraute im Rithe Gottes, in jenes Dunkel und Geheimniss vollsten lig eingeweiht wäreu, und wenn irgenlwo, m issen hier die Worte Siraohs (3, 20,21) beherzigt werten. Solch zuversichtliche Behauptungen über das Jenseits bewirken oft, zumalin unserer zweifelsüchtigen Zeit, gerade das Gegentheil von dem, was wir beabsichtigen. Nur sehr bescheiden, sehr behutsam müssen unsere Aeusserungen darüber u. unsere Ausdrücke sorgfältig gewählt sein. Sprechen wir vom Wiederfinden, von Wiedervereinigung, so wollen wir sie nie anders als geistig auffassen und bezeichnen. (Gerade für solche Gebete sind die Worte Kotheleth’s 5, 1 nioht dringend genug zu empfehlen.) Wie wir es nicht billigten, Fürbitten für das Seelenheil unserer Vollendeten z u thun, müssen wir es noch nachdrücklicher rügen, zu ihnen, als za unseren Fürsprechern uud Fürbittenden, unsere Zaflucht zu nehmen. Hier könnten wir unsere obige Frage: ״Wer hat uns das Recht gegeben?“ ״Findet sich nicht vielleicht im ganzen Kanon ein Anhalt?* noch ganz anders formuliren: ״ Findet sich nicht im 5. M. 18, 11 geradezu ein Verbot gegen diesen sogenannten frommon Brauch?“ In der Tüat wollten aus dieser Rücksicht einige hervorragende Autoritäten (s. R Abr. Danzig Chaje Adam C. 75 §. 5, vergl. auch Jor. Deah C. 179 Sabö. Cohen 15) schon das Beten an den Gräbern inhibiren. Aber wir acoommodiren uns hierin leider gar viel zu viel der gewohnheiismässig betenden, gedankenlosen Menge. Ich kenne in Geigers Gebetbuch nur die für die öffentlichen, vom Rabbiner oder Cantor zu sprechenden, nicht aber für die Privatandacht bestimmten Gebete. Eins nur, und aussohliesslieh nur eins, der letzteren Art habe ich gelesen, es ist das erste: ״An dem Grabe der Eltern.“ Bis aut die Reflexion im letzten Absatz ist es innig und warm, aber ich wollte mir selber kaum trauen, dass ich r3cht lese, mein Inneres protestirfe, und es werden gar viele mit mir protestireu, gegen folgende Sätze: ״Bewahre mein Herz vor Stolz uud vor Verzagaiss, vor der Genusssucht und der Gleichgiltigkeit gegen das Leben; lenke meinen Geist auf die Bahn der Klarheit und flösse meinem Herzen Vertrauen ein“. ... ״In Zeitem der Gefahr und der Versuchung mögest Du mir ein unsichtbarer Berather sein “ Hier, glaubte ich anfangs, wende sich der Betende an Gott — aber selbst an Gott dieses Gebet zu richten, ist nach dem Ausspruch ד,כל כידי שמים הוץ מיראת שמים von zweifeihaftem Werth *)• an einen Verstorbenen vollends eia solches Gebet zu richten, halten wir für ganz uaangemessen. Es klingt, als ob wir uns, wie dies anderswo geschieht, mit unseren Bitten an die ״ Heiligen“ wendeten. Nachdem aber der Todte eben erst so hoohgestellt worden, dass man sich an ihn כעד ההיים אל דמתים (Jes. 8, 19) wendet, geschieht bald wi?der das Eatgegengesetzte — im unmittelbar nachfolgenden Absätze thut der Lebende Fürbitte für den Verstorbenen: ״Für Dein Seelenheil aber flehe ich zum ewigen Vater.“ Ich muss ausrufen: ערוב פרשיות יש כאן. Ausserdem ist mir in den Seelenteiern neuer Gebetbüoher die Naivetät aufgefallen, womit man den Allwissenden, Allgerechten noch mehr den Allgütigen anfleht, nur ja den Todten Frieden zu gewähren und ihnen nur ja nichts schuldig zu bleiben, nur ja nicht den Lohn vorzuenthalten, auf den sie durch ihre ן Tugenden und frommen Werke gerechte Ansprüche •) Wo sonst bei den Alten ähnlich klingende Gebete vorkommen, sind sie doch nur cum grano salis za verstehen

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