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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-03-17 · N° 12. (17.3.1887) · p. Seite 48

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 12. (17.3.1887)
Date
1887-03-17
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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48 — haben.״) Bei Geiger war mir ferner in der Seelenfeier I., 8. 239 folgendes Gebet unbegreiflich: ״Lass ihr (der Verklärten) innigstes Sehnen und Hoffen und Bangen bei Dir Erbörung und Gewährung finden um des Glaubens und der Liebe willen, womit sie sind aus dem Leben gegangen.“ Muss der Allgerechte und AUgütige erst durch sentimentale Gebete erweicht werden, um dem innigsten Sehnen, Hoffen und Bangen der Verklärten Erbörung zu gewähren?! Ich verabschiede mich jetzt von Herr Rabbiner Dr. Eohn ") und schreibe s. G. w., sobald ich nur wieder einige Müsse gewonnen, über den biblischen Standpunkt in unserer Frage und erwarte da ruhige, objective, rein wissenschaftliche Entgegnung. Und da gelange ich zu einem mir bis jetzt unbekannt ge- DÜebenen, sehr ruhig gehaltenen, recht Wissenschaftliehen Artikel über unser Thema von Herrn Rabbiner Dr. Perles in München in der Frankel-Grätz’schen Monatsschrift von 1869, auf die ich ebenfalls, wie auf schon zwei namhaft gemachte Schriften, zurückzukommen hoffe. Meinem Antagonisten, der auf eineCabbalistik und Mystik sich stützt, nicht wie sie noch der vortreffliche Nachmanides repräsentirt, sondern nach einer später entartetenAnschauung, wie die des Verfassers von ראשית חכמה, der das als objectiv wahr reproducirt. was ihm eine erhitzte Phantasie im Traume vc rgespiegelt (Abschnitt 5 vom Ghibbut Hakeber) möchte ich als Andenken eine Vision aus dem Midrasch des R. J. b.Parnach mitgeben, die wie folgt lautet: ״Wenn der Mensch gestorben, setzt der Todesengel sich auf sein Grab, richtet ihn aufrecht uud die Seele vereinigt sich wieder mit dem Körper, mit einer Kette halb aus Eisen, halb aus Feuer wird losgeschlagen. Auf den ersten Hieb lösen 6ich die Gliedmassen, nach dem zweiten werden die Gebeine hin und her zerstreut, Engel kommen und lösen sie wieder auf, naoh einem dritten Hiebe wird der Todte Staub und Asche und müde ins Grab zurück gebracht.“ Und man höre ferner: ״Diesem entsetzlichen haarsträubenden Züchtignngswerke sind auch die wahrhaft Gerechten צדיקים גמורים, man höre aber noch weiter, ״selbst Säuglinge und Feh lgeburten <נםלים) unterworfen. “ Wird uns nicht dabei gru8elich? Nein, wir und Alle, die etwas von Religionsgesohichte verstehen wissen, dass dies nicht Lehre des lautern, des wahren Judenthums ist,חדשים מ0רם ומדי באו, Parsenlehre, Parsen-Dogma ist dergleichen. (In den zwei jüngsten Decennien haben über die jüdische Dämonologie eto, und ihre Abhängigkeit vom Parsismus gründliche Abhandlungen geschrieben: Rabbiner Dr. A. Kohut in deutscher, Osias Schorr im ״Hechaluz“ in hebräischer, und Schreiber dieses weniger gründlich, auch nioht 80 ausführlich, in lateinischer Sprache im Jahre 1837 ) Nun aber nooh ein Recept oder Mittelchen in dem allegirten Midrasch, wie man jenem haarsträubenden Züohtigungsakt entgehen kann, man brauoht nur in Palästina zu wohnen oder am Rüsttage des Sabbath zu sterben! Wir sind solche Ungläubige, Abtrünnige, die von dem שופט כל ">) Alle diese Unzuträglichkeiten können wir vermeiden und tragen dennoch unseren Gefühlen der Pietät volle Rechnung, w״nt1 wir ihnen, anstatt in bittender Form, vielleicht ungefähr in folgender Art einen positiven Ausdruck geben: In jenen seligen Gefilden, im Reiche dor reinen Geister, sind in Gemeinschaft aller Frommen und Edeln auch die Seelen unserer Heimgegangenen der ewigen Seligkeit theilhaftig. ״) Wenn wir statt der mehreren anderen Stellen nur die eine neutrale Aeusserung 1ÖV1 ,משיח לם gebracht hätten שאין דרך לשרפו, sie wurde für überzeugt und nioht blos rechthaberisch sein Wollende genügen, um zu beweisen, dass die Cremation wohl selten, sagen wir gar .höchst selten“, aber durchaus nicht als sündhaft und sträflich erachtet wurde; quod erat demonstrandum. הארץ andere Begriffe haben, wir glauben, dass würdiger von Gott, als mancher Rabbi in obskuren Midraschim oder gar auf der Kanzel, jene reiche Frau (2. Sam. 14) gedacht und geglaubt hat וחשב מחשבות לבלוד ידח מפנו נדח. Ich schliesse mit dem unter der Lithograph des Verewigten Zach. Frankel sich befindenden Motto: ״Nicht wer Gott (als קנא ונוהם) fürch* tet, sondern, wer ihn (als רחום וחנון) liebt, ist wahrhaft gläubig.“ Wiener. Oppeln, den 6. Februar 1887. Recensionen. Buber, Salomo. Sohibole haleket hascholem de» Zidkia ben Abraham (de'i Mansi) Wilna 1886. Druck und Verlag von Wittwe und Gebrüder Rom. -Sifre deagadata zu Megillafc Ester: SammlungagadischerCommentarezum Buche Ester nach Hand- 80hriflen herausgegebenu nd mit kritischen Noten, Erklärungen und einer Einleitung versehen. Wilna ibid. 4 Der rastlose Forscher auf dem Gebiete der Midra8chlitteratur hat uns wieder mit zwei werthvollen Editionen besohenkt, die auf’s Neue seinen bienenhaften Fleiss und die Vortrefflichkeit seiner kritischen Methode bekunden. Freilioh schätzen wir die Herausgabe der bisher im Staube der Bibliotheken vergrabenen Schibole als wichtiger und epochemachender und für die noch immer wenig oultivirte Gaonenlitteratur anregender, als die verschiedenen Versionen theils alberner, theils naiver Märchen und Legenden, die sich um das ohnehin wenig historische Buch Ester gruppiren. Doch halten wir die Reihenfolge ein. Wir kannten bisher unter dem Namen Sohibole haleket ein v nach כללים und חלמת geordnetes Ritual werk, welche^ zuerst in Venedig 5326 ohne Angabe eines Verfassers V,1 erschienen ist. Nach Bubers liohtvo'ler Aussinandersetzung (Einleitung S. 22 ff.) erscheint nun dieses Werk als ein mangelhafter, nooh dazu flüchtiger und lückenhafter Auszug aus den jetzt vollständig vorliegenden Schibole. Di Lonzano, der allezeit riohtig urtheilende, und Asulai haben bereits die Ungenauigkeit und Mangelhaftigkeit des Auszuges oonstatirt. Josef Karo’s Citate aus Sohibole zu Tur Orach ohajim, die von Supercommentatoren als nioht zutreffend befunden wurden, beziehen sioh eben nioht auf jenen Auszug, sondern auf nie Sohibole, die ihm handsohriftlieh Vorlagen und wo sie auch in der neuen Edition ausnahmslos zu finden sind. Während wir es aber hier nur mit einem ungeschickten Epitomator zu thun haben, erscheint ein anderes aus derselben Quelle geflossenes Werk geradezu als eine bewusste und beabsiohtigte Täuschung. Schon Schorr im Zion II. p. 44 ff. hat nachgewiesen, dass das bekannte Ritualwerk תניא nur ein Auszug aus Schibole sei. Aua der rigorosen Prüfung Bubers aber geht der Verfasser als Plagiator hervor, der sich mit Absicht mit fremden Federn schmückt, und dem diese Absicht bisher bei fast allen Bibliographen gelungen ist. lbn Jachja folgend geben Zunz und Graetz das Jahr 1314 als Abfassungszeit des Tanja an. Buber aber weist überzeugend nach, dass lbn Jachja sioh zu dieser Annähme durch den Epilog der editio prinoeps Mantua verleiten liess, die bei der Jahreszahl die Hunderte wegliess und nur 74 angab, während das Signum זרחמך 274 — 1514 als das Jahr des Druokes, aber nioht der Abfassung erscheint. Uebrigens oonstatirt Buber mit Recht, dass der Autor des Tanja sioh §.19 einmal selbst אני יחיאל הסופר nennt. (Schluss folgt.) Verantwörtlicher Redacteur Dr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Fries e, Leipzig.

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