Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 11. (10.3.1887)
- Date
- 1887-03-10
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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1 ässig keit unerlässliche Erfordernisse sind, so ist es zu bedauern, dass weder in der ältern noch in der neuern Litteratur diesen Anforderungen überall gebührend Rechnung getragen wird. Es genügt nicht, r uns mit den Ereignissen und den Localitäten, an welchen dieselben sich zugetragen, bekannt zu machen. Erstere sind in sehr vielen Fällen nur der •Reflex der individuellen Anschauung des Geschieht- Schreibers und machen es oft schwer, die Wahrheit von ihrem Schein zu unterscheiden. (Man vergleiche in Bezug auf die Profangeschichte die neuern Werke von Jansen mit denen vou Rotteck, Becker u. A.) In Bezug auf die Localitäten herrscht schon mehr Uebereinstimmung. Dagegen divergiren die Angaben der Zeit — des eigentlichen Trägers der Gesch::hnisse — oft derart, dass eine Lösung des verworrenen Knotens fast nicht zu erhoffen ist. — Woher kommt dieses? Ich glaube den Grund dieses Uebelstandes vorzüglich in dem Umstande zu finden, dass mau bis zum Mittelalter grösstentheils nur nach der Seleucidischen Aera datirto und die Zeitangaben später in Jahre der Sohöpfuugsära reducirte. Nun fehlte es f aber an einem Ausgangspunkte für den Beginn jener Aera. Wissen wir doch nur, dass ihre Einführung in den Herb>t 312 (ante) fiel. Ob dieses 3448, 49 oder 50 nach der Schöpfung gewesen, darüber sind die Gelehrten verschiedener Meinung. Nach Gans und Rapoport beginnt dieselbe mit dem J. 3448, nach Jsraeli mit dem J. 3450 n. S. d. W. Lewysohn giebt in ״Geschichte und System des jüdischen Kalender- Wesens“ die durch nichts begründete Regel, die Selene. Jahre um 3449 zu vermehren, um die Schöpfungsjahre zu erhalten. Hiermit gerathen wir aber erst recht in die Verwirrung hinein. Vergleichen wir z. B. bei den ältern Chronologen, Juchsin, Schalscheleth, Seder hadoroth, Gans u. A. das Datum der Geburt Maionides'l Welche Verschiedenheit in den Resultaten! benso finden wir in den neuesten Geschichtswerken die Reductionszahlen 3148 und 3449 oft beliebig gebraucht. Den Forschern der neuesten Zeit ist es nun zwar gelungen, dieses Datum uuwiderleglich festzustellen, aber an einer bestimmten Regel, in welchem Falle das Seleuc. Jahr um 3448, 49, ja sogar 50 vermehrt werden muss, um das entsprechende Schöpfungsjahr zu erhalten, fehlt es bis heute. Sicherheit bei der Reduction der Jahreszahlen ist desshalb nur da zu erzielen, wo ein Jahresdatum durch Angäbe des Monats- und Wochentages genauer bestimmt ist, was aber in älteren Werken nur selten geschehen ist. Dieses vorausgeschickt, dürfte es den Freunden der Geschichte nicht unlieb sein, auf mehrere chronologische Irrthümer in einigen neueien Litteraturwerken, die zum Theil ihren Grund in dem vorberegten Uebelstände haben, aufmerksam gemacht zu werden. Dem Schriftsteller der Gegenwart, welcher auf Treu und Glauben alle Angaben der Historiker und Chronologen, ohne sie auf ihre Richtigkeit geprüft zu haben, als zuverlässig hinzunehmen geneigt seiu könnte, wäre hiedurch Gelegenheit geboten, der Weiterverbreitung dieser Irrthümer Einhalt thun׳zu können. In Zunz’ ״Gesammelte Schriften“ III. S. 134, Z. 9 v. o. steht!250, Monet Tebet (Ende 935). Hierfür muss es heissen 938, wie das vorhergehende Datum zeigt. S. 195 Z. 10 v. u. steht 1534 den 22. März am Freitag. — Dieses Datum fiel aber auf Sonntag. S. 207 Absatz ״ 1ורםDen Namen des A. 1490 gestorbenen Jeckiel b. Isaac aus Pisa“. Diese Jahreszahl kann nicht richtig seiu, da bei der Austreibung aus Spanien 1492 der Genannte die Flüchtlinge noch durch Geld und Rath unterstützte. Nach סדר הדורות starb derselbe auch erst 1492. In Dr. Brüll’s ״Jahrbücher für jüd. Geschichte und Litteratur“ sind folgende Irrthümer zu berichtigen: I. S. 228. In No. 5 steht das Datum: 24״ Cheschwan 5303 (— 1603)“ dieses Datum fiel auf den 8. Nov. 1602. 11 s. 24. Memorabilien No. 2 «ובחד בשבא דהו ארבעה באדר שנת תתי״ז שכיב רב אחא בר רב הונא Statt ובחד בשבא muss es heissen ובחמשא בשבא. D.!s Jahr 817 Seleuc. entspricht dem J. 4265 a. m. mit der Formel זשיג. Demnach fiel der L. Adar auf Montag und der 4. auf Donnerstag. Uebrigens kann der 4. Adar nur in einem Schaltjahre mit der Formel הח״א in welchem also ר״ח אדר am Donnerstag ist, auf einen Sonntag fallen, was zunächst in den Jahren 4259 und 4283 stattfand. Vgl. auf S. 32 Z. 6 v. o. ״Achai b. Huna starb am 4 Adar 505.“ Dieses Datum entsprach dem 24. Februar 505, welcher auch auf einen Donnerstag fiel. IV. S. 90 Z. 6 v. o. hat das Datum: אדר תנ״ז ום א' יב׳\ — Der 12. Adar war dieses Jahr am Dienstag, im Jahre תנ״ח dagegen am Sonntag. S. 96 Z. 5 v. 0. ״Die 2. Ausgabe des קצוי ארץ wurde dem Titelblatte nach im Jahre 1813 voranstaltet etc.“ Dies ist unmöglich, denn iin Jahre 1813 gab es keinen 21. und 22 Tebet. Es ist daher nicht nur wahrscheinlich, dass der Druck erst im Laufe des Jahres 574 nach jüdischer Zeitrechnung vollendet wurde (wie es an der betreffenden Stelle heisst), sondem bestimmt. Der 21. und 22. Tebet 573 waren am 24. und 25. Dec. 1812; der 21. und 22. Tebet 574 dagegen am 13. und 14. Jan. 1814. Nach Benjacob erschien aber die 2. Auflage in Grodno 1783 und hält dieser die תקע״ב erschienene (richtig kann nach dem Datum der Approbation — 19. Ellul 573 — nur תקע״ד sein) für eine 3. Auflage. V. S. 182 Z. 5 v. o. und ff. bringen eine Notiz, nach welcher ״Ibn Esra Montag, Neumond Adar I. 4927 (_2. Febr. 1167) gestorben sein soll.“ Der 2. Febr. war aber am Donnerstag 11. Adar I, dagegen Neumond Adar I., wie Graetz und Zunz richtig angeben, am Montag, 23. Januar. Die Behauptuug in der Anmerkung 1j, dass der Neumond Adar I. so früh nicht eintreten könne, ist unrichtig. In den Jahren 1406, 1425, 1501, 1539, 1558 trat er schon am 20. Januar und 1577 am 19. Januar ein und wild in den Jahren 2033 und 2071 sogar am 18. Januar a. St. eintreten. Zwischen 1064 und 1583 (dem Beginne des Greg. Kalenders), fiel er ausserdem 12 mal mit dem 21 und 20 mal mit dem 22. Januar zusammen. VII. S. 159. הורת ייסף ist nicht 173׳•, wie es an dieser Stelle heisst, sondern 1725 gedruckt. S. 165 Z. 8 v. u. ״Josua Falk starb Freitag, 4. Schebat 1755.“ Der 4. Schebat war am Donnerstag. S. 174 Z. 5 v. u. ״Simon Meiseis starb Dienstag, 6. Siwan 1769.“ Dieses Datum ist unmöglich, weil der 1. Siwan nie auf Donnerstag fällt. Im Jahre 1769 fiel der 6. Siwan auf Sonntag. S. 182 Z. 2 v. u. ״Approbation zu אדרת אליה am 1. Jjar 1651.“ Der Titel ist אדרת אליהו und das I Datum unmöglich, weil es auf שבת fiel. | In Dr. Grün’s ״der hohe R. Löw“ ist auf der letzten Seite als Todestag der 22. August (18. Elul 1609) angegeben.“ Der 22. August war am 22. Ab., der 18. Elul am 17. September. Nur das letztere ist richtig. (Vergl. auch ״Zunz’ Monatstage.“) ('Wird fortgesetzt.'! Ueber die Schreibart und Aussprache des göttlichen Eigennamens. Von Dr. 0. llnchstüdter, ein. Kahbmer in l׳'rankturt a,M. Unter allen Erläuterungen über die Aussprache des göttlichen Eigennamens ist das. was Samuel ben