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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-02-17 · N° 8. (17.2.1887) · p. Seite 31

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 8. (17.2.1887)
Date
1887-02-17
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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— Bl — weist K. auf die schauerlichsten Traumuud Grabes- ] geschichten hin, die ja N. J. nach dem Talmud reproduj cirt, um nur zu beweisen, welche Höllenstrafen unser | warten für anscheinend noch so geringe Vergehen. , Heil meinem im Glauben so starken Collegen, der j Glaube macht nicht nur selig, sondern ״versetzt j auch Berge“, ich aber und gewiss sehr viele Leser! des Litt.-Bl. halten manchen Glauben, wie den an : solche Legenden, für Aberglauben: Oredat, rufe ich! nach Horaz meinem Collegen zu, credat Rabbinus dootissimus Sacerdos, non ego Ich halte es lieber mit Maimoni, der in seinem Vermächtuiss seinem Sohne Abraham anräth, sich mit den talmudischen Fabeln nicht zu befassen und zu befreunden, mit Sam. b. Chofni (Auf. des 11 saec.), der da sagt: ^1ו יקובלו הדברים במקום שיש להם מכחישים מז השבר und die talmudische Interpretation der Affaire zu Endor als absurd erklärt. Und der hochansehnliche Gelehrte, der intelligente Vater aller Sammler von Agadoth, , R. Jacob Chabib, äussert sich zu Berach. 18 b folgender-! massen: ״Kein vernünftiger Mensch wird die dortige Mittheilung für wirklich stattgefunden annehmen, : dazu sin i sie zu abenteuerlich märchenhaft.“ Ferner: Auch bezüglich des über S. oder Abahu di Samuel ן Mitgetheilten kann kein Zurechnungsfähiger sich auch nur in der Phantasie es als wirklich Vorgefallenes acceptiren. — Was soll ich Zeit und Raum in Anspruch nehmen, um durch viele Citate zu beweisen, dass die Koryphäen des erleuchteten Judent.hums die Märchen und Legenden genommen als das. was sie in Wirklichkeit sind, aber nicht für haare Münze ausgebeu. Nun komme ich zu No. 4!(, wo K. in der Entrüstung sich selbst überbietet, denn ich soll mich dreifach versündigt haben, gegen Gesohiohte, gegen Haggadah und gegen Halacha. Dass ich die von K. für nagelneu ausgegebene Geschichtsentdeckung vom Parsen verbot schon 1837 gekannt, würde die Bearbeitung einer Preisaufgabe, wie ich Satan und Ahriman in Parallele gestellt, zum Ueberfluss beweisen; die Versündigung gegen die Agadah, diesen Schimpf trage ich gern mit Maimoni, Chofni, J. Chabib und andern Koryphäen des urwüchsigen Judenthums. Aber auch gegen die Halacha habe ich mich ja versündigt, also eine Halacha ist es — das nenne ich den Muth einer Meinung heben, wenn man Talmudistengegenüber, die das Litt-Bl. leseu, jene Aeusserung der Gemara כל הקבור באיי כאלו קבור תהה המזבח und Aebniiches zu einer Halacha stempelt — ״das Erdgrab ist ein j versöhnender Altar“. Aber abgesehen von der Metamorphosirung einer blauken Agadah in eine Halacha, liegt ja der Schwerpunkt jenes Ausspruchs ganz oder; gar nicht auf קבור, sondern lediglich und ausschliess-! lieh aut בארץ ישראל. Wäre die Cremation oder irgend eine andere Art der Leichenbestattung in Palästina üblich gewesen, so wäre derselbe R Anan so freigiebig gewesen, dem in Palästina Cremirten oder sonstwie Bestatteten, wenn nur in Palästina bestattet, die Altarsühne, das Paradies, die ewige Seligkeit zu verhei886n. Freilich wohl schiebt Herr Dr. K. in Paranthese ein: ״wenn auoh nur in Palästina“. Fürchtete ich nicht den Ordnungsruf der geschätzten Redaction, 80 würde ich für diese Verfahrungs weise die ihr zukommende Bezeichnung heben. Nein, nicht im Geringsten ist קבור*), sondern lediglich und aus- *) Der christlichen Hyperorthodoxie freilich ist das Erdgrab an und für sich heilig, weil Christus drei Tage im Grabe verweilt habe. Ich zweifle gar nicht, dass wir dem iibertrommen Jaden das Grab in Palästina, dem Muhamedaner ebenso ein Grab in Mecca und Medina als sühnender Altar gilt. Aber ganz anders als manche unserer zeitgenössischen Theologen (8. No. 4 Dr. Caro) die sich wie mit verbundenen Augen auch den talmudischen Hyperbeln als religiöse Gesetze unterwerfen: ״Ein Grab im heiligen Lande sühnt das Vergehen, ausserhalb desselben gelebt zu haben“, äussert sich der von liberalen Anschliesslich בארץ ישראל zu betonen. Unser College weiss doch recht gut, dass unsere hyperorthodoxen Glaubensgenossen zum Ersatz ihres Rühens in palästinensischen Boden ein Säckchen Palästinaerde neben sich legen lassen, denu auoh diese kleine Dosis von Palästina bewirke schon Heil, wie in ähnlicher Pietisterei viele Christen, wenn sie es haben können, die Taufe gar mit Jordauwasser bewirken lassen. Auf demselben Blatte, des unserem Humatisten (sie!) so schätzbaresMaterial zu meiner Bekämpfung geliefert,lesen wir ja auch: wer nur vier Ellen in Palästina spazieren geht, ja selbst die kanaauitische Magd, wenn sie nur die palästinensiche Luft eiuathmet hat schon die paradiesische ewige Seligkeit verbrieft und besiegelt. Nous autres Jsraelites aber . . . extra Palästiuam salus nulla. Un d nun folgt die entrüstetste Entrüstung. ״ W. will aus dem Talmud die Harmlosigkeit der Kremation beweisen, aus demselben Talmud, in dessen Augen die Kremation ״das Schrecklichste der Schrecken“ ist, die furchtbarste Strafe, die die Abtrünnigen treffen kann.“!מריה דאברהם rufe auch ich — uad wie mir die lesenden Collegen zugeben werden — mit vollem R90ht entrüstet aus:**) Hier soll dem leichtgläubigen Laien ein Eatsetzen und Gruseln gegen die Cremation überkommen. Denn nach der Agadah, die zwar gemäss dem talmudischen Ausspruch oft nicht nütze, öfter noch schädlich, unserm Collegen aber ein heiliger unfehlbarer Kanon ist,***) werden ja die Abtrünnigen, und dazu gehören ja wohl auoh die ״aufgeklärten Käuze“, die die verdammenswerthe Bitte ausspreohen, feuerstatt erdbestattet zu werden, nachdem an ihnen hienieden die Cremation vollzogen ist, in der Hölle unter den fürchterlichsten Qualen nochmals verbraunt, wozu sie sich vielleicht nach der Legende von R. Akiba im Tract&b Kallah das Holz zum Scheiterhaufen noch gar selber mühsam zusammenholen müssen und das zu wiederholten malen bis sie endlich als Asche unter den Füssen der Frommen zertreten sind. (Schluss folgt.) Nachschrift der Redaction. Herr Dr. Ko h n- Inowrazlaw zeigte uns bereits vorige Woche in einem Postscriptum an. dass er seine halachischen Erörterungen über Feuerbestattung, Urnen, Aschenreste, letzte Ehren etc. im Litteraturblatt fortsetzen wolle, sobald Herr Dr. Wiener seine Erwiderung beendet haben werde. — In diesen Wandlungen wahrlich ganz intacte Abrabanel (Ende לחי) folgendermassen. Unsere Weisen seligen Andenkens berichten: ״Eine Leiche war von ausserhalb gebracht, um in Palästina beerdigt zu werden. Darauf habe R. Eleasar bemerkt, was frommt es dem ausserhalb Verstorbenen, in Palästina beerdigt zu werden? und nicht nur, dass ihm dies nicht frommt, sondern er begeht noch eine Sünde damit, er verunreinigt Palästina. (Nach Jirm2,7.) **) Ein sehr befähigter Theologe schreibt mir unter Anderem bezüglich dieser Kohu’schen Insinuation wörtlich folgendes: In dem Citate וגופן נשרף verwechselt Dr. K. die Cremation der Leichenbestattung mit der Cremation dos talmudisch adoptirten Fegefeuers und übersetzt über dem Striche die Stelle nicht wörtlich — denn alsdann wäre ja der Unterschied klar hervorgetreten und könnte auch den Laienleser nicht irre führen, — sondern etwas schwülstig u in s c h r i e b e n, wodurch die Insinuation, dass die Feuerbestattung talmudisch perhorrescirt, sei, ermöglicht ist Und meint denn Dr. K., dass es in Uebereinstimmung mit der bigottesten jüdischen Dogmatik sei, zu glauben, dass, wie dasselbe Citat besagt נפשות] כלה die Seele ׳ selber (der Sünder) vernichtet werde? [Jeberdiess lautet ja die Stelle in Rosch hascliana etwas anders. Dr. K. bemerkt dies ' später selber. Fürwahr, wenn dies das einzige Citat ist, welches im Talmud gegen die Cremation aufgetrieben werden kann, ' so haben Sie gewonnenes Spiel . . .“ (Wir lassen den Schluss 1 der brieflichen Bemerkungen weg, weil sie die Flamme der Polemik auf’s Neue entfachen würde. Red.) ״** ן) Meine zwei Erwiderungen — ich bedaure nur, dass ein dritter Artikel verloren gegangen — gegen Dr. Hildesheimer, I der mich wahrlich nicht mit Glacehandschuhen anfasste, wurden mir viel leichter, dort hatte ich greifbaren Einwendungen zu ' entgegnen, hier muss ich gegen Windmühlen, gegen wesentliche 1 Schatten, gegen agadisch-rhetorische Phantasiegehilde an- ' kämpfen.

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